Piz Morteratsch (3751m) - Drei kleine Jägermeister...


Publiziert von DonPico , 4. November 2012 um 23:12.

Region: Welt » Schweiz » Graubünden » Berninagebiet
Tour Datum:27 August 2011
Wandern Schwierigkeit: T4 - Alpinwandern
Hochtouren Schwierigkeit: WS
Klettern Schwierigkeit: II (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-GR   Piz Bernina   Bernina-Gruppe 
Zeitbedarf: 2 Tage
Aufstieg: 2000 m
Abstieg: 2000 m
Strecke:Morteratsch - Bovalhütte - Fourcla Boval - Piz Morteratsch - Tschiervahütte - Hotel Roseg - Bahnhof Pontresina
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Stuttgart - Lindau - Chur - Julierpass - St. Moritz - Pontresina
Unterkunftmöglichkeiten:Bovalhütte
Kartennummer:LKS 1:25000, Nr. 1277 (Piz Bernina) und Nr. 1257 (St. Moritz)

Allgemeines:

Nachdem ich bereits 2009 in der Gegend war und der Piz Morteratsch mich schon damals in seinen Bann gezogen hatte, war es Ende August 2011 endlich soweit. 2009 war ich im Alleingang unterwegs und hatte mich am Ende aus Sicherheitsgründen für den "Schutthügel" Piz Tschierva entschieden. Mittlerweise hatten meine Freunde Sven und Adi ausrüstungstechnisch nachgerüstet.

Anfahrt:

Anfahrt vormittags mit dem Auto aus dem Stuttgarter Raum über Lindau, Chur und St. Moritz nach Pontresina. 

In Lindau trafen Sven und ich uns mit Adi, der aus dem Raum Basel anreiste. Das Wetter war ziemlich schlecht. Allerdings hatte ich für's Engadin ein besseres Gefühl. Zudem war auch die Wettervorhersage für das Obere Engadin für den 28.08. vorsichtig optimistisch.

Meine beiden Kollegen wollten dies aber gar nicht glauben. Das Wetter trübte sich in der Tat auch immer mehr ein. Meine Beteuerungen, dass im Engadin häufig besseres Wetter vorherrsche wurden als hohle Durchhalteparolen verunglimpft und als es 20km vor dem Julierpass anfing zu schneien, kamen ernsthafte Rufe nach Umkehr auf. Es wurde erst wieder leiser, als sich das Wetter nach der Überquerung der Passhöhe schlagartig besserte und die Sonne rauskam.

In St. Moritz kauften wir noch ein, dann ging's weiter nach Pontresina.

In Pontresina parkten wir auf dem Parkplatz unterhalb vom Bahnhof. Dieser Parkplatz war mir von der früheren Tour in 2009 noch bekannt. In einer Pizzeria bestellten wir uns noch je eine Pizza, dann fuhren wir mit dem Zug nach Morteratsch.

Tourenbeschreibung:

1. Tag:

Am Bahnhof Morteratsch starteten wir die Tour. Das Wetter war immer noch durchwachsen. Es war bedeckt, aber ohne Niederschlag; die Sonne kam nur sehr selten durch die Wolken.

Die Strecke hoch zur Bovalhütte bin ich ebenfalls bereits 2009 gegangen.

Bei einer kurzen Rast auf dem Moränenkamm des Morteratsch-Gletschers klagte Sven, dass er schlapp sei. Das nahm ich aber noch nicht allzu ernst.

Nach gut zwei Strunden kamen wir auf der Bovalhütte an. Ich drängte darauf, möglichst schnell noch eine Spaltentrettungsübung abzuhalten, denn es windete ziemlich und die Temperatur würde in der Dämmerung schnell absinken.

Nach gut 90 Minuten Übung gingen wir in die Hütte und kamen gerade rechtzeitig zum Abendessen. Beim Essen sagte Sven wieder mehrmals, dass es ihm nicht gut gehe. Nach dem Essen erklärte er, dass er Fieber hätte und kündigte an, nicht mitgehen zu können. Er schlug vor, am nächsten Tag abzusteigen und uns durchs Val Roseg entgegenzukommen. Dann legte er sich früh schlafen.

Adrian und ich beratschlagten, was zu tun sei. Am Ende entschieden wir, die Tour auch zu zweit zu unternehmen.

2. Tag:

Adi und ich starteten fast gleichzeitig mit mehreren anderen Gruppen zwischen 5:00 Uhr und 5:30 Uhr und stiegen - zunächst im Dunkeln - in Richtung Fuorcla Boval auf. Der Weg führt zunächst über einen Serpentinenweg, dann über Geröll und Blockwerk zu einem ersten Felsriegel, der in leichter Kletterei überwunden werden muss. Es folgt ein weiterer Anstieg im Geröll, und weitere Kletterstellen (II-III). Je höher man kommt, desto länger werden die Kletterstellen.

An manchen Stellen ist Schwindelfreiheit gefragt. Vermutlich können einige der Stellen bei Regen oder Vereisung auch sehr schnell heikel werden. Obwohl die Niederschläge des Vortags an manchen Stellen eine dünne Schneeauflage gebracht hatten, waren das Wetter und die Verhältnisse bei unserem Aufstieg bestens.

Die Fuorcla Boval war nach etwa drei Stunden Aufstieg erreicht. Wir machten eine kurze Rast und stiegen dann auf der anderen Seite wenige Meter zum Gletscher hinunter. Dort seilten wir uns an und machten uns dann daran, das 40° steile Stück an der Nordseite des Pizu Morteratsch zu überwinden. Danach hielten wir uns links und unterhalb des Grates und querten anschließend die Ostflanke zum Gipfelgrat. Etwa 90 Minuten nach der Fourcla Boval erreichten wir den Gipfel und genossen die herrliche Aussicht:
  • Nach Osten auf Piz Cambrena, Piz Palü und Bellavista-Grat
  • Nach Süden auf den Biancograt
  • Nach Westen auf den Piz Roseg und die Gipfel des Bergell.

Den Abstieg zur Fuorcle Boval absolvierten wir auf der Aufstiegsroute, dann bogen wir nach links ab und stiegen über den flachen Vadrettin da Tschierva ab. Nach Verlassen des Gletschers steigt man noch gut zwei Stunden über Felsen und Geröll zur Tschiervahütte ab. Auch dieses Teilstück bin ich 2009 bereits gegangen.

Bei bestem Wetter genossen wir auf der Tschiervahütte Radler, Kaffee und Apfelstrudel, bevor wir dann die zwei Stunden zum Hotel Roseg abstiegen, wo wir Sven wiedertrafen, der sich mittlerweile etwas erholt hatte.

Für die Rückfahrt nach Pontresina entschieden wir uns für die Kutsche. Kurz vor Pontresina überholte uns ein Auto und touchierte eines der Pferde. Der Übertäter entpuppte sich als Alois (seines Zeichens Hüttenwirt der Coazhütte und Jäger), den ich von einer Tour zur Coazhütte 2010 kannte.

Rückfahrt:

Rückfahrt nach Stuttgart wie Hinfahrt vom Bahnhof Pontresina über Chur und Lindau nach Stuttgart.

Fazit:

Eine wirklich wunderschöne und sehr abwechslungsreiche Tour mit moderaten Schwierigkeiten. Die Kletterei im oberen Teil der Strecke zwischen Bovalhütte und Fuorcla Boval erfordert Schwindelfreiheit.


Tourengänger: DonPico

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