Drei-Seen-Tour auf den Messelingkogel (2694 m)


Publiziert von morphine , 2. Dezember 2012 um 20:40.

Region: Welt » Österreich » Zentrale Ostalpen » Granatspitzgruppe
Tour Datum:22 Oktober 2012
Wandern Schwierigkeit: T3 - anspruchsvolles Bergwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: A 
Zeitbedarf: 6:00
Aufstieg: 1200 m
Abstieg: 1200 m
Strecke:Matreier Tauernhaus-Grünsee-Schwarzsee-Grausee-Messelingscharte-Messelingkogel
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Von Süden über Lienz - Matrei - Felbertauernstraße bis zum Abzweig Matreier Tauernhaus. Von dort auf Talstraße zu den Parkplätzen. Von Norden aus dem Pinzgau über Mittersill - Felbertauernstraße - Felbertauerntunnel (10,00 Maut einfache Fahrt für PKW, Stand Herbst 2012) - Abzweig Matreier Tauernhaus.
Kartennummer:Nr. 36 Alpenvereinskarte Venedigergruppe 1:25000

Einsamer Gipfel mit Bergsee-Zauber am Tauernhauptkamm

Der Ausgangs- und Endpunkt dieser Tour liegt am Südfuß des Tauernhauptkamms im Grenzbereich von Granatspitz- und Venedigergruppe. Gipfel und Route sind dann aber eindeutig der Granatspitzgruppe zuzuordnen.

Der nicht sehr hohe aber günstig postierte Messelingkogel wartet mit einer imponierenden Rundumsicht auf, die ich so nicht erwartet hätte. Besonders das nahe Eis der Venedigergruppe kommt sehr gut zur Geltung. Aber auch der Großglockner zeigt sich mit der vorgeschobenen Glocknerwand recht  eindrucksvoll von dort oben. Nach Norden schaut man über den Hauptkamm hinweg bis zum Wilden Kaiser. Dennoch stehlen die drei zu passierenden Bergseen dem Gipfel ein wenig die Schau. Bei absolutem Traumwetter präsentierten sich die Gewässer entsprechend ihrer Bezeichnung grün, schwarz und grau. Wobei der höchstgelegene See seinen Namen wohl daher hat, dass er für lange Zeit im Jahr mit einer grauen Eisschicht bedeckt ist. So auch an diesem Tag.  Vielfältige Landschaftsspiegelungen auf den still daliegenden Bergseen einschließlich Sonnenuntergang am nach Westen abfließenden Grünsee zogen mich ständig in ihren Bann. 

Die ganze Gegend war absolut verlassen. Der frühere Sessellift hinauf zur Bergstation Venedigerblick wurde längst aufgegeben und zurückgebaut. Nur ein kleiner Betonbau und diverse Fundamente der ehemaligen Stützen erinnern noch an den früheren Betrieb. "Lohnt sich nicht mehr" war die knappe Bemerkung  meines Hotel-Gastgebers in Huben. Mir sollte es recht sein. Je weniger los ist um so besser.


Die Route

Vom Parkplatz hinter dem Matreier Tauernhaus führt der Wanderweg über Wiesen zum nahen Waldrand. Der Weg schlängelt sich den Bergwald hinauf zum Standort der ehemaligen Bergstation auf ca. 2000 m. Dort  folgt man dem Messelingbach in eine Mulde mit auffälligem Betongebäude und überwindet eine Hangstufe in Serpentinen bis man die Grünseehütte erreicht (zu dieser Jahreszeit geschlossen). Noch ein paar Schritte und man steht vor dem Grünsee.

Smaragdgrün schimmert der See mit Resteisbeständen der letzten Kaltfront. Am gegenüberliegenden von Flachwasser und Gras bedeckten Seeufer liegen locker verstreute Felsbrocken. Diese und das Eis des Schlatenkees spiegeln sich hier am alpinen Traumstrand im Seewasser und lassen das Herz von Landschaftsfotografen höher schlagen. Die teils tiefgrüne Farbe lässt sich aber am Besten von etwas weiter oben beim Aufstieg zum Schwarzsee genießen.

Dieser liegt so ruhig da, dass ich ihn zu Beginn fasst übersehen hätte. Doch auch er verrät sich durch seine spiegelnde Oberfläche. Vorbei am westlichen Rand des Sees geht es später über blockiger werdendes Gelände zur nächsten Talstufe. Hier überraschender Weise kein See. Nochmal ein kurzer Anstieg dann erreiche ich den weitestgehend eisbedeckten Grausee.

Hier, auf 2500 m, muss ich jetzt über immer ausgedehntere Schneefelder stapfen. Vom See führt der Wanderweg schräg links hinauf in die Messelingscharte. Dort schau ich auf den erstaunlich abweisend wirkenden Blockhang hinauf zum Messelingkogel. Über etwas heikel eingeschneite Blöcke (Markierungen) gehts genau nach Süden hinauf. Weiter oben führt der Weg kurz drahtseilgesichert auf der östlichen Seite herum zum dann wieder einfacheren sehr breiten Gipfelgrat.

Das ein wenig in den Seilen hängende Gipfelkreuz birgt ein Gipfelbuch mit nachdenklich stimmenden philosophischen Anmerkungen (siehe Bild). Die mich umgebende Stille und Ruhe hier oben passen sehr gut dazu.


Alles wieder zurück!

Über die Aufstiegsroute steige ich wieder zurück zum Tauernhaus. Am jetzt im Schatten liegenden Grausee fasziniert die indirekte Beleuchtung durch den Sonnenschein auf den gegenüberliegenden Hängen.

Eine Etage tiefer, am Schwarzsee, nichts Neues. Spiegelungen wohin ich auch schaue.

Am "Alpinstrand" des Grünsees genieße ich dann zwischen den malerischen Uferblöcken den heutigen Sonnenuntergang.

In der einbrechenden Dunkelheit steige ich im Mondschein wieder hinunter ins Tauerntal zum Parkplatz. Was für eine faszinierende Wandertour.


Fazit:

Komplett schöne Wanderung für Landschaftsgenießer. Dennoch lässt sich die Tour leicht zu einem anspruchsvolleren Unternehmen ausweiten, in dem man von der Messelingscharte aus weiter wandert und z.B. den nahen Hochgasser oder auch den markigen Tauernkogel besteigt. Auf der westlichen Seite des Messelingkogels führen dann Wanderwege wieder hinunter zum Matreier Tauernhaus.

Die Schwierigkeit bis zur Messelingscharte bewerte ich mit T2. Der Zustieg zum Gipfelgrat ist dann ein T3.



Tourengänger: morphine

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