7-Gipfel-Tour um den Seelakopf


Publiziert von maxl , 25. September 2012 um 18:32.

Region: Welt » Österreich » Nördliche Ostalpen » Lechtaler Alpen
Tour Datum:21 September 2012
Wandern Schwierigkeit: T4+ - Alpinwandern
Klettern Schwierigkeit: I (UIAA-Skala)
Mountainbike Schwierigkeit: L - Leicht fahrbar
Wegpunkte:
Geo-Tags: A 
Zeitbedarf: 10:15
Aufstieg: 1700 m
Abstieg: 1700 m
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Knapp hinter Rinnen im Namloser Tal nach der markanten Kehre Fahrweg mit Abstellmöglichkeit
Zufahrt zum Ankunftspunkt:Abzweig des Fahrwegs südlich von Namlos
Unterkunftmöglichkeiten:keine

Von Zeit zu Zeit verschlägt es mal einen hikr in diese ruhige, einsame Gegend der Lechtaler Alpen, die gottseidank touristisch äußerst vernachlässigt wird. Ich beschloss, die Touren, die etwa der Felix in dieser Gegend gemacht hat (hier und hier), die aber auch von trainman (hier und hier) und Sven (hier) in ähnlicher Weise zu finden sind, zu einer ausgewachsenen Überschreitung zu kombinieren. So konnte ich fast alle Gipfel der schönen Rudiger-Gruppe (mit Ausnahme freilich des wüsten Namensgebers, der so gut wie nie bestiegen wird) abzuklappern - mit Radlunterstützung eine rundum empfehlenswerte, zwischendurch auch etwas anspruchsvollere und weglose Unternehmung.

Von Bichlbach fahre ich frühmorgens in's schöne Namloser Tal hinein, um zunächst einmal das Radl am geplanten Zielpunkt zu deponieren. Dieser liegt in Namlos, in meinem Morgentran stelle ich das Radl aber am Weg nach Fallerschein ab, das kostet mich nachher noch einiger km zusätzlich. Selber Schuld. Eigentlicher Zielpunkt ist der Fahrweg, der direkt in Namlos nach Süden richtung Anhalter Hütte führt. Nach dem Verstecken des Felos also wieder zurück mit dem Auto bis kurz vor die markante Kehre an der Rotlechsäge, woselbst ein Fahrweg richtung Tarrentonalpe und Loreahütte abzweigt. Dort stelle ich nun das Auto ab, und folge der Forststraße eine knappe halbe Stunde lang, bis nach rechts bei der hübschen kleinen Althütte ein schmaler, verwachsener Pfad in den Wald abzweigt - der "Einstieg" zur Schlierewand. Den schönen Pfad geht's nun durch den Wald wiederum etwa eine halbe Stunde, bis die kleine Schlierenhütte auf gut 1500m erreicht ist. Dort leicht links halten und nun zunehmend durch Latschen, später dann über schöne Wiesen an den Gipfelaufbau der Schlierewand heran. Der Blick wird immer besser, so präsentieren sich die Loreagruppe, der Thaneller und die Heiterwand schon recht schön. Der Weg führt auf den milden Ostgrat der Schlierewand, der nun recht abwechslungs- und ausblickreich gewonnen wird - nie schwer oder heikel, gelegentlich leicht abschüssig und oft steil und rutschig, T3. Nach weiteren 75min stehe ich auf der Schlierewand, 2einviertel Stunden ab dem Auto also. Das Gipfelbuch am Kreuz verrät eine relativ hohe Frequentierung dieses netten Gipfelchens, der Blick ist aber auch wirklich schön, insb. der Tiefblick über die schon leicht angezuckerte Nordseite in's Namloser Tal und auf die gegenüberliegende Knittelkarspitze.

