Der (Sozial-) Pädagogische Wert einer Bergwanderung – Aussicht am Schlafstein


Publiziert von alpensucht Pro , 15. November 2012 um 16:59.

Region: Welt » Schweiz » St.Gallen
Tour Datum:24 Juli 2012
Wandern Schwierigkeit: T2 - Bergwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: Alpstein   CH-SG 
Zeitbedarf: 4:00
Aufstieg: 800 m
Abstieg: 800 m
Strecke:Stein - Rueboden - Schlafstein - retour

In Vorbereitung auf ein Camp für Jugendliche der Arche Potsdam fragte ich hier alle Hikr nach geeigneten Touren. Das Ergebnis war eine ordentliche Anzahl Antworten mit vielen Möglichkeiten und Denkanstößen für eine Tour mit einer Gruppe im Toggenburg.
 
An dieser Stelle möchte ich mich zunächst ganz herzlich für die große Resonanz bei EUCH bedanken!
 
Im Folgenden möchte ich nun kurz eine kleine Extratour beschreiben, die der Leiter der Gesamtgruppe, zwei Teilnehmer des Camps und ich unternommen haben, als es den zwei Jungs im Freibad von Wildhaus zu langweilig wurde und sie anfingen Unsinn zu machen.
 
Nach Sicherstellung, dass der Betreuerschlüssel für den Rest der Gruppe aufgeht, fahren wir in unser Quartier in Stein (SG) und packen die nötigen Sachen. Die gute Wetterprognose ist für uns besonders wichtig, weil die beiden Jugendlichen weder feste Schuhe noch Regenschutz besitzen. Gegen 17 Uhr beginnen wir den Aufstieg in Richtung Neuenalpspitze.
 
Wir sehen den Jungs ihre Zufriedenheit an. Zufrieden mit sich, uns, der Umgebung und der Situation, dass sie etwas Besonderes tun dürfen. Keiner von beiden war je zuvor auf einem „richtigen“ Berg, geschweige denn in der Schweiz. Gute Gespräche entstehen automatisch, wenn man in solch einer kleinen Gruppe in solch schöner Landschaft umher wandert. Unser Weg führt nordöstlich oberhalb von Stein über Fahrstraßen und Wiesen (T1).
 
Das Erstaunen ist schon nach 200Hm groß bei der Betrachtung der Aussicht, die sich immer weiter öffnet. Am Rand des ersten Waldstücks pausieren wir kurz. Wir stellen fest, dass einer der Jungs den ganzen Tag fast noch nichts getrunken hat. Er fühlt sich jetzt schon recht schwach und meint, ihm sei schwindelig. Nach einigen Schlücken Wasser, Bissen Brot und etwas Honig, fühlt er sich deutlich besser. Nun glaube auch ich wieder an das Erreichen des Schlafsteins. Für den Neuenalpspitz sind wir zwei Stunden zu spät aufgebrochen.
 
Warm umfängt uns die Sonne wieder nach dem Waldstück und bunt blühen die Wiesen. Von der Hoffnung einmal ein Fußballprofi zu werden, erzählt uns der andere Junge. Es ist sehr wichtig für uns Erwachsene, dass die Jungs uns vertrauen und deshalb uns anvertrauen, was sie bewegt. Die kleine Tour bietet den perfekten Rahmen dafür. Wir spüren, dass sie jedes Wort und jeden Ratschlag ernst nehmen und in sich aufsaugen. Somit bietet sich uns eine gute Chance, sie persönlich zu prägen. Natürlich ist ihnen auch das Erreichen eines Ziels, eines Aussichtspunkts sehr wichtig.
 
In den Gesprächen vertieft, gelangen wir an die Wegkreuzung von Rueboden und wenden uns nach Südost und kurz danach südlich. Der Verlauf der Fahrstraße führt nach Rotenstein (Alp). Nun dürfen wir den Abzweig des Bergpfads zum Schlafstein nicht verpassen. Einer der Jungs entdeckt den unauffälligen Wegbeginn. Über steileres und etwas schmieriges Wiesen- und Waldgelände (mit durchgängiger Trasse, T2) machen wir nun zügiger Höhenmeter. Ich gebe meinen Begleitern noch einige Tipps und Vorsichtsmaßregeln (sie tragen Turnschuhe mit glatter Sohle). Meine Stöcke benutzen sie schon von Anfang an.
 
Beim betreten der Neuenalp übersteigen wir eine flache Natursteinmauer. Die Baumgrenze kommt in Sicht. Der letzte kurze Aufschwung zum Schlafstein ist steinig, aber völlig unproblematisch. Am wunderschönen Aussichtspunkt stehen ein großes Kreuz und eine Holzbank. 19 Uhr. Sehnsüchtig blicke ich vorwärts zum nahen Gipfel des Neuenalpspitzes. Allein wäre ich jetzt da noch schnell hinauf gerannt, doch sind das Ziel und der Zweck der Tour weniger sportlichen Hintergrunds. Vor allem müssen wir pünktlich zum Beginn des Abendprogramms wieder im Quartier sein. Dennoch bleibt genügend Zeit, die Aussicht zu genießen, viel zu essen und noch etwas die direkte Umgebung zu erkunden. Am nördlichen Abgrund finden wir einige Alpenrosen und eine Felskanzel für gute Fotos.
 
Stolz über die rund 800Hm beginnen die Jungs den Abstieg. Im steileren Waldstück belehren wir sie nochmals, was sie im Falle des Abrutschens tun sollen. Da ich nicht das Gefühl habe, sie hätten das verstanden, rutsche ich nach einiger Zeit plötzlich schwungvoll aus und demonstriere das vorher erklärte. Natürlich glauben mir die Jungs nicht, dass ich mich absichtlich ausrutschen ließ. Dabei habe ich meinen heimlichen Spaß und freue mich über den gelungenen Schrecken.
 
Ansonsten verlief der Abstieg auf der Aufstiegsroute ohne weitere Zwischenfälle und um 21 Uhr erreichen wir unser Quartier.    

Tourengänger: alpensucht

Galerie


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