Lärchengold im Val Tuoi: Piz da las Clavigliadas (2983 m) minus 10 m


Publiziert von marmotta , 23. November 2012 um 23:41.

Region: Welt » Schweiz » Graubünden » Unterengadin
Tour Datum:20 Oktober 2012
Wandern Schwierigkeit: T5 - anspruchsvolles Alpinwandern
Klettern Schwierigkeit: I (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: Piz Cotschen-Gruppe   CH-GR   A 
Strecke:Guarda - Chamonna Tuoi - Vermuntpass - Chamonna Tuoi - Piz da Las Clavigliadas Ostgrat - Lai Blau - Val Tuoi - Guarda
Zufahrt zum Ausgangspunkt:cff logo Guarda, cumün
Zufahrt zum Ankunftspunkt:cff logo Guarda, cumün

Wandert man von Guarda im Unterengadin ins Val Tuoi, zeigt sich bald der Piz Buin (3312 m) von seiner "Schokoladenseite". Besonders schön eingerahmt wird das Ganze im Spätherbst, wenn die Lärchen golden unter einem tiefblauen Himmel leuchten und die Berggipfel bereits vom ersten Schnee weiss strahlen. Das MUSS man erlebt haben!
 
Nach einem kurzen Abstecher zur Fuorcla Vermunt/Vermuntpass (2798 m) am Vorabend und einer ruhigen Nacht in der gemütlichen Chamonna Tuoi (2250 m) startete ich bei traumhaftem Herbstwetter und fast sommerlichen Temperaturen ohne konkretes Gipfelziel. Da es in der Höhe je nach Exposition doch schon beträchtliche Schneemengen hatte, waren meine Erwartungen nicht besonders gross: Ich wollte mir jedoch wenigstens die Bergseen Lai Grisch (2671 m), Lai Blau (2613 m) und  Lai Verd ansehen und dann gemütlich ins Val Tuoi und nach Guarda absteigen.
 
Zunächst folgte ich auch tatsächlich den Markierungen Richtung Lai Blau. Als ich dann aber den verlockenden Gipfel des Piz da Las Clavigliadas (2983 m) über mir sah, stieg ich immer weiter in dessen Südwestausläufer den Hang hinauf - zum Einen, um dem (im Schatten noch hartgefrorenen) Schnee in den weniger steilen Terrassen weiter unten auszuweichen, zum Anderen aber auch, um mir den Berg doch ein wenig näher anzuschauen…
 
So querte ich schliesslich auf Wildwechseln in einer Höhe von ca. 2650 m die völlig apere Südflanke des Piz da Las Clavigliadas, bis ich -schon fast unter dem Ausläufer des felsigen Ostgrats- auf einen Absatz auf ca. 2700 m aufstieg. Ich hatte mich vorgängig nicht mit Aufstiegsrouten auf diesen Berg befasst und hatte von dem Gebiet nur eine Skitourenkarte (1:50.000) dabei. Darauf war eine Skitourenroute mit Fussaufstieg über den Ostgrat des Piz da las Clavigliadas eingzeichnet - so schwierig konnte der also nicht sein!
 
Nun gab es kein Halten mehr: Ich querte hinüber zum Ostgrat, den ich auf einer Höhe von ca. 2850 m erreichte - kurz bevor dieser felsig und blockig wird. Über den bereits gut eingeschneiten Blockgrat gelangte ich -einen grossen Gratturm südseitig gewinnend (T5, I)- unschwierig bis zum Gipfelkopf. Als ich schon nicht mehr mit grösseren Schwierigkeiten rechnete, war genau hier Schluss für mich: Eine senkrechte Gratscharte trennte mich noch vom ca. 10 m höheren Gipfel mit dem bereits gut sichtbaren Gipfelsteinmann. Eine südseitige Umgehung war angesichts der senkrechten Felswände ausgeschlossen, der Gratkante entlang abklettern (senkrecht, mindestens III) schied bei den vorherrschenden Verhältnissen mit Eis- und schneebedeckten Felsen ebenfalls aus. Blieb noch die Nordflanke. Diese ist ebenfalls sehr abschüssig und war mit viel lockerem Triebschnee beladen. Ich versuchte es trotzdem und pirschte mich noch, hüfttief im Schnee einsinkend, bis unter die ominöse Gratscharte vor - den Aufstieg zur Grathöhe über die schneebedeckten Felsplatten traute ich mich jedoch -auch im Hinblick auf den Rückweg- nicht. Zudem wäre es auch entlang des Gipfelgrats in dem Stil weitergegangen. Auch hier hätte ich von der messerscharfen Schneide in die Nordflanke ausweichen müssen. Das damit verbundene Risiko war mir der doch eher unbedeutende (Haupt-)Gipfel dann doch nicht wert!
 
Puristen werden nun sagen "Der Gipfel gilt aber dann als nicht bestiegen!" Da ich kein Gipfelsammler bin und für mich in erster Linie das Landschafts- und Naturerlebnis zählt, kann ich damit aber ganz gut leben… :-)
 
Rückweg auf der gleichen Route entlang des Ostgrats, bis ich über Schneefelder und schönen, weichen Feinschutt elegant (und gelenkschonend) bis fast zum Lai Blau rutschen kann. Kurzer Abstecher zum wunderschön gelegenen Bergsee, der bereits zur Hälfte zugefroren war und damit eine tolle Spiegelung und Farbe abgab.
 
Vom Lai Blau weglos über steile Weidehänge und etwas sumpfige Wiesen zu den Alphütten von Palüds (P. 2244 und P. 2188)  und ab dort auf der Alpstrasse ins Val Tuoi und weiter nach Guarda, dem vielleicht schönsten Dorf im Engadin.      

Tourengänger: marmotta

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Kommentare (3)


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silberhorn Pro hat gesagt:
Gesendet am 24. November 2012 um 20:53
Weisst Du warum der "fremde Fötzel" Lai Blau und nicht Lai Blu heisst?

marmotta hat gesagt: RE:
Gesendet am 25. November 2012 um 07:57
Nein, stehe grad auf dem Schlauch...

silberhorn Pro hat gesagt: RE:
Gesendet am 25. November 2012 um 11:11
Dennoch danke.


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