Rochefortgrat-Überschreitung vom Col du Geánt zum Col des Grandes Jorasses


Publiziert von garaventa , 22. August 2012 um 11:22.

Region: Welt » Italien » Aostatal
Tour Datum: 8 August 2012
Hochtouren Schwierigkeit: ZS-
Klettern Schwierigkeit: III (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: I   F 
Zeitbedarf: 1 Tage
Aufstieg: 1000 m
Abstieg: 400 m

Besteigungsbericht: 07.08-08.08.2012
 
Überschreitung des Rochefortgrates von der Refuge Torino zum Biwak Canzio
 
Route:
Rifugio Torino - Dent du Géant - Aiguille de Rochefort – Dome de Rochefort – Calotte de Rochefort – Biwak Canzio
 
 
Wie im Bericht des Vortages bereits angedeutet, endete dieser Tag für uns auf der Turiner Hütte.
Diesmal war meine Nachtruhe um einiges erholsamer und so konnte ich das Wecken um wenige Minuten vor 4 Uhr auch wesentlich besser ertragen als Tags zuvor.
 
Wir verließen die Hütte gegen 4:30 Uhr im hellen Scheinwerferlicht der Grossbaustelle, auf welcher rund um die Uhr gearbeitet wird. Ziel der Aktivitäten ist der Bau einer neuen, hochmodernen Luftseilbahn auf den Pointe Helbronner. Dieses Projekt wird z. Zt. unter Hochdruck vorangetrieben, da der Sommer hier oben bekanntlich kurz und der Winder lag ist. Die Bahn soll zum Herbst-Winter 2013/2014 den Bertieb aufnehmen.
 
Im Morgengrauen erreichten wir den Fuss des Dent du Géant. Von dort ging es durch Blockgelände streng aufwärts dem Frühstücksplatz am Fusse des Riesenzahnes entgegen.
 
Dort wurde alles überflüssige Material hinterlegt und über ein schmales Felsband in die unterste Südwestwand des Dent du Géant hineingequert.
 
Schon bald tauchten dann die Fixseile auf, von denen ich zuvor schon so viel gelesen hatte.
Natürlich helfen diese Seile beim Aufstieg über die glatten Platten und sie reduzieren auch die klettertechnischen Schwierigkeiten von Grad V auf ca. III.
 
Doch die Seile sind für meinen Geschmack sehr dick und eher für Seemannsfäuste als für zarte Bergsteiger gemacht.
 
Nun war die Rücken- und Armmuskulatur vorrangig gefragt und ich arbeitete mich Stück für Stück dem Gipfel entgegen, zwischendurch immer wieder verschnaufend, denn diese Zieherei und Kletterei empfand ich als sehr, sehr anstrengend. Der gefühlte Puls lag bestimmt bei 180 Schlägen.

Zwischendurch konnte aber auch auf das Fixseil verzichtet werden, da es dort wieder Griffe & Tritte hatte.

An den Burgenerplatten jedoch ist es blanco!
 
Auch die exponierte Lage in der immer steileren Wand beeindruckte mich nachhaltig.
Darum war ich dann auch erleichtert, als wir nach einer nach rechts auslaufenden Verschneidung, die mich weit nach aussen zwang, endlich den Vorgipfel Pointe Sella erreichten, von dem es dann nur noch eine kurze Querung hinüber zum Hauptgipfel Pointe Graham gibt.
Nach kurzer Gipfelrast ging es dann abseits der Aufstiegsroute zu einer Abseilpiste und nach mehrmaligem Abseilen erreichten wir dann wenig später wieder den Ort, an dem wir unsere Rucksäcke zuvor deponiert hatten.
 
Die folgende Überschreitung des teilweise sehr scharfen Firngrates hinüber zur Aiguille de Rochefort war dann eine angenehme Erholung für den Kreislauf, da nur wenige Höhenmeter zu bewältigen sind.
Doch Konzentration und Trittsicherheit durften dabei keinesfalls vernachlässigt werden, denn es geht zu beiden Seiten teilweise steil und unmittelbar in die Tiefe. Der Grat ist mal links, mal rechts verwächtet und fordert daher Respekt ab.
Danach ging es mehrfach hinunter und wieder hinauf bis der felsige Gipfelaufbau des Dome du Rochefort erreicht wurde