Tessin - Rheinwaldhorn 3402m


Publiziert von MunggaLoch , 1. März 2008 um 16:55.

Region: Welt » Schweiz » Tessin » Bellinzonese
Tour Datum:10 Juni 2007
Hochtouren Schwierigkeit: L
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-GR   CH-TI   Gruppo Rheinwaldhorn   Gruppo Zapporthorn   Gruppo Cima Rossa 

Aus: der höchste Punkt von jedem schweizer Kanton... von www.MunggaLoch.ch... dort sind auch noch ein paar Bilder mehr...

Das Rheinwaldhorn ist zwar der höchste Punkt vom Kanton Tessin, vom Namen her tönt er aber gar nicht italienisch. Im Tessin ist er auch unter dem Namen Adula bekannt, heisst doch die ganze Gruppe auch Adula-Gruppe. Die Wettervorhersage war nicht top. Die ganze Woche schon war es eigentlich recht schön, gegen Abend gewitterte es aber immer sehr stark. Geplant war die Tour eigentlich mit mehreren Mit-Wanderern. Wegen Knieschäden, Afrika-Vorbreitungen und Masterarbeiten standen am Schluss nur Elvira und ich auf dem Gipfel...

Berg
Kurz vor dem Loslaufen bei der Hütte am Sonntag morgen um 6 Uhr ist dieses Foto gemacht worden. Schön scheint die Sonne ans Rheinwaldhorn. Auch unsere Route ist recht genau zu sehen. Ins Tal rein, dann vor dem Schnee rechts rauf und auf dem Dach des schwarzen Felsen quer durch das Bild.
Dies ist wohl eines der bessten Fotos dieser Tour. Es zeigt, wie die letzten auch schon, das Rheinwaldhorn ;-) Kurz nach diesem Foto haben wir die Steigeisen und Seil und Co. angezogen und den absolut jungfräulichen Läntagletscher überquert. Unsere Route führte in einem Bogen zur kleinen Furgga etwa in Bildmitte und von dort auf dem Horizont-Grat auf den Gipfel. Weil, in dieser schönen weissen Fläche muss noch irgendwo der Gletscherschrund verdeckt sein. Und dem wollten wir eigentlich nicht begegnen...

Route
Am Samstag nahmen wir den erstaunlich beschwerlichen Weg von Hinterrhein zur Zapporthütte unter die Füsse. Sehr mühsam ist die erste Stunde, welche praktisch eben und fast schnurgerade über den Panzerschiessplatz führt. Ob wir wohl von Sämi Schmied eine Spezialbewilligung bekommen hätte, um nach hinten fahren zu dürfen? Und durch Unwetter im Herbst war auch der untere Teil des Weges sehr schlecht. Oft war der Weg weggerutscht und wir mussten Umwege machen. Und der Himmel deutet uns an, dass wir wohl einen Gang schneller laufen müssen, wenn wir nicht in der kommenden Stunde noch verregnet werden wollten. Ok, wir wurden noch verregnet...
Diese Bilder haben wir beim Zurücklaufen gemacht. Weil, wie im letzten Satz erwähnt, gerade hier hat es richtig zu regnen begonnen. Sehen tut man hier eine interessante Konstellation. Beim ersten Bild ist links die "Höll" zu sehen. Mit dem Wanderweg ganz ganz links. Und rechts sieht man die "immergrünen Wiesen" (ist so in alten Texten vermerkt) des "Paradies". Im zweiten Bild ist links vom Bach das "Paradies" zu sehen und das Foto wurde von der "Höll" aus gemacht. Es wird so wieder mal gezeigt, dass alle Menschen durch die Höll müssen. Und nur ganz Wenigen ist es vergönnt, ins Paradies zu gehen. Denn es führt keine Brücke dorthin und nicht jedermann/frau würde sich wagen, ob diese Schlucht zu springen...
Gehört die Übernachtung in der Hütte auch zur Route? Sigs wias well, diese Übernachtung war super. Auch wenn ich kein Foto von der Hütte habe. Wir waren die einzigen Gäste in der Hütte und wurden herrlich verwöhnt. Sehr gutes Essen! Und beim Nachtessen vom Esstisch aus Steinböcke gesehen. Wo gibts denn sonst noch so was, ausser im Zoo? Die Hütte auf jeden Fall kann ich wärmstens empfehlen. Mehr Infos gibts auf www.Zapport.ch. Viel Spass damit!
Am nächsten Morgen war früh Tagwach. Ok, sooo früh jetzt auch wieder nicht. Immerhin war es schon hell. So ist es halt, wenn man im Juni z'Berg geht. Weil im September ist es um 6 Uhr noch recht finster. Nach dem Frühstück machten wir uns kurz nach 6 Uhr auf den Weg. Dabei sahen wir unsere Steinböcke wieder. Diesmal waren sie nicht so friedlich. Wenigstens nicht gegen uns, sondern gegen sich selber. Sehr eindrücklich, so ein Kampf mit Hörnern in den Felsen...
Also eben, unterwegs waren wir. Und etwa eine Stunde später erreichten wir schon "Ursprung". Ein Blick zurück zeigt diese letzte Ebene, bevor es nur noch rauf geht;-) In älteren, aber noch nicht mal Duzenden von Jahren älteren Karten war diese ganze Ebene noch von Gletscher bedeckt. Heute sieht man keine Spur mehr davon. Das weisse rechs ist ganz normaler Schnee und das weisse links sind Bäche, die im Sonnenlicht glänzen. Der Name Ursprung kommt wohl davon, dass hier der Hinterrhein entspringt. In der Nähe liegt sogar das Rheinquellhorn. Oder steht so ein Berg? Oder ist er einfach?
Für dieses Bild musste ich mich etwa 100 Grad nach links drehen. Es zeigt gar keine Ebene mehr. Sondern den nächsten Abschnitt unserer Route. Und dies sind so etwa 500 Höhenmeter rauf, also eine richtig schweisstreibende Sache. Wir stiegen etwas links auf und oben vor dem Fels umrundeten wir diesen rechts. Von hinten gings dann im knöchel-, zum Teil knietiefen Schnee auf diesen Felsen rauf.
Den Rest der Route sieht man auf den Bildern oben. Es war etwas Laufen auf dem Grat, dann Steigeisen montieren, Klettergurt anziehen und anseilen. Weil auch wenn man auf der Karte keine Gletscherspalten sieht und sich fast sicher ist, dass es wirklich keine hat, doppelt sicher ist halt doch noch etwas sicherer. Auf dem Gletscher sinkten wir nicht mehr so stark ein. Aber es ging nochmals zünftig ein paar Meter steil rauf. Wenn man jeweils den Schweiss von der Stirn wischte, hatten man eine milchige Mischung aus Schweiss und Sonnencreme in der Hand. Ich habe schon lange nicht mehr so geschwitzt...

