Brenntjoch - Lichtbrenntjoch(1961m) - Spitzkopf / vom Grau ins Blau und zurück


Publiziert von Yeti69 , 2. Oktober 2012 um 13:32.

Region: Welt » Österreich » Nördliche Ostalpen » Ammergauer Alpen
Tour Datum:30 September 2012
Wandern Schwierigkeit: T4+ - Alpinwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: A 
Zeitbedarf: 7:00
Aufstieg: 1400 m
Abstieg: 1400 m
Strecke:Heiterwanger See - Am Zwircher - Schönbödele - Brenntjoch - Lichtbrenntjoch - Spitzkopf - Gehren - Am Spiß
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Hotel Seespitz am Plansee über Anfahrt Ammerwald oder Reutte - Parkplatz am See
Kartennummer:AV Wetterstein/Mieminger 4/1

Auf dem Plan stand eine gemütliche Wandertour  zum einsamen Lichtbrenntjoch auf dem Normalweg - doch wie heißt`s so schön - erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Schlußendlich wurde es dann eine Tour mit alpinen Touch, die sicherlich länger in Erinnerung bleiben wird - im positiven Sinne.

Die Wetterprognose war nicht so schlecht, und so stiefelten wir auf breitem Forstweg bei tiefhängenden grauen Wolken vom Hotel Seespitz am Plansee recht optimistisch Richtung Heiterwanger See. An der Engstelle zwischen den beiden Seen gings über die kleine Brücke und ein Stück an der Ostseite des Heiterwanger Sees entlang. Hier bogen wir links in den Forstweg Richtung Pitzetal ab. Und es kommt wie es kommen muß: Wir übersahen danach den rechten Abzweiger zur Pitzebachhütte und laufen den Forstweg zu weit ab.

Kurzerhand planten wir die Tour um und steuerten direkt nach Überquerung des Pitze-Bachs (Auslauf des Pitzetals) rechts einen Jagd-/Gamssteig an, der auch in der AV-Karte erkennbar ist. Der schwach ausgeprägte Steig windet sich östlich steil im ZickZack empor, später legt er sich etwas zurück und verläuft wildromantisch nördlich parallel des Pitzetals - Einsamkeit garantiert ! Auf einer Höhe von ca. 1250 m wird die Wegführung abenteuerlicher - von einem "Weg" kann dann nicht mehr die Rede sein - Spuren führten nun über steile Stufen nördlich Richtung "Schönbödele" bergauf.  Auf ca. 1400 m peilten wir nach kurzer Suche den rechts querverlaufenden Jagdsteig lt. AV-Karte an, der parallel zum Pitzetal zur Pitzejagdhütte (1377m)  weist. Hier und da verliert sich der Steig im Unterholz, aber mit etwas Routengespür war er ganz gut auffindbar. Schließlich erreichten wir die Pitzetaljagdhütte - die auch über den Normalweg angesteuert wird. Von der Hütte folgten wir dem Normalweg nördlich Richtung Neualpkopf zur Grathöhe auf ca. 1760m (siehe hierzu auch die ausführliche und sehr gute Routenbeschreibung von Tef).          

Die Weitsicht oben am Grat war gleich Null - Grau in Grau - erst später sollte sich das entscheidend ändern. Erstes Ziel war das Brennt-Joch (1846m - auch "Hoher Spiß"), und so zweigten wir am Grat links ab (rechts gehts zum Lichtbrenntjoch). Nach rund 15 min. auf Steigspuren am Grat und einigen deftigen "Latschenkämpfen" waren wir am Brennt-Joch (kein GK). Zumindest war jetzt so etwas wie ein blauer Himmel im Ansatz zu erkennen - mehr nicht. Zurück gings auf gleichem Weg mit Fluch-Begleitung durch die Latschen und am besagten Aufstiegsweg rechts ab Richtung Lichtbrenntjoch. Meist wird die Grathöhe mit dem Latschendickicht auf der Südseite umgangen, bis der finale kurze Schlußanstieg folgt. Und kurz unterhalb dem Gipfel dann die Belohnung - wir hatten die Wolkendecke unter uns gelassen. Welch ein Blick ! die Berge unterhalb 1900m waren in "Zuckerwatte" gepackt - alles darüber war wolkenfrei - einfach genial !
Auf dem Lichtbrenntjoch war dann Zeit, die schönen Wolken-Impressionen bei einer Pause zu genießen.

