Gamschopf mit "Supermotta"


Publiziert von WoPo1961 Pro , 7. Oktober 2012 um 12:19. Text und Fotos von den Tourengängern

Region: Welt » Schweiz » St.Gallen
Tour Datum:16 September 2012
Wandern Schwierigkeit: T5 - anspruchsvolles Alpinwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: Alpstein   CH-SG 
Zeitbedarf: 1 Tage 7:00
Aufstieg: 1250 m
Abstieg: 1250 m

Meine musikalischen Vorlieben liegen zwar in einer anderen Ecke, aber dennoch möchte ich diesen Bericht mit dem Evergreen "Immer wieder Sonntags.." beginnen. Denn die 2. Zeile lautet..."kommt DIE Erinnerung".... (ein sinniges "dibidibidipdip" folgt sodann im Original).
Genau! Die Erinnerung an den Gamsschopf kommt auch immer (besonders) am Sonntag. Und eines noch vorweg: die Besteigung werde ich auch nicht so schnell vergessen!!
Warscheinlich ist der zünftige Herr aus dem schönen Konschtanz nun ganz gespannt, was mir zu dieser Tour alles so durch den Kopf geht. Also wollen wir den jungen Mann und heimlichen Alpstein"Hausmeister" nicht länger auf die Folter spannen und beginnen:
Wie schon erwähnt, war es mal wieder Sonntag, die Sonne versprach nicht vor dem Dunkelwerden zu verschwinden und zu unserer Freude hatte marmotta quasi das Gleiche versprochen...
Ursprünglich sollte es eigentlich auf den Gamsberg hinaufgehen. Aus dem Gamsberg wurde dann auf Grund einer mittwöchigen Wetterkapriole ein Gamschopf. Da ich beide Berge nur vom Hörensagen kannte, war es mir wurscht, wo es hinaufgehen sollte.
Soo schlimm konnte der Gamskopp ja nicht werden, dachte ich mir noch, stand doch im Gebietsführer etwas von"BG" (es ist schon ein etwas älteres Büchlein :-) und 3/4 Std vom Lauchwissattel. Und so gab ich meine - im Nachhinein besehen doch etwas arglose - Meinung auch der weltbesten Begleiterin kund. Ihrer Intuition folgend traute sie dem "Braten" erstmal nicht, wenn schon ihr Begleiter etwas von kleiner Wohlfühltour sprach. Demzufolge fehlte auch morgens die gewisse Entspanntheit bei Ihr und Sie argwöhnte, so vor sich hin. Zunächst ging es gemütlich die Fahrstraße von Laui hinauf nach Oberlaui.
Ja, ihr Lieben, ihr habt richtig gelesen, marmotta kann auch Fahrstraße gehen!! Ohne typische marmottaabkürzung sogar!!!
(für die Unwissenden unter uns: eine typische marmottaabkürzung ist eine Abkürzung, wo mann/frau zwar bis zu 19-23 Meter Weg abkürzen kann, dabei aber sooo viele Körner verbraucht, daß am Ende mann/frau, weil immer langsamer werdend, viel länger unterwegs ist)
Leider war dieses herrlich beschwingte Gehgefühl auch nur von kurzer Dauer, denn irgendwo bei  Oberlaui bzw Altstofel war Schluß mit dem Genuss.... und ab sofort wie eben erwähnt in typischer marmottamanier hinauf Richtung Mutteli. Wobei fairerweise gesagt werden muß, daß es diesmal keine Abkürzung war... sondern es keine andere Möglichkeit gab, als steil, anstrengend unter und über Elekrozäune kletternd, anzusteigen.
(kleine Anekdote am Rande: beim 1. Elektrozaun wußte ich nicht genau, wie ich dieses "Hindernis überwinden sollte. Drübersteigen war mir bei meinen nicht gerade überdimensionierten Beinen an "entscheidener Stelle" etwas unangenehm; Ein paar zünftige Volt im Schritt verträgt auch ein Flachhausener Jung nicht allzu gut!!
 Drunterherkrabbeln kam mir andererseits auch etwas ungeschickt vor. Und wie ich noch hin und her probierte, kam der Bauer heran und öffnete direkt neben mir den Zaun mittels lösbaren Griff.... warum einfach, wenn es auch schwierig geht...wir "Flachstadtmenschen" können schon manchmal etwas unpfiffig sein!! Mit einem peinlich berührten und dahingenuschelten Danke schön versuchte  ich nun hurtig, bzw so hurtig wie ich konnte, die anderen Beiden wieder einzuholen  :-)
 Die knapp 300 Höhenmeter in praller Morgensonne brachten das eine oder andere Flachhausener Bäckchen dann ordentlich ans Schwitzen. Natürlich "flog" der Alpsteinhausmeister wie gehabt den Hang hinauf... schön, das es in der heutzutage schnelllebigen Zeit doch noch Dinge gibt, die sich nie ändern!!

