Hoverla (2053m) und andere Gipfel des Chornohora-Kamms


Published by DonPico , 30 September 2012, 15h33.

Region: World » Ukraine
Date of the hike:22 September 2012
Hiking grading: T2 - Mountain hike
Waypoints:
Geo-Tags: UA 
Time: 7:30
Height gain: 1200 m 3936 ft.
Height loss: 1200 m 3936 ft.
Route:Sarosliak (1270m) - Hoverla (2061m) - Breskul (1911m) - Pozhyzhevs'ka (1822m) - Dantsizh (1855m) - Turkul (1933m) - Sarosliak (1270m)
Access to start point:Ludwigsburg - Wroclaw - Krakow - Przemysl - L'viv - Ivano-Frankivs'k - Vorokhta - Sarosliak
Accommodation:Sarosliak

Allgemeines:

Erstmal ein Hinweis: die gleiche oder zumindest sehr ähnliche Tour wurde bereits von Pika8x14 sehr detailliert auf Hikr beschreiben. Der Bericht hat mir sehr gute Anhaltspunkte gegeben.
 
Ich habe die Tour zum höchsten Berg der Ukraine, des Hoverla (2061m) während meiner Osteuropa-Reise in der zweiten Septemberhälfte 2012 gemacht. Der Urlaub stand unter dem Motto "Karpaten". Ich war allein unterwegs.

Anfahrt:

Die Anreise in die Ukraine ging über Dresden und Südpolen, u.a. habe ich dort Jelenia Gora, Wroclaw, und Krakow besucht.

Bei der Einreise in der Ukraine mit dem Auto sind einige Dinge zu beachten. Ein Visum wird zwar nicht benötigt, es wird aber ein gültiger Reisepass verlangt, dh. der Personalausweis reicht nicht aus.  Das Fahrzeug muss auf den Fahrer zugelassen sein; alternativ wird eine Überlassungsbestätigung vom Fahrzeug-Halter in ukrainischer Sprache benötigt. Außerdem muss die grüne Versicherungskarte mitgeführt werden, und auch ein internationaler Führerschein ist zu empfehlen. Nach ersterer bin ich gefragt worden, nach letzterem nicht.

Nach einem Besuch im sehenswerten Lemberg fuhr ich über Halych - im späten Mittelalter eine wichtige Stadt, von deren Namen sich übrigens der Name der Region Galizien ableitet; heute eher unbedeutend - und Ivano-Frankivs'k nach Vorokhta in den ukrainischen Waldkarpaten. Das Wetter konnte man getrost mit "scheußlich" beschreiben. In Lemberg hatte ich erfahren, dass es im Chornohora-Gebiet bereits schneien sollte.  Allerdings war für den Folgetag Sonnenschein angesagt. 
Bereits die ukrainischen Überlandstraßen sind nicht mit mitteleuropäischen zu vergleichen. Nebenstraßen sind oft eine Aneinanderreihung von Schlaglöchern. Bis Vorokhta kommt man einigermaßen gut voran, muss aber trotzdem ca. 1h für 50-60km einplanen. Danach geht es noch einige Kilometer in Richtung Verkhovina, bis man die Abzwigung nach Sarosliak erreicht. Nach wenigen weiteren Kilometern erreicht man den Eingang zum Nationalpark, wo man sich registrieren lassen muss und eine Gebühr von ca. 2€/Tag zahlt. Danach sind es noch gute 6km über eine wirklich schlechte Straße ohne Straßenbelag, mit vielen Schlaglöchern und ziemlich großen Steinbrocken. Mit heil gebliebenem Fahrzeug gegen 18:00 Uhr oben angekommen zu sein empfand ich als kleines Wunder.

Der Hotelkomplex von Sarosliak besitzt ausgeprägten sozialistischen Charme. Die ziemlich große Anlage wirkt unfertig, ist umgeben von rostigen Eisengeländern, einigen Bretterbuden, überwachsenen Betoneinfassungen, links am Hang steht die Ruine einer angefangenen Liftanlage. Ein Zimmer zu bekommen war nicht schwer, obwohl ich nicht angemeldet war. Da ich kein Wort ukrainisch spreche war die Verständigung allerdings problematisch. Dies gilt übrigens in der gesamten Ukraine, da offenbar wenige Ukrainer Englisch sprechen. Einige Mitglieder einer Gruppe junger Ukrainer, die sich für einige Tage in Sarosliak aufhielten sprachen aber doch Englisch und halfen mir bei der Kommunikation mit der Dame an der Rezeption.

Den Abend verbrachte ich dann auch mit dieser Gruppe, zunächst im Gemeinschaftsraum. Ich konnte ein paar Dosen Bier und etwas Schokolade beisteuern, und mir wurden im Gegenzug selbst gemachter Wein (sehr speziell), pures Schweinefett  mit Salz, Zwiebel, Brot und Vodka angeboten. Hat eigentlich gar nicht schlecht geschmeckt. Nachdem uns die Pächter dann gegen 21:00 Uhr aus dem Raum hinauskomplimentiert hatten, ging die Party auf dem Zimmer weiter. Ich hab's dann aber nicht übertrieben, da ich vorhatte, nach der Tour am Folgetag noch die rumänische Grenze zu überqueren.  

