Young-Grat am Breithornzwilling


Published by Thömel , 4 September 2012, 21h23.

Region: World » Switzerland » Valais » Oberwallis
Date of the hike:28 August 2012
Hiking grading: T5 - Challenging High-level Alpine hike
Mountaineering grading: TD
Climbing grading: IV (UIAA Grading System)
Via ferrata grading: F
Ice climbing grading: WI3
Waypoints:
Geo-Tags: CH-VS   I 
Time: 8:00
Height gain: 1650 m 5412 ft.
Height loss: 650 m 2132 ft.
Route:Rotenboden - Chli Triftji - Younggrat - Breithornzwilling West - Klein Matterhorn
Access to start point:ÖV bis Zermatt (Gornergrat) - Stn. Rotenboden
Access to end point:ÖV bis Zermatt - LSB Klein Matterhorn
Accommodation:Zermatt Biwak Chli Triftji Biwak Rossi e Volante Station Klein Matterhorn

Inspiration für diese Bergtour fand ich im Beitrag von Delta. Seine Worte

Über den Young-Grat auf die Breithornzwillinge - wohl eine der schönsten Grattouren der Alpen! FOREVER YOUNG!

klangen schon länger in meinen Ohren. Sollte ich wirklich den Jungbrunnen finden am Young-Grat?

Die Geschichte beginnt natürlich viel früher. Bereits am 25.07.2012 überschritt ich, vom Klein Matterhorn aus startend, mit Eva die ganzen aufgereihten 4000er der Breithornkette inkl. Roccia Nera. Kurz nach der Abseilstelle vom westl. Breithornzwilling passiert man dabei den Ausstiegspunkt des Young-Grats. Boah, was für eine Tour und wie steil das von oben aussah! Würde sich mein Ziel irgendwann erreichen lassen?

In meinem Kalender war das Wochenende um den 25./26.8. für eine Bergtour mit Tobi eingeplant. Die Schreckhorn/Lauteraarhorn-Überschreitung sollte es werden.  Verlässliches Wetter war also gefragt. Es kam wie es kommen musste. Sitzungstermine am Montag, 27.8. engten das Tourenkorsett noch enger und just am Wochenende war Schlechtwetterdurchzug. An eine Überschreitung wollte ich nicht mehr denken, die 5stündige Traverse bei Bisenlage auf 4000m waren nicht nach meinem Geschmack!

Da kam sie wieder, die Erinnerung. FOREVER YOUNG hat doch Delta gesagt! Sollten wir es versuchen, auf den Spuren von Geoffrey Winthrop Young zu klettern. Hat er wirklich seine Spuren auch am Zermatter Breithorn hinterlassen? Der Wetterbericht liess den Entscheid leicht fallen.

 Am Montagnachmittag des 27.8. um 16:05 kletterten wir bei der Station Rotenboden aus der Gornergratbahn. Sogleich sind wir ergriffen von der Wucht des Breithorns. Dazwischen jede Menge an Gletschern, die es zu überwinden galt. So folgten wir zunächste dem Wanderweg Richtung Monte Rosa Hütte und der Young-Grat entfernte sich merklich. Ganz zuhinterst geht es klettersteigmässig über Leitern hinab und man landet auf einem Sägemehlhaufen, dem Anseilpunkt auf dem Gornergletscher. Die von oben so flach erscheinende Gletscherfläche zeigte sich nun hügelig wie ein Krokodilsrücken.

Immer in SW-Richtung verliessen wir den Grenzgletscher und überquerten mit einigem Hin und Her den Grenzgletscher und den Schwärzegletscher. Der Aufstieg über das Moränengelände über Pt. 2684m zum Pt. 2931m Chli Triftji war landschaftlich eindrücklich, aber unter der Last des Rucksacks auch schweisstreibend. Die Abflüsse des Breithorngletschers liessen jedoch kein Wasserproblem aufkommen. Um 19:30 hatten wir es geschafft und richteten das Biwak ein, gerade noch rechtzeitig, um die letzten Strahlen der Abendsonne zu geniessen. Die Felsen waren angenehm warm, der Himmel klar, die Temperaturen allgemein mehr als ideal. Nach einem letzten visuellen Check der morgigen Aufstiegslinie verkrochen wir uns in die Schlafsäcke.

Im Wissen um die fortgeschrittene Jahreszeit hatten wir den Wecker auf 03:00 Uhr gestellt. Ja, richtig, 'hatten' wir. Unter der Mütze und im Schlafsack hörte ich das Piepsen nicht und ich musste die innere Uhr abrufen. 03:06 Uhr erwachte ich und gab Tobi das Startzeichen :-). Der warme Tee aus der Thermosflasche schmeckte wunderbar, auf die Mitnahme eines Kochers hatten wir aus Gewichtsgründen verzichtet. Um 03:45 Uhr starteten wir über das felsige Gelände hoch Richtung Breithorngletscher. Tonnenweise lagen Steine auf den abschüssigen Bändern - Hinterlassenschaften des sich zurückziehenden Gletschers. Einige wenige Stellen II, der Rest steiles Schuttgelände. Ohne Verhauer erreichten wie die 3000m Linie wo wir uns anseilten und dem blanken Gletscherrücken Richtung Chli Triftjisattel folgten.

