Der vielleicht schönste "Weg" vom Appenzell ins Toggenburg


Publiziert von marmotta , 17. November 2012 um 00:46.

Region: Welt » Schweiz » St.Gallen
Tour Datum:14 Oktober 2012
Wandern Schwierigkeit: T5 - anspruchsvolles Alpinwandern
Klettern Schwierigkeit: I (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: Alpstein   CH-AI   CH-SG 
Zeitbedarf: 7:30
Aufstieg: 1950 m
Abstieg: 1780 m
Strecke:Brülisau - Pfannenstiel - Plattenbödeli - Sämtiser Alp - Stifel - Fählensee - Fählenalp - "Mörderwegli" - Schafbergsattel - P. 2094 - Nadlenspitz - Fählenschafberg - Löchlibetter - Löchlibettersattel - Altmannsattel - Altmann - Zwinglipass - Chreialp - Tesel - Flürentobel - P. 1247 - Hinterbannwald - Bode - Egg - Wildhaus
Zufahrt zum Ausgangspunkt:cff logo Brülisau, Kastenbahn
Zufahrt zum Ankunftspunkt:cff logo Wildhaus, Post
Kartennummer:LK 1115 Säntis (1:25.000)

Immer wieder zieht es mich auf den Gratabschnitt der Mittleren Alpsteinkette zwischen Altmann und Freiheittürm - für mich die schönste Ecke im gesamten Alpstein. Nachdem ich im Sommer dem Nadlenspitz ein neckisches Gipfelbuch gespendet hatte, interessierte es mich, wie viele Einträge es denn in der Zwischenzeit erhalten hat. Viele Gelegenheiten würde es für mich nicht mehr geben, in diesem Jahr auf die Kammhöhe des Fählenschafbergs zu steigen, die Alpinwandersaison schien sich dem Ende zuzuneigen…
 
Als begeisterter öV-Reisender konnte ich mit dem Besuch des Nadlenspitz auch gleich noch die Besteigung weiterer Gipfel der Mittleren Kette und vor allem die Überschreitung ins Toggenburg verbinden.
 
Aufgrund der fortgeschrittenen Jahreszeit und entsprechend niedrigem Sonnenstand erreichten mich erst auf dem "Mörderwegli" im Aufstieg zum Schafbergsattel die ersten Sonnenstrahlen. Da den ganzen Tag ein unangenehm kalter Wind blies, wurde mir dennoch nie richtig warm.
 
Über den aussichtsreichen Fählenschafbergkamm, auf dem nun auch die Edelweiss am Verblühen waren, ging es rasch hinunter zum Vorgipfel des Nadlenspitz und diesem südseitig ausweichend zum exponierten Nordwestgrat, welchem man mit einem ganz kurzen Schwenk in die Südwestflanke (Schlüsselstelle, da die Gratkante hier sehr brüchig und die Grasmutten wenig stabil sind) bis zum Gipfel folgt (T5).
 
Das Gipfelbuch war noch in bestem Zustand, jedoch ist die Anzahl der Einträge mehr als enttäuschend: Nach meinem Eröffnungseintrag hat sich nur noch ein einziger Berggänger (kein aktiver Hikr…) verewigt. In den Wochen danach sollten noch 2 Einträge hinzukommen, was immerhin eine Ausbeute von insgesamt 5 Einträgen macht. Es gibt im Alpstein stärker frequentierte Gipfel…
 
Am Nadlenspitz gefällt mir neben seiner Form vor allem der atemberaubende Tiefblick zur Fählenalp und zum Fählensee. Man fühlt sich auf dieser Kanzel wie ein kleiner König - obwohl er ja strenggenommen nur ein besserer Felsvorsprung des Fählenschafbergs ist.
 
Der Abstieg auf der Aufstiegsroute verlief ohne Probleme. Mit klammen Fingern und den Windböen, die mich immer wieder aus dem Gleichgewicht zu reissen drohten, musste ich mich allerdings in der "Schlüsselstelle" ziemlich konzentrieren. Bei diesen Verhältnissen fühlte sich die Schwierigkeit dieser Stelle tatsächlich mehr nach T6 als nach T5 an! Da dies aber klar den Verhältnissen geschuldet war und die fragliche Passage wirklich nur ganz kurz ist, erachte ich es nicht als für die Schwierigkeitsbewertung maßstäblich.
 