Das Highlight sollte aber noch folgen - unsere Abstiegsvariante nach Norden. Wir gingen ein kurzes Stück vom Gipfel zurück bis ca. auf 1830m am Grat ein Trittspur (lt. AV-Karte "Geißsteig") nach Nordosten leicht abwärts zog. Das Gelände wurde jetzt alpiner - anfänglich waren einige abschüssige Runsen zu queren - später verlief sich die Trittspur im Steilgelände (vermutlich querten wir hier zu tief). Ab jetzt war gutes Orientierungsvermögen gefragt - weglos zwischen Latschenverhau, teilweise auf Gamswechselspuren gings steil abwärts und zusätzlich gesellte sich das Wolkengrau auch wieder erschwerend dazu. Zwischendurch bergab in Schrofen, dann wieder Steilgelände, das an Latschen festhaltend zu bewältigen war. Auf einer Höhe von ca. 1650m stießen wir auf so etwas wie einen "Pfad", den wir östlich bergauf zur Neualp (1757m) bzw. zum Spitzkopf verfolgten - eine eher unscheinbare Erhebung.

Zurück folgten wir der Spur auf 1650m abwärts zu einem deutlichen Graben unterhalb des Steinkars. Ein kurzes Stück gings steil direkt darin bergab, später hielten wir uns linkerhand vom Graben - immer wieder unterbrochen von "Ausflügen", um das Gelände zu beurteilen. Der Graben mündet später über Steilabbrüche im Spießbach, so das wir ihn auf ca. 1400m nach rechts querend verliesen. Ab hier wurden die Spuren wieder etwas deutlicher - wir bewegten uns etwas vom Spießbach und den Steilabbrüchen weg und stiegen den Waldrücken in kurzen Serpentinen bis auf ca. 1100m zum großen Bachbett, lt. Karte "Am Spiß" hinunter. Wiederum querten wir das Bachbett nach links, um auf breitem Weg zum Ufer des Plansees zu gelangen. Der restliche Rückweg folgte auf dem Forstweg am See entlang über die Brücke an der Engstelle zum Hotel Seespitz.



Fazit:
Die Wanderung auf dem Normalweg zum Lichbrenntjoch ist landschaftlich eine reizvolle, wenn auch einsame Tour mit sehr schöner Aussicht. Der hier beschriebene Auf- und Abstieg kommt wohl eher für Individualisten in Frage, denen es nicht rustikal genug sein kann und ein Faible für weglose Touren haben. Einsamer gehts nimmer !


Schwierigkeitsbewertung:
Orientierungsvermögen und Geländebeurteilung wichtig - technische Schwierigkeiten eher gering
Aufstieg bis Lichtbrenntjoch:  T3
Abstieg nach Norden:              T4+

Wir hatten für die Tour GPS zur Hilfe - selbst damit blieb es anspruchsvoll 


Mit auf Tour: Tourenpartner Andreas


Tourengänger: Yeti69

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Kommentare (3)


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mabon hat gesagt: Unglaublich...
Gesendet am 2. Oktober 2012 um 16:11
..., dass am Sonntag so schönes Wetter war. Selbst der zuverlässige ZAMG sagte ja eher schlechtes Wetter an. Hätte ich gewusst, dass es so schön wird, hätte ich mich nicht zum Fußballspielen überreden lassen.
Hast auf jeden Fall einen tollen Berg gemacht. Will ich auch schon seit Jahren machen. Bestimmt auch megaeinsam und wenig besucht?

Schöne Grüße vom Ammersee

mabon

Yeti69 hat gesagt: Wir waren wohl....
Gesendet am 2. Oktober 2012 um 17:29
zur richtigen Zeit am richtigen Ort, oder besser gesagt, wir hatten Glück. Weiter im Südosten Richtung Karwendel schaute es wesentlich düsterer aus.
Deinen Tourberichten nach dürfte dir die Tour bestimmt gefallen - auch welchem Weg auch immer - vielen 2-Beinern, wenn überhaupt, wirst du nicht begegnen.
Auf unserer Route jedenfalls trafen wir nicht mal auf Gemsen.....

Schöne Grüße zurück vom Wörthsee (da sind wir ja fast Nachbarn)

Markus



mabon hat gesagt: RE:Wir waren wohl....
Gesendet am 3. Oktober 2012 um 00:25
Ach vom Wörthsee?
Da würde ich doch mal vorschlagen, dass sich mal eine gemeinsame Tour ergeben könnte; if you want! :-)


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