Hindelanger Klettersteig (Nebelhorn - kleiner Daumen)


Publiziert von Schneemann , 29. September 2012 um 14:02.

Region: Welt » Deutschland » Alpen » Allgäuer Alpen
Tour Datum:28 September 2012
Wandern Schwierigkeit: T4 - Alpinwandern
Klettern Schwierigkeit: II (UIAA-Skala)
Klettersteig Schwierigkeit: ZS
Wegpunkte:
Geo-Tags: D 
Zeitbedarf: 1 Tage 9:30
Aufstieg: 1500 m
Abstieg: 2800 m
Strecke:20 km
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Mit PKW zur Nebelhornbahn Talstation (Alternativ mit Bahn zum Bahnhof Oberstdorf)
Zufahrt zum Ankunftspunkt:Mit PKW zur Nebelhornbahn Talstation (Alternativ mit Bahn zum Bahnhof Oberstdorf)
Unterkunftmöglichkeiten:Hotels und Ferienwohnungen in Oberstdorf

Motivation:
Bevor der grosse Schnee kommt wollte ich noch unbedint den berühmten Hindelanger-Klettersteig in Angriff nehmen. Aufgrund meiner Verbundenheit mit Oberstdorf ist es fast eine Schande wenn man diesen Steig noch nie gemacht hat. Es ist ein klassischer und stark frequentierter Klettersteig bei dem die Betonung auf "Kletter" und weniger auf "Steig" liegt. Soll heissen, es gibt lange Passagen ohne Stahlseil und man findet nur sehr selten mal künstliche Tritte oder Eisenstifte. In erster Linie ist das also Felskletterei am Grat gesichert mit Stahlseil wenns heikel wird...mir ist das viiiel lieber als die modernen reinen Eisensteige ohne Felsberührung.

Eigentlich wollte ich die extended-Version des Steigs machen, also noch den kleinen-Daumen-Steig und die Höhen-Gängen anhängen. Wegen des zunehmend schlechten Wetters hab ich allerdings auf letztere verzichtet. Die Fortsetzung wäre sicher eine grandiose aber auch sehr anstrengende Tour.

Hindelanger Klettersteig:
Ein Kennzeichen des Klettersteigs ist dass er zwar nicht besonders schwierig, dafür aber ausgesprochen lang ist. Das ständige auf- und ab über mindestens 4km ist ziemlich anstrengend. Aus dem Grund nahm ich auch die Gondel auf den Gipfel des Nebelhorns um mir den Aufstieg aus dem Tal zu ersparen, ansonsten wird die Tour wohl recht brutal. Obwohl ich vor mir keine Leute hatte und kaum Pausen machte brauchte ich gute 3,5 Stunden bis zum Ende des Steigs am Fuss des grossen Daumens. Wenn mehr los ist und sich Schlangen bilden muss man da sicher nochmal einiges draufschlagen.

Zum Einstieg kommt man nach wenigen Gehminuten von der Bergstation der Nebelhornbahn. Es hat dort gleich eine senkrechte Leiter die so wirkt als hätte man sie absichtlich luftig gebaut...um diejenigen abzuschrecken die da nicht gehören. Danach folgen lange und einfache Gratabschnitte meist ohne Seil. Wenns doch ein Seil hat, sparte ich mir meisten das Einklicken (dennoch empfehle ich dringend ein Klettersteig-Set mitzunehmen, ein Helm kann auch nicht schaden). Der Blick vom  Westlicher Wengenkopf ist grandios und ein Highlight gleich zu Beginn.
Nach dem Zweiten Zwischenabstieg wird der Steig etwas anspruchsvoller und der Grat wird immer enger und ausgesetzter. Wer hier schlapp ist oder am Limit, sollte besser den Zwischenabstieg nehmen. Grundsätzlich fand ich die Kletterei  aber sehr genussvoll, einzig ein paar Stellen im Abstieg waren für mich etwas anspruchsvoll wegen Mangel an Tritten. Zwei- oder dreimal kam ich nicht umhin mich am Seil runterzuhangeln.Überhaupt muss man viel im Abstieg erklettern was nicht unbedingt so jedermanns Geschmack ist. Im Grossen und Ganzen brauchts aber nur wenig Armkraft für den Steig, sondern eher Kondition, Trittsicherheit und sichere Felskletterei im I. und  II. Grad.
Gegen Ende zieht sich der Steig lange hin und man spührt die häufiger werdenden Leitern in den Beinen. Er bleibt aber stets abwechslungsreich und man nimmt unzählige Gipfel und Gipfelchen mit, weil der Steig wirklich jede kleinste Erhebung überschreitet.

