5 x Üetzgi auf 10 unbekannten Wegen


Publiziert von El Chasqui Pro , 26. August 2012 um 11:08.

Region: Welt » Schweiz » Zürich
Tour Datum:24 August 2012
Wandern Schwierigkeit: T4- - Alpinwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-ZH   Albiskette - Höhronen 
Zeitbedarf: 6:00
Aufstieg: 1380 m
Abstieg: 1380 m
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Mit SZU (S10) oder Bus Nr. 89 bis zur Station Schweighof SZU.

"Zürich hat zwar den Üetliberg (im Volksmund Üetzgi genannt), aber wenn man dort hoch will, wimmelt es von Leuten..."
                          
hört man oft sagen

Ha, als Local (aufgewachsen und wohnhaft im Quartier Friesenberg, spasseshalber auch Lehmbodenalp genannt) weiss ich, dass es auch Trampelpfade gibt, wo man praktisch nie einer Menschenseele begegnet. Obwohl: Die Trampelpfade kenne ich - ausser denjenigen auf die Friesenburg -  nicht schon seit meiner Kindheit, nein, es war Bergkollege Koni, der mich vor Jahren auf die vielen Gratwege am Üetzgi aufmerksam und gluschtig gemacht hat.

Da das Wetter bergmässig für das Wochenende wieder einmal ungeignet angesagt war, nutze ich den späten Freitagnachmittag um die Probe aufs Exempel zu machen, zudem mit dem Ziel, den Üetzgi fünf Mal hintereinander auf immer einem anderen Weg (im Auf- und Abstieg) zu erklimmen ohne eine Wegstrecke zwei oder mehrere Male zurückzulegen.

Anmerkungen:
Wir Locals sagen, dass der Üetliberg bestiegen ist, wenn man den Gratweg zwischen Hohenstein und Annaburg erreicht hat.
Die nachfolgend beschriebenen Pfade sind manchmal recht steil, sie sind im Aufstieg deutlich einfacher als im Abstieg und sollten nach Möglichkeit nur bei trockenem Untergrund (viele Wurzeln !) begangen werden.
Es empfiehlt sich, lange Hosen zu tragen. Wer mich kennt, weiss, dass ich diesem Ratschlag nicht Folge geleistet habe.
Ausser dem Linderweg und dem Denzlerweg haben die von mir beschriebenen Wege meines Wissens keine offiziellen Namen. Daher habe ich sie nach meinem Gusto benannt.

Gestartet bin ich bei der Station Schweighof der Üetlibergbahn (SZU). Nach rund 150 Meter auf dem Döltschiweg bin ich links auf das Weglein entlang des Döltschibachs eingebogen, wo ich nach weiteren ca. 100 Meter in das Wäldchen hinein auf dem Trampelpfad bis zur Brücke des Panoramawegs hochgelaufen bin. Dann Richtung Hotel Atlantis und oberhab des Döltschihofs links hinauf, beim Waldrand vorbei bis zur Wegkreuzung, wo der Hohensteinweg (Studentenweg) aus dem Triemli eintrifft. Hier ist der Einstieg zum
 
Gratweg zur gelben Wand (nord)
Steil und über unzählige Wurzeln geht es wegmässig 150 m (höhenmässig 80 m) aufwärts zur Waldstrasse, die unterhalb der Ruine Friesenburg den Wald durchquert. Von hier sogleich weiter dem Grat entlang - der Pfad ist gut ausgetreten - bis auf etwa eine Höhe von 720m. Nun rechts und flacher bis man auf den Hohenstein-Gratweg trifft. Auf diesem nun wieder gegen den Üetliberg hin in einer Minute zur Clubhütte zur gelben Wand. Talseitig der Hütte steigt man nun in den
 
Gratweg zur gelben Wand (nord-ost)
ein. Der Einstieg ist sehr steil und Spuren sind nur spärlich erkennbar. Aber es geht und man sieht auch schon bald die ersten Stahlseile, die auf diesem Gratweg einst eingerichtet wurden. Heute sind sie nur noch rostig, so wie die folgende 4m-hohe Leiter. Aber alles hält und in dem nun etwas flacheren Teil ist der Pfad nun doch meistens erkennbar. Dort wo es wieder steil wird muss auf Wegspuren rechts ausgewichen werden. Nun verlieren sich die guten Spuren wieder, d.h. man muss sich den Weg selber suchen, es ist aber nicht mehr weit bis zur Waldstrasse, die einem nun Richtung Ruine Friesenburg führt. Rechts gehen die Treppen hoch zur Ruine. Von den Mauern nun wieder ein paar Meter Richtung Üetzgi absteigen und man ist auf dem
 
Gratweg zur Friesenburg
Dieser Pfad ist sehr gut ausgetreten und kann auch im Abstieg gut genutzt werden. Er erreicht den Hohenstein-Gratweg ca. 80 Meter südöstlich der Clubhütte zur gelben Wand.
Nun den Hohenstein-Gratweg 160 m folgen und wieder runter, diesmal auf dem
 
