Mettelhorn (3406 m) - ein Top-Aussichtsgipfel im Reich der Grossen


Publiziert von marmotta , 26. September 2012 um 08:22. Text und Fotos von den Tourengängern

Region: Welt » Schweiz » Wallis » Oberwallis
Tour Datum:23 September 2012
Wandern Schwierigkeit: T3 - anspruchsvolles Bergwandern
Hochtouren Schwierigkeit: L
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-VS 
Aufstieg: 1800 m
Abstieg: 1800 m
Strecke:Zermatt - Alterhaupt - Triftschlucht - Trift - Triftchumme - Furggji - Mettelhorn retour
Zufahrt zum Ausgangspunkt:cff logo Zermatt
Zufahrt zum Ankunftspunkt:cff logo Zermatt
Unterkunftmöglichkeiten:Berggasthaus Hotel Du Trift

Rund um das Mattertal reihen sich die höchsten und berühmtesten Berge der Schweizer Alpen auf. Dies zieht verständlicherweise viel internationales Volk an - allein der Berg der Berge, das Matterhorn hat einen unschätzbaren Marktwert. Böse Zungen behaupten gar, es sei irgendwann vom Schweizer Fremdenverkehrsverband in einer Nacht- und Nebelaktion aus einem groben, unansehnlichen Bergklotz erst in diese Form gemeisselt worden. Wie auch immer, die Besteigung dieser Eisriesen ist versierten Alpinisten mit entsprechender Ausrüstung und Erfahrung vorbehalten. Will man als Wanderer Einblick in diese vergletscherte Arena erhalten und die Gipfel aus nächster Nähe betrachten, empfiehlt sich ein Besuch des Mettelhorns (3406 m), von dessen Gipfel man nicht nur einen herrlichen Blick auf das Matterhorn, sondern auch auf nahezu alle anderen Walliser Viertausender geniesst. Angeblich ist das Mettelhorn nach dem Barrhorn (3610 m) der zweithöchste Wandergipfel der Schweiz. Für mich war das zweitrangig, ging es mir doch in erster Linie um die hochalpine Szenerie, die ich als Voralpenwanderer noch nie zuvor in dieser Intensität erlebt hatte.
 
Will oder kann man die Besteigung des Mettelhorns nicht als Tagestour von Zermatt aus durchführen, bietet sich eine Übernachtung im altehrwürdigen Hotel du Trift an, das von Ende Juni bis Ende September geöffnet hat. So kommt man noch in den Genuss der schönen Abend- und Morgenstimmung. Das von der Familie Biner vorbildlich geführte und unterhaltene Berggasthaus lässt sich von Zermatt auf einem gut ausgebauten Wanderweg (Botanischer Lehrpfad) in 1,5-2 h erreichen. Da wir es gemütlich angehen wollten, machten wir auf halber Höhe noch einen Zwischenhalt in der Pension Edelweiss, das wie ein Adlerhorst auf einem Aussichtsbalkon hoch über Zermatt thront.
 
Im 2337 m hoch gelegenen Berggasthaus Trift wurden wir von Hüttenwart Hugo Biner freundlich empfangen und labten uns sogleich an der hausgemachten Apfelwähe und dem vielgepriesenen Früchte-Eistee, der einem -kaum angekommen- fast "aufgedrängt" wird.
 
Nach dem feinen Nachtessen und einer geruhsamen Nacht starteten wir am nächsten Morgen frisch gestärkt (das Frühstück wurde auf unseren ausdrücklichen Wunsch bereits um 7 Uhr und damit eine halbe Stunde vor dem "offiziellen" Morgenessen offeriert, was ich sehr nett fand).
 
Obwohl das Berggasthaus Trift an diesem letzten Wochenende der Saison gut belegt war und der Sonntag traumhafte Wetterverhältnisse versprach, blieb die erwartete (bzw. befürchtete) Völkerwanderung zum Mettelhorn aus. Ausser uns machten sich lediglich noch 5 weitere Personen auf den Weg zu diesem überaus lohnenden Gipfelziel, wovon eine davon uns erst auf dem Rückweg unterhalb des Furggji begegnete. Gleich vom Morgen früh an herrschte T-Shirt-Wetter, und das sollte sich auch für den Rest der Tour nicht ändern, nicht mal auf dem Gipfel des Mettelhorn (3406 m) verspürte ich das Bedürfnis, eine wärmende Schicht überzuziehen.
 
Die Schwierigkeiten des Normalwegs zum Mettelhorn sind gering, es hat zwar nur spärliche Markierungen, jedoch ist die gute Wegspur unter normalen Umständen nirgends zu verfehlen. Nach Durchschreiten der Triftchrumme, einer grasigen Hochebene, auf der im Sommer die Schafe weiden, geht es über Schutt, Geröll und Felsplatten hinauf zum Furggji (3168 m). Hier hat es auf einem kurzen Abschnitt oberhalb des kleinen Seeleins bei P. 2938 verschiedene Wegspuren, Steinmänner weisen die gängigste Route. Von Vorteil war, dass der Boden im obersten Abschnitt, wo die zum Furggji führende Pfadspur den Schutthang unter dem Platthorn quert, noch gefroren war - bei schmierigem Untergrund könnte der Aufstieg etwas mühsamer sein.
 