Nach kurzer Pause - schließlich habe ich mir noch sechs weitere Gipfel vorgenommen - schlendere ich über den schönen Grat (Rücken trifft's wohl eher) zum Sandegg mit seinem windschiefen Holzkreuz, das nach einer knappen Viertelstunde erreicht ist. Hier präsentiert sich der Weiterweg recht schön: als nächste Gipfel habe ich mir den Kalten Stein und die Engelspitz auserwählt. Der direkte Anstieg zum Seelakopf wäre wohl auch möglich (angeblich II), naja, ein  andermal. Ich steige also auf dem markierten Steig die grasige, steile Westflanke hinunter, was sich als recht unangenehmes Unterfangen erweist, denn der Steig ist durch den abgetauten Neuschnee eine erstaunlich gleitfähige Schlammpiste geworden, was in der abschüssigen Flanke nicht immer sehr angenehm ist. Recht mühsam also komme ich in der Scharte zwischen Sandegg und Kaltem Stein an, mit dem Plan, letzteren über den IN DER KOMPASS KARTE VERZEICHNETEN STEIG zu erreichen. DOCH DIESEN STEIG GIBT ES NICHT!!!!! Ich versuche es zunächst direkt an der Gratkante, stehe aber bald vor einem undurchdringlichen Latschendickicht, quere schließlich in den grasigen Kessel unterhalb der Gipfel und steige nun weglos durch phasenweise sehr steiles, schrofendurchsetztes Gras (ich denke bis 45° mindestens, T4+), mühsam und unangenehm zum schmucklosen Kalten Stein auf. Durch die Sucherei sind knapp 2h seit dem Sandegg vergangen, naja.

Vom Kalten Stein folge ich dem sanften Rücken südwärts, der bald in die Scharte zur Engelspitze führt. Aus dieser dann zunächst angenehm, bald aber durch brutal steilen, abschüssigen Schotter (gottseidank nicht sehr lang, deshalb T4+), am Schluss wieder angenehm hinauf zur Engelspitze, keine halbe Stunde ab Kalter Stein. Hier suche ich zunächst nach dem GB-Eintrag von Mitte Januar), leider ist das GB von 2009 völlig durchweicht. Im Hochwinter kam ich vom milden Westrücken und traute mich auf der kleinen Spur ob der Lawinengefahr nicht weiter, jetzt geht's natürlich. Auf den Pfadspuren also weiter auf einem langgezogenen Bogen richtung Seelakopf. Einige Felsbuckel werden dabei überschritten (einer wird als Hauptgipfel der Engelspitze bezeichnet), es geht stets aussichtsreicht und schön entweder direkt am Rücken oder aber in der zahmen Südflanke auf meist sichtbaren Spuren dahin - die Nordflanke ist stark zerklüftet und bricht teils jäh ab. So geht es also eine dreiviertel Stunde dahin, bis ich an den Gipfelaufbau des Seelakopfes gelange. Dessen Vorgipfel gewinnt man über steilen Schotter (T3), zum Hauptgipfel hinüber ist dann kurz ein Zupacken erforderlich (T3,I), alles easy. Die sperrende Platte, die sich in der Scharte in den Weg stellt, wird vorteilhaft rechts, also ostseitig, umgangen, kann aber auch überklettert werden (nicht ausgesetzte II, hab's probiert). So stehe ich also auf meinem höchsten Gipfel dieser Rundtour und genieße erstmal ausgiebig das Panorama, das an diesem tollen Spätsommertag wirklich seinesgleichen sucht.

