Piz Platta 3392m - SAC Uto


Publiziert von Bombo , 25. Februar 2008 um 01:15.

Region: Welt » Schweiz » Graubünden » Avers
Tour Datum:24 Februar 2008
Ski Schwierigkeit: S
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-GR 
Zeitbedarf: 5:30
Aufstieg: 1465 m
Abstieg: 1910 m
Strecke:Tga - Val Bercla - Vadret da Piz Platta - Westcouloir - Piz Platta - Tga - Mulegns
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Fahrverbot nach Tga, somit zu Fuss
Zufahrt zum Ankunftspunkt:Öv Mulegns oder mit Auto bis zum grossen Parkplatz bei der Post
Unterkunftmöglichkeiten:Skihaus "Piz Platta"

SAC-Uto Tourenwochenende, 2. Teil

Hier nochmals das gesamte Wochenend-Programm:

1. Tag: Bivio (Bergstation Skilift, 2560m) - Uf da Flüe - Mazzaspitz - Tga  Tour Mazzaspitz

http://www.hikr.org/tour/post5728.html

2. Tag: Tga - Val Bercla - Vadret da Piz Platta - Westcouloir - Piz Platta - Tga - Mulegns  


Nach einem deftigen Abendessen (selbstgemachte Hauswurst mit Alpenkräutern, Kartoffelgratin und Sauerkraut) im Skihaus "Piz Platta" folgte eine herrlich erholsame Nacht. Wie immer sind diese Nächte meistens zu kurz, denn bereits um 05.00 Uhr stand ich im Scheinwerfer-Licht - na ja, mindestens im Licht der Taschenlampe meines Zimmerkameraden, welcher beim ersten Krächzen des Weckers bereits in der Achtung-Stellung stand. Meine Wenigkeit braucht da halt einfach ein paar Minuten länger am Morgen, bevor ich in die Gänge komme.

Nun ja, ich möchte hier nicht über die verschiedenen Steh-auf-Modalitäten schreiben, sondern einfach nochmals in kurzen Worten die Tour auf den Piz Platta darstellen.

Abmarsch um 06.00 Uhr von Tga richtung Alp Faller (südwest), via Val Bercla und Vadret da Piz Platta hoch richtung Skidepot - direkt am Gipfelaufbau bzw. am Westcouloir, welches nebst dem Südcouloir den Aufstieg auf den Gipfel ermöglicht. Nebenbei: Das Westcouloir zeichnet sich durch mehr Felsaufstieg aus, das Südcouloir, welches nur bei perfekten Verhältnissen bestiegen werden sollte, besteht vorallem aus Schnee, Firn und oben aus Fels. Wir wählten wie gesagt den West-Aufstieg.

Dieser hatte es dann für meine Verhältnisse auch in sich - bereits nach wenigen Höhenmetern erfordert es Konzentration und Trittsicherheit - für mich als "Greenhorn" im Alpinismus nicht immer einfach. Oftmals waren die Felsen vereist und dort wo man "sicher" abstehen konnte, verblieben einem nicht selten nur wenige Zentimeter als "guten Stand". Vorsicht vor den losen Steinen - auch ich durfte meine erste Erfahrung damit machen und wurde vom Schicksal als Zielscheibe auserwählt. Dank einer gesunden Reaktion traf mich der handgrosse Stein nur an der Schulter und nicht am Kopf - viel hätte aber nicht mehr gefehlt. Wenigstens hatte ich als einziger der Gruppe einen Helm an - ich staune immer wieder, wie die Leute am Berg dem Schicksal vertrauen. Weiter ging's durch Trittschnee und erneuten vereisten Fels - das Skidepot war längst nicht mehr sichtbar. Dank der guten Führung unserer Tourenleiters, welcher unerschrocken Tritt für Tritt mit dem Bickel ins Eis schlug, konnte aber auch ich meinen Gipfelerfolg nach rund 1 Stunde Fussaufstieg feiern.

Zugegeben, für mich war dieses Gipfelerlebnis sehr emotional, hatte ich doch öfters mit der "vielen Luft unter den Füssen" meine Bedenken und entsprechend machte sich auch ein wenig Stolz bei mir breit, wo ich dann eben das Gipfelkreuz umarmen konnte.

