Aroser Rothorn (2980m) und Lenzer Horn (2906m)


Publiziert von Daenu , 7. Oktober 2012 um 19:44.

Region: Welt » Schweiz » Graubünden » Schanfigg
Tour Datum: 5 Oktober 2012
Wandern Schwierigkeit: T5+ - anspruchsvolles Alpinwandern
Klettern Schwierigkeit: II (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-GR 
Aufstieg: 2050 m
Abstieg: 2300 m
Kartennummer:1196, 1216

Das Aroser Rothorn steht schon lange auf meiner Wunschliste. Im SAC-Führer "Alpinwandern" finde ich eine Route hinüber aufs Lenzer Horn. Mein Interesse ist geweckt.

Arosa - Aroser Rothorn - T3
In Arosa angekommen stelle ich fest, dass das Aroser Rothorn schneebedeckt ist. Viel scheint es aber nicht zu sein. Ich beschliesse, mir das Ganze aus der Nähe anzusehen. Zuerst folgt ein ausgedehnter Dorfrundgang durch Arosa nach Innerarosa - dass man bis dort den Ortsbus nehmen könnte kommt mir erst in den Sinn, als mich dieser überholt. Nun ja, wenn dies der einzige Lapsus am heutigen Tag ist :-). Am Ortsausgang folge ich dem Strässchen zum hübsch in einer Mulde gelegenen Schwellisee. Auf dem Wanderweg gehe ich weiter zum Älplisee und bin bald darauf bei der Abzweigung zum Erzhornsattel. Der Weg ist nun weiss-blau-weiss markiert, quert eine markante Geröllrinne und steigt dann steiler werdend durch den erdigen Hang zum Sattel an. Die Querung kurz unter dem Sattel ist heute etwas mühsam, da der Boden zum Teil gefroren, zum Teil durchnässt und rutschig ist - ausserdem kugeln ständig Steine herunter. Vom Erzhornsattel folge ich dem breiten Grat zu P.2866 und weiter zum Aroser Rothorn, die Route ist nun mit roten Punkten markiert. Der felsige Gratabschnitt wird links umgangen, eine Stelle erfordert ein wenig Geschicklichkeit. Die Aussicht vom Rothorn ist atemberaubend. Der Schnee ist fast vollständig geschmolzen, der weitere Wegverlauf scheint schneefrei zu sein.

Aroser Rothorn - Pizza Naira - P.2595 - T5
Ich beginne den Abstieg am westlichen Rand der Südflanke. Schon bald stosse ich auf alte weiss-rot-weisse Wegzeichen und Wegspuren. Offensichtlich war hier mal ein markierter Wanderweg. Ich folge dem Weg durchs Geröll hinunter (T3) - die Felsen am Grat links umgehend - und über den Grat hinüber zum Aufschwung der Pizza Naira. Dieser sieht von weitem abschreckend aus, von nahem betrachtet scheint der Aufstieg aber gar nicht so schwierig. Einen ersten Aufschwung ersteige ich direkt, die Griffe und Tritte sollte man unbedingt auf ihre Festigkeit prüfen! Nun folge ich alles mehr oder weniger dem Grat. Vor dem letzten Aufschwung queren die Wegspuren links in die Flanke. Der erdige Boden ist aber gefroren und unangenehm zu begehen, ich halte mich deshalb an die Felsen auf dem Grat und erklettere den Aufschwung etwas ausgesetzt in einem Riss (T6, II), ein wenig links der Gratkante - folgt man den Wegspuren steigt die Schwierigkeit vermutlich nicht über T5. Noch ein paar Schritte, dann stehe ich auf dem Gipfel. Nun geht es über den zunächst noch breiten Südgrat hinunter, einige Felsen umgehe ich links. Anschliessend wird der Grat schmaler, nun bewegt man sich meist direkt auf der brüchigen Gratkante - ein kurzer Abschnitt von ca. 10m ist recht luftig - oder gleich rechts davon. In einem kleinen Sattel wird der Grat etwas weniger steil.

Ich habe keine Lust auf die von MA90in94 beschriebene brüchige Kletterei vor P.2707, deshalb beschliesse ich, diesen Gratabschnitt zu umgehen. Ich steche rechts hinunter und halte auf eine kleine Schulter zu, dann passiere ich diese auf der linken Seite. Ab der Mitte des Hanges fahre ich in der Rinne oder gleich links davon im Geröll ab. Nun bin ich auf dem Bödeli nördlich von P.2595.

P.2595 - P.2707 - Piz Mosch - T2-T3
Nun folge ich dem Wanderweg bis P.2528, dann halte ich nach links durch ein Blockfeld auf die gut sichtbaren Wegspuren unterhalb des Piz Mosch zu. Auf diesen steige ich in ein Seitentälchen auf, dann an dessen linkem Rand über Weiden hinauf zum Gipfel P.2707.  Von hier kann ich nun den hinter mir liegenden Gratabschnitt vom Pizza Naira über P.2730 und P.2615 zu P.2707 überblicken. Scheint mir durchaus machbar zu sein. Über den Rücken geht es nun hinunter zu P.2624. Ich folge dem Rat und quere durch die Ostflanke des Piz Mosch auf den SE-Grat und steige über diesen zum Piz Mosch auf. Der Blick auf den weiteren Gratverlauf zum Lenzer Horn lässt mich zögern - vor allem der oberste Gratabschnitt sieht sehr eindrücklich aus. Ich kneife vorerst - deshalb verläuft der nächste Abschnitt der Tour auf einer etwas unüblichen Route...

