Barglen Schiben 2669m und seine südwestlichen Trabanten


Publiziert von Lulubusi , 9. Oktober 2012 um 18:20.

Region: Welt » Schweiz » Obwalden
Tour Datum:30 September 2012
Wandern Schwierigkeit: T5 - anspruchsvolles Alpinwandern
Klettern Schwierigkeit: II (UIAA-Skala)
Klettersteig Schwierigkeit: WS
Wegpunkte:
Geo-Tags: Östliche Melchtaler Alpen   CH-OW 
Zeitbedarf: 7:00
Aufstieg: 850 m
Abstieg: 850 m
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Via Kerns, Melchtal, Stöck Alp zur Melchsee Frutt
Unterkunftmöglichkeiten:In der Melchsee Frutt oder Stöck Alp
Kartennummer:LK 1:25000 BL1190 Melchtal / BL1210 Innertkirchen

 

Barglen Schiben und seine südwestlichen Trabanten:

Bonistock 2168m, Tannenschild 2182m, Gross Hohmad 2306m, Hohmad 2441m, Chli Hohmad 2491m,

 

Lungern vs. München

 

Heute ist der letzte Tag der Münchner Ferien angebrochen. Eine letzte kleine Tour, soll Stefans bevorstehende, lange Autofahrt nach Hause erträglicher gestalten.

 

Die Planung stellt sich allerdings als nicht ganz einfach heraus. Die Wetterprognose teilt uns folgendes mit:

Schneefall über Nacht bis auf 2000m. Wetter durchzogen, am Morgen Regen möglich, erst zum Nachmittag Besserung. Föhnlage.

 

Tolle Aussichten! Mit etwas Glück könnte der Föhn unser Freund sein. Anhand dieser Prognose planten wir unsere Bergtour. Das Melchtal sollte es sein. Die Anreise ist nicht lange und der Föhn könnte hier unser Freund sein, dem dann auch so war. Ein weiterer Punkt, nach meinem Tourenabbruch die Woche vorher, meine Füsse streikten, sollte die Tour nicht geraden in anspruchsvollstem Gelände sein. Erst will ich wissen was meine Füsse aushalten.

 

Mit dem Auto fahren wir erstmal in die Melchsee Frutt. Zwischen Stöckalp und Frutt ist das Befahren der Strasse zeitlich beschränkt. Zu geraden Stunden, darf man 40 Minuten hochfahren, zu ungeraden das selbe hinunter. Im Winter ist die Strasse gänzlich gesperrt. Als wir kurz nach 8:00 in der Stöckalp eintreffen steht die Ampel auf grün und wir fahren, nach Entrichtung der Parkplatzgebühr CHF 12.00, in die Melchsee Frutt. Auto geparkt und los geht's.

Trotz der bereits fortgeschrittenen Morgenstunde, 8:30 Uhr, ist das kleine Feriendörfchen beinahe ausgestorben. Nebst uns machen sich nur ein paar Fischer für grosse Taten zu recht.

 

Die Tour

Start: Parkplatz Melchsee Frutt P.1902

Gemütlich wandern wir durch das langsam erwachende Feriendorf zum Melchsee bis an dessen nordöstlichsten Ende. Hier verlassen wir die Strasse, die weiter bis zum Tannensee führt. Am Fuss des nach Süden gerichteten Felsen (Kletterpark) wandern wir nach Nordosten, bis wir uns beinahe unterhalb des Bonistocks befinden. Direkt unter den Seilen der Seilbahn vom Distelboden zum Bonistock befindet sich der Einstieg zum Fruttliklettersteig.

 

Fruttliklettersteig

Hier überwinden wir zum ersten mal das Felsband. Via Klettersteig hoch zum Bonistock. Den Steig könnte man mit „in der Kürze liegt die Würze“ beschreiben. Er weisst ein Länge von kaum mehr als 50 Metern auf, ist aber genial angelegt.

Die ersten paar Meter des Steiges sind leicht überhängend und wenig seitwärts geneigt. Mit einem leicht kräftigeren Armzug am Seil problemlos überwindbar.

