Großer & Kleiner Roßzahn - in der einsamsten Ecke der Allgäuer Alpen


Publiziert von mabon , 5. Oktober 2012 um 00:44.

Region: Welt » Österreich » Nördliche Ostalpen » Allgäuer Alpen
Tour Datum: 3 Oktober 2012
Wandern Schwierigkeit: T5 - anspruchsvolles Alpinwandern
Klettern Schwierigkeit: II (UIAA-Skala)
Mountainbike Schwierigkeit: L - Leicht fahrbar
Wegpunkte:
Geo-Tags: A 
Zeitbedarf: 1 Tage 8:30
Aufstieg: 1400 m
Abstieg: 1400 m
Kartennummer:Forchach - Schwarzwassertal - Großer Rosszahn - Kleiner Rosszahn - Schwarzwassertal - Forchach

Es ist nicht übertrieben zu behaupten, die Gegend um den Großen Roßzahn sei einsam. Sie ist sogar gottverlassen; kaum vorstellbar, dass hier jemals Menschen unterwegs waren, stünden nicht gelegentlich freundliche Steinmänner im Arreal. Sinnigerweise schreibt der aktuelle AV-Führer bezüglich des Großen Roßzahns: "Der einsamste und abgelegenste aller Hauptgipfel in den Allgäuer Alpen."

Besagte Einsamkeit resultiert aus der Abgeschiedenheit des Großen Roßkars, von dem aus der Anstieg auf die beiden Roßzähne erfolgt. Ginge man von Forchach zu Fuß bis zum Gipfel, wären es gute sechs Stunden. Keine Frage, dass dies die meisten Bergsteiger abschreckt, denn zurück muss man ja auch noch, woraus eine geschätzte Gesamtgehzeit von elf Stunden resultiert.

Zum Glück lässt sich mit dem Mountainbike einiges an Zeit einsparen, was insbesondere für das genussvolle Runterradeln gilt. Die Auffahrt ist nicht sonderlich anstrengend, aber lang. Erschwerend kommt hinzu, dass die die Wegfindung nicht so einfach ist, wie sie anfangs erscheinen mag.

Man radelt gemächlich westwärts in das Schwarzwassertal hinein und merkt schnell: Der Weg ist weit und man fragt sich: Wo befindet sich der richtige Abzweig nach Süden, um zum Roßkarbach, der ins Große Roßkar führt, zu gelangen? Zweimal verloren sich die Abzweige im Nirgendwo. Also wieder zurück und weiter gen Westen. Wegweiser gab es auch keine; einfach intuitiv vortasten.

Auch versperrten die hochaufragenden Bäume die Sicht auf die das Roßkar umrahmenden Berge, was ansonsten die Orientierung erheblich erleichtert hätte. Wie also den Zustieg ins Roßkar finden? Letztlich war der im AV-Führer erwähnte "Minisee" gefunden. Besagter Pfad, der von dort aus zum Roßkarbach führen soll, war aber unauffindbar. Das Studium zweier Karten gab auch Rätsel auf. Vom See aus war keine westwärts verlaufende Forststraße eingezeichnet; jene fuhr ich jedoch. Nach einigen hundert Metern fand sich dann links der versteckte Einschlupf zum Roßkarbach, den man im Vorbeiradeln leicht übersehen kann.
 
Schon kurios, denn die nicht eingezeichnete Forststraße existiert auch nicht bei Google Maps. Erst wenn man auf den den Satelliten- oder Earth-Modus umschaltet, sieht man die Straße. Insofern: Kein Wunder, dass sich in diese Ecke kein Mensch verliert, wenn nicht mal die Karten stimmen. Andererseits: Schön. So macht die Wegfindung Spaß; ist halt immer wieder ein kleines Abenteuer. :-) Witzigerweise wird die Route auch von keinem Kartenhersteller vollständig erfasst. Der Roßzahn wohnt eben an der Falzgrenze *lol*. Letztlich auch ein Indiz dafür, dass dieser Berg irgendwie vergessen wurde.

