Bienne - Rien ne va plus?


Publiziert von lainari , 25. August 2012 um 17:13.

Region: Welt » Schweiz » Bern » Berner Jura
Tour Datum:12 August 2006
Wandern Schwierigkeit: T1 - Wandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-BE 
Zeitbedarf: 2:30
Abstieg: 440 m
Strecke:11 km
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Auto oder Zug der SBB nach Biel, Standseilbahn von Biel nach Magglingen/Macolin

Doch, ins Tubeloch!
 
Ein fliegerisches Grossereignis im Glarnerland hatte meinen Kumpel und mich für ein Wochenende im August 2006 zusammengeführt. Die Flugschau wollten wir sonntags besuchen. Für den Samstag hatten wir uns vorgenommen, auf dem Tessenberg/Montagne de Diesse, der entgegen dem Namen kein Berg sondern eine Hochebene ist, nach Lamboing zu wandern und auf den Spuren von Gastmann und Tschanz, den Romanfiguren von Friedrich Dürrenmatts „Der Richter und sein Henker“ nach Twann abzusteigen.
 
Nicht mehr ganz so früh am Tag befanden wir uns auf der A 5 auf der Anreise nach Biel/Bienne. Das Wetter war unentschlossen. Neben äußerst kräftigen Schauern gab es auch trockene Abschnitte. Wir fuhren in die Seevorstadt und parkierten bei der Talstation der Magglingen-Standseilbahn/Funiculaire Macolin. Im Trockenen gestartet, erwartete uns in Magglingen/Macolin eine trübe Aussicht, es regnete Bindfäden. Wir verbrachten eine Weile in der Bergstation und hielten Kriegsrat. Die Lust auf eine längere Tour war uns vergangen. Statt wie geplant nach links, liefen wir nach rechts in den Ort. Am Ende wurden wir auf einen Feldweg geleitet, auf dem wir dann das Gehöft La Combe passierten. Später überquerten wir eine Straße und erreichten im Wald einen Forsthof. Neben großen Stapeln Brennholz gab es eine Unmenge, teilweise skurriler Holzfiguren zu entdecken. Im Verlauf kamen wir zur Waldkante und streiften hier den oberen Rand von Evilard/Leubringen. Wir wanderten im Wald weiter, der Regen hatte mittlerweile aufgehört. Es folgte ein stärkerer Abstieg. Unten angekommen, wurde auf der anderen Talseite Frinvillier/Friedliswart sichtbar. Wir bogen nach rechts und passierten die Eau-Berge du Taubenloch, welche auf Grund des Wetters verwaist war. Anschließend traten wir in die Schlucht ein. Hier war Wasser das vorherrschende Thema, es rieselte, tropfte und rann von oben, es spritzte von der Seite und es gurgelte, rauschte oder toste am Schluchtgrund in Form der La Suze/Schüss. Nur vom Himmel kam nichts mehr, im Gegenteil erste Sonnenstrahlen erreichten den Boden.
 
Die Herkunft des Namens Taubenloch wird auf verschiedene Art und Weise erklärt. Am logischsten scheint eine sprachliche Abwandlung von Tobel zu Tube beziehungsweise Taube zu sein. Aber die bewegendste, die nachdenklich stimmendste Erklärung ist die Erzählung vom schönen Mädchen „La petite colombe“ (Die kleine Taube), die sich auf der Flucht vor dem bösen Ritter von Rondchâtel, der zuvor ihren Bräutigam getötet hatte, in den Abgrund stürzte. Nachdenklich stimmend in dem Sinne, dass derartige Geschichten auch anderswo bei Schluchten oder Abgründen erzählt werden. Dabei variiert der Inhalt immer ein wenig. Aus der Oberlausitz ist mir eine Sage bekannt, wo sich das schöne Mädchen am Felsen festhalten konnte und der Unhold mit seinem Pferd in die Schlucht stürzt.
 
Entlang der Schüss wanderten wir durch die Klus. Hoch über uns querten zum Einen die Eisenbahn, zum Anderen die getrennt geführten Fahrspuren der Autobahn das Tal. Am Ausgang der Schlucht waren linkerhand die alten, recht desolaten Fabrikanlagen der einstigen Vereinigten Drahtwerke (DT) zu sehen. Diese Firma war gemeinsam mit der Sägerei Renfer und einem weiteren Betrieb der Drahtwerke in Mett über eine schmalspurige Industriebahn mit dem Bahnhof Biel-Mett verbunden. Diese müsste bis mindestens Anfang der 1990er Jahre (?) in Betrieb gewesen sein. Auszug aus dem Handelsregister: „Bau und Betrieb einer Schmalspurbahn vom Dorfe Bözingen nach Station Mett-Bözingen der SBB“, eingetragen 1908, gelöscht 2002. Das letzte Zugpferd, eine Akkulokomotive Ta 2/2, befindet sich heute bei La Traction in Pré-Petitjean. Vorbei an den Fabrikanlagen, die im vorderen Teil noch genutzt wurden, erreichten wir Biel-Bözingen/Bienne-Boujean. Nach Überschreiten der Hauptstraße wurden wir auf eine Festwirtschaft aufmerksam. Wir schauten in das große Zelt, wo gerade eine offizielle Rede gehalten wurde. In den Pausen intonierte eine volkstümliche Kapelle. Ich wollte gerade den Anlass herausfinden, als mich mein Kumpel zum Ausgang drängte, er hatte wohl Angst, dass wir zwei schwarzen Schafe nicht in ein Zelt mit weißen Schafen passen würden…
An der Hauptstraße zurück, liefen wir stadtwärts. Vorbei an der Altstadt von Biel/Bienne, einigen Uhrenbetrieben und an einem Trolleybus-Depot, dass auf die einstige Bieler Strassenbahn zurückgeht, kamen wir zum Ausgangspunkt an der Seilbahnstation zurück. Wir machten im Anschluss noch schnell den Hafen unsicher, bevor wir nach Neuchâtel weiterfuhren. Dort schloss sich ein Ausflug auf der Uferpromenade an.
 
Literaturtipp zur Bieler Verkehrsgeschichte:
Albert Ziegler/Claude Jeanmaire, Bieler Strassenbahnen, Verlag Eisenbahn 1977 

Tourengänger: lainari

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