Hoher Ifen (2.230 m) - Berg mit zwei Gesichtern


Publiziert von dulac Pro , 25. September 2012 um 02:05.

Region: Welt » Österreich » Nördliche Ostalpen » Allgäuer Alpen
Tour Datum:23 September 2012
Wandern Schwierigkeit: T3+ - anspruchsvolles Bergwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: D   A 
Zeitbedarf: 8:15
Aufstieg: 1500 m
Abstieg: 1600 m
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Bus ab Bregenz/Dornbirn über Bezau
Zufahrt zum Ankunftspunkt:Bus ab Sibratsgfäll nach Bregenz/Dornbirn über Hittisau
Kartennummer:Kompass 1:50.000 Bregenzerwald Westallgäu

und damit meine ich nicht die – je nach Perspektive – unterschiedliche äußere Erscheinung. Vielmehr den Gegensatz: von der Kleinwalsertaler Seite her überlaufen, vom Bregenzerwald her wenig begangen, z.T. geradezu einsam.
 
Bereits im letzten Jahr hatte ich zwei Versuche unternommen, allerdings außerhalb der eigentlichen Wandersaison, als die Busfahrpläne bereits ausgedünnt und die Tage kurz waren.
 
Hier macht sich der Umstand besonders bemerkbar, daß die Zu- und Abstiege egal ob von Schoppernau oder von Sibratsgfäll sehr lang sind. Einzig von Schönenbach ist es (relativ) ein wenig kürzer, doch ein Bus verkehrt dahin nur in der Saison, und das auch nur viermal am Tag.
 
Die Wetteraussichten versprachen einen schönen Tag für Sonntag und mir fiel bei der Überlegung nach Tourenzielen wieder ein, daß jetzt der Bus nach Schönenbach noch fahren mußte. Als Karte hatte ich nur eine ältere Ausgabe der Kompass-Karte. Und in der Geschäftsstelle der AV-Sektion nach einer besseren zu suchen und diese auszuleihen, dafür war es zu spät. Einen Teil des Geländes kannte ich ja überdies von den zwei vorhergehenden Versuchen.
 
Der erste Bus nach Schönenbach kam dort um Viertel vor Zehn an. Etwas früher wäre mir lieber gewesen, aber immerhin.
 
An dieser Stelle ein kleiner Exkurs:
Die Straße von Bizau nach Schönenbach ist mautpflichtig. Das gilt jedoch, anders als etwa auf der Silvretta, zu den Seen von Lech aus oder zur Laguzalp, nicht für Buspassagiere. Der Busfahrer hat mir das ausdrücklich bestätigt, hatte ich doch zuvor angenommen, als einziger Passagier an diesem Morgen ganz einfach übersehen worden zu sein. Außerdem fährt der Bus bis ins „Zentrum“, also einige Hundert Meter weiter als die Autos, die vorher schon parken dürfen.
 
Von Schönenbach zunächst ein Stück auf dem Sträßchen Richtung Sibratsgfäll, dann rechts ab Richtung Gerachsattel. Schilder weisen mehrfach darauf hin, daß hier ein Wildschutzgebiet besteht, und daß von Mai bis Dezember die Wege nicht verlassen werden dürfen.
 
Bis kurz vor der Miesbodenalpe (die Hütte selbst liegt offensichtlich bereits innerhalb des Schutzgebiets) ein breiter guter (Fahr-)Weg. Danach ändert sich dies abrupt: Stückweise ähnelt der ruppige Weiterweg mit seinen großen Schottersteinen mehr dem trockengefallenen Bett eines Gebirgsbachs. Nicht völlig trockengefallen allerdings, denn die Auswirkungen der starken Niederschläge waren vielerorts noch deutlich zu spüren: Matsch, Matsch, Matsch!
 
Bei Hochgerach wird eine Engstelle passiert. Durch diese zwängt sich auch die Subersach bevor sie kurz danach in einem Wasserfall nach unten tost. Dieser Wasserfall vom Weg aus nur hör- aber nicht sichtbar.
 