Nun sind wir beim spannenden Teil angelangt. Man durchsteigt einen Höhlen ähnlichen Teil. Durch einen kurzen Tunnel, mit dem Rucksack auf dem Rücken kommt man gerade so hindurch, gelangt man auf ein Felsband. Ungefähr die Hälfte ist erreicht. Hier befinden sich zwei Sessel die kurz zum verweilen einladen.

Anschliessend sind noch mal einige senkrechte Wandmeter zu überwinden. Nun legt wird das Glände einfacher, die Wand legt sich langsam zurück und mit jedem Metter den man gewinnt wird es grasiger. Die letzten Meter des Steiges werden mittels Leiter einfach überwunden. Der Ausstieg befindet sich südwestlich, unterhalb des Bonistockrestaurantes. Ich würde den Klettersteig als B-C einstufen.

Jetzt heisst es für uns zum zweiten mal Tenüänderung. Klettergurt, Klettersteigset, Helm ausziehen und im Rucksack verstauen. Zum wandern benötigen wir dies schliesslich nicht.

 

Bonistock 2168,6m

Weiter geht es in nordöstlicher Richtung. Kurze Zeit später erreichen wir ohne Schwierigkeiten den Bonistock P.2168. Unseren ersten Gipfel des heutigen Tages, der direkt hinter dem Bergrestaurant liegt.

 

Tannenschild 2182m „T2-T3“

Vom Bonistock folgt man dem Gratweg weiter in der selben Richtung. Unterhalb des Tannenschilds ist eine kurze Felsige Passage mit einem Fixseil vereinfacht worden. Die Schwierigkeiten bleiben im moderaten T2-T3 Bereich. Gipfel Nummer 2 der Tannenschild P.2182 ist erreicht.

 

Gross Hohmad 2306m „T2“

Nun nehmen wir den dritten Gipfel in Angriff. Vom Tannenschild erreichen wir etwas später, dem Bergwanderweg folgend, den Pass Chringen P.2152. Über einen Bergrücken der direkt auf die kleine Kuppe Gross Hohmad P.2306 führt, gelangt man schliesslich den Pfadspuren folgend, durch eine Weide- und Karstlandschaft, auf den Gipfel.

 

Hohmad 2441m „T2“

Gipfel 4 der Hohmad ist von hier schnell und einfach erreicht. Vom Gross Hohmad einfach weiter der breiten Grashalde folgen. Bei P.2425 trifft man auf ein weites Plateau an dessen nordöstlichem Ende der höchste Punkt der Hohmad P.2441 befindet.

 

Chli Hohmad 2491m „T5 / Fels I-II“

So, ab jetzt wird das Gelände schwieriger. Dies zeigt die Änderung der Markierungsfarbe unmissverständlich! Aus rot/weiss/rot Bergwanderweg wird blau/weiss/blau Alpinwanderweg.

Über den etwas exponierten Grat, steigen wir zu erst in den Sattel P.2407 ab. „T4 / Fels I“

Vom Sattel gelangt man schliesslich einfach über kleinere Grasflächen zu P.2490 dem Westgipfel des Chli Hohmad.

Vom Westgipfel leiten auf der Nordseite mehrere mit Geröll übersäte Bänder abwäts. Über eines dieser Bänder steigen wir beinahe 100m ab. „T5 / Fels I-II“ Mit etwas vorausschauendem Blick findet man gut den einfachsten Weg.

 

Ein andere Möglichkeit wäre vom Westgipfel direkt über die Nordostwand abzuseilen. Ein Stand ist eingerichtet, muss aber zwingend auf seine Standfestigkeit geprüft werden.

Oder, man steigt bereits vor P.2490 über eine kleine Eben nach Norden ab. Von oben und aus der Ferne betrachten schätze ich eine Schwierigkeit von „T4“.

