Albagno - Mognone - Valle di Moleno


Published by Maesi Pro , 21 March 2008, 21h34.

Region: World » Switzerland » Tessin » Bellinzonese
Date of the hike:17 March 2008
Hiking grading: T6 - Difficult High-level Alpine hike
Climbing grading: II (UIAA Grading System)
Snowshoe grading: WT4 - High-level snowshoe hike
Waypoints:
Geo-Tags: Gruppo Cima dell'Uomo   CH-TI 
Time: 4 days
Route:Mornera - Cap. Albagno (1870 m ü M.) - Bocchetta d'Erbea - Bocchetta d'Albagno - Gaggio (2267 m ü M.) - Mornera - Sementina - Capanna Mognone (1463 m ü M.) - Passo Ruscada - Valle di Moleno
Access to start point:Mit Postauto von Bellinzona nach Monte Carasso. Seilbahn nach Mornera.
Access to end point:Postauto von Moleno nach Biasca oder Bellinzona.
Accommodation:Capanna Albagno, Capanna Mognone
Maps:Bellinzona

4 Tage Ticino bei Nordföhn und viel Sonne

Tag 1:

Zu zweit fahren wir mit öV und schwer beladenen Rucksäcke nach Monte Carasso, wenige Minuten ausserhalb Bellinzona. Mit der Seilbahn verkürzen wir die Fahrt bis Mornera  (1347 m ü M.). Die letzten der 500 Höhenmeter, welche uns zur Capanna Albagno (1870 m ü M.) führen, sind mit erstaunlich viel Schnee bedeckt. Im Sommer ist der Weg ein einfaches Unterfangen, im Winter werden wir mit den Schneeschuhen bereits gefordert (WT4). Auch den Pickel setzen wir ein, da ein Abrutschen ungesund wäre.
Der neue Anbau der Capanna Albagno bietet guten Komfort. Ich erinnere mich an den alten Bau, wo ich das letzte Mal fast erfroren war. Nun hat sich vieles geändert. Teile der Fassaden und das Dach sind isoliert, die Fenster und Türen sind erneuert worden. Zudem wurde der Innenraum vergrössert. Der Brunnen ist zugefroren und wir müssen den Schnee schmelzen, um zum Nachtessen zu gelangen. Das Trinkwasser des Altschnees schmeckt irgendwie "grausig".

Tag 2:

Ich freue mich auf den Prachtstag. Für das Tagesziel nehmen wir uns den Cima dell'Uomo vor. Der Schnee ist hart, so laufen wir heute den ganzen Tag mit Steigeisen. Bereits in der Hälfte zum Bocchetta d'Erbea werden wir vom vielen Schnee überrascht. Wir sind immer noch froh, dass der Schnee hart ist. Bei der Bocchetta d'Erbea folgt die erste Überraschung. Das Couloir ist mit dem Tonnen Schnee viel steiler als normalerweise im Sommer. Zuerst stampfe ich die Wächte ab und klettere rückwärts hinunter (T5). Unten folgt die zweite Überraschung: Das Couloir hinauf zur Bocchetta della Cima dell’Uomo ist ja so voll mit Schnee, dass es fast senkrecht erscheint. Wir kehren um und entscheiden uns neu für den Gipfel des Gaggio  (2267 m ü M.). Wir folgen etwas absteigend zum Bocchetta d'Albagno. Wir sind ein bisschen zu faul, um wieder fast bis zur Hütte abzusteigen und versuchen es direttissima. An einem felsdurchsetzten gefrorenen Gelände müssen wir ausgesetzt herunterklettern (T6, II). Dass es jetzt einfach bis zum Gipfel sein würde, ist weit gefehlt. Wir müssen vor allem auf die tageszeitliche Erwärmung Acht geben (Nassschneerutsche). Auch brechen wir zwischendurch im Schnee ein und machmal in Löcher, die wir unter dem Schnee nicht sehen. Auf dem Gipfel bläst der Nordwind kräftig. Das Picknick sparen wir auf weiter unten auf. Den Abend lassen wir mit Rotwein abklingen.

Tag 3:

Wir steigen nach Mornera ab und nehmen das Bänli nach Monte Carasso. Die super Italienischkenntnisse "verseckeln" uns wieder einmal, denn wir stimmen beim Mittagessen im Restaurant in Sementina dem uns vorgeschlagenen Menü zu. Statt Fleisch wie wir verstanden haben, kriegen wir reine Schwarten. Halb schlecht wandern wir von Sementina 1200 Höhenmeter hoch zur Capanna Mognone (1463 m ü M.)(T2). Was für eine prächtige Terrasse erwartet uns. Ich kann die Freude kaum fassen. Solche eine fantastische Aussicht bis auf etliche Walliser Gipfel, Gran Paradiso, Pizzo di Claro, Tessiner Südalpen, und viele mehr hätte ich nie erwartet. Die Hütte ist urgemütlich und wir sind wie gestern alleine in der Hütte.

Tag 4:

Wir queren auf dem Wanderweg zum Val Ruscada. Wir brauchen aber viel länger als geplant. Auf dem Weg liegt Altschnee. Zuerst versuche ich es noch ohne Steigeisen. Mit der Zeit gebe ich es jedoch auf und montiere mir auch die Eisen. Durch die nötige Vorsicht und die grosse horizontale Distanz vergeht die Zeit wieder mal sehr schnell. Wir gelangen tiefer ins Val Ruscada und erreichen am frühen Nachmittag unter strahlblauem Himmel den Passo Ruscada. Noch einer etwas heikleren Querung folgt die kritischste Stelle. Den Pass, welcher zum Valle di Moleno runterführt hat ein grosse Wächte und eine paar kurze fast senkrechte mit Triebschnee gefüllte Höhenmeter, die überwunden werden müssen. Zuerst breche ich mal die Wächte ab, um mir besser ein Bild machen zu können. Oje, alles Triebschnee, über einen Meter tief. Ich erinnere mich, dass ich noch Bandschlingen und Reepschnüre eingepackt habe. Wir improvisieren an einer Felspartie einen Stand. Ich bastle mir mit den Bandschlingen ein sehr einfaches Gstältli und mein Kollege sichert mich an einer Reepschnur. Das Lawinenrisiko jagt mir schon Furcht ein. Wir haben die Lawinenausrüstung dabei. Ich klettere Schritt für Schritt herunter und teste mit Stampfen die Stabilität der Schneedecke. Nach etwa dem zweiten Schriit löst sich die Spannung der Schneedecke und einen Meter unter mir erfolgt ein kleiner Anriss. Gesichert steige ich bis ins flachere Gelände. Mein Kollege kommt nach und alles geht gut. Bald folgt das nächste Abenteuer: Das Finden der optimalen Route durch das felsdurchsetzte Gelände. Im Sommer lauft man normalerweise ohne zu überlegen durch. Aus dem Bergweg wird nun eine steile Schneeflanke mit Felsabsätzen. Der nicht mehr griffige Schnee lässt den Pickel auch nich mehr wie gewünscht reinhauen. Auf jeden Fall sind wir froh, diese Passagen hinter uns zu haben. Zum Dessert folgt nun der ganze Abstieg durch das Valle die Moleno. Dieser ist länger als die Polizei erlaubt. Auf die letzten Minuten erreichen wir das letzte Postauto um 19.36 Uhr.

Fazit:

Tessin im Winter kann sehr anspruchsvoll sein. Dafür erwartet einem unvergessliche Tage in der Abgeschiedenheit der wilden Tessiner Berge. Das Tessin-Virus ist bei mir auf jeden Fall wieder ausgebrochen.

Hike partners: Maesi

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