Ab Mutteli gab es wieder einen auch für die Flachhausener Bagage geeigneten Wanderweg und es ging weiter Richtung Schrenit. Gemütlich saßen dort ein paar frühstückende Menschen und ich hätte mich wohl gerne dazu gesetzt. 
Ca 200 marmotta - oder 400 WoPo1961 Schritte später erreichten wir den Einstieg in die Ostflanke des Gamsschopf. Hier war der Rucksackdepot, Stockablageort, Pausenplatz, "Sonnenstudio" und überhaupt das Zentrum aller wichtigen Dinge, die man tut, vor einem marmottaeinstieg!!
Irgendwie kam mir der Einstieg schon etwas verdächtig vor, denn wie schon erwähnt, stand in meinem Alpsteinbüchlein etwas von Lauchwissattel und Nordgrat. Und dieser "Weg" war jetzt mal nicht unbedingt ein Grat... von Norden erst gar nicht zu sprechen!!
Aber mein Vertrauen in Supermotta war schier riesengroß und so zottelte ich schnaufend hinterher. Die weltbeste Begleiterin folgte mir zögerlich, um kurz darauf ihrem unguten Gefühl nachgebend umzukehren und zum Rucksackdepot abzusteigen. Nur kurze Zeit später bereute ich, dies nicht ebenfalls gemacht zu haben.
Ziemlich steil ging es nach oben, grundsätzlich nichts Unerwartetes in den Bergen. Aber DIESE Flanke war mit schon nach kurzer Zeit nicht mehr geheuer. Mal plattig mit Gras, mal felsbröckelig mit Gras und mal grasig mit Gras, also NUR Gras. Den Untergrund konnte ich nicht sehen, klar, war ja Gras drüber und das spontan als Gedanke kommende Sprichwort "erstmal Gras über die Sache(Ostflanke) wachsen lassen", bekam eine merkwürdige Bedeutung. Als Nuance an Schwierigkeitssteigerung gesellte sich hier und dort noch etwas feuchter Schmier dazu. Da erhöht sich die Pulszahl gleich nochmal um 10 Schläge. Bloß nicht in solchen Situationen die Nerven verlieren - hatte ich schon vor vielen Jahren gelernt und so deutelte ich mir das Ganze positiv, höherer Pulsschlag gleich höherer Kalorienverbrauch... Mann, bin ich heut ein Glückskind!!!!
Im Nachhinein liest sich das jetzt wieder schmunzelig, aber in der Situation war mir ehrlich gesagt nicht wirklich wohl. Ich hatte jedenfalls die ganze Zeit das ungute Gefühl, ich könnte jeden Moment abrutschen bzw mich nicht richtig halten. marmotta`s Felsvariante war mir auch nicht geheuer und so entschied ich mich erstmal, es etwas weiter rechts (in Aufstiegsrichtung gesehen) zu versuchen.
Da mir der "Gipfelbuchchef" im vorhinein erzählte hatte, bloß nicht oben zum Grat zu krabbeln, da es von dort nur unangenehm ausgesetzt weiterginge, versuchte ich immer wieder auf seinen Aufstiegsweg zu kommen. Dies brachte mich aber in noch besch.... Gelände, so das ich eigentlich auch nur noch absteigen wollte. Da mir der Abstieg oben vom Grat aber einfacher erschien, bin ich die letzten 30 Meter dann doch noch "hinaufgegrast" (oder wie sollte ich ansonsten die Fortbewegung nennen, wenn man sich nur noch von Grasbüschel zu Grasbüschel hinaufzieht?). Oben am Grat fühlte ich mich sofort wohler, auch wenn ich erkennen mußte, das ein Abstieg über den (Nord)grat nicht möglich war. Dafür sah ich nun wieder eine Möglichkeit, den weiteren Gratverlauf Richtung Gamschopfgipfel zu folgen. Puh, war DAS eine Erleichterung!
2 kleine Graterhebungen mußten überklettert werden, dann ging der Grat in den Sattel unterhalb des Gipfelkopfes über. Und nun eine kleine Rätseleinlage! Was meint Ihr, wer stand oben am Gipfel des Gamschopf und blickte auf den zarten WoPochopf hinab?? Ja, ja, ich weiß, gaaaanz schwere Frage!
Der Sattel war nicht schwer, aber anstrengend und der Gipfelkopf aber  mal echt nicht unsteil. Mein Konschtanzer Bergfreund kam mir sogar nochmal ein Stück entgegen, damit wir (zumindest gefühlt :-) den Gipfel gemeinsam erreichten!..... GÄNSEHAUT!!!...