Die Aussicht war erneut wieder atemberaubend - alles schien so nah und doch irgendwie so fern. Beeindruckt war ich einmal mehr von der Berninagruppe - wie schön doch immer wieder der Biancograt glitzert - diese Ueberquerung werde ich eines Tages realisieren - bis dann heissts aber noch an der "Trittsicherheit" feilen und sicherlich noch die eine oder andere "Höhenangst" überwinden.

Natürlich dürfen auch die Gipfelgratulationen nicht fehlen. Doch eben, gratulieren sollte man sich eigentlich erst wieder nach erfolgreichem Abstieg, denn dieser ist manchmal genau so erschwerlich, wie der Aufstieg. Aber wenigstens kann man dank diesen Gipfel-Gratulationen mit vielen Glückwünschen den Abstieg antreten - auch ein Vorteil :-)

Hinunter gings dann auch wirklich zügiger als beim Aufstieg - die Konzentration auf die teils sehr kleinen Trittflächen war aber keinesfalls minder als beim Aufstieg. Zusätzlich - so quasi als "Action-Maximierung" - kamen jetzt beim Abstieg zahlreiche Berggänger dazu, welche im Aufstieg waren. Erstaunlich, wie wenig Platz man teilweise benötigt, um sicher zu kreuzen - irgendwie geht es dann eben doch.

Zurück beim Skidepot machte sich Erleichterung breit und als ich wieder in meiner Skibindung stand, da wusste ich, jetzt kommt wieder mein Part und ich fühlte mich so sicher wie noch nie zuvor. Irgendwann werde ich mit der Materie "Skischuh, Fels, Eis und Schnee" sicher auch noch vertrauter - das braucht jetzt einfach noch ein wenig Zeit.

In teils pulvrigen, meist aber deckligen oder sogar schwer sulzigem Schnee gings ungefähr der Aufstiegsspur nach zurück nach Tga zur Skihütte "Piz Platta", wo der von der Hüttenwartin liebevoll selbstgemachte Apfelstrudel auf uns wartete. Die Temperaturen erreichten zu dieser Zeit den Höchststand - bereits die Abfahrt vom Piz Platta konnte man ab der 2. Hälfte in T-Shirt geniessen - die Pause bei der Skihütte wurde individuell genossen - oben ohne, barfuss - jeder hatte so seine Art, den Frühling möglichst nah am Körper zu spüren.

Um 14.45 Uhr ging es dann weiter talwärts richtung Mulegns, wo wir dann ein wenig zu früh im Schatten auf das Postauto warten durften. Deshalb hier der Ratschlag: Solange das Alpsträsschen Tga - Mulegns Schnee hat, genügt locker eine halbe Stunde bis runter - wer's zügig mag, so sind 20 Minuten absolut realistisch. Also lieber noch ein wenig die Sonne geniessen, als dann unten stehend die Abgasen des Rückreiseverkehrs einzuatmen.


Fazit: eine sehr abwechslungsreiche ausdauernde Skitour mit einem Aufstieg, welcher je nach Bedingungen sicher nicht "ohne" ist, einem dann aber auf dem Gipfel mit einem Panorama belohnt, von welchem jeder 3000er-Berggänger nur träumt. Die Abfahrt wäre bei guten Schneeverhältnissen garantiert herrlich schön, bei diesen warmen Temperaturen hingegen erfordert es teilweise eine sichere und sehr gute Skitechnik - vorallem in den schmalen steilen Couloirs (welche man jedoch teilweise umfahren kann, doch wie hat mir kürzlich ein Youngster geschrieben: "steil isch geil"... smile...).

An dieser Stelle noch ein persönliches herzliches Dankeschön an den SAC-Tourenleiter Daniel Heierli, welcher auch in schwierigeren Situationen stets kühlen Kopf bewahrte und uns alle während 2 Tagen sicher auf den Mazzaspitz und Piz Platta führte. Danke, Daniel!

Tourengänger: Bombo

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