Die Trompeten von Jericho - am Restipass


Publiziert von rojosuiza , 4. November 2012 um 12:09.

Region: Welt » Schweiz » Wallis » Oberwallis
Tour Datum:18 Oktober 2012
Wandern Schwierigkeit: T3 - anspruchsvolles Bergwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-VS 
Zeitbedarf: 8:00
Aufstieg: 1400 m
Abstieg: 300 m
Zufahrt zum Ausgangspunkt:BLS - Lötschberger, Goppenstein
Zufahrt zum Ankunftspunkt:Seilbahn Rinderhütte, Bus LLB nach Leuk SBB
Unterkunftmöglichkeiten:Goppenstein, Leukerbad; Einkehren auch Rinderhütten-Station

Goppenstein ist Bahnstation. Auch wenn die Schnellzüge heute durch den Tunnel rasen, immer noch gibt es jede Stunde einen Zug hierhin. Direkt über dem Bahnhof verlässt man auf einem alten Pfad die Zivilisation. Der Weg geht kräftig  hinauf. Die Markierungen sind dann und wann etwas undeutlich. Bald sind die 800 Höhenmeter gemacht und hat man fast die Faldumalp erreicht. Der Weg kreuzt hier ein, zwei Mal die Forststrasse, die die Alp bedient. Die letzten Meter will der Wanderweganleger, dass man auch auf dieser Forstrasse bleibt, aber auch der alte Weg ist an Stellen noch zu ahnen; man läuft mit der Nase fast am Boden, da findet man manch ein schönes Pflänzchen. Hier treffe ich sie  wieder, die Trompeten von Jericho. Ich habe diese Pflanze / diesen Pilz gerade erst vor einer Woche zum ersten Mal über Blatten am Aletschgletscher gefunden; wer sie / ihn mit Namen kennt, möge sich bitte bei mir melden. Die Trompeten von Jericho sind grüne Kelche, und nur stecknadelgross! Zum Vergleich dazu im Bild die Sukkulenten, so gross wie der Nagel des kleinen Fingers.
(Pizflora sagt: Es ist eine Flechte, d.h. die Fruchtkörper davon. Ich danke für die Auflösung des Rätsels.)
 
Die Alp besteht aus einigen Häusern und einer Kapelle, die etwas norwegisch anmutet. Es ist ein reiner Holzbau, der mit Holzschindeln verkleidet ist. Die Kapelle weiss sich ganz hervorragend in Szene  zu setzen, wie sich herausstellt, wenn man die Alp verlässt Richtung Restialp. Da steht sie hoch auf dem Grat, direkt vor dem gewaltigen Panorama der Walliser Alpen. rojosuiza weiss es gern besser; hier nimmt er seinen eigenen Weg, der ihn in den Matsch am Bach führt und der ihm einige Höhenmeter ersparen soll. Unnütz, denn nachher muss er doch wieder absteigen auf den Normalweg. Der Weg zwischen den Alpen beginnt als gut ausgebauter und unterhaltener Saumtierpfad. Eine Stelle musste neulich rekonstruiert werden, da ein Stück des Pfades abgerutscht war. Der Rest liegt schon seit Zeiten. Es geht fast eben hin, eine Art Höhenweg über dem Beginn des Lötschentals. Nach der Hälfte der Entfernung verändert sich die Lage: der Saumpfad wird zum Bergweg. Hier ist es felsiger, feuchter auch.
 
Begegnet man Leuten? Auf diesem Stück schon. Auf der Faldumalp gab es zwei Automobile mit ihren Fahrern. Hier folgen zwei Wanderer, noch zwei, und zum Schluss eine richtige Wandergruppe älterer Semester mit einem Wanderleiter. Der Wanderleiter ist blutjung, trägt einen echten Filzhut, und bringt holde Jugend in die Bergwelt – was rojosuiza wohl zu schätzen weiss. Auf dem Weg zum Restipass ist man dann allein. Nur weit oben, unweit der Passhöhe, trifft man noch auf ein Ehepaar und zwei Walliser Damen. Die Damen hört man von weitem, denn auf der Passhöhe probieren sie ihr Jauchzen auf; sie sind gesprächig und haben beim Hochfahren mit der Seilbahn zur Rinderhütte auch den Fahrer der Kabine gut unterhalten.
 
Die Restialp umgehe ich. Durch die Alpenflora steige ich direkt nach oben auf, da der Weg erst wie eine Spitzkehre dorthin führt und nachher, nur etwas höher, wieder zurück. Der  Weg ist deutlich, auch wenn jetzt erster Schnee auftritt. Im Hochwinter verliefe der Weg etwas weiter unten, jetzt folge ich dem ‚Sommerweg‘, der etwas erhöht auf der Schulter verläuft. Der Pass ist erreicht. Die Steinbrocken und Felsen weichen einem – Sandhaufen! Dieser Pass ist eine kleine Ebene aus lauter Sand. Wie der ganze Sand wohl hierhergekommen ist? Ab dem Pass öffnen sich Ausblicke auf das Weisshorn, den ‚Grand Combin‘ und den ‚Mont Blanc‘.
 
Wer glaubt, nach dem Pass läge der Weg zur Seilbahn Rinderhütte offen vor ihm, hat sich getäuscht. Erst blickt er in ein grünes Tälchen, in das alle drei Pässe münden, die ihren Ursprung zwischen Faldumalp und Restialp haben. Dann geht es durch ein Block-Gebiet eines uralten Felzsturzes; alles Blöcke sind mit hellgrünen Flechten überzogen. Es steigt wieder etwas an zum Wysse See. Dann folgt eine weitere kleine Ebene, und eerst wenn man den Schafberg gerundet hat, sieht man plötzlich in weiter Ferne die Bergstation Rinderhütte vor sich. Sie steht luftig auf einem Bergsporn.
 
Ob es wahr ist, oder ob es einfach der Eindruck nach einem langen Marsch ist? – Die Station Rinderhütte ist gut entworfen, das Hotel am Hang des Torrenthorns ist einfach aber ansprechend. Abgesehen vom Wirken des Menschen, der Ausblick auf Rinderhorn und Balmhorn, die beiden Wände auf der anderen Seites des allerobersten Dala-Tales, er ist wirklich atemraubend. Was für ein Kontrast zum Grün der Matten, diese mächtigen weiss-schwarz geäderten Gestalten.
 
Die Talfahrt ist labend. Ein anderer fährt jetzt, rojosuiza hat nur zu schauen. Die Grüsse der beiden Walliserinnen an den Kabinenführer kann ich nicht überbringen; der junge Mann, der meine Kabine führt, ist wenig gesprächig. Ich stelle mir vor, dass in der Gegenkabine der ältere, gesellige Mann fährt, dem die Grüsse gelten…
 
Nachschrift: Seit mehr als fünfzig Jahren stolpere ich nun durch die Welt und habe nie Fruchtkörper einer Flechte gesehen... und plötzlich sind sie an jeder Ecke. Die Welt ist voller Wunder!
 http://de.wikipedia.org/wiki/Flechte#Mykobiont.2C_Photobiont_und_ihre_Symbiose

Tourengänger: rojosuiza

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