Tour durchs Bergell - Über den Pass Cacciabella Sud und den Pass Casnil Sud


Publiziert von DonPico , 26. Juli 2013 um 23:19.

Region: Welt » Schweiz » Graubünden » Bregaglia
Tour Datum:27 Juni 2010
Wandern Schwierigkeit: T5 - anspruchsvolles Alpinwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-GR 
Zeitbedarf: 3 Tage
Aufstieg: 3000 m
Abstieg: 1600 m
Strecke:Promontogno - Capanna di Sciora - Pass Cacciabella Sud - Capanna da l'Albigna - Pass Casnil Sud - Maloja
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Stuttgart - Ulm - Lindau - Chur - Julierpass - Maloja
Unterkunftmöglichkeiten:Capanna di Sciora - Capanna da l'Albigna
Kartennummer:LKS 1:25000, Nr. 1276 (Val Bregaglia) und Nr. 1296 (Sciora)

Allgemeines:

Im Jahr 2010 waren Jörg und ich die beiden einzigen auf der diesjährigen Bergtour. Die Tour hatten wir uns lange vorher überlegt. Allerdings war offen, ob die Pässe so früh im Jahr begehbar wären. Ich hatte daher auf der Sciora-Hütte angerufen, und der Hüttenwart hatte mir gesagt, dass die Seile am Cacciabella-Pass noch nicht ausgelegt seien. So war ich nicht ganz sicher, ob wir über den Pass gehen könnten. Wir entschieden uns, trotzdem zu gehen.

Anfahrt:

Am Sonntag Vormittag von Stuttgart, über Ulm, Lindau, Chur und den Julierpass ins Obere Engadin. In Silvaplana erwischten wir noch einen offenenen Laden und kauften Brot. Anschließend fuhren wir weiter nach Maloja, wo wir das Auto abstellten und die Rucksäcke fertig packten. Dann gingen wir zur Bushaltestelle an der Post in Maloja. Dort lösten wir Fahrkarten nach Bondo im Bergell und stiegen schließlich in einen Bus ein, nachdem ich den Fahrer gefragt hatte "Bondo?", und dieser zufriedenstellen geantwortet hatte. Als der Bus jedoch in Richtung St. Moritz losfuhr, wurde ich hellwach und fragte den Fahrer erneut, worauf dieser sagte, er hätte "Rondo" verstanden (Kongresszentrum in Pontresina). Dann lies er uns raus.
Naja, an dieser Stelle wär's beinahe schief gegangen. Wir erwischten den Bus nach Bondo, der nur Minuten später abfuhr und hinab ging es über die Serpentinen 1000 Höhenmeter tiefer ins Bergell. Der Busfahrer vollbrachte eine Meisterleistung, indem er das riesige Fahrzeug durch die engen Gassen der Dörfer steuerte. In Bondo/Promontogno stiegen wir aus.

Tourenbeschreibung:

1. Tag:

Bei großer Hitze machten wir uns gegen 13:00 Uhr auf den Weg zur Capanna Sciora. Der berühmte Pizzo Badile zeigt sich bereits am Anfang der Tour, und verschwindet dann aber wieder.
Wir folgten dem Fahrweg stetig aufwärts bis kurz vor Laret, dann ging's über Wiesen bis an eine Steilstufe (Camin). Danach folgten 600 Höhgenmeter, die es in sich hatten, und die vor allem Jörg alles abverlangten, auch in Anbetracht der großen Hitze. Mit zunehmender Höhe wurde auch der Ausblick immer spannender und die schön geformten Granitfiguren von Pizzo Badile (3305m), Pizzo Cengalo (3369m)  und Pizzo Sciora (3275m) rückten ins Blickfeld. 
Auf der toll gelegenen Sciora-Hütte gab's dann etwas gegen den Durst. Außer uns waren nur noch zwei Schweizer Mädels auf der Hütte, die am nächsten Morgen über den Nordgrat auf den Pizzo Badile klettern wollten. Nichts für uns.

