Corazón 4782m


Publiziert von Sputnik Pro , 16. Dezember 2012 um 06:53.

Region: Welt » Ecuador
Tour Datum:26 November 2012
Wandern Schwierigkeit: T4 - Alpinwandern
Hochtouren Schwierigkeit: L
Klettern Schwierigkeit: I (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: EC 
Zeitbedarf: 6:00
Aufstieg: 1050 m
Abstieg: 1050 m
Strecke:Zirka 12km (total)
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Mit dem Bus von Quito nach Machachi. Von Machachi Bus nach El Chaupi. Von dort mit dem Taxi zum Ausgangspunkt Ingacorral.
Zufahrt zum Ankunftspunkt:Analog Zufahrt zum Ausgangspunkt.
Unterkunftmöglichkeiten:Hostal La Llovizna in El Chaupi.
Kartennummer:IGM Ecuador: Machachi 1:50000

KAUM WIRD'S STEIL BRAUCHT'S IN ECUADOR DAS SEIL.

Nach der Besteigung des schönen Vulkans Guagua Pichincha (4794m) am Vortag sollte es heute auf einen ähnlich hohen Gipfel gehen. Dabei verlegten wir unseren Stützpunkt von Quito (2850m) nach El Chaupi (3345m), einem etwas heruntergekommenen Dorf am Fuss der Ilinizas und des Corazóns. Am Vorabend der Tour erklärte und Reiseleiter und Bergführer Marcelo in der urchigen aber schönen Unterkunft La Llovizna in El Chaupi die Tour auf den Corazón. Ich war erstaunt dass auf einer T4-Bergtour Fixseile gelegt werden sollen und Klettergurt sowie Helm für den oberen Grat mitgenommen werden müssten.

Als ich nach vier Uhr morgens erwachte sah ich dass der Himmel erstmals seit der Ankunft in Ecuador teilweise klar war. Ich packte meine Fotoausrüstung um einige Sternbilder des Südhimmels zu fotografieren doch schon nach einem Testfoto vom Canis Major (Grosser Hund) zogen wieder Wolken auf. Gegen fünf gab es auch schon Frühstück und um sechs fuhren. Über ein holpriges Strässchen erreichten wir in weniger als einer halben Stunde unseren Ausgangspunkt Ingacorral (3720m) am Südhang des Corazóns.

Ingacorral besteht aus einem heruntergekommenen Haus und einem Tor neben dem Kühe im saftigen Gras weiden. Vom Ausgangspunkt wanderten wir zunächst im Nebel einem Lehmsträsschen entlang bis zu einer Auffälligen Kehre wo das Strässchen in einem Tälchen beim P.4047m die Quebrada Corazón überquert. Nach einer kurzen Pause ging es knapp 300 Höhenmeter weglos durch die typische Graslandschaft (Páramo) hinauf zum südwestlichen Gratausläufer des Corazóns. Während dem Aufstieg lichtete sich der Nebel und gab zeitweise die Sicht auf den Gipfel frei. Auf dem windigen Sättelchen des Gratausläufers rasteten wir kurz und legten den Klettergurt und Helm an obwohl eigentlich beides an diesem Berg unnötiges Material sind sofern man sich in den Bergen einigermassen sicher bewegen kann. Wenig oberhalb vom Gratausläufer gelangten wir schliesslich auf 4360m zum Hauptgrat, dem Loma Surucho oder Westsüdwestgrat. Ein erster Steilaufschwung ist bequem über ein Bergweg zu erwandern wo sich der Grat bis etwa 4600m Höhe wieder flacher wird. Das oberste Stück des Grates wird nun nochmals steil und felsiger und Marcelo wollte dass wir ein Stockdepot machen obwohl man die Stöcke weiter oben nochmals gebraucht hätte, besonders im Abstieg! Die beiden Hilfsbergführer und Brüder Raúl und Jaime Luje hatten im felsigen Aufschwung schon Fixseile gelegt - zum Teil genau in erdigen Rinnen obwohl es über die Felsen viel weniger rutschig und nicht schwieriger gewesen wäre. Ich lief als letzter in der Gruppe und kletterte lieber über die einfachen Felsen welche auch nie schwieriger als ein T4 und Kraxelei in I. Grad waren. Die Fixseile stellten eigentlich eher eine Gefahr dar denn es hingen gleichzeitig mehrere Berggänger mit einem Karabiner im Seil. Wenn nun der Oberste ausrutschen und herunterfallen würde, würde er die unteren alle mitreissen und die ganze Bergsteigergruppe käme wie Dominosteine am unteren Ende des Fixseils an da keine Steigklemmen verendet wurden. Naja, entweder wartete ich an diesen Stellen oder kletterte abseits über die Felsen. Oberhalb des steileren Gratstücks flachte der Grat deutlich ab und nach einer kleinen Senke erreichten wir nahezu alle gemeinsam den Gipfel des Corazóns.

Der Abstieg verlief problemlos auch wenn es etwas dauerte bis sich die ganze Gruppe den Seilen entlang bergab hangelte. Ich war wieder zuerst beim Bus und war froh dass ich trockene Kleidung anziehen konnte. Auch ohne Regen war ich wegen dem Nebel und Schwitzen ziemlich durchfeuchtet. Der Corazón sollte unser letzter 4000er in Ecuador sein, denn ab nun bewegten sich die Gipfelhöhen über 5000m...

Allgemeines zum Corazón

Der 4782 hohe Corazón ist 10km westlich von Machachi in der weiteren Umgebung der ecuadorianischen Hautstadt Quito die in 30km Entfernung liegt. Der Berg ist ein erloschener und stark erodierter Schichtvulkan. Der höchste Punkt liegt auf dem ehemaligen Kraterrand über den der Berg sich besteigen lässt, westseitig befindet sich die ehemalige Caldera. Die Indianer nannten den Corazón früher Guallancatzo. Der Gipfel lässt sich über den Nordostgrat oder Westsüdwestgrat (Loma Surucho) relativ einfach besteigen, der Schwierigkeitsgrad ist auf beiden Routen T4 oder L und weist gegen den Gipfel hin wenige einfache Kletterstellen (I) auf.

Der Gipfel wurde nachweislich erstmals am 20.7.1738 von Charles Marie de la Condamine und Pierre Bouguer bestiegen. Mit grosser Gewissheit wurde der Corazón schon viel früher von ansässigen Indios besucht da sich nordöstlich unterhalb des Gipfels einige Ruinen aus der Zeit vor der Kolonialisierung Ecuadors befinden.

Tourenbericht von Oli: http://www.hikr.org/tour/post59223.html

Anmerkung: Ein Ausschnitt der Karte Machachi 1:50000 mit dem Corazón werde ich Ende Januar 2013 zum Bericht hinzufügen.

Tourengänger: Sputnik, TeamMoomin, nici73

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Kommentare (2)


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Felix Pro hat gesagt:
Gesendet am 17. Dezember 2012 um 10:05
spannender, interessanter Bericht!
lg Felix

Sputnik Pro hat gesagt: 4000er Ecuadors
Gesendet am 17. Dezember 2012 um 14:58
Danke Felix,

Die 4000er hätten dir als alpine Wanderberge auch gefallen, bei einigen gibt's ja schöne Kraxelei von T4 bis T6.

LG, Andi


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