Haldensteiner Calanda


Publiziert von Futanari , 29. September 2012 um 23:31.

Region: Welt » Schweiz » Graubünden » Calanda
Tour Datum:29 September 2012
Wandern Schwierigkeit: T3 - anspruchsvolles Bergwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: Calanda   CH-GR   CH-SG 
Zeitbedarf: 9:00
Aufstieg: 2200 m
Abstieg: 2200 m
Strecke:Haldenstein, Arella, Nesselboden, Funtanolja, Bärenhag, Altsäss, Calandahütte, Haldensteiner Calanda, Calandahütte, Altsäss Neusäss, Alpboden, Berg, Ruine Lichtenstein, Haldenstein

29.09.12:

5:30 Uhr, endlich schaffe ich es los zu kommen. In den letzten Monaten bin ich ja schon ab und zu nach dem Büro erst um 6 Uhr losgekommen, trotzdem wollte ich heute um 5 los. Auf die Calanda ist es ja weit und ich musste schon mit mehreren Stunden rechnen.

Als ich am Morgen am Frühstückstisch sass und über den bevorstehenden Spaziergang sinnierte, hatte ich mir spontan meine Stirnampe um den Hals gehängt, um sie auf garkeinen Fall zu vergessen. Dunkelheit war unvermeidlich.

Der wegen der Verspätung aufkommende Ärger wurde durch den leichten Nieselregen aber schnell weggespült. Trotzdem stolperte ich die ersten zwei Stunden recht unansehnlich durchs Gelände. Es war frisch. Kein Anzeichen von Sommer! Das Wetter war eher wie an einem kühlen windigen Spätseptembertag ... Kein Wetter für ein T-Shirt.

Der Weg sollte mich von Haldenstein über Arella, Nesselboden, Funtanolja, Bärenhag, Altsäss und an der Calandahütte vorbei auf die Haldensteiner Calanda führen - und so war es dann auch.

Um 8:15 Uhr war ich dann endlich in der Nähe der Calanda Hütte und genoss die erste meiner zwei mitgebrachten Cervelats. Eine grossartige Erfindung!! Es war einfach nur kalt und mit der fortgeschrittenen Stunde kam auch noch ein immer stärker werdender Wind auf. Es war kalt. Mir viel ein, dass ich ja vielleicht meine Jacke über das T-Shirt ziehen könnte, um die aufkommenden Frostbeulen zu verbergen, oder einfach um mich ein bissl warm zu halten - eine wahrlich smarte Idee.

Nach der Rast ging es weiter - was sonst soll nach einer Rast auch passieren? - die letzten 700+ Höhenmeter anzugehen. Steil ging es weiter, aber die Calanda will halt bezwungen werden. Schwer drückte der Rucksack auf die ermüdenden Schutern, die Schritte wurden mit zunehender Höhe schwerer, die Luft wurde dünner. Die Sterne, die wild kreisend vor den Augen tanzten waren nicht die am Firmament, sondern das Resultat grosser körperlicher Anstrengung. Quatsch. So war es natürlich nicht, aber steil war es trotzdem.

Um 10 Uhr erreichte ich den Gipfel. Schon auf den letzten Metern begleitete mich nur noch ein Gedanke ... ... ... Wie wird das mit dem Gipfelbier bei dem kalten Wind werden? Kann ich die Dose in den Fingern halten, ohne Bier zu verschütten? Hätte ich nicht besser die Handschuhe aus dem Schrank in Haldenstein mitnehmen sollen?

Grosse Probeme brauchen grosse Problemlöser, oder Helden....

FREVEL !!! Da war dann plötzlich ein zweites, wirkliches Problem! Ich hatte eine Dose "1291" auf den Gipfel geschleppt und nicht das standesgemässe "Calanda". Wie konnte das passieren? Hatte sich unterwegs jemand an meinem Rucksack zu schaffen gemacht und die Dosen ausgetauscht? Das kommt davon, wenn man Teile des Weges bei Dunkelheit zurück legt.... Wie sollte es weiter gehen?

Es gab nur eine Lösung ... Schwamm drüber und Bier schnell trinken. Halbwegs durch die Dose ist mir dann auch klar geworden, was passiert ist. Ich hatte kein Calanda im Kühlschrank!

Nach dieser erschütternden Erkenntnis entschloss ich mich den tristen Ort zu verlassen. Rundum war sowieso nichts zu sehen - dabei stand doch im Wanderbuch, dass man vom Gipfel eine fantastische Aussicht haben sollte. Alles Schwindel, wenigstens ab und zu.

Also ging es wieder hinunter, gen heisse Dusche. Da ich verhindern wollte genau so viele Höhenmeter abzusteigen, wie ich vorher hoch getappst bin, wählte ich eine andere Route. An der Calandahütte vobei ging es über Altsäss, Neusäss, Alpboden, Berg und Ruine Lichtenstein hinab nach Haldenstein. Dort kam ich dann am Ende der Wanderung auch an, wobei es am Berg noch einmal richtig angefangen hatte zu regnen. Aber das war dann auch egal, so kurz vor dem Ziel.

Nach insgesamt 9 Stunden war ich froh wieder unten zu sein. Die Füsse hatten ebenso wenig Lust wie meine Kniee und ich selber. Endlich waren wir alle Mal einer Meinung.

Und wenn ich mir nun vorstelle, ich wäre um 5:30 nachmittags losgelaufen ... Zum Glück bin ich morgens aufgebrochen. So musste ich auch nicht den ganze Tag mit der umgehängten Stirnlampe verbringen ;-)

Insgesamt eine Tour, die durch die vielen Höhenmeter beeindruckt, mich allerdings nicht begeistert hat. Durch die langen Waldpassagen und Zickzackfahrwege war es eher langweilig und da ich einen Tag mit echt ungünstigen Verhältnissen ausgewählt hatte, war eben auch das Panorama nicht gegeben.

Sicherlich ist die Tour schöner, wenn man eine Nacht auf der Calandahütte verbringt - die Küche dort soll sehr gut sein.


Tourengänger: Futanari

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