Nach dieser Engstelle ändert sich die Szenerie schlagartig: Man tritt ein in eine weite Mulde, hochmoorartig und von einzelnen Wasserläufen durchzogen, offenbar das Quellgebiet der Subersach.
 
Bis hierhin von zwei Bergläufern überholt, drei anderen Wanderern und zwei Hunden begegnet, und dies in einer Zeitspanne von 2 Stunden!
 
Ein kurzes Stück weiter und ein wenig höher auf 1.750 Metern liegt dann der Gerachsattel.
Man bleibt danach mehr oder weniger auf gleicher Höhe bis zur Ifersguntenalpe.
 
In übertragenem Sinn könnte man jetzt sagen: Aus einer kaum befahrenen Nebenstraße wird nun eine Autobahn, nicht in Breite oder Beschaffenheit, sondern ausschließlich im Verkehrsaufkommen.
 
Zugleich ändert sich die Markierung von rot-weiss in blau-weiss. Meines Erachtens allerdings kein echtes T4, eher T3 allenfalls auch T3+
 
Hier also das zweite Gesicht des Hohen Ifens: Ein Tatzelwurm von Wanderern im Abstieg kommt mir entgegen. Die sonst geübte Höflichkeit, anderen den Vortritt zu lassen, kommt hier an ihre Grenzen. Ich suche mir eher und soweit möglich eine Variante am Rande der Hauptspur. Auch ich möchte schließlich an mein Ziel, und nicht ständig aus dem Tritt kommen.
 
Man spricht viel Schwäbisch, wie aus aufgeschnappten Sprachfetzen herauszuhören. Es ist ja auch kein Geheimnis, daß der Oberstdorfer Raum eines der bevorzugtes Ziele für die „Stuttgarter“ ist.
 
Bevor der Hauptweg auf den pultförmigen Gipfelaufbau erreicht ist, wird es steiler. Hier bieten niedrig eingelassene Metallbügel und ein parallel in Bodennähe geführtes Stahlseil Hilfestellung und Unterstützung. Der restliche Aufstieg dann auf einfachem Weg, ein gutes Stück vom Grat entfernt. Gewiss aus gutem Grund. Ich möchte allerdings nicht bis zum Gipfel auf die Tiefblicke warten und ziehe es vor, dem Grat zu folgen.
 
Nach 4 Stunden Gehzeit (brutto und netto, da ohne nennenswerte Pausen) stehe ich am Gipfel, immerhin 1 ¼ Stunden gutgemacht auf die in Schönenbach angegebene Gehzeit.
 
Wie erwartet habe ich den Gipfel nicht für mich allein ;-) Statt dessen ein kleiner Volksauflauf, ein Aufläufle könnte man also sagen. ;-)
 
Eine Stunde Rast zu machen, hatte ich vorgehabt. Doch dann verplaudere ich mich ein wenig mit einem Paar bei dem gemeinsamen Versuch der Bestimmung der von hier sichtbaren Gipfel. Bei der Frage, ob ich wüßte wie schwierig z.B. der Widderstein wäre, konnte ich von eigenen Erfahrungen berichten und habe zugleich die Gelegenheit wahrgenomen, auf die vielen Vorzüge von hikr.org hinzuweisen.
 
Wenn die beiden das hier lesen sollten, dann einen herzlichen Gruß und Willkommen bei hikr!
 
Dann aber ist höchste Zeit aufzubrechen und das unerwartete Abenteuer kann beginnen. Nicht sogleich. Zunächst entlang des von mir bevorzugten Grats bis dieser nach links abwärts in eine steile Flanke verlassen wird, der Hauptweg von der Bergstation der Seilbahn zum Gipfel.
 