 

Nach dem man die Felsbänder durchquert hat, steigt man unter der Felswand (rechter Hand) wieder auf. Wir entscheiden uns möglichst nahe an der Wand zu bleiben, da man hier meist unterhalb von Dächern, die einem vor allfälligem Steinschlag schützen in den Sattel zwischen P.2490 und Hauptgipfel hochsteigen kann. Über eine einfachen Schuttrücken gelangt man jetzt auf den Chli Hohmad Hauptgipfel P.2491.

 

Unsere Gipfelsammlung ist hier aber noch nicht zu Ende. Den Barglen Schiben haben wir als letzte Gipfelziel erkoren.

 

Barglen Schieben 2669m „T3-T5“ / Feks I-II

Vom Chli Hohmad steigen wir erstmal in den Sattel zurück und an der Wand abwärts. Schon bald erkennt man die blau/weiss/blauen Markierungen auf einem kleinen mit Schutt bedeckten Plateau die nordostwärts führen.

Über das Plateau folgen wir den Markierungen und vorhandenen Wegspuren. Kurze Zeit später trifft man auf einen weiteren etwas heiklen Teil. Eine Rinne muss durchquert werden. In die Rinne hinein gelangt man über ein schmales leicht exponiertes Band. Dieses ist gut mit einem Drahtseil versichert. In der Rinne selbst sind einige geneigte etwas abschüssige Platten „T5“ und an dessen Ende eine kleine Felsstufe „II“ von gut 2m Höhe zu überwinden. Nun geht es über Schotter hoch zur Barglenchäle P.2425. Ab jetzt wird das Gelände wieder merklich einfacher.

Leicht links vom Grat haltend steigen wir über eine noch immer steile aber gut gestufte kurze mit Felsen und Geröll durchsetzte Grasflanke hoch auf einen breiten Rücken.

Mit jedem Meter den wir jetzt an Höhe gewinnen, wird der Rücken der bis zu Barglen Schiben führt, breiter.

Auf halbem Weg legt sich der Rücken etwas zurück, wird flacher um nur wenig später wieder etwas an Steilheit zuzunehmen.

 

Durch die faszinierende Karstlandschaft hochsteigend, erreichen wir schliesslich unseren höchsten Punkt unserer Tour der Barglen Schiben P.2669.

Schon einige male habe ich die steil abfallende Wand des Barglen von Norden und unten betrachtet. Heute stehe ich oben und kann mal über die Wand hinunter gucken.

 

Tolle Aussicht, besseres Wetter als erhofft, lässt uns beinahe die Zeit vergessen. Allerdings schreitet diese unaufhörlich fort und wir müssen wieder in die Gänge kommen, wenn wir nicht die 1500 Marke zur Rückfahrt von der Frutt in die Stöck Alp, verpassen wollen.

 

Dann halt eben los.

 

Rückweg

Vom Gipfel wandern wir südwestwärts, auf selbem Weg wie beim Aufstieg, bis zur Barglenchäle zurück.

Der weitere Weg führt zurück durch das etwas mühsam zu begehende Geröllgelände. Wir wählen eine etwas eleganter Variante. Beim Aufstieg haben wir in der Barglenchäle einen Abseilstand entdeckt. (Zwei Borhaken und eine dicke, fette Repschnur)

Da wir beim planen schon damit spekuliert haben ev. abzuseilen haben wir zwei 50m Halbseile auf unser Rucksäcke aufgeteilt.

 

Den Abseilstsand nutzen wir nun um zügig zur Murmoltereneggen hinunter zu kommen. Die üblichen Vorbereitung, Gurt anziehen, Karabiner einhängen................ins Seil einhängen und abwärts.

 

Da sich der Stand auf der Nordwestseite der Gratkante befindet, muss man auf der Südostseite etwas über die Kante hinab steigen, bis man richtig im Seil hängt.

Weiter muss auf den ersten Abseilmetern sehr genau darauf geachtet werden, dass man keine Steine ins Rollen bringt. Das lockere Gestein, gestaltet dies nicht gerade einfach. Dem am Seil hängend kann es egal sein, der unter ihm am Zwischenstand stehende schätzt es wahrscheinlich nicht so sehr.

