Adlerhornüberschreitung (Hikr-Erstbesteigung) und Strahlhorn


Publiziert von Zocky , 19. September 2012 um 10:56.

Region: Welt » Schweiz » Wallis » Oberwallis
Tour Datum:16 September 2012
Wandern Schwierigkeit: T4 - Alpinwandern
Hochtouren Schwierigkeit: ZS-
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-VS 
Zeitbedarf: 13:00
Aufstieg: 1717 m
Strecke:20.83 km

Tagwach war schon früh morgens. Gerade mal 03.30 Uhr zeigte das Handy an, als es sich meldete. Die Spuren der nächtlichen Party der anderen Gäste waren noch gut sichtbar auf den Tischen. Leere Bier- und Weingläser :-)

Das Essen war schon vorbereitet für uns. Frisches Brot, heisses Wasser, Müsli, alles was man so in der Nacht runterbringt.
Nach der Verpflegung sind wir um ca. 04.30 Uhr gestartet. Der Weg geht gleich unterhalb des Berggasthauses in Richtung Moräne. Auf dieser kann dann gemütlich gefolgt werden, bis der grosse Abbruch kommt. Dort sind wir etwa 10 Meter nach links hochgestiegen und dann direkt über das Blockfeld abgesteigen. Das Geröll war sehr stabil, es sieht schlimmer aus als es war. Dadurch verloren wir ca. 100 Höhenmeter, sind dann aber bereits auf dem Gletscher angekommen. Dem Findelgletscher sind wir weiter gefolgt, bis zu der Stelle, wo auf der linken Seite ehemals der Adlergletscher war. Durch diesen Schutthang mussten wir hinauf, ergo wieder die Steigeisen abmontieren nur sie ein paar Minuten später wieder anzuziehen. Der Adlergletscher ist dann doch etwas steiler als vorher der Findelgletscher. Dafür läuft man nie Gefahr, kalt zu bekommen. Bis ca. auf Höhe des Strahlchnubels geht es gerade hinauf. Danach sind wir nach links traversiert und den Eisabbrüchen ausgewichen.  Eine Möglichkeit wäre bei noch besseren Bedinungen gewesen, direkt in die Adlerhornflanke einzusteigen und so einige Meter zu sparen.
Auf einer Höhe von ca. 3500 beim Felsvorsprung haben wir gedreht und haben den Gleterscher traversiert bis ans Ende der Adlerhornflanke. Dann ging es steil, ich schätze etwa 50 Grad, auf den Frontzacken die Flanke hinauf bis zum Gipfel. Erst kurz vor dem Gipfel wird es etwas flacher, so dass man wieder aufrecht gehen konnte. Ich hatte so die Erklärung, warum der Gipfel eher selten besucht wird. Diese steile Passage ist nicht jedermann's Sache und die Verhältnisse müssen stimmen. Es ist gut möglich, dass es vor den Niederschlägen schlechter ausgesehen hatte. Nun gut, wir konnten so von bestem Trittfirn profitieren.
Auf dem Gipfel angekommen, die Aussicht war genial und sehr gemütlich. Es hatte Platz für alle 10 Nasen, man konnte sich gut bei den Steinen hinsetzen. Der Weiterweg, ich konnte es gar nicht glauben zuerst, ging direkt weiter als Überschreitung. Von meinem Platz aus, war dies gar nicht sichtbar. Als ich dann jedoch um den Gipfel sah, konnten man den kleinen, feinen Grat erblicken. Keine Spuren drin. Wir mussten etwas aufpassen als wir jeweils mit den Steigeisen über die Platten gingen. Eine Stelle, auf dem Bild gut sichtbar, musste ein bisschen umklettert werden. Es hat jedoch sehr gute Griffe für die Hände und Füsse, somit bestand da keine Gefahr. Weiter ging es teils in bestem Pulverschnee in den Sattel. Der Weiterweg dem Grat entlang zum P. 4128 war unschwer, es ging jedoch wieder steiler hoch. Man merkte die bereits gemachten Höhenmeter schon in den Beinen. Die Bedingungen waren jedoch perfekt, bester Trittfirn.
Wir machten etwa 50 Höhenmeter unterhalb des Gipfels ein Rucksackdepot und stiegen dann fast federleicht zum Gipfel hinauf. Niemand dort, weit und breit war niemand in Sicht. Die Aussicht war genial und angenehm warm. Wir wollten fast nicht mehr hinunter, Markus erinnerte uns jedoch höflich daran, dass wir wieder über den Gletscher mussten. So haben wir uns bei den Rucksäcken wieder angeseilt und sind in Richtung Adlerpass weiter gegangen. Das sollte nochmals eine Schwierigkeit sein. Denkste! Die Bedingungen waren so gut, dass dies überhaupt nicht schwer war. Klar, es war steil dort hinunter, der Schnee schon leicht aufgeweicht von der Sonne, perfekt zu laufen!