Zu Unrecht! Denn der weitere Anstieg entlang des sympathisch plätschernden Roßkarbachs und der sich später eröffnenden Arena des Großen Roßkars sind traumhaft. Natur pur - und scheinbar ab jeglicher Zivilisation; obwohl diese gar nicht mal so weit weg ist. Das macht den speziellen Reiz dieser Tour aus. Sowas gibt es im Lechtalbereich zwar schon immer mal wieder, aber selten in dieser Absolutheit. Insofern: Sehr speziell das Ganze.

Was dem Ganzen die Krone aufsetzt, ist der einzigartige Blick auf den Hochvogel. Diesen schönen Berg habe ich schon aus allen möglichen Perspektiven bestaunt. Vom Großen Roßzahn aus gesehen präsentiert er sich jedoch am schönsten. Alleine schon deshalb lohnt sich diese einsame Tour. Der Große Roßzahn besitzt zwar kein Gipfelbuch, sein kleiner Bruder aber schon. Fünf bis zehn Einträge pro Jahr sprechen eine deutliche Sprache.

Bleibt zu sagen, dass diese landschaftlich sehr anregende Tour nur in Verbindung mit dem Mountainbike gemacht werden sollte. Zu Fuß begangen dürfte das Ganze zu einer konditionell herausfordernden und zudem sehr zeitaufwendigen Angelegenheit werden.

Tourengänger: mabon

Galerie


Slideshow In einem neuen Fenster öffnen · Im gleichen Fenster öffnen


Kommentare (7)


Kommentar hinzufügen

sven86 hat gesagt:
Gesendet am 5. Oktober 2012 um 11:35
Hey, tolle Tour, wollte ich auch mal versuchen, wenn gerade ein Rad dabei ist. Wie würdest du denn den kleinen Roßzahn bewerten?
Viele Grüße, Sven

mabon hat gesagt: RE:
Gesendet am 5. Oktober 2012 um 14:50
Danke Sven!

Wenn Du den Kleinen Roßzahn nicht von der Scharte aus machst, sondern einfach die Südseite raufgehst, ist er einfach.

Schöne Grüße

mabon

ADI hat gesagt:
Gesendet am 5. Oktober 2012 um 21:28
Eindrucksvolle Foto-Doku von einer megaeinsamen Ecke der Allgäuer Alpen.
Stark! Gefällt mir sehr gut....

vlG, G

mabon hat gesagt: RE:
Gesendet am 5. Oktober 2012 um 23:05
Tausend Dank Gunter.

Schöne Grüße

mabon

Chiemgauer hat gesagt:
Gesendet am 6. Oktober 2012 um 21:47
Ich hoffe das Gipfelbuch am Kleinen Roßzahn hat nun auch ein schönes Zuhause!?
Gruß,
Hans

mabon hat gesagt: RE:
Gesendet am 7. Oktober 2012 um 01:16
Leider nicht; hatte nicht genug Tüten dabei, weil ich den Kleinen Roßzahn gar nicht eingeplant hatte. Werde ab jetzt einfach mal vorsorglich immer 60 Tüten in den Rucksack packen.
Eigentlich sollten wir dieses Jahr auch noch eine gemeinsame Tour raushauen, oder? Du sprintest vor und ich krieche nach; wär doch was. :-)

So long

mabon

Chiemgauer hat gesagt: RE:
Gesendet am 7. Oktober 2012 um 15:19
nicht genung Tüten? Habe ich dir denn nichts beigebracht!? ;-) ;-) ;-)
Können gerne mal wieder etwas machen, nachdem ich mich die letzten drei Monate mehr wie austoben konnte! Mal sehen was der Schnee noch alles zulässt. Vielleicht verschlägt es dich auch mal in meine Gegend?

Gruß,
Hans


Kommentar hinzufügen»