Gipfel
Nach etwa fünf Stunden laufen erreichten wir den Gipfel. Es waren zum Teil sehr beschwerliche Meter. Und ich war richtig froh, waren wir oben. Ob wir wohl auch so gelacht hätten, wenn wir gewusst hätten, dass die sechs Stunden zurück zum Auto auch nochmals recht anstrengend werden?

Aussicht
Man sieht die Bündner und Tessiner Bergwelt. Wobei, bei der Tessinerseite kenne ich mich sowenig aus und die im Nebel liegenden Gipfel sind auch schwer zu bestimmen. Die Aussicht wäre bei ganz klarem Himmel wohl absolut phantastisch gewesen. Wollen wir nochmals rauf bei wolkenlosem Himmel?
Gegen Osten ist das Hinterrheintal zu sehen, wo auch irgendwie in Bildmitte unten die Zapporthütte zu sehen sein müsste. Ganz unten ist "Ursprung" zu sehen, ziemlich genau 1000 Höhenmeter unter uns. Irgendwo etwas rechts in den Wolken versteck ist der Pizzo Tambo.
Gegen Norden erkennt man das Läntatal mit der Läntahütte und dem Läntagletscher, den wir überquert haben, aber jetzt nicht gerade im Bild ist. Etwas rechts diese Felswand gehört zum Läntahorn, welches uns gerade die Sicht zum Zervreilahorn (bündner Matterhorn-Kopie! oder das Original?) versperrt. Oder ist das Zervreilahorn etwas links unten zu erkennen, einfach in einer nicht-Matterhorn-Perspektive? Egal, es sind ein paar Berge zu sehen!
Diese Sicht ist gegen Westen ins Tessin. Das Dorf unten links könnte Largario im Valle di Blenio sein. Also beim Blenio bin ich mir sicher, beim Dorf nicht so ganz...

Besonderes
- Für Elvira war es natürlich etwas besonderes, zum ersten Mal im Leben so hoch zu sein!
- Aber auch für mich war es eine tolle Tour, die mich aber recht ins Schnaufen brachte.
- Steinböcke sind immer etwas impostantes. Und als diese beiden am Sonntag Morgen in den Felsen zusammen gekämpft hatten und die Hörner dabei sehr geräuschvoll aneinandergekracht sind, das war sehr eindrücklich.


Tourengänger: MunggaLoch, Elju

Galerie


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