herrliche Föhn-Wetterlage an den steilen Hängen von Franzenstock und Blutt Stöckli


Publiziert von Felix Pro , 27. November 2012 um 20:54. Text und Fotos von den Tourengängern

Region: Welt » Schweiz » Uri
Tour Datum:25 November 2012
Wandern Schwierigkeit: T3+ - anspruchsvolles Bergwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-UR 
Aufstieg: 1530 m
Abstieg: 1010 m
Strecke:Flüelen, Talstation LSB Ober Axen - Gibel - Franzenstock - Franzen - Schwalmis - Blutt Stöckli - Stössi - Axenrüti - Ober Frimseli - Ober Axen, Bergstation LSB
Zufahrt zum Ausgangspunkt:PW via Zell, Autobahn Sursee - Flüelen
Zufahrt zum Ankunftspunkt:LSB Ober Axen - Flüelen
Kartennummer:1172

Schon seit längerer Zeit wünschten wir, wieder einmal im Urnerland unterwegs zu sein – die Wetteraussichten prognostizierten für die bekannten Föhntäler gute Aussichten; und nachdem auch [seppu], kurzfristig angefragt und ebenso schnell zugesagt hatte, war unser heutiges Tourenziel klar: an den schneefreien Südhängen des Rophaien gedachten wir uns zu „bewegen“ … zusammen sind wir unterwegs mit unseren „treuen“ Bergfreund Jumbo.

 

Wir treffen uns in Flüelen bei der Talstation LSB Ober Axen; auf der orografisch linken Seite steigen wir auf der immensen Bachverbauung erst einmal gemächlich hoch zur Abzweigung, welche uns, etwas oberhalb der konzessionierten kleinen LSB nach Gibel, eben dort hinauf leitet. Noch bewegen wir uns im Schatten, doch ein prächtiger Spätherbsttag kündigt sich an! Entlang des wohl öfters sehr wild daherkommenden Gruonbaches wandern wir auf dessen immensen Verbauung hoch zur Abzweigung Richtung Gibel.

 

Unterwegs eröffnet sich bereits hier ein schöner Blick zu den gegenüber aufragenden hohen Bergen der Urschweiz; doch erst gewinnen wir am kleinen, schmucken Gibel-Käppeli vorbei die Zwischenstation, dann den hübsch und aussichtsreich gelegenen Hof selbst. Kurz danach geht es dann richtig zur Sache: in den Wald unter den Felsen des Franzenstockes eintauchend, streben wir zügig, d.h. sehr steil, im Föhrenwald aufwärts, erst noch im Schatten; bald einmal, unter der ersten markanten Felswand, treten wir an die Sonne.

Der Weg wird ab hier immer malerischer, die Aussicht umfangreicher und die Tiefblicke enormer – gelegentlich sind die Bänderwege doch schmal, und die Abschüsse darunter „unbekömmlich“. Doch insgesamt dürfen wir einen überaus attraktiven Bergweg begehen, welcher sehr gekonnt in die Flanken des Franzenstockes eingebaut worden ist. Einige wenige Seilsicherungen helfen über die exponiertesten Passagen hinweg – insgesamt auch für mich problemlos zu begehen, voller Freude ob all der Impressionen!

Wir halten immer wieder inne, um die sensationelle Aussicht auf die gegenüber aufragenden Gitschen und Uri Rotstock zu bewundern – und den stets kühneren Tiefblick auf Flüelen und den Urnersee zu geniessen; nur zu schnell, der Steilheit des Geländes sei Dank, erreichen wir über die letzten Fels- und Waldpassagen das Gipfelplateau. Hier lassen wir uns nieder für einen kurzen Znünihalt – Jumbo bereichert ihn mit einem speziellen „Brandlöscher“ …

 

Hier, und bei der Alp Franzen, bewundern wir die Kette vom Buggigrat über das zu erreichende Bluttstöckli zum Rophaien und dessen Gratfortsetzung Richtung Diepen. Unser kundiger Urner Bergfreund leitet uns weiter auf dem weiterhin wbw markierten Weg Richtung Rophaien; erst sanft ansteigend der Westflanke nach, dann – und diese Wegführung ist ganz neu, ebenfalls wbw ausgeschildert und markiert, im Bereich Schwalmis direkt und sehr steil hoch über die hier auslaufenden Felswände. Über dürre Wildheuerwiesen gelangen wir zur Bergstation des Heutransporteseils, wo der Weiterweg eine deutliche Kehrtwende zum Sattel zwischen Blutt Stöckli und Rophaien macht (auf ca. 1620 Metern). Hier bewundern wir nicht nur die Installation der Transportanlage, sondern virtuell auch die Arbeit, welche die Wildheuer in derartigem Gelände vollbringen.