Grosser Daumen, kleiner-Daumen-Steig" und Abstieg nach Oberstdorf:
Von hier an war ich nur noch in dichten Wolken unterwegs und stieg auf dem Wanderweg zum grossen Daumen hinauf. Danach, bis zum kleinen Daumen ists eine schöne Gratwanderung die gegen Ende etwas ausgesetzt wird (kleiner-Daumen-Steig, T4). Dann entschied ich mich wegen des schlechten Wetters gegen die Fortsetzung mit den Hohen-Gängen und bin stattdessen zum traumhaft schönen Engeratsgrundsee abgestiegen. Anschliessend  kan man über die kalkigen Karrenfelder mühsam zurück zum Edmund-Probst Haus wandern. Der Rückweg zieht sich in die Länge und da ich spät unterwegs war (Gondeln schon abgefahren) war ich komplett allein in dichten Wolken unterwegs. Der Kontrast zum Kinderspielplatz und den lautstarken Proben zu einem Open-Air Konzert rund ums Edmund-Probst Haus war entsprechend grässlich...
Deshalb bin ich schnell weiter abgestiegen nach Oberstdorf. Leider ist der Abstieg eher wenig spannend und erfolgt über weite Teile entlang einer geteerten Fahrstrasse. Einzig der Faltenbachtobel im unteren Abschnitt ist wieder ein grösserer Spass. Die Knie fingen auch schon an zu meckern. Mit Abstieg zu Fuss, statt der Gondel, werden es sehr viele Abstiegs-Höhenmeter. Mein GPS kommt insgesamt auf 2800m was mir dann allerdings ein wenig hochgegriffen scheint...

Alpenfauna:
So sehr ich mich über die Wolken geärgert habe, sie vertreiben alle Touris. Von da an war ich fast gänzlich alleine unterwegs und hatte das Glück auf vielerei Tiere zu treffen. Auf dem grossen Daumen traf ich ein schon ein Alpenschneehuhn das mich allerdings zuerst entdecke und sofort einen Abflug machte. Auf dem Grat zum kleinen Daumen traf ich dann aber gleich auf eine Gruppe von mind. 6 Alpenschneehühnern auf einem Fleck. Einfach tolle Vögel wenn auch extrem scheu. Auf dem Kalk-Plateau des Koblat traf ich schliesslich noch ganze Horden an Gämsen. Es tauchten immer mehr Gämsen auf bis sie mich schliesslich gänzlich umzingelt hatten. Zum Gück sehen deren Hörnchen aber im Vergleich zu denen von Steinböcken eher niedlich aus ;) Es sind auch viele Jungtiere dabei, anscheinend gehts ihnen auf diesem abgelegenen und schwer zugänglichen Hochplateau ziemlich gut.

Fazit:
Eine herrliche Grattour im felsigen Gelände mit  stark wechselndem Wetter. Entgegen den Befürchtungen war sehr wenig los am Klettersteig, was daran liegen mag dass es unter der Woche war und ich die erste Gondel aufs Nebelhorn nahm. Hat man sich erstmal ans Gelände gewöhnt ists ein grosser Genuss. Lange Abschnitte sind einfach und unproblematisch, wobei der Steig gegen Ende hinaus etwas anspruchsvoller wird. Ein schöner Steig für alle die lieber im einfachen Fels klettern statt an Eisenbügeln.



PS: Meine Variante bis zum kleine Daumen und dann zurück ist nicht so sehr empfehlenswert, weil man wieder viel hochstiefeln muss.

PS2: Den Steig bis zum zweiten Zwischenausstieg kann man wohl auch Anfängern empfehlen.


Tourengänger: Schneemann

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