 

Die Abseilstrecke beträgt gute 50m. Ein 50m Einfachseil reicht bis zu einem guten Zwischenstand. Mit unseren zwei 50m Halbseilen, können wir bis zu einem recht auffälligen Band abseilen dem man anschliessend in nordwestlicher Richtung kurz folgt und danach über einige leichte Felsstufen „I-II“ abklettert. Am Schluss rutscht man mehr oder weniger über eine mit Schutt bedeckten Böschung zur Murmeltoreneggen P.2193.

So sind wir innerhalb weniger Minute 230m Höhenmeter abgestiegen.

 

Ab jetzt befinden wir uns wieder in Wandergelände. Über die Moorebene beim Murmeltoreneggen, wandern wir unterm Hohmad der Melchsee Frutt entgegen. Zwischen Hohmad und Gross Hohmad treffen wir auf ein kleines Gebäude, westlich P.2161. Bei diesem Gebäude trifft man auf eine befestigte Strasse. Folgt man dieser Strasse, gelangt man zum Tannensee.

Da wir Strassenwandern nicht so prickelnd finden, biegen wir unter halb des Gross Hohmad auf den nach Westen führenden Bergwanderweg ab. Dieser führt am Fusse des Felsbandes (Kletterfelsen / Kletterpark) am Bonistock vorbei zurück zur Melchsee Frutt.

 

Wir steigen ins Auto und fahren abwärts. Ein spannende und sehr abwechslungsreiche und nicht alltägliche Variante einer Bergtour geht zu Ende.

 

Startpunkt

Melchsee Frutt 1902m

 

Ziel

Barglen Schiben 2669m

 

Anforderungen

Teilweise Alpine Bergwanderung mit exponierten Passagen. Schwierigkeiten bis T5

Fels bis II

Schwindelfreiheit ist unabdingbar.

Klettersteig B-C

 

Material

Übliche Bergwanderausrüstung

Klettergurt und Klettersteigset für den Fruttliklettersteig

Für unsere Variante, Abseilmaterial und mind. 50m Einfachseil

 

Zusätzliche Info

http://www.melchsee-frutt.ch/de/page.cfm/Home

 

Strasse von der Stöck Alp zur Melchsee Frutt ist zeitlich beschränkt befahrbar. Im Winter geschlossen.

 

Fazit

  • Spannende sehr abwechslungsreiche Tour mit Alpinen Elementen
  • Tolle Tiefblicke in die Frutt oder ins Melchtal
  • Grandioser Rundumblick vom Barglen Schiben
  • Teilweise exponiert
  • Auf dem Barglen Schiben hält sich die Besucherzahl in Grenzen

 

Genaue Route

Melchsee Frutt P.1902, Fruttliklettersteig, Bonistock P.2168,6, Tannenschild P.2182, P.2152, Chringen, Gross Hohmad P.2306, Hohmad P.2441, P.2407, Chli Hohmad P.2491, Barglenchäle, P.2551, Barglen Schiben P.2669, P.2551, Barglenchäle, südostwärts abseilen, Murmoltereneggen P.2193, südwestwärts, P.2161, Melchsee Frutt P.1902

  

Alternativ:

In der Melchsee Frutt besteht eine Vielzahl von einfachen bis schwierigen Wanderung, Bergwanderungen.


Tourengänger: Lulubusi, Stiefel


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Kommentare (2)


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babu hat gesagt: Aha!
Gesendet am 9. Oktober 2012 um 18:39
Merci vielmals für die Info bezüglich Abseilstelle...;-). Bei unserem Versuch haben wir die zwei 40m-Seile wieder sang- und klanglos eingezogen (die Sache war uns zu heiss: reicht es oder reicht es nicht bis zum nächsten Stand).
Gratulation zur schönen Tour!
Gruess, Andrea

Lulubusi hat gesagt: RE:Aha!
Gesendet am 21. Januar 2013 um 10:54
Halo Andrea
Ich glaub ich hab Dir noch nicht geantwortet.
Ja, 40m reichen bis zum nächsten Stand. (Es muss einfach in zwei malen abgeseilt werden.)

Griäss Pascal


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