 

Steil, dafür wiederum schnell, erreichen wir den Sattel zwischen den beiden unterschiedlichen Gipfeln – der Föhn scheint fürs Erste mal auf der Verliererseite und lässt der aus Westen her kommenden Störung „Vortritt“; so kämpfen wir uns ohne Sonne, doch mit viel Mühe durch das zwar erwartete, doch ungemein mühsame, oft kaum durchdringbare Legföhrengestrüpp durch. Rechterhand, ins Riemenstaldner Tal, geht es doch einige Male sehr steil, oder sogar senkrecht hinunter … Endlich jedoch haben wir uns durchs anstrengende Buschwerk durchgearbeitet – und stehen genau um 12 Uhr auf dem Blutt Stöckli.

(Wie meinte doch seppu: beim nächsten Mal nehme er eine klappbare Säge mit, um wenigstens einige der Stolperstellen aus dem Weg zu räumen …)

 

Die Begehung vom Sattel zum Gipfel ist aktuell nordseitig nicht ratsam: da liegt in den sehr steilen Flanken noch Schnee, auf welchem es nicht angezeigt ist, dorthin auszuweichen.

Nach der gemeinsamen Mittagsrast zwischen Gipfel und Sattel steigen wir ab; der Föhn gewinnt, nicht ganz unerwartet, noch einmal Überhand, und lässt so die Sonne unseren Weiterweg aufs Schönste ins Licht tauchen.

Die unmittelbar unter dem Blutt Stöckli eingetragene wbw Variante unter dem Bluttigrat hindurch (Abzweigung auf ca. 1600 Metern) ist nicht mehr auszumachen – dafür, und da hat seppu Kenntnis davon, ist eine neue wbw Route auf ca. 1550 Metern Höhe Richtung Buggi markiert.

Statt nach Stössi direkt nach Ober Frimseli abzusteigen, folgen wir jedoch dem neu angelegten Alpinwanderweg Richtung Buggi. Unser einheimischer Kenner der Bergwege leitet uns, zuletzt an imposanten Felswänden entlang, bis zu der seilgesicherten Stelle etwas westlich von P. 1681 – pure Freude, diese Wegvariante; da kommen wir wieder!

Von dieser Warte aus ist der Blick ins Reusstal und zu den gegenüber sich zeigenden Urner Bergen einmal mehr beeindruckend – ebenso wie die senkrechten Felswände, der abschüssige Vorbau und die spätherbstlichen Farben ein begeisterndes Zusammenspiel ergeben.

 

Wir kehren zurück und gelangen – stets den imposanten Rophaien vor Augen – zur Abzweigung nach Axenrüti.

Hier angekommen, erfreut uns die lieblich gelegene Alp und die enorme Tiefsicht über die auch hier wieder senkrechten Flühe hinunter zu unserem Zielpunkt. Heute haben wir nur Spuren von Schafen gesehen, ob da früher auch Rinder hoch kamen und auf welchem Weg? Wir wissen es nicht ...   

 

Nachdem wir die Tiefsicht bewundert haben, machen wir uns auf den erwähnten steilen Bergweg, entlang der senkrechten Flühe, und erreichen recht einfach – der Bergweg ist sehr gekonnt in die steile Runse eingelegt – einen weiteren formidablen Aussichtsplatz mit neuerm Ferienhaus und altem Stall daneben auf Ober Frimseli.

 

Ab hier führt uns seppu auf der Abkürzung (welche vor dem neu eingerichteten Fahrweg die direkte Verbindung darstellte) hinunter nach Ober Axen. Leider ist die Wirtschaft geschlossen – doch die Bahn fährt; heute zum letzten Male vor der Revision!...

 

Doch in Flüelen, nahe Gruonbach, im Hotel Tourist, stossen wir auf unsere überaus erfreuliche Spätherbsttour an – vielen Dank euch allen!

 

Dieser Abstecher ins Urnerland hat sich sehr gelohnt: neue Aufstiege, neue Ein- und Ausblicke, neue Gipfelziele entdeckt, eine sympathische Geselligkeit und schönes Miteinander-Unterwegssein gepflegt – was wollen wir mehr?! 


Tourengänger: Ursula, Felix, seppu

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Kommentare (2)


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CarpeDiem hat gesagt:
Gesendet am 11. Dezember 2012 um 09:45
Sieht nun wohl etwas weisser aus. Schöne Tour!!

Gruss, Anne-Catherine

Felix Pro hat gesagt: RE:
Gesendet am 11. Dezember 2012 um 10:05
wir hatten hier wohl den letzten, besten Spätherbsttag geniessen können - jetzt wär's echt unmöglich ...
lg Felix


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