Über Roggenstock und weitere Stöcke nach Moutathal


Publiziert von Tobi , 29. November 2012 um 22:01.

Region: Welt » Schweiz » Schwyz
Tour Datum:20 November 2012
Wandern Schwierigkeit: T6 - schwieriges Alpinwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-SZ   Nördliche Muotataler Alpen 
Zeitbedarf: 7:30
Aufstieg: 1400 m
Abstieg: 1700 m
Strecke:17.5km
Zufahrt zum Ausgangspunkt:cff logo Unteriberg, Post
Zufahrt zum Ankunftspunkt:cff logo Muotathal, Post

Beim letzten *Besuch in der wilden Gegend hinter Einsiedeln sind mir noch ein paar Hügel aufgefallen, die ich noch nie mit einem Besuch beehrt habe. So bin ich bereits vier Tage später wieder in dieser schönen Landschaft unterwegs.
 
Diesmal gehe ich auf Nummer sicher und gönne mir bereits vor den ersten Höhenmetern im gemütlichen Café Engel einen Kaffee mit Nussgipfel. Ich will später nicht schon wieder vor verschlossenen Türen hungern müssen. Ich verlasse Unteriberg (925m) nach Süden und steige auf dem kurzweiligen Wanderweg durch den Guggerenwald auf den doppelgipfligen Guggerenchopf (1257.7m / 1258m). Ob allerdings der exakt kotierte Gipfel wirklich der niedrigere ist, bezweifle ich. Vielleicht wurde beim Südwestgipfel grosszügig aufgerundet. Ebenfalls kurios muten die vereinzelten Grabsteine auf dem Gipfelplateau an. Stehe ich auf einem ehemaligen Friedhof, oder hat hier vielmehr ausrangierter Grabschmuck seine letzte Ruhestätte gefunden?
 
Auf der Teerstrasse wandere ich durch Oberiberg (1127m) und weiter die steile Strasse den Schattenberg – der an diesem Morgen seinem Namen gerecht wird – hoch. Bei Pt 1296 bin ich des Asphaltes überdrüssig und steige direkt auf dem Pfad dem Tubenmoosbach zum namensgebenden Naturschutzgebiet hoch. Weiter auf dem Wanderweg durch dieses idyllische Hochmoor und in der letzten Kurve vor der Roggenegg ein kurzer Abstecher auf die Bockenegg (1581m). Kein wirklich lohnendes Ziel, weder alpinistisch noch bezüglich Aussicht. Deswegen wohl wie schon der Guggerenchopf nochmals eine Hikr-Erstbesteigung.
 
Da hat der nächste Gipfel eindeutig mehr zu bieten. Von der Wirtin der Alpwirtschaft Bockenegg werde ich beim Vorbeigehen freundlich darauf hingewiesen, dass ich auf den roten Pfosten achten soll, welcher den Einstieg in die Route über die Westrippe markiert. Ein guter Tipp, denn nach dieser Stange – die eigentlich eher orange als rot ist – schlängelt sich unübersehbar ein alpin angehauchter Pfad zum Roggenstock (1778m) hoch. Oben werde ich mit einem grossartigen Panorama beglückt und kann die vor vier Tagen bestiegenen *Gipfel aus einem anderen Winkel geniessen.
 
Der Abstieg erfolgt über die Normalroute nach Südwesten. Doch schon im ersten Sattel folge ich wieder schwachen Pfadspuren, die alsbald in noch schwächere Trittspuren übergehen. Die Felszacken umgehe ich. Kletteraffinere Hikr würden diese wohl übersteigen. Der Schlussaufstieg zum Farrenstöckli (1714m) erfolgt über die Westflanke. Insgesamt eine genüssliche Gratüberschreitung, welche ein T5 nie überschreitet. Der Abstieg vom Gipfelkreuz nach Südosten ist etwas einfacher.
 
Nach einer Mittagspause an einem sonnigen Plätzchen steige ich weglos quer durch den Grüen Wald zur Fahrstrasse ab, welche mich zu den an Hasenställe erinnernden Ferienwohnblöcken auf der Fuederegg (1482m) führt. Die Wintersaison hat noch nicht begonnen – es läuft weder Bahn noch Restaurant. Nur der Brunnen, an dem ich meine Wasserreserven auftanken kann. Es zieht mich sogleich zum nächsten Gipfelziel, eigentlich vielmehr zu dessen Nordwand. Nach der Tyrolienne-Zwischenstation wird es zunehmend steiler. Der Untergrund ist moosig aber steinhart gefroren. Eine interessante Kombination. Auf Wildwechsel gelange ich immer tiefer in die steile Nordflanke des Seeblistöckli (1625m). Die letzten Meter werden zunehmend senkrechter, botanisch anspruchsvoller und brüchiger. Da habe ich wohl den richtigen Ausstieg verpasst. Ich mogle mich durch dieses T6+ Gelände zum rettenden Grat hoch. Darauf wird der höchste Punkt des Seeblistöckli gefahrlos erreicht. Nochmals eine Neuentdeckung für Hikr. Der höchste Punkt ist mit einer unscheinbaren Gipfelstange markiert.
 