Zurück dann zunächst bis kurz vor den sog. Hauptgipfel der Engelspitze, dann aber zweige ich nach Süden (also nach "links") ab, um in die Scharte zum Schlierekopf zu gelangen. Über kaum sichtbare Trittspuren geht es in diese durch angenehmes Gras hinab und visavis dann mäßig steil wieder etwa 50hm hinauf, bis - eine gute halbe Stunde ab Seelakopf - der mit einer Vermessungsstange versehen Grasbuckel des Schlierekopfes erreicht ist. Nun folgt eine sanfte Grasüberschreitung hinüber zum kaum ausgeprägten Rudigerkopf (15min), von dem aus der wilde, zerklüftete, 3-gipflige Rudiger schon ziemlichen Eindruck schindet. Eine letzte Gipfelrast, dann geht's hinab in's Tal. Dafür zunächst zur Markierungsstange westlich des Gipfels, dann über den schon lange sichtbaren Westrücken ein gutes Stück hinab. Eine Steilstufe wird dabei südlich recht steil umgangen. Der Rücken wird bald von Latschen gesäumt, mit ein bisschen Wegfindungsgabe kann man aber immer wieder die Almpfade dadurch entdecken - so gelange ich also nach einer knappen Dreiviertelstunde zur kleinen Almhütte unterhalb der wilden Wand des Rudiger. Von dort aus ein paar Meter ohne Spuren hinab, bis man bald auf einen breiten, gut sichtbaren Pfad stößt, der nun zwei Bachläufe querend recht angenehm talwärts führt. Nach einer guten halben Stunde stößt er auf den Weg zur Anhalterhütte, der nun talwärts verfolgt wird. An einer kleinen Hütte wird er zum recht ruppigen Fahrweg, den ich nun noch eine Stunde hinab nach Namlos verfolgen muss.

Naja, und dort wäre eigentlich mein Radl, aber durch meine Blödheit am Morgen muss ich nun noch zum Abzweig nach Fallerschein hatschen, um dann mit dem Radl wieder hinaufzustrampeln. Von Namlos aus denn stetig bergauf, was für einen extrem professionellen MTBler wie mich freilich die Mobilisierung meiner letzten Reserven bedeutet, und das im kleinsten Gang, nach Kelmen, dann aber gottseidank stetig bergab - saus - zurück zum Auto am Fahrweg zur Tarrentonalpe. 10einhalb Stunden incl. des unnötigen Abstechers bin ich wieder am Auto, ansonsten hab ich aber wenig Zeit auf der Tour vertrödelt, die Zeit sollte man schon einplanen. Zwar völlig verfroren durch die rasante Radlabfahrt, aber zufrieden über die schöne Rundtour kann ich also wieder nach München zuckeln. Durchaus empfehlenswert das ganze, der weglose Abschnitt, der die Tour um die Schlierewand mit der Tour um den Seelakopf kombiniert, ist etwas anspruchsvoller (bis T4+), der Rest max. T3, in den unteren Bereichen auch T2. Ein bisschen pfadfinderische Tugenden braucht man zwar schon, doch bei einigermaßen hoher Aufmerksamkeit besteht kaum ernsthaft Verirrungsgefahr. Gerade für die kühleren Herbsttage also eine wirklich schöne Unternehmung...

Tourengänger: maxl

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Kommentare (4)


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trainman hat gesagt:
Gesendet am 25. September 2012 um 19:54
Feine Unternehmung bei bestem Wetter,gratuliere!Drei der 7 Gipfel fehlen mir ,da muss ich wohl nochmal hin.
Beste Grüsse trainman

sven86 hat gesagt:
Gesendet am 25. September 2012 um 20:57
Tja, wer sich auf Kompass- Karten verlässt ist verloren ;)
Trotzdem schöne Tour, Glückwunsch und viele Grüße,
Sven

felixbavaria hat gesagt:
Gesendet am 25. September 2012 um 21:25
Interessanterweise steht die Engelspitze als "rotes" Ziel auf dem Wegweiser südlich von Kelmen in der Wiese. Ich bin damals umgekehrt, nachdem auf der Gratkante kein Durchkommen in den Latschen war und das krautige Gras zu mühsam.

maxl hat gesagt:
Gesendet am 26. September 2012 um 15:40
danke euch....
das ist schon echt abenteuerlich mit den Karten ... noch interessanter sind die dort vermerkten Skirouten ... eiskalt über 70°-Hänge etc:-)


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