Dabei erfuhr ich auch, das sich marmotta schon Sorgen gemacht  und mir immer wieder Tipps und Tricks hinuntergerufen hatte. Leider sind diese wohl irgendwo in den Untiefen von Schichtköpfen, Grasbändern und Stufen der Ostflanke verloren gegangen. Aaaber es hat auch etwas Gutes!! Denn für nachfolgende Ostflankenbegeher liegen jetzt irgendwo all die marmotta`ischen Tricks und Tipps herum Juwele des Alpsteins, Goldstücke vom Fachmann, kleine Schatzkästchen. Boah, werdet Ihr es gut haben!!!!! :-))
Tja, da stand ich nun am Gipfel und konnte mir nicht vorstellen, WIE wieder hinunter zur weltbesten Begleiterin kommen. So war der Genuss dort oben zu stehen auch nicht unbedingt supergalaktisch.
Kleines 1 mal 1 der WoPotaktik; sieht er Anzeichen irgendwelcher auftauchender Probleme, gibt er diese gleich mal weiter. In diesem Falle mit den Worten: marmotta, bring mich ja heil wieder runter, sonst kriegste Ärger... mit der weltbesten Begleiterin.
Erleichtert, keine Probleme mehr zu haben, konnte ich nun sogar etwas ins Gipfelbuch zu kritzeln. 
marmotta machte mir indessen Mut, der Abstieg wäre viel leichter als der Aufstieg. Ne, is klar!, dachte ich ungläubig, da will mir Einer Mut machen! Aber, tatsächlich, er hatte wirklich Recht. Überraschend schnell und einfach ging es wieder hinab. Fast war ich ein bißchen enttäuscht, WIE simpel.
Und nun kann ich in diesem Bericht nichts erzählen über einen knallharten Abstieg bzw einer Schlagzeile wie zum Beispiel "zähnezusammenbeissend kämpfte der Schweizhutträger sich Zentimeter für Zentimeter den Berg hinunter"; keine Dramatik, kein Fluchen....
Unten am Rucksackdepot war auch die weltbeste Begleiterin froh, uns wieder ohne Blessuren empfangen zu können. Noch froher wäre sie warscheinlich gewesen, wir wären nach einer Pause Richtung Tal gestiegen. Diesen Plan verfolgte unser "Supervisor" heute "ausnahmsweise" einmal nicht. Eigentlich hätte er wohl am liebsten irgendwelchen Scherenspitzen noch einen Besuch abgestattet, was der zeitlichen Rahmen dann doch ziemlich gesprengt hätte. Aber wie ich ja schon unlängst in einem anderen Bericht erwähnte, gibt es bei Supermotta immer noch Plan B bis (mindestens) F!!
In diesem Fall schawenzelten wir doch noch hoch zum Lauchwissattel und weiter auf den Stoss. Ich persönlich glaube, Touren mit einem nur dreistelligen Höhenaufstieg gibt es in den "...Motta-Plänen" nicht... oder höchstens im Plan X oder Y.
Und so kamen wir auch heute in den vierstelligen Bereich... locker!!Leider muß ich mich ab sofort mit diesem Tourenbericht sputen, denn im Tal wartet der Wahnsinnsrunner auf uns, zwecks Kennenlernens und zusammen ein Käffchen schlürfen und wenn ich hier weiter so herumplaudere wird das nichts mehr mit der gemütlichen Kaffeerunde.
So hielten wir uns auch nicht all zu lange am Gipfel auf und hurtigen Haxens ging es auf genannten Wege wieder zurück. Unterwegs wollte unser "Konschtanzer" Bergfreund.noch eine ausgedehnte "Veschper" halten, die aber kurzerhand auf ein Minimum gestrichen wurde. Fand ER nicht so gut und die Aussage: "Mensch, WoPo, bist du ungemütlich", höre ich auch nicht alle Tage!!
marmotta, WIR sprechen uns wieder!!
Zum Abschluß gab es in Unterwasser noch das Treffen mit runner Unglaublich, was für eine Leistung er tags zuvor mal wieder vollbracht hatte (siehe hier!!!!)
Mich hätte man mit einer Bahre nach Unterwasser bringen müssen, ER kam im geschmeidigen Gang daher!! Schweizhut ab, vor dieser Leistung

