Tomlishorn (2128m) via SW-Grat & Widderfeld (2076m) via Stollenloch


Publiziert von أجنبي , 26. November 2012 um 18:42.

Region: Welt » Schweiz » Obwalden
Tour Datum:24 November 2012
Wandern Schwierigkeit: T5 - anspruchsvolles Alpinwandern
Klettern Schwierigkeit: II (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: Pilatusgebiet   CH-NW   CH-OW   CH-LU 
Aufstieg: 1180 m
Abstieg: 1180 m
Strecke:Blätz – Schy – Birchboden – Tumli – SW-Grat – Tomlishorn – P. 1999 – P. 2054 – Gemsmättli – Stollenloch – Widderfeld – Birchboden – Schy – Blätz
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Auto bis Blätz
Zufahrt zum Ankunftspunkt:Auto ab Blätz
Kartennummer:LK 1:25.000: 1170 Alpnach

Den Pilatus hatte in den letzten Jahren etwas vernachlässigt: Meine *letzte Tour im Gebiet liegt bereits mehr als zwei Jahre zurück – und dies obwohl ich von zu Hause aus täglich an diesen Berg hoch schaue. Irgendwie assoziiere ich den Pilatus immer mit Rummel und unnötig langen bzw. teuren Zustiegen, insbesondere wenn man mit dem ÖV unterwegs ist.

Ersteres hält sich bekanntlich aber recht in Grenzen, sofern man sich nicht gleich stundenlang zwischen Pilatus Kulm und dem Tomlishorn herum treibt. Letzteres trifft auch auf unsere Tour zu, weshalb wir per Auto anreisten und bis zum Fahrverbot bei Blätz fuhren. Sobald's etwas Schnee in den Bergen hat, reduziert sich die Zahl der Wanderer beinahe auf Null. Optimal also, um mal dem Tomlishorn einen Besuch abzustatten.

Von einem Bericht auf gipfelbuch und von unserer *Tour auf den Höch Gumme am vergangenen Sonntag wussten wir, dass die Verhältnisse am Tomlishorn optimal waren. Zahlreiche Berichte auf hikr wie etwa *dieser hier von Bombo und *der da von den alpinos machten uns dessen Südwest-Grat und den Abstieg via Stollenloch schmackhaft. Und einmal mehr war auch die Devise: Wenn Felix das *geschafft hat, sollte ich das auch können (Stichwort: Akrophobie).

Zuhause hatten wir noch die  Musflue angeschaut und vom SW-Grat wollten wir unbedingt ein paar Blicke auf die  Ruessiflue werfen. Letztere könnte nächsten Frühling mal zum Thema werden. Auf die Musflue verzichteten wir schliesslich, da wir um 16 Uhr zu Hause sein wollten.

Kurz vor halb neun Uhr starteten wir in Blätz und liefen auf dem Wanderweg via Schy und Birchboden zur Alp Tumli, wo wir nach ca. 1h 15min ankamen und die Klettergurte montierten. In der Ferne erblickten wir bereits Dutzende Gemsen, die Temperatur war mild, die Sonne schien und der Anblick des Südwest-Grats zum Tomlishorn verbreitete Vorfreude. Kurz hinter der zweiten Hütte fanden wir problemlos den Einstieg.

Auf dem Grat folgten wir meist den Bohrhaken, Das mitgebrachte Seil benötigten wir nirgends. Die Kletterstellen, meist im 2. oder unteren 3. Grad, hatten es in sich und Reibungsklettern mit Bergschuhen konnte ausführlich geübt werden. Die wohl schwierigste, grösste Platte im oberen Teil kletterte ich hart am Grat, was etwas einfacher war (mehr Griffe), dafür halt eben ausgesetzter. Viel zu schnell, nach etwa 40min, war der Spass leider bereits vorbei. Danach steigt man auf dem grasigen Bergrücken in die Höhe, wobei man sich die Sache aber mit ein paar kurzen, unnötigen Kraxlereien versüssen kann.

