Churfirsten in einem Tag?


Publiziert von MunggaLoch , 2. März 2008 um 11:53.

Region: Welt » Schweiz » St.Gallen
Tour Datum: 2 Oktober 2007
Wandern Schwierigkeit: T3 - anspruchsvolles Bergwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: Churfirsten   CH-SG 
Zeitbedarf: 1 Tage

Die Idee war super, die Planung war für mich eigentlich untypisch mangelhaft und daraus folgt, um es vorweg zu nehmen, dass die Ausführung scheiterte. Eigentlich wollte ich ausprobieren, ob man an einem Tag alle Churfirsten besteigen kann. Das Scheitern dieses Versuches möchte ich hier etwas aufzeigen...

Anreise
Mit der Anreise fängt so manches an. So eben auch dieser Tag, der gemäss Bucheli und seinen Kollegen ein sehr sonniger geben sollte. Bei der Abfahrt war es jedoch noch sehr dunkel. Das heisst, meine Planung war gar nicht so schlecht. Ich hatte an alles gedacht: Bei Andi die richtige Karte organisiert, damit ich nicht mit meinen ausgedrucken Fresszetteln navigieren musste, alles Material gemäss Packliste gerichtet und ins Auto verstaut, Trinken eingepackt und sogar trotz dem guten Wetterbericht eine Regenjacke eingepackt. Ja, da staunt ihr, ich habe eine ;-) Und wie sich für die Planung gehört, habe ich auch den Routenplaner konsultiert und der sagte mir, ich würde von Schaffhausen bis Unterwasser 1 Stunde und 23 Minuten brauchen. Ich glaube, dort fing das kleine Desaster an. Weil der Routenplaner immer mehr anzeigt, als ich jeweils brauche. Und so dachte ich, ich müsste es locker in 1:15 schaffen. Und weil das erste Bähnli um 8 Uhr fährt und ich mich noch umziehen wollte dort, plante ich um halb 7 abzufahren. Und welch ein Wunder, ich schaffte es sogar, dann abzufahren. Mit der Zeit merkte ich jedoch, dass es knapp wird. Jetzt überspringe ich ein paar Minuten und beschreibe nicht jeden Traktor und jede Kuhherde, die auch noch unterwegs waren. Lange Rede kurzer Sinn, genau 4 Minuten vor 8 war ich auf dem Parkplatz. Ok, etwas umdisponieren, den Papiersack dann halt in der Bahn in den Rucksack umladen, schnell in die Wanderschuhe schlüpfen (nicht mal geschnürt), ein Billet gekauft und gedacht, ich hätte es geschafft. Aber da, kurz nach dem Drehkreuz fragte ich mich, wo mein Fotoapparat ist. Shit, ich hatte nur den Papiersack dabei, nicht aber den Rucksack. Also umgedreht, über das Drehkreuz gesprungen, zum Auto gerannt (mit offenen Schnürsenkeln), Kofferraum aufgemacht, Rucksack gekrallt, wieder zurück zur Bahn und wieder über das Drehkreuz gesprungen. Und das ging wirklich nicht viel länger, als ihr da Zeit beim Lesen gebraucht habt. Auf jeden Fall schaffte ich das 8 Uhr Bähnli, was ja das erste Ziel war.

Bahnfahrt
Jetzt konnte ich in aller Ruhe, also die 7 Minuten bis zum Umsteigen, die Dinge aus dem Papiersack in den Rucksack verstauen. Im Auto hatte ich aus dem Papiersack in der Eile noch die unnötigen Dinge raus genommen. Aber nicht alles. So würde ich zum Beispiel den ganzen Tag das Vorderlicht meines Bikes mit mir herumschleppen... Und auch die Hosen, die ich eigentlich wechseln wollte, werde ich halt mit mir rumtragen müssen. Der Hammer kam aber jetzt: Wo ich so am Umladen bin, fragte ich mich, wo denn die Landkarten sind. Ich hatte sie auf dem Beifahrersitz. Nein, dort sind sie nicht mehr, weil ich hatte sie beim Aussteigen dabei und legte sie beim Öffnen des Kofferraumes neben die Wanderstöcke. Oh, und wo sind die Wanderstöcke? Hm, wahrscheinlich neben den Karten... Super Müller...

Chäserrugg
Ja, ich weiss, die Ortskundigen unter euch haben es schon lange gemerkt. Den Chäserrugg bekomme ich "geschenkt", weil dort die Bahn rauf fährt. Aber ist auch viel gemütlicher so ;-) Und kalt ist es schliesslich auch noch!

Hinterrugg
Auch der ist nicht die grosse Herausforderung. Vom Chäserrugg zum Hinterrugg geht es nur ganz wenig runter und etwas mehr wieder rauf. In 15 Minuten ist das gemacht!
Und recht gute Aussicht kann man von da auch geniessen. Sei es gegen Norden den Säntis oder gegen Süden auf die Flumserberge! Oder gegen Westen die weiteren Churfirsten.
Doch dann beginnt der Schei... Die ersten 250m musste ich sowieso runter. Dann ein Blick zurück zum Hinterrugg und einen Blick nach vorne zum Schibenstoll. Ich frage mich, wo man da rauf geht? Ja, auf der Karte würde man es sehen. Und so wie die Natur aussieht, muss ich ganz weit nach unten, weil ich da nicht durch Felswände klettern kann. Also noch weiter runter. Und da bin ich mir plötzlich nicht mehr sicher, was schlimmer war zu vergessen, die Karte oder die Wanderstöcke? Weil meine Knie machten sich schon bemerkbar. Und weil der Hang am Hinterrugg gegen Norden war, lag dort noch recht viel Schnee. Und wo es kein Schnee hatte, war es nass. Also nicht so das Wandervergnügen. Und eben nicht ohne Stöcke. Da wurde mir das erste mal bewusst, dass bei diesen Verhältnissen und ohne Wanderstöcke und Karte der Versuch wohl scheitern wird...