Weiter ging es in der Flanke des Fählenschafbergs bis zum Beginn des Gipfelaufbaus des Fählenschafberg-Gipfels (2104 m). Der Nordostkante entlang geht es hier steil, aber sehr gut gestuft auf den kurzen, leicht exponierten Gipfelgrat und über diesen zum höchsten Punkt  mit Gipfelsteinmann und -buch (T4).
 
Nach Eintrag ins Gipfelbuch stieg ich über die (ebenfalls gut gestufte) Westflanke ab und folgte dem wunderschönen Grat (um diese Jahreszeit erspart man sich zum Glück das Waten im knietiefen Kraut) zum Fählenschafbergturm (2128 m). Diesen und die darauf folgenden Fählentürm nordseitig umgehend (T4, stellenweise mühsam und wegen Schutt und losem Gestein etwas unangenehm) erreichte ich bald den Löchlibettersattel (2162 m) , wo noch der letzte, kräftezehrende Aufstieg zum Altmannsattel (2368 m) wartete.
 
Am Altmannsattel angekommen, spürte ich nicht nur die vielen kraftraubenden Höhenmeter des heutigen Tages, sondern auch wieder den unerbittlichen, kalten Wind, vor dem ich während der gesamten Querung bzw. dem Aufstieg in der Nordflanke geschützt gewesen war. Die Nordwestseite des Altmanns, in der die Normalroute auf den Gipfel verläuft, sah überdies nicht gerade einladend aus: Der Fels war mit einer hauchdünnen Schnee- und Eisschicht überzogen, so dass ich eigentlich auf einen Gipfelsturm verzichten wollte. Da aber gerade ein anderer Wanderer (zufällig sogar aus meiner Heimat) ziemlich unschlüssig am Sattel herumstand und sich angesichts der Verhältnisse nicht so recht zu trauen schien, schlug ich vor, es gemeinsam doch einmal zu versuchen. Die sehr einfache Kletterei auf der Normalroute (I) wird zusätzlich durch Eisenstifte erleichtert - ohne diese wäre ich an diesem Tag wohl nicht dort auf- und vor allem wieder abgestiegen! Mit den besagten Versicherungen ging es jedoch einigermassen gut, wenngleich insbesondere der Abstieg etwas mehr Zeit in Anspruch nahm, da man sich doch sehr konzentrieren musste, um nicht irgendwo auszurutschen. Umso erstaunlicher, dass der Altmanngipfel an diesem Tag (lt. Gipfelbuch) von mehr als 10 Personen bestiegen worden war!
 
Zurück am Altmannsattel verabschiedete ich mich von meinem vorübergehenden Begleiter, der Richtung Rotsteinpass-Säntis weiterging, und "surfte" nach Südwesten über die bekannte Schutt- und Geröllrinne zum Wanderweg Richtung Zwinglipasshütte (2000 m).
 
Unter der Altmann-Südwand konnte ich dann -wie fast jedes Mal, wenn ich in diesem Gebiet unterwegs bin- eine grosse Steinbock-Kolonie aus nächster Nähe beobachten. Ihre weiblichen Pendants hatten mich am Morgen auf dem "Mörderwegli" vom Wandfuss der Freiheittürm beobachtet. Anders als bei den Menschen, halten sich Steinböcke in den Bergen meist geschlechtlich strikt getrennt auf (ein solches Verhalten soll allerdings auch bei der Spezies "Mensch" gelegentlich vorkommen…)
 
Bei schöner Föhnstimmung, aber weiterhin recht kühlem Wind ging es anschliessend dem Wanderweg entlang via Chreialp-Tesel-Flürentobel hinunter nach Wildhaus. Eine herrliche Durchschreitung des Alpsteins, die ich hoffentlich nicht zum letzten Mal unternommen habe!  

Tourengänger: marmotta

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