Hier ein zweiter kleiner Exkurs:
Auf der Herfahrt hatte ich überlegt, wohin ich am besten absteigen könnte. Schönenbach schied aus, letzter Bus bereits um 17 Uhr, und von dort nach Bizau? Lang und eher langweilig. Hinüber nach Schoppernau, letzter Bus um 19 Uhr? Denkbar, hat aber einen längeren Gegenanstieg. Ziel der Wahl also Sibratsgfäll. Busverbindungen zwar weniger häufig als in Schoppernau, dafür der letzte erst um 19h28. Überdies kannte ich den Weg über die Kälbelegüntlealp bis zum Erreichen des Gottesackerplateaus aus dem letzten Jahr, was mir eine relativ gute Zeiteinschätzung ermöglichte.
 
Dazu mußte ich nun erst einmal auf das Hahnenköpfle. Nachdem also der Boden der genannten Flanke erreicht war ein Wiederaufstieg, nahe der Bergstation, auf dessen Gipfel.
 
Zuvor hatte es einen Wegweiser, der auf einen Alternativaufstieg zum Ifen („nur für Geübte“) hinwies und u.a. auf mein Ziel „Sibratsgfäll über Kälbelegünt...“. Am Gipfel des Hahnenköpfles dann eine Markierung auf der linken Seite, aber wie ich kurz darauf entdeckte auch eine rechts.
 
Ein Wegweiser wäre hier wirklich notwendig gewesen. Meine auf Grund der Überlagerungen mehrerer Signaturen an dieser Stelle unpräzise Karte bot auch keine wirkliche Hilfe. Mehr gefühlsmäßig entschied ich mich für links. Als ich dann aber erkannte, daß dieser Weg (möglicherweise) zum Gipfel des Ifen führen könnte, meinte ich, es weglos in meiner gefühlten Richtung probieren zu können.
 
Grund könnte auch gewesen sein, daß ich ausgesprochenes Vergnügen dabei empfand, abseits von Wegen über die Karrenfelder zu wandern. Hier kam ich vielfach wesentlich flotter voran als auf eigentlichen, doch schottrigen Wegen.
 
Als ich dann jedoch nicht auf einen Bogen des von mir angepeilten Wegs stieß, wurde ich unsicher, ob es wirklich klug wäre, in einem derartigen Gelände ganz abseits eines markierten Wegs zu gehen. Ich warf noch einmal einen Blick auf die Karte und jetzt schien es mir, die andere Richtung wäre doch die richtigere.
 
Natürlich nicht wieder ganz zurück, sondern direkt den weiteren Wegverlauf angesteuert. Jetzt hielt ich mich an den markierten Weg über das Gottesackerplateau. Es ging ein wenig bergab, dann wieder bergauf, links um eine Biegung, rechts um eine Kurve. Gelegentlich mußte man ein wenig suchen, wo ist denn die nächste Markierung, um kurz darauf festzustellen, ach da ist sie ja, war nur etwas außerhalb des Blickfelds.
 
Die Zeit verran. Gelegentlich, eigentlich eher sehr gelegentlich kamen auch Wegweiser. „Sibratsgfäll“ war immer dabei, die Wegezeit allerdings blieb konstant bei 3 Stunden. Nur die Zwischenziele änderten sich mit schöner Regelmäßigkeit, die angestrebte „Kälbele....“ war nie dabei. Ärgerlich auch, daß sich die Namen der anderen Orte, auf die die Wegweiser hinweisen, nur in Ausnahmefällen auf meiner Karte finden ließen. Drum hatte ich nur eine rudimentäre Vorstellung, wo ich mich eigentlich befand. Ich war also gezwungen, dem „Sibratsgfäll“ zu folgen, auch wenn dies z.B. einen an sich sinnlosen, nur kräfte- und zeitzehrenden Aufstieg erforderte.
 
Umso mehr beschleunigte ich mein Tempo. Den Bus wollte ich nicht so einfach abschreiben.
 
