"Chum wirds es biitzli steil scho bruchids in Ecuador es Seil"


Published by TeamMoomin Pro , 17 December 2012, 20h59.

Region: World » Ecuador
Date of the hike:26 November 2012
Hiking grading: T4 - High-level Alpine hike
Mountaineering grading: F
Climbing grading: I (UIAA Grading System)
Waypoints:
Geo-Tags: EC 
Time: 6:15
Height gain: 1050 m 3444 ft.
Height loss: 1050 m 3444 ft.

Es gibt da ja so zwei Steinböcke aus dem schönen Kanton Graubünden, welche sich in der Werbung über uns Bergänger lustig machen, und genau so ein Erlebnis hatten Andi und ich am schönen Berg Corazon, aber der Reihe nach...

Nachdem wir gestern auf dem aktiven Guagua Pichincha gewesen waren sollte es heute von unserer neuen Basis Chaupi aus zum Herzensberg sprich Corazon gehen. Dieser schöne, wieder sich fast auf Mont-Blanc Niveau befindende, Berg zeichnet sich beim Aufstieg über die Normalroute von Süden durch seinen schönen langen Grat aus welcher sich laut Bergbuch Ecuador im T4 Bereich befindet.

Daher wechselten Andi und ich auch etwas verwirrte Blicke als Marcelo, unser Gruppenführer, von Fixseilen, Helm, und zur Sicherung am Fixseil von einem Karabiner an einer Schlaufe sprach. Ich dachte ok wahrscheinlich gibts ne etwas ausgesetzte Stelle oder so, welche im Buch unzureichend erwähnt ist, lassen wir uns überraschen.

Wir fuhren gemütlich los und kamen mit dem Bus bis auf gut 3700m wo eine baufällige Ruine steht welche mit diversen Bergwerbeplakaten tapeziert ist. Ab hier gings zuerst durch dicken Nebel einer breiten Erdstrasse entlang bis zu scharfen Linkskurve, welche sich auf ca. 4047m befindet. Ab hier leitete uns Marcelo uns praktisch einmal Querfeldein durch die Paramolandschaft. Teilweise war der Weg zu sehen aber an gewissen Stellen war es aufgrund des hohen Grases echt schwer eine Spur zu sehen.

Nach einer gewissen Zeit, gerade als wir eine kleine Trinkpause machten riss plötzlich der Himmel auf und wir bekamen kruz den Corazon mit seinem schönen Grat zu sehen, und zugegeben von hier unten sah der letzte Aufschwung auf den Vorgipfel ganz schön steil aus.

Frisch durch diese kleine Motivationsspritze gestärkt gings zum Kamm hinauf von wo wir begangen den Grat zu besteigen. Kurz nachdem wir auf den Grat gelangt waren mussten wir Helme und Klettergurt anziehen, für was der Helm bereits dort gut sein sollte war mir nicht ganz klar aber egal.

Nachdem wir nun etwa 300-400m dem Grat gefolgt waren gab es ein Stockdepot obwohl ich gerne die Stöcke für weiter oben noch mitgenohmen hätte, aber egal. Dann kamen wir zu den Fixseilen welche die Hilfsbergführerbrüder Raul und Jaime bereits verlegt hatten. Ich traut meinen Augen kaum beim ersten Abschnitt sagte aber noch nichts da ich wusste dass es Leute gab, welche Alpingelände überhaupt nicht gewohnt waren und daher froh darum sein würden.
Erst als wir zum zweiten Seilabschnitt kamen staunte ich echt Bauklötze; da war das Fixseil mitten durch eine Schlammerdrinne gelegt, obwohl man die Stelle wie es Andi und Jens auch taten etwas links davon viel besser und einfacher wenn auch etwas ausgesetzter hätte überwinden können. Aber das wirklich schlimme war dass in einem Abschnitt wie diesem 4 Leute gleichzeitig unterwegs waren. Wäre einer gefallen hätte dies ein wüster Dominoeffekt gegeben.

So hielt ich mich zurück und wartete bis alle den Abschnitt passiert hatten bevor ich mich einhängte. Die Stelle war gar nicht so einfach obwohl sie zwar Klettertechnisch sicherlich nicht mehr als ne II war aber aufgrund der vielen Erde und des Schlamms der fast alle Steine überdeckte war es dann doch noch anspruchsvoll. Jedenfalls bin ich in meinem ganzen Leben noch nie sowas glitschiges schlammiges geklettert.

Danach kamen noch 2 Seilabschnitte welche wieder solch gutes Gelände boten dass ich die Seile eher mit einem Schmunzeln taxierte aber eben die Steinböcke sagten es ja schon und in Ecuador schien dies wohl mit Steil und Seil echt zu stimmen ;-)

Anschliessend folgten wir dem Grat noch ein kleines Stück in einfachem Gehgelände welches nur noch 2mal nach rechts potentielles Absturzgelände aufwies.

Am Gipfel selbst hatte es leider wieder mal Nebel, was mir langsam aufs Gemüt schlug da ich auch gerne mal Aussicht auf einem Ecuadorianischen Berg gehabt hätte, aber Andi und ich freuten uns über den Königssessel welcher neben dem Gipfelsteinmannli stand, eine coole Idee.

Nach einer gemütlichen Pause gings wieder hinunter, wobei das sich abseilen an den Fixseilen noch komplizierter schien. Wieder auf dem Kamm angekommen holte uns dann der Regen ein, so dass wir im Eiltempo zur Strasse und dann zum Bus zurück sprinteten.

Fazit: Eine schöne Grattour die bei gutem Wetter sicherlich viel Freude bereitet, da sie bei Nebel schon toll ist. Über Sinn und Unsinn von Fixseilen kann man reden (es handelte sich um eine Bergexpedition da finde ich man sollte T4 Gelände schon beherschen auf Hinblick auf die Gipfel die anschliessend noch folgten, aber dies ist Ansichtssache) aber mit Karabiner in einem Seilabschnitt soviele Leute gleichzeitig zu haben ist grobfahrlässig und zeugt von inkompetenz des Führers! Die Nässe sollte aber aufgrund des vielen weichen Sandes am Berg schon nicht auf die leichte Schulter genomen werden.
Bei genügender alpiner Erfahrung sicherlich ein empfehlenswerter und schöner Gipfel!




Hike partners: Sputnik, TeamMoomin, nici73

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T4 F I
26 Nov 12
Corazón 4782m · Sputnik

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