Gratweg Friesenberg direttissima
Die Spuren sind oben gut erkennbar. Danach habe ich mich tatsächlich verlaufen und bin plötzlich in sehr steilem und schliefrigen Gelände aufgetaucht. Also wieder einige Höhenmeter zurück und auf dem Grat bleibend weiter abgestiegen. Nun weiter – unten wird es wieder ziemlich weglos – bis auf den kleinen Weg, der von der Friesenburg herkommt. Auf diesem rund 170 m südwärts, bis zum Einstieg zum
 
Gratweg Rossweidli nord
Beim Einstieg hat es keine Spuren, einfach rauf auf den Grat. Oben ist dann wieder ein Pfad erkennbar, der dann halt an einigen Stellen auch wieder ganz schön steil wird. Wenn man dann mal an zwei eingeschlagenen Stahlrohren vorbei kommt ist man a) richtig und b) schon fast wieder oben auf dem Hohenstein-Gratweg. Man erreicht diesen gerade nördlich der Üetliberghäuser.
Tja, und dann hatte ich in Erinnerung, dass man den nächstfolgenden Grat nach den Häusern wieder absteigen kann, aber nix da, bzw. ich habe den Einstieg nicht ausfindig machen können. Dann bin ich halt nach den ersten Treppen links auf ein Weglein ausgewichen, das mich an einer dunklen Club-Hütte vorbei unter die Nordseite des Uto-Kulms geführt hat. Und bah, da hatte es wieder so ein schönes Gratweglein, der
 
Gratweg Rossweidli süd
Der ist ganz schön steil im Abstieg, aber mit guten Spuren. Das ist ein Weg, den ich tatsächlich noch nie gegangen bin, da er von oben eben nur über diesen Verbindungsweg erreichbar ist. Nun ging es am wunderschönen Rossweidli entlang hinunter, bis ich unterhalb der Rossweidliegg auf den
 
Linderweg
gestossen bin. Der Linderweg traversiert die Üetzgi-Nordflanke vom Friesenberg zum Uto-Staffel. Er führt leicht ansteigend durch den lauschigen Wald, gespickt mit Treppen und Brückchen, die aktuell in sehr gutem Zustand sind. Dieser Weg wird doch relativ viel begangen, doch an diesem Abend begegnete ich auch hier niemandem. Kurz vor dem Uto-Staffel bog ich links runter über den
 
Wurzelweg
Das ist einer der wenigen Gratwege, die auf der 25‘000 er Karte eingezeichnet ist. So ist er auch gut zu finden und bringt einem sicher und am Schluss über den Denzlerweg zum Cholbenhof. Ich blieb auf der Waldstrasse oberhalb des Cholbenhofs und bog zwischen der Vitaparcourstation 10 und 11 links und weglos hoch auf den
 
Gratweg Cholbenhof
Sobald man den Grat erreicht hat, sind die Spuren ausgeprägt, zudem hat es an den Bäumen weisse Streifen für die Wegmarkierung. Nach einigen Minuten – nachdem man in der Zwischenzeit zwei Wege gekreuzt hat – erreicht man die Wiese beim Clubhaus Clarida. Nun über zuerst schöne Treppen und dann steiles Wiesengelände hinauf zum Fernsehturm, wo ich erstmals auf die Üetliberg-Massen stosse. Nun auf dem Bahnhof-Weg wenige Meter hinauf zum Uto-Kulm. Gleich rechts der Aussichtsplattform geht es zum Einstieg in den
 
alten Denzlerweg
Treppen und eine kleine Leiter helfen den steilen Grat zu überwinden. Eine kurze Sandsteinpassage muss abgeklettert werden. Nach wenigen Minuten erreicht man den neuen Denzlerweg. Diesen gehe ich 75 m zurück und zweige dann rechts ab Richtung Clubhütte Clarida. An der Hütte vorbei geht es zum
 
Gratweg zur Clubhütte Clarida
und sogleich folgt die schwierigste Stelle aller Gratwege. Und hier passierts und das nach über 4 Stunden auf und ab: Tatsächlich kommen mir zwei Menschen entgegen! Ein kleiner Schwatz und weiter geht es steil runter, bis zum Weg der links abbiegt. Den nehme ich und erreiche bald wieder das Rossweidli. Ich bleibe dieses Mal aber auf dem Grat und der ausgetretene Weg führt mich bei einbrechender Dunkelheit runter zum Friesenberg.
 
Fazit: Ziel erreicht, 5x Üetzgi auf 10 verschiedenen Wegen. Wenn man den Menschenmassen ausweichen möchte, trittsicher und etwas Gespür für die Wegfindung hat und sich zudem gerne im Wald bewegt, sind die Gratweglein am Üetzgi zu empfehlen. Gut, schlussendlich bin ich doch noch zwei Personen begegnet, aber der Beweis ist vollbracht, dass man stundenlang durch die Wälder des Üetlibergs laufen kann, ohne einem Menschen zu begegnen.

Achtung: Die Zeckengefahr lauert auch in den Wäldern der Stadt Zürich. Lange Hosen und langarmige Shirts sind ein Muss.
 


Tourengänger: El Chasqui

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Geodaten
 12639.gpx Üetliberg

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