Für diesen Sommerurlaub war es die letzte gemeinsame Tour mit "Supermotta", aber in unseren gedanklichen Schubladen befinden sich noch einige Pläne, die nur darauf warten in die Tat umgesetzt zu werden. Ich wiederhole mich gerne: freu mich drauf, "altes Murmel" :-)
Abschließend gibt`s als Dank noch virtuelle Blümchen :-))

 


Tourengänger: marmotta, WoPo1961

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Kommentare (4)


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Willem hat gesagt: Schon wieder einen Prachtstag...
Gesendet am 9. Oktober 2012 um 11:16
...habt Ihr da erwischt! Einen "Besonders-schön-Modus" braucht man dann nicht auf dem Fotogerät, oder?

Der marmotta muss ein sehr netter Mensch sein, denn sonst verstehe ich nicht warum Du ihm auf diesen anspruchsvollen/heiklen Steilgrastouren, marmottaanstiegen und marmottaabkürzungen immer wieder folgst :-).

LG Willem

WoPo1961 Pro hat gesagt: RE:Schon wieder einen Prachtstag...
Gesendet am 9. Oktober 2012 um 18:32
Ist der marmotta ein netter Mensch, wenn er mich in SO anspruchsvolle Steilgrasrouten schickt?? Hm???? Schwere Frage!!! Ich folge ja nur, weil er ja sonst so alleine in der Route wäre :-))
Nein, im Ernst, der Alpstein-Hausmeister muss allein deshalb schon ein netter Mensch sein, weil er immer wieder MIT UNS Touren unternimmt. Und die meisten Touren hätten wir nie kennengelernt. Einfach, weil wir uns noch garnicht so gut dort auskennen.
Bei Urlaubsantritt hatte ich mir im Infobüro ein Prachttag-Abo geholt. Bei 14 Tage Urlaub gibt es 10 Tage Superschönes Wetter. Du gehst am Vortag einfach ins Büro, reißt aus dem Prachttag-Abo einen Prachttaggutschein heraus und sagst, das du am folgenden Tag einen Prachttag benötigst. Und schwuppdiwupp kannst du für den kommenden Tag eine marmottatour planen. Echt praktisch, so ein Abo
Vielen Dank für deinen Kommentar, hat mich sehr gefreut!
Grüße von Flachland zum Flachland
WoPo

CarpeDiem hat gesagt: Also wenn du...
Gesendet am 16. Oktober 2012 um 18:30
...einfach so Prachttags-Abo lösen kannst, wird es ja bald wieder zwei prächtige Wochen geben, oder ???

WoPo1961 Pro hat gesagt: RE:Also wenn du...
Gesendet am 17. Oktober 2012 um 11:07
ähm, hm, ich glaub, das "Prachttag-Abo" gilt nur in der Hauptsaison. Für die Nebensaison hab ich wettertechnisch noch nix gefunden... wäre mal ne Idee


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