Am Furggji trennten sich dann vorübergehend unsere Wege: Während ich -den obersten Teil des Hohlichtgletschers traversierend- dem Mettelhorn entgegenstrebte, stieg nevada auf das nur 60 Hm niedrigere Platthorn. Dies hatte einen simplen Grund: Der Hohlichtgletscher war praktisch aper und nevada hatte keine Steigeisen dabei. Zwar ist der Abschnitt, wo der Gletscher ein kritisches Gefälle aufweist, kurz - doch wäre ein Begehen dieses Bereichs ohne Eisen ein mühsamer Eiertanz und nicht ohne Risiko. Gerade im ersten Aufschwung des Gletschers war das herabfliessende Wasser zu Blankeis gefroren. Unter den Wänden des Platthorns entlang wäre die Querung allenfalls auch ohne Steigeisen möglich gewesen, jedoch muss man hier erst mühsam über loses Blockwerk steigen, bevor man den Gletscher etwas weiter oben aufgrund der dort griffigeren Oberfläche (vorsichtig) mit Bergschuhen queren kann. Im oberen, flachen Teil des Gletschers lag noch eine hauchdünne Schneedecke, hier weist der Gletscher auch einige Spalten auf, diese sind aber gut sichtbar und lagen ausserhalb der schwach erkennbaren Spur.
 
Die Aussicht ist sowohl vom Mettelhorn als auch vom Platthorn überwältigend. Ich konnte mich auf dem exponierten Gipfel des Mettelhorns kaum sattsehen an den vielen Bergriesen um mich herum mit ihren mächtigen Eispanzern und den schneebedeckten Gletschern dazwischen. Das Einzige, was die Bergidylle etwas störte, war der fast permanente Helilärm, der in den Bergen oberhalb von Zermatt wohl (leider) allgegenwärtig ist. Ebenso wie die Seilbahnstationen und Skiliftanlagen auf der anderen Talseite…
 
Die angegebenen Wanderzeiten (3 h 40 min für das Mettelhorn ab Hotel Trift) sind sehr grosszügig kalkuliert - obwohl wir einige Pausen einlegten, benötigten wir im Aufstieg keine 2 h bis zum Furggji, von dort hatte ich (allerdings im Murmeltiergalopp) nochmals gut 20 min bis auf den Gipfel des Mettelhorn. Da wir auch im Abstieg deutlich weniger Zeit benötigten als ursprünglich eingeplant, reichte es auf dem Rückweg noch für eine ausgiebige Kaffee und Kuchen-Pause auf der Sonnenterrasse vor dem Berggasthaus Trift, bevor wir wieder ins lebhafte Tal nach Zermatt abstiegen.
 
Mit einer langen Zugfahrt in die Heimat ging ein wunderschönes Wochenende zu Ende, das ich sicher nie vergessen werde.      

Tourengänger: marmotta, nevada

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Kommentare (4)


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WoPo1961 Pro hat gesagt:
Gesendet am 26. September 2012 um 12:48
Hallo Murmel,
da habt ihr aber mal so richtig "Schwein" mit dem Wetter gehabt. In der Ostschweiz hatte es am Samstag noch kräftig geregnet! Da hat unser Daumendrücken ja richtig gelohnt. Beim näxten Wallisbesuch bitte etwas früher ankündigen, dann kommen wir mit!!
Grüße aus Flachlandhausen
WoPo

marmotta hat gesagt: RE:
Gesendet am 27. September 2012 um 07:56
>Beim näxten Wallisbesuch bitte etwas früher ankündigen, dann kommen wir mit!!

Gerne! Falls Du Dich dort auch mit etwas weniger ambitionierten Touren begnügst... :-)

passiun_ch hat gesagt: grandioser Wandergipfel u. super Bilder
Gesendet am 26. September 2012 um 17:33
Wir ( passiun_ch und renaiolo ) waren in diesem Sommer auch oben und begeistert von dieser Tour - einmalig schön. Nur wir hatten erst traumhaftes Wetter und später ein paar mehr Wolken.

marmotta hat gesagt: RE:grandioser Wandergipfel u. super Bilder
Gesendet am 27. September 2012 um 07:59
Danke! Die Berichte von Eurer tollen Tour habe ich "natürlich" gelesen. Mit dem Wetter hat es sich bei uns genau umgkehrt verhalten: Der Nieselregen stoppte augenblicklich, als wir in Zermatt aus dem Zug stiegen und die letzten Restwolken haben sich im Aufstieg zum Hotel Trift aufgelöst.

G.
marmotta


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