Tourenbeschreibung:

Gestartet bin ich um 7:00 Uhr, bei Sonnenaufgang und gutem Wetter. Die Wege im Gebiet sind gut markiert. Von Sarosliak geht es zunächst auf der blau markierten Route in Richtung Nordwesten, zunächst durch Nadelwald an einem Bach entlang. Schon bald steigt der Weg steil an, und nach ca. 40 min kommt man oberhab der Baumgrenze an. Von dort aus sieht man den weiteren Wegverlauf zum Gipfel des Hoverla auf einem breiten Rücken gut ein. Der Gipfelaufbau ist etwas abgesetzt.  Die Route hat keine technischen Schwierigkeiten. Ab ca. 1600m lag stellenweise recht viel Schnee, aufgrund von Verwehungen teilwiese bis 30cm tief. Die Wolkendecke reichte bis ca. 1250m, so dass nur die Gipfel der Waldkarpaten herausragten und von der Sonne beschienen wurden.

Eine Gruppe von vier Ukrainern kam mir entgegen, sie hatten im Zelt übernachtet und berichteten von sehr schlechtem Wetter am Vortag. Insgesamt begeneten mir auf der Strecke noch zwei weitere Gruppen von jeweils drei bis vier Personen.
Ab ca. 1700m nahm der Wind stark zu, was während der ganzen Wanderung auf dem Kamm auch so blieb. 

Der Gipfel des Hoverla war um kurz nach 9:00 Uhr erreicht. Von oben sieht man im Westen der Gipfen des Petros (2020m), in Richtung Südosten den weiteren Wegverlauf, u.a. mit den Gipfeln von Breskul (1911m) und Turkul (1933m). Da es aufgrund des starken Windes recht ungemütlich war, setzte ich den Weg bald mit dem Abstieg über den Südrücken des Hoverla fort. Ab hier geht man auf dem Chornohora-Hauptkamm, der Weg ist jetzt rot markiert.

Im folgenden Verlauf der Tour durchsteigt man vier Mal einen Sattel, wozu man jeweils ca. 100 Höhenmeter absteigt, und steigt danach auf vier Gipfel, alle knapp unter 2000m. Im Einzelnen: Breskul (1911m), Pozhyzhevs'ka (1822m), Dantsizh (1855m), und am Schluss den Turkul (1933m). Als ich den Turkul erreichte, war ich etwa 5h unterwegs.

Danach folgt ein Abstieg von ca. 200Hm auf dem Kamm in den nächsten Sattel. An dieser Stelle kann man die Tour auf dem Kamm entweder zum nächsten Gipfel fortsezten oder auf dem gelb markierten Weg zum Unheimlichen See absteigen. Ich tat letzteres. Danach folgt ein kurzes Stück auf einer mit Latschenkiefern bewachsenen Hochebene, bevor man steil in Richtung Nordwesten ins Pruth-Tal absteigt. Nach ca. einstündigem Abstieg zieht der Weg, der Kontourlinie folgend nach links und führt durch Nadelwald. Nach einer weiteren Stunde kommt man an einer Wetterstation vorbei, und befindet sich nun nur noch etwa 30min vom Ausgangspunkt Sarosliak entfernt.

Rückfahrt:

Überrascht war ich dann, als ich bei der Ankunft sah, dass dort ca. 40 Fahrzeuge standen, u.a. mehrere Reisebusse, einer davon sogar doppelstöckig. Offenbar war die Leistung, über die Holperstrecke nach Sarosliak zu fahren, für ukrainische Verhälnisse doch nicht als sehr hoch einzustufen. 

Die Bretterbuden entpuppten sich als Verkaufsstände, an denen allerlei Plunder feilgeboten wurde. Ich hielt mich nicht mehr sehr lange in Sarosliak auf, sondern machte mich auf den Rückweg nach Vorokhta, das ich gegen 16:00 Uhr erreichte. Von dort aus fuhr ich in Richtung Sighetu-Marmatiei an der ukrainisch-rumänischen Grenze. Die Passhöhe für die Überquerung der Karpaten befindet sich kurz nach Vorokhta, dann fährt man längere Zeit der Theiß entlang durch eine sehr ansprechende Landschaft. Immer wieder kommt man durch ukrainische Bergdörfer. 

Gegen 18:00 Uhr überquerte ich die rumänische Grenze. Von dort aus ging's nach Siebenbürgen und zum Fagaras-Gebirge.

Hike partners: DonPico


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Comments (3)


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Sputnik Pro says: Willkommen bei HIKR
Sent 30 September 2012, 21h27
Hallo Pico,

Das ist ja ein Supereinstieg auf dieser Webseite mit dem informativen Bericht und den beigelegten tollen Fotos von Hoverla und seinen Nachbarbergen.

Der Gipfel steht auch noch auf meiner Liste und ich werde ihn wohl auch noch besuchen da ich aller Europäische Landeshöhepunkt am sammeln bin. Wenn du möchtest, kannst du ja den Bericht zur Europa-Community hinzufügen.

Link Europa-Landeshöhepunkte: www.hikr.org/comm/Europa/

Viele Grüsse und weiterhin abenteurliche Auslandtouren :-)

Andrej

DonPico says: RE:Willkommen bei HIKR
Sent 1 October 2012, 20h23
Hallo Andrej,

Danke für die Willkommensgrüße. Ich nutze die Seite schon seit längerem und habe jetzt beschlossen, auch ein paar meiner Touren zu beschreiben.

Ich stelle fest: Du warst ja auch schon auf dem Moldoveanu.

Viele Grüße

Tobias

Sputnik Pro says: Victoria / Moldoveanu
Sent 2 October 2012, 10h10
Hallo Tobias,

Genau ich war auch auf dem höchsten Rumänen, eine sehr schöne Tour!

In Victoria gibt es keine Restaurant. Als ist dort am Zentrumsplatz im Hotel übernachtete war nicht einmal das Hotelrstaurant geöffnet. Immerhin kann man im Ort frische Lebensmittel kaufen und so auf dem Hotelzimmer essen.

Viele Grüsse,

Andrej


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