Kurz vor dem Sattel sackte Tobi hinter mir plötzlich mit einem Bein ein. War der Schnee schon so weich? Nur unwesentlich weiter gings plötzlich mit mir runter! Was ich im Schein der Lampe erblickte als ich den Fuss hochzog erfreute mich allerdings weniger. Ein riesiger Spalte ca. 15m tief und ich obendrauf! Es hatte sich eine Art Randspalte gebildet, die eine S-Kurve bildete. Da alles noch schneebedeckt war, konnte ich sie nicht erkennen. Wenige Minuten später standen wir im Sattel. Der Tag kündigte sich bereits an, für uns war es noch zu früh resp. zu dunkel, so warteten wir 15 Minuten und genossen die Stille.

Die Firnschneide steilt sich ab dem Chli Triftjisattel deutlich auf. Die Verhältnisse zeigten sich sofort alles andere als ideal und schon bald mussten wir auf die Frontzacken wechseln. Am mittellangen Seil stiegen wir gemeinsam im Blankeis höher. Bei den Pausen setzen wir Eisschrauben. Grandios - ich am Young-Grat. Was für Verhältnisse hatte wohl Geoffrey bei der Erstbegehung? 

Auf ca. 3800m stossen wir erstmals auf den roten Felsen. Es ergab sich, dass Tobi weiter führte und ich am ausgelaufenen Seil hinterherstieg. Der Fels liess sich wunderbar mit mobilen Geräten absichern. Ganz vereinzelt trafen wir auf Steigeisenkratzer und alte rostige Hacken. Geoffreys Werk?

Supertolles Ambiente im festen roten 'Serpentinit' und das bei herrlichem Wetter, warm und windarm. Nach dem kurzen Abstieg vom Vorgipfel übernahm ich für die Mixedlängen den Vorstieg. Aus dem steilen Eis direkt in den roten Fels, Eisschrauben, Friends, Keile und natürlich Seilzug! Tobi folgte und ich konnte ihm die Führung für die letzte Firnschneide wieder übergeben.

Wahrlich eine Himmelsleiter! Leider war die Firnschneide sehr griesig und wir mussten links davon im Blankeis sichern. 50/55 Grad geschätzt und gegen oben steiler und wieder ganz blank. Nach der Übergabe der Schrauben machte Tobi die letzte Länge und verliess das Eis im Mixedgelände über das kleine Couloir das gegen den Grat hochzog. Auch ich war froh, den Wadenbeisser endlich hinter mir zu haben. Vom Standplatz von Tobi überkletterte ich noch die letzten Meter auf den Grat - GESCHAFFT!!

Riesige Freude steigt auf, aber auch die Müdigkeit. Über 5 Stunden Frontzacken und insgesamt um 9 Stunden am Young-Grat ging auch an uns nicht ganz spurlos vorbei. Konzentriert stiegen wir Richtung Sattel vor dem Mittelgipfel und weiter auf den Grossen Verragletscher ab. Es folgte die Autobahn Richtung Klein Matterhorn mit einigen Seilschaften unterwegs. Ein paar tiefe Spalten mussten noch überwunden resp. umlaufen werden, bevor wir zufrieden in die Seilbahn nach Zermatt steigen konnten.

YOUNG-Grat: Ein absolut empfehlenswerte Tour wenn die Verhältnisse stimmen. Bei eisigen Verhältnissen sind 6-8 Eischrauben kein Luxus. Keile und und Friends können fast überall gut platziert werden. Ein 50m Seil reicht, wenn wir eins gehabt hätten, sogar ein 40m.

Hike partners: Thömel

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Comments (5)


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Ford Prefect says: Glückwunsch!
Sent 5 September 2012, 11h19
Meinen Glückwunsch zum Gelingen dieser grandiosen Tour! Schöner, spannender Bericht!

Gruß,
Ford

Baldy und Conny Pro says: absolu
Sent 5 September 2012, 12h01
geniale Tour. Gratulieren
Gruess Angelo und Conny

Thömel says: Vielen Dank ...
Sent 5 September 2012, 23h08
euch drei Beiden. Es war der Hochgenuss. Ich schwebe noch leicht auf der Glückswolke :-). Lg Tom

A propos:
So sechs wie wir fünf gib's keine vier,
wir drei sind die zwei einzigen!
Zitat: Päpu

Christian1 says: Saubere Sache
Sent 6 September 2012, 07h49
Gratuliere zu diesem Klassiker. Den habt ihr ja gerade noch vor dem ersten Kälteeinbruch in die Tsche gesteckt.

Thömel says: RE:Saubere Sache
Sent 6 September 2012, 14h02
Danke auch dir Christian

Lg Tom

A propos:
Ich ha so Hunger, das i vor Durscht fasch nüme ma loufe, so müed bini.


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