Intermezzo - T5
Auf dem SE-Grat steige ich ab zu P.2559, dann quere ich auf den Wegspuren schön die Höhe haltend gegen P.2505 hinüber. Immer wieder schaue ich zum Grat hinauf. Etwas in der Hälfte der Querung bleibe ich stehen - von hier aus sieht die Querung im obersten Teil des Grates nicht mehr soooo schwierig aus. Sollte dies wirklich nicht möglich sein? Mich sticht der Hafer - ich steige in gerader Linie durch die Geröllhalde zum Grat hoch (auf der Karte etwa an der Grenze Geröll-Gras). Da mir nun ein Stück des Grates fehlt, deponiere ich den Rucksack und gehe auf dem Grat in Richtung Piz Mosch zurück. Auf der höchsten Erhebung schenke ich mir den Rest :-).

Piz Mosch - Lenzer Horn - T5+
Vom Piz Mosch folgt man der Wegspur über den Grat bis zur oben genannten Erhebung. Die Hindernisse im Grat umgehe ich auf der linken Seite (S). Bald darauf bin ich wieder bei meinem Rucksack. Nun folgt der heikelste Teil des Grates: Ich beginne die Querung im mühsamen, losen Schutt links unterhalb der Felszacken, dabei bleibe ich möglichst dicht bei den Felsen. Auf einem Band gehe ich um ein Eck herum, dann wird es mir im Geröll zu bunt - ich steige über die (brüchigen) Felsen zum Grat hoch (I+). Nun folge ich dem Gratverlauf zu P.2797. Die Querung sieht nun erheblich weniger steil und ausgesetzt aus, als es vom Piz Mosch aus den Anschein gemacht hat - eine Schutthalde ist es aber allemal. Ich steige einige Meter in die Lücke ab, dann beginne ich die Querung auf gleicher Höhe. Der Ausstieg zum SE-Sporn geht am besten dort, wo das orange und das weisse Gestein aneinandergrenzen. Nun folge ich dem Sporn zum Vorgipfel, dabei ziehe ich die Felsen dem losen Geröll vor. Anschliessend steige ich über den Grat hinüber zum Gipfelkreuz. Geschafft!

Lenzer Horn - Lenzerheide - T4
Der Abstieg erfolgt auf dem weiss-blau-weissen Wanderweg. Dieser überwindet die ersten beiden Steilstufen geschickt angelegt auf Bändern und Rinnen. An einer Stelle hilft eine Kette über einen kleinen Absatz hinunter. Bald bin ich unten im Gras vor P.2550, dann geht es rechts hinunter. Nach einer Weile führt der Weg auf einer Krete auf unwirklich wirkendem violetten Gestein hinunter zu P.2243, dann über Wiesen zur Alp Sananspans. Ich wähle den schnellsten Abstieg - deshalb folge ich dem Strässchen bis P.1872. Beim eingezäunten Bänkchen geht es rechts hinunter, rund 250m später biege ich rechts in das etwas zugewachsene Weglein ein, welches mich hinunter in die Lenzerheide bringt.

Tourengänger: Daenu


Minimap
0Km
Klicke um zu zeichnen. Klicke auf den letzten Punkt um das Zeichnen zu beenden

Galerie


Slideshow In einem neuen Fenster öffnen · Im gleichen Fenster öffnen


Kommentare (3)


Kommentar hinzufügen

MatthiasG hat gesagt: Knapp verpasst :)
Gesendet am 7. Oktober 2012 um 20:17
Da haben wir uns um einen Tag verpasst, wir sind gestern ganz etwas ähnliches gegangen (http://www.hikr.org/tour/post57041.html). Danke für diesen Super-Bericht, das wird mir sehr helfen, wenn ich das Lenzer Horn und den Piz Mosch nachhole!

Zolliker Pro hat gesagt: Lohnenswert?
Gesendet am 7. Oktober 2015 um 10:48
Dein Bericht liest sich gut. Aber war er auch die Mühe wert? Aussicht, Abwechslung etc? Danke für Feedback, Edwin

Daenu hat gesagt: RE:Lohnenswert?
Gesendet am 19. Oktober 2015 um 15:41
Tschou Edwin. Ja, die Mühe lohnt sich schon. Da die Route grösstenteils den Graten folgt, kommt die Aussicht nicht zu kurz. Und das Gelände ist dennoch abwechslungsreich - einfach auf das Intermezzo würde ich beim nächsten Mal verzichten :-). Gruess, Dänu


Kommentar hinzufügen»