2. Tag:

Nicht allzu früh machten Jörg und ich uns am nächten Morgen auf den Weg zum Pass Cacciabella Sud. Bereits 200 Höhenmeter oberhalb der Hütte stießen wir auf Schneefelder. Im aufsteilenden Gelände probierten wir die Steigeisen aus. Die Verhältnisse waren sehr gut; der Schnee erlaubte schöne Tritte, und wir sanken nicht ein. Vor dem Couloir zum Pass wird das Gelände kurz noch einmal flacher.
Das Couloir selbst ist etwa 35° bis knapp 40° steil. Mit Steigeisen war der Aufstieg ein Genuss.
Ganz oben umkletterten wir einen Felsen und standen dann in der Scharte. 
Zäher war der Abstieg auf der Ostseite. Nach kurzer Felskletterei im gesicherten Gelände sind einige - in der Morgensonne bereits weich gewordene - Schneefelder zu durchqueren. Wir sanken teilweise sehr tief ein und das Gehen war mühsam; im schneebedeckten Blockgelände stellenweise auch gefährlich. Über gut einen Kilometer gingen wir in nordwestlicher Richtung voran auf den Albigna-Stausee zu. Unterwegs sahen wir einen Steinbock aus nächster Nähe. Gut 100 Meter über dem See geht man dann noch einen Kilometer nordwärts - dabei immer auf und ab, bis der Weg dann abfällt und auf die nordwestliche Ecke der Staumauer trifft. Dort machten wir eine kurze Pause und setzten dann unseren Weg über die Staumauer zur Capanna da l'Albigna fort, die knapp 100 Höhenmeter über dem Stausee liegt.
Auch diese Hütte liegt sehr schön. Rund herum gibt es eine Menge Sitzplätze oder Steine, auf die man sich setzen oder legen kann. Es war deutlich mehr los als am Abend zuvor, und wir genossen den Nachmittag in der Sonne.

3. Tag:

Am dritten Tag starteten wir in ost-nord-östtlicher Richtung und hielten auf P.2691 zu. Ich kann mich erinnern, dass wir einen wenig ausgeprägten Grat erkletterten und uns dann auf diesem etwa in östlicher Richtung hielten. Schließlich kamen wir an der Südflanke des Rückens in recht steiles Gelände und querten 2 Schneefelder mit Pickel und Steigeisen. Dann wurde das Gelände flacher und wir erreichten in südöstlicher Richtung P.2952. Von dort gingen wir noch gut 200 Meter in flachem Gelände zum Pass. 
Der Abstieg erfolgte zunächst über ein großes, nicht sehr steiles Schneefeld. An dessen unterem Ende wurde das Gelände aber schnell steiler. Ganz zum Schluss durchquerten wir noch instabiles Moränengelände (aber immer weiß-blau-weiß markiert), bevor wir schließlich am Fornogletscher anlangten. Ich glaube es war hier, als wir endgültig entschieden, nicht zur Capanno del Forno zu gehen, sondern stattdessen acht Kilometer nach Maloja abzusteigen. Wir planten, einen Ruhetag einzulegen, und wollten danach noch im Berninagebiet wandern.
Auch dieser Abstieg durch das frühsommerliche Forno-Tal war ein Erlebnis. Wir kamen an einer total zerdrückten Stahlbrücke vorbei, die wir mühsam überquerten. Je tiefer wir kamen, desto schöner wurde die Vegetation. Am Schluss gingen wir durch Blumenwiesen.      

Anschlusstour und Rückfahrt:

In Maloja stiegen wir ins Auto und fuhren in Richtung St. Moritz. Weil in östlicher Richtung dunkle Wolken aufzogen drehten wir um und mieteten uns - nicht eben billig - im Hotel Schweizerhaus in Maloja ein. Am nächsten Tag machten wir eine Tour zur Chamanna Coaz.

Tourengänger: DonPico

Galerie


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