Gräte des hinteren Sihltals - eine Heimwehtour


Publiziert von Mueri , 4. Oktober 2012 um 19:50.

Region: Welt » Schweiz » Schwyz
Tour Datum: 3 Oktober 2012
Wandern Schwierigkeit: T6 - schwieriges Alpinwandern
Klettern Schwierigkeit: II (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-SZ   Östliche Sihltaler Alpen   Nördliche Muotataler Alpen   Zürcher Hausberge   Westliche Sihltaler Alpen 
Zeitbedarf: 6:00
Aufstieg: 1300 m
Abstieg: 1300 m
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Anfahrt mit PW nach Studen-Ochsenboden am Golfplatz vorbei bis Tobel (1067m)
Zufahrt zum Ankunftspunkt:Privattaxi;-) ab Weglosen (Talstation Hoch-Ybrig)

Gelegentlich packt mich das Heimweh. 20 Jahre (meine ersten 20 Lebensjahre) im selben Dorf bleiben nicht ohne Spuren. So zieht es mich immer wieder zurück an jenen Ort, an dem die Freude am Skisport, am Wandern in den Bergen und an der Natur seinen Ursprung genommen hat: ins Ybrig. Und die schönste Tour im Ybrig - so empfinde zumindest ich es - ist die Überschreitung der hinteren Gräte des Sihltals mit dem Südanstieg auf den Druesberg, den höchsten Ybriger. Landschaftlich ist die Tour ein Genuss, mit Steinwild kann fast hundertprozentig gerechnet werden und nicht zuletzt ist auch das Gelände ganz nach meinem Geschmack: luftige Gräte mit einer tollen Weitsicht, sollte das Wetter mitspielen. Wiederholung einer Tour hin oder her, bei einer Heimattour wie der hier beschriebenen oute ich mich gerne als Wiederholungsbesteiger.

Im Tobel hinten im Ochsenboden war für meinen fahrbaren Untersatz eine längere Pause angesagt. Weiter wäre ich mit dem Auto nicht gekommen, ohne mir dabei den Unterboden zu beschädigen; und viel Zeit und Weg hätte ich mir eh' nicht erspart, führte doch ab Gribschli nur ein Fussweg weiter.

Und was für ein Fussweg! Eben einen Fussweg, den man wenn auch nur irgendwie möglich meiden sollte! - so zumindest meine Erinnerung. Nicht wenig erstaunt war ich, als ich zum Untersihl hochmarschierte und feststellen durfte, dass der einst durchnässte Kuhpfad im Jahre 2010 erneuert wurde. Vom Untersihl ging's immer dem Wanderweg entlang zur Fritschenhütte, Lauiberghütte und hoch zum sagenumwobenen Sihlseeli. Ich war grad nicht wirklich in Stimmung für mystische Momente, und so zog ich voller Tatendrang am Sihlseeli vorbei, ohne das dreifache Echo zu prüfen, das diesem Ort nachgesagt wird (vgl. Sage vom Echo am Lauiberg).

Vom Saaspass stieg ich auf gut erkennbarem Weg hoch zum Gipfel des Lauibergs. Bereits kurz vor dem Gipfel trat die wichtigste Regel bei dieser Tour in Kraft: IMMER  AUF DEM GRAT BLEIBEN. Sofern man diese Regel befolgt, sollte man keine Mühe haben, den "Weg" zu finden bzw. den weiteren Verlauf der Route. Einzige Ausnahme dabei bildet wohl das Finden des Fixseils bei der Südkante des Druesbergs. Aber nun zurück zum Lauiberg... Wie gesagt: Immer dem Grat folgen! Das gilt ganz besonders auch für den Abstieg vom Lauiberg Richtung Mandli. Die Grashalde mag steil erscheinen, doch ist sie hervorragend gestuft.

Über teils schmale und abschüssige Gräte gelangte ich zum Mieserenstock. Und dort bewahrheitete sich meine Vermutung: die Vermutung, unweit ob mir im Gipfelbuch den Namen 'Tschäss' zu finden. Nach einer kurzen Gipfelbucheintrag-Pause machte ich mich wieder auf den Weg, hinunter vom Mieserenstock und sodann hoch zum Höch Hund. Einige Stellen werden hierbei am besten südseitig umgangen.

Nach einer weiteren Begegung mit Steinböcken vor dem Höch Hund hiess es, eine weitere Frage zu klären: Existiert das Gipfelbuch von Delta wohl noch, in dem ich mich im Jahre 2009 bereits einmal eingetragen habe? Geheimnis gelüftet: Ja, es wartet gespannt und sehnsüchtig zugleich auf weitere Einträge und ist noch in tadellosem Zustand! Und in einem ebensolchen Zustand möchte ich die Aussicht auf dem Tageshöchstpunkt, dem Druesberg, geniessen. Also nichts wie weiter, denn der Nebel zieht bereits auf...

Der Abstieg zum Teuf Hund ist problemlos. Beim Aufstieg zu den Chläbdächern umgeht man das erste Hindernis südostseitig und hält sich anschliessend konsequent an den Grat, wenngleich die horizontal verlaufenden Felsbänder dazu locken, begangen zu werden. Nach angenehmer Kletterei (II) steht man hinter (östlich) dem auffälligen morschen Turm der Chläbdächer. Dieser Gipfelturm kann entweder südseitig umgangen werden oder alternativ erklettert werden. Ich habe mich für die zweite Variante entschieden. Für ein Andenken in Form eines Gipfelfotos fehlte mir allerdings ein Tourenpartner.

Nach dem immer breiter werdenden Grat der Chläbdächer umschritt ich, die Höhe einhaltend, den Druesberg südseitig auf dem obersten Grasband unterhalb der grossen Felswand. Am südlichsten Punkt angelangt (sobald der Forstberg sichtbar wird und man nicht mehr stolz auf die Chläbdächer blicken kann), schritt ich über Geröll, eher nach links haltend, hoch (ca. 20-30 m). Es lohnt sich, bereits unten am Band einen Blick nach oben zu werfen und die Stelle zu suchen, wo das Fixseil hängt (beispielsweise anhand des Felsen links vom Fixseil mit den vertikalen Streifen). Und wenn man die Stelle nicht findet, steigt man eben intuitiv hoch. Meines Erachtens lässt sich die Stelle gut finden, auf unterschiedlichen Zustiegen.

Das Highlight des Tages, die Chläbdächer, war bereits Vergangenheit, doch der Höchstpunkt des Tages wartete noch auf: der Druesberg (2282m). Nach Zuhilfenahme des Fixseils (zwei bis drei Höhenmeter müssen überwunden werden, ohne Fixseil wohl III.-IV. Klettergrad) ging's über gut gestuftes Gras direkt hinauf zum Gipfel. Dort angelangt, blieb mir die Aussicht versperrt; und damit der optische Rückblick auf die zurückgelegte Strecke. Naja, so habe ich eben in dieser Dokumentation noch einige Archivbilder aufgeschaltet. Übrigens, der Abstieg erfolgte über den Normalweg via Druesberghütte und Leiteren. 


Tour im Alleingang

Fazit: Fantastische (Pflicht-)Tour für T6-Liebhaber! "Weg" abwechslungsreich und keineswegs mühsam, Gegend wunderschön (mit viel Steinwild und sogar Edelweiss), Aussicht toll (da man sich sehr lange auf dem Grat bewegt und somit in alle Himmelsrichtungen freien Blick geniesst)

Tourengänger: Mueri

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