Ich wandere weiter der Abbruchkante entlang nach Westen. Das Laucherenstöckli (1756m) ist mein nächstes Ziel. Wobei bei diesem Gipfel der Plural angebrachter wäre. Denn unter diesem Namen buhlen gleich drei Erhebungen um Gipfelstürmer: Erstens die im Osten vorgelagerte Aussichtskanzel mit Gipfelkreuz und -büchlein, zweitens der Pt 1753, bei dem auf der Landkarte die Gipfelbezeichnung am nächsten steht, und schliesslich noch der höchste Punkt 1756, auf welchem sich im Winter die Leute gegenseitig auf die Ski- bzw. Schneeschuhe stehen. Ich habe allen Drei einen Besuch abgestattet und auf keinem eine Menschenseele angetroffen. Die Laucherenstöcklis mutterseelenalleine, davon kann man in ein paar Wochen nur träumen…
 
Die ersten Wanderer, welche neben mir einen der wohl letzten schönen Herbsttage geniessen, habe ich erst auf dem Weg zum Spirstock (1771m) getroffen. Dieser Gipfel könnte sogar mit der Seilbahn erklommen werden, keine alpinistische Herausforderung. Also schnurstracks weiter dem Grat entlang zum Nühüttli.
 
In der Nordflanke des Firsts versuche ich die Höhe zu behalten und steuere weglos auf das Gipfelkreuz des Firstspitz (1624m) zu. Dort liebäugle ich mit einem direkten Abstieg nach Süden – es sieht durchaus möglich aus. Im fast vollen Gipfelbuch finde ich die Bestätigung, dass zumindest schon über das Gipfelcouloir aufgestiegen wurde. Also wage ich einen Versuch. Das Gelände ist äusserst steil, weist aber gute Trittspuren und ebenfalls stabile Vegetation zum Festhalten auf. Doch nach der Rinne verlaufen sich die Spuren und in der mit viel Schutt übersäten Grasflanke verliere ich die richtige Route. Ich gerate zu weit nach rechts und klettere mühsam durch felsiges Gelände ab. Als sich unter meinen Füssen ein grosser Felsbrocken mit lautem Donnern und einer Staubwolke ins Tal verabschiedet, weiss ich, dass hier wohl vorher noch niemand rumturnte. Brüchiger Fels ohne Ende. Zum Glück sind es nur wenige Meter bis zum sichereren Gelände. Von dort sehe ich dann auch, dass weiter östlich ein hübsches Grasband hierher geleitet hätte…
 
Ab nun bewege ich mich in ungefährlicherem Gelände. Ich wandere über den Höchweidgütsch der Abbruchkante über dem Moutatal entlang. Spektakuläre Tiefblicke sind garantiert, auch wenn der Talboden sich unter dem Nebel versteckt. Bei der Zinglenflue treffe ich auf den markierten Bergweg. Der Tritt präsentiert sich unter dem feuchten Laub äusserst rutschig. Da nehme ich die Seilsicherungen und Geländer dankend an. In dieser Situation ist es dann gar nicht so abwegig – wenngleich mich die groteske Begegnung im ersten Moment eher belustigt – dass ich auf der Hälfte des Weges eine Einheimischen treffe, welche mit dem Laubrechen (vorbildlich – kein Laubbläser) den Weg säubert. Das nenne ich Service, vielleicht inspiriert von der letztjährigen Felsputzaktion von Schweiz Tourismus.
 
Den Abschluss findet meine Tour – wie es sich für einen Luzerner gehört – über den Chatzenstrick. In Moutathal (610m) angekommen,reicht die Zeit vor Abfahrt des Postautos gerade noch für einen Kaffee mit Süssem und einen Einkauf in der Metzgerei, um mich mit regionalen Spezialitäten einzudecken.
 
 
Fazit: Ein würdiger Abschluss der (vorläufig?) zu Ende gehenden alpinen Wandersaison. Ein prächtiger Herbsttag in einer ruhigen und menschenleeren Bergwelt. Dazu etwas T6-Nervenkitzel – wobei dies gar nicht so geplant war und etwas weniger auch gereicht hätte – und drei Hikr-Erstbesteigungen, was will man mehr!
Den Aufstieg von Süden auf den Firstspitz hat übrigens Alpinist *hier schon bestens beschrieben. Hätte ich den Bericht vorher gelesen, wäre ich wohl gleich auf seiner Route direkt nach Moutathal abgestiegen...

Tourengänger: Tobi

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