Schibenstoll
Die Kniedemolation nahm ihren Lauf. Ich musste gut 500 Höhenmeter absteigen, um dann den Wanderweg zu verlassen und quer unten rumlaufen, damit ich auf den Schibenstoll kam. Und da entdeckte ich ihn... den Wanderweg. Ja, der wäre auf der Karte drauf gewesen.
Aber so ist auch ok, ich lief also wieder 450 Höhenmeter rauf. Recht steile Höhenmeter, aber es war ja freiwillig. Die obersten paar Meter waren recht flach, aber wieder schneereich. Und da fragte ich mich, ob wohl neben der Karte und den Wanderstöcken auch die Schneeschuhe geholfen hätten? Aber ich glaube, damit hätte ich mich lächerlich gemacht.
Man sah von hier super runter auf Walenstadt und in die andere Richtung durch das Toggenburg raus. Die schöne Aussicht genoss ich nicht lange, weil ich ja weiter wollte. Der Abstieg war dann auch schneller, aber wegen den Stöcken wieder recht intensiv!

Zuestoll
Unten am Schibenstoll bot sich mir wieder ein ähnliches Bild, wie 2 Stunden zuvor. Ich musste rüber zum Zuestoll. Und ohne Karte hatte ich wieder keine Ahnung, ob es ein Wanderweg gibt oder so. Im Gegensatz zu vorher war da das Glück nicht so auf meiner Seite. Ich wählte eine Variante, wo ich doch auch die Hände brauchen musste. Fotos gibt es von dieser Traversierung keine, da es niergendwo möglich war, so dazustehen, dass ich den Rucksack abziehen konnte! Aber auch da kreuzte ich plötzlich einen Wanderweg. Super, auf den Zuestoll gibt es auch einen. Denn der sieht oben etwas komisch aus und ich fragte mich schon, wie oder wo ich da wohl rauf komme. Zuerst stärkte ich mich jedoch, war es doch Mittagszeit. Und um 12 wird gegessen. War schon immer so! ;-) Der Weg rauf war dann recht ähnlich dem Schibenstoll.
Etwas zick-zack, mal etwas Schnee und mal nur etwas dreckig und nass. Es folgte dann ein kurzes Stück, welches mit einem Drahtseil abgesichert ist. Danach nochmals zick-zack im Schnee und die Erklimmung des Gipfels ist dann links rum wieder mit einem Drahtseil abgesichert. Das hilft extrem und macht den Weg so zu einem Spaziergang.
Auch hier ist oben die Aussicht wieder fantastisch. Gleichzeigig zieht im Walensee ein Boot gerade eine Wellenlinie, welche genial im Licht glänzt. Allerdings ist das Foto davon gar nicht gut worden :-(
Nach dem Gipfelfoto stellte sich mir wieder die Frage nach der Karte... Ein Blick auf die Karte würde mir jetzt verraten, ob der Brisi auch so ist, dass ich wieder den gleichen Weg runter nehmen müsste wie rauf? Oder kann ich dort direkter zum Frümsel weiter? Ich weiss es nicht. Und so entscheide ich mich, das Experiment abzubrechen und "rasch" nach Iltios zur Zwischenstation der Bahn zu laufen. Aus dem "rasch" wurde nichts, denn ich war erst so um 15 Uhr dort...

Fazit
Die Gretchenfrage ist jetzt natürlich noch, habe ich die Wanderstöcke und die Karten im Kofferraum oder ausserhalb vom Auto vergessen? Schon von weit oben erkannte ich jedoch, dass es mindestens jetzt nicht mehr vor dem Auto liegt. Aber glücklicherweise war das Zeugs dann IM Auto. Jaja, das Fazit dieser Tour: Man kann es wohl in einem Tag machen. Aber man müsste mal überlegen, ob man den einen oder anderen Abstecher weit nach unten sparen könnte, wenn man gewisse Felsbänder überklettern könnte. Heute habe ich etwa 1900 Höhenmeter runter und etwa 1000 Höhenmeter rauf gemacht. So sollte man auf jedenfall die Wanderstöcke und die Karte auch nicht vergessen. Dann hat man vielleicht danach auch nicht so viel Muskelkater und Knieschmerzen wie ich jetzt gerade...

Mehr Fotos gibt es auch auf www.MunggaLoch.ch...


Tourengänger: MunggaLoch

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Kommentare (3)


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Delta Pro hat gesagt: Siehe zu diesem Projekt...
Gesendet am 3. März 2008 um 14:25
... z.B. www.hikr.org/tour/post1996.html oder www.hikr.org/tour/post533.html.
Mit Wanderstöcken klappt's bestimmt beim nächsten Versuch! ;-)
Gruss Delta

MunggaLoch hat gesagt: RE:Siehe zu diesem Projekt...
Gesendet am 3. März 2008 um 14:46
Also Deine Variante ist mir wohl zu krass. Aber mal schauen, ob ich alles nochmals versuche oder nur den Rest noch mache ;-)
Danke und Gruss

Embe hat gesagt: Funny ;)
Gesendet am 24. Mai 2008 um 22:25
Hoi I bin neu hier und luag grad mal was ich so in 'meiner' Gegend unternehmen moechte. Da bin ich ueber deinen Bericht gestolpert. Danke fuer diese lustige Episode. Toll zu sehen dass so was nicht nur mir passiert. Ms Superorganized. Hat echt Spass gemacht vielleicht versuch ich das mal aber MIT Stoeckli und MIT Karten - kicher.
Gruss Moni


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