Nun, unsere Aufmerksamkeit verschob sich recht bald auf die langen Hörner, die wir im Gras ausmachten. Es ist ja kein Geheimnis, dass man in dieser Gegend blind sein muss, um kein Steinwild zu entdecken, aber was wir an diesem Tag zu sehen bekamen war schon der Hammer. Am Tomlishorn und am Widderfeld beobachteten wir Dutzende Steinböcke und -geissen und in der Mulde zwischen den zwei Bergen wimmelte es vor Gemsen.

Dementsprechend verzögerte sich unser Aufstieg um einige Zeit. Kurz vor elf Uhr, d.h. zweieinhalb Stunden nach Abmarsch bei Blätz, erreichten wir dann den Gipfel des Tomlishorns, welchen wir für uns alleine hatten. Kein Mensch weit und breit. Nach langer Pause stiegen wir über Westflanke und – grat zu P. 1999 ab und folgten dem schmalen Weg hoch zu P. 2054 und hinüber zum Gemsmättli. Die paar Schneefelder waren einfach zu bewältigen.

Hier kramten wir nochmals unsere Helme hervor, denn nun folgte ein weiteres Highlight: Die Traverse hart an bzw. unter der Ostwand des Widderfelds. Eine blau-weisse Markierung begleitet einen auf dem Abenteuer, wirklich brauchen tut man sie aber nicht, denn die Devise lautet: Immer hart an der Wand bleiben. Zunächst gestaltet sich dies recht einfach, jedoch wird die Angelegenheit zunehmend schmaler. Als ich um die Ecke bog, wo man die Felsbrücke zum ersten Mal erblickt, schluckte ich zumindest einmal leer: Uiuiui...

Wie so oft in derartig abschüssigen Passagen bzw. Felsbändern schaut die Sache aus der Distanz schmaler und problematischer aus, als sie's ist. Das war in gewissem Sinn auch hier der Fall. Der Abstieg vom Brückenbogen war dann aber schon recht happig, denn der Boden ist äusserst rutschig und wirklich gut fest halten kann man sich nirgends. Danach folgten noch zwei weitere solche Bögen, die jedoch etwas einfacher zu begehen waren. Volle Konzentration war aber auch hier gefragt.

Etwa eine Stunde nach Abmarsch auf dem Tomlishorn erreichten wir das Stollenloch und schon standen wir in der Südflanke des Widderfelds. Irgendwie hatten wir die hikr-Berichte zu Hause nicht bis zu diesem Punkt studiert, denn ein Blick hoch zum Gipfel und einer auf den Höhenmesser sagte uns: „Wenn ihr schon da seid, dann geht doch noch schnell hoch!“ Das taten wir dann...

Auf gut gestuftem, steilem Gelände ging es in die Höhe. Vom Stollenloch folgten wir den blauen Markierungen, welche sich bald mit roten Strichen vereinigen. Letztere wiesen uns danach im Abstieg den Weg. Kurz vor dem Ausstieg auf den breiten Grasrücken des Widderfelds war noch eine Kletterstelle im 2ten Grad zu bewältigen. Im Abstieg hielt ich mich dann aber am Fixseil fest. Eine knappe Viertelstunde nach Ausstieg aus dem Stollenloch erreichten wir den Gipfel.

Wir waren zeitlich gut dran, weshalb wir's recht gemütlich nahmen. So blieb denn auch im Abstieg genügend Zeit für eine weitere Deluxe-Steinwild-Fotosession. Wir fühlten uns beinahe wie im Tierpark Goldau oder am Wilerhorn, so nahe liessen uns die Tiere passieren. Der Abstieg nach Birchboden war recht steil und ist bei Nässe wohl etwas heikel. Das Gelände ist aber super schön und auf dem Weg entdeckten wir auch noch einige schöne Kletterrouten. Topos dazu haben wir aber noch keine finden können. Kurz vor 15 Uhr erreichten wir Blätz.


Tourengänger: أجنبي

Galerie


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