Wirklich Augen für meine Umgebung hatte ich zu diesem Zeitpunkt nicht mehr. Dennoch konnte nicht unbemerkt bleiben, daß ich durch sehr attraktive Ecken kam, unter steile Abstürze, gelegentlich ein Wasserfall und keine Menschenseele weit und breit. Das Vieh auch schon wieder im Tal.
 
Im letzten Abschnitt wurde es dann besonders steil und matschig. Bei meinem schnellen Abstieg ließ sich bei diesen Bedingungen die eine oder andere Bodenberührung nicht ganz vermeiden. Dann war die tiefste Stelle erreicht. Nur noch ein Bach trennte mich von dem von Rohrmoos nach Sibratsgfäll führenden Sträßchen. Es gab auch einen Übergang: Zwei nebeneinanderliegende Baumstämme, dazwischen etwas Füllmaterial, und auf einer Seite ein Geländer. Irgendwie passend zum bisherigen Charakter der Wanderung während der letzten drei Stunden.
 
Erfreulicherweise wußte ich jetzt, daß ich mich auf der obengenannten Straßenverbindung befand, doch nicht, wieweit es noch nach Sibratsgfäll wäre. Erst bei Hirschgund war klar, zu weit, um noch rechtzeitig den Bus zu erwischen. Im Stillen hoffte ich, vielleicht könnte mich ein Autofahrer bis Sibratsgfäll mitnehmen. Doch es kam nur ein Auto und dieses fuhr in die falsche Richtung.
 
Nach einer Viertelstunde hörte ich Autogeräusch hinter mir. Ich winkte. Der Fahrer winkt freundlich zurück. Enttäuschung!
 
Kurze Zeit später kam noch ein zweites, ein Bauer mit einer Frau in einem zweisitzigen Kombi, auf dem Weg zur Molkerei um die Milch abzuliefern. Daß der zweite Sitz besetzt war, bemerkte ich erst als er schon gehalten hatte. Noch während ich meine Bitte formulierte, stockte ich, weil ja offensichtlich gar kein Platz da war. Doch er lud mich freundlich ein, auf der anderen Seite einzusteigen, während die Frau sich den Laderaum begab. Soviel Entgegenkommen hätte ich nicht erwartet.
 
Allerdings fuhr er nur die gut 2 Kilometer bis in den Ort. Ich war dennoch mehr als erfreut, denn es war mittlerweile Halb Acht geworden, begann zu dämmern und ich war auch nicht mehr ganz taufrisch.
 
Kaum an der Molkerei angekommen, entdeckte er eine Bekannte, die gerade vorbeifuhr. Er gab ihr Zeichen anzuhalten und ich wurde weiterempfohlen. Die junge Frau aus der Gastronomie war gerade auf dem Heimweg. Sie könne mich bis Egg mitnehmen. Super, da hätte ich ohnehin umsteigen müssen. Und da an diesem zentralen Umsteigepunkt die Busse üblicherweise ein paar Minuten halten, standen meine Chancen gut. Tatsächlich hat es auch geklappt.
 
Ein großes Dankeschön allen für diese außerordentliche Hilfsbereitschaft!
 
Fazit: Ein exzellenter Aussichtspunkt, der Gipfel des Hohen Ifen. Ansonsten scheint mir die West-/Nordseite Richtung Bregenzerwald wesentlich attraktiver. Und insbesondere das Gottesackerplateau verdient nähere Erkundung, dann aber mit einer Karte im Maßstab nicht unter 1:25.000.

Noch ein Nachtrag (Oktober 2015) zu meinem „Abenteuer“ auf dem Gottesackerplateau:

bessere Karte“:

Eine wirklich gute habe ich leider auch hinterher nicht finden können

Abstieg vom Hahnenköpfle zur Kälbelegüntlealpe:

da ich später noch einmal in Gegenrichtung von der Kälbelegüntlealpe zum Hahnenköpfle aufgestiegen bin, weiß ich seither, daß ich am Hahnenköpfle der Markierung nach links hätte folgen müssen.


 

Tourengänger: dulac

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