Nach der letzten Steilstufe ging es weiter über den doch schon spürbar aufgeweichten Adlergletscher. Wir waren als letzte Seilschaft unterwegs, nicht mehr jeder Übergang über die Spalten hatte gehalten, ich musste immer wieder etwas nach links oder rechts ausweichen. Man konnte die Spalten jedoch sehr  gut erahnen, sodass keine grosse Gefahr bestand.

Am Ende des Adlergletscher mussten wir wieder die Steigeisen abziehen und durch den Geröllhaufen auf den Findelgletscher absteigen. Dann ging der mühsame Latsch los. Am Anfang noch mit Steigeisen über den aperen Findelgletscher, so ab einer Höhe von ca. 2700 dann ohne. Die Spalten wurden immer grösser, Markus ist an den linken Rand ausgewichen und hat uns super durch das Wirrwarr gelotst.

Am Ende des Gletschers, vorbei an dem kleinen Seelein, sind wir beim Kraftwerk erstmals wieder auf einen Wanderweg gestosen. Sozusagen die Rückkehr in die Zivilisation. Weiter ging es diesem entlang. Bei P. 2314 sind wir nacht rechts abgebogen in Richtung Sunegga. Der Weg war noch weit, der Tag schon weit fortgeschritten, fast alle haben mittlerweile an Flüssigkeitmangel gelitten. Die Teeflaschen waren leer, wir hatten ursprünglich auch mit etwas weniger Zeit gerechnet. Der Weiterweg war technisch unschwer, immer wieder gab es Passagen wo es ein paar Höhenmeter hinauf ging, anstrengend nachdem wir vor knapp 12h gestartet sind. Wir hatten nur noch ein Ziel im Kopf, 18.00 Uhr die letzte Bahn bei Sunegga in Richtung Zermatt zu erwischen. Pünktlich um 17.50 Uhr kamen wir dort an, alle doch etwas erschöpft aber glücklich über eine sehr erfolgreiche und eindrückliche Tour.


Fazit:

Das anstrengendste war der ganze Weg über den Gletscher hinab, er wollte und wollte nicht enden, immer der Sonne entgegen :-) Es war eine wunscherschöne Tour, fernab von anderen Berggängern. Ich denke auch in der Hochsaison ist das Adler- und Strahlhorn von dieser Seite her selten begangen, ist nicht jedermanns Sache so lange über den Gletscher wieder zurückzulaufen. Dafür habe ich die Ruhe und Einsamkeit in der wir waren sehr genossen.

Tourengänger: dominik, Zocky


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Kommentare (4)


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Henrik Pro hat gesagt: Ohne deine Leistung
Gesendet am 19. September 2012 um 11:25
schmälern zu wollen, aber das finde ich schon ziemlich minimalistisch!

> Kann ich Bilder auch ohne einen Tourenbericht hochladen?

> Nein, momentan ist das nicht möglich.

Nutzungsbestimmung FAQ

Dann lese ich

> bin noch etwas im Verzug :-(

Wenn es so eilt, dann gibt es den Kurzbericht! Und sonst halt sich Zeit nehmen...Schreiben braucht Zeit!

Ich stosse hier mal wieder ein Grundsatz an...

Trotzdem Gratulation für eure Leistung.

Gruess

Henrik


Henrik Pro hat gesagt: Warum nicht gleich den
Gesendet am 19. September 2012 um 12:20
vollen Bericht publizieren statt einen Start-Zweizeiler...

> bin noch etwas im Verzug :-(

Und plötzlich ist da ein Bericht ...möglich oder kommt einfach später...

Eine unabsichtliche Desavouierung? Kaum. Aber in der 24-h-Stundengesellschaft ist der Zeitdruck offenkundig und der regelt auch das Minimalistische.

Gruess

Henrik

Zocky hat gesagt: RE:Warum nicht gleich den
Gesendet am 19. September 2012 um 12:23
Vieles ist möglich, nix ist fix. In der 24-Stundengesellschaft finden auch immer wieder Vorverurteilungen statt, ohne sich um die Umstände zu erkundigen.

Jeder schaut nur noch auf sich, Nein ist an allen Ecken und Enden präsent. Gehen wir mit gutem Beispiel vor und würdigen auch die Leistungen und Errungenschaften anderer, auch diese welche wir selber nicht erreichen können.

In diesem Sinne, viel Spass beim Lesen

CarpeDiem hat gesagt: Wunderschöne...
Gesendet am 20. September 2012 um 17:59
...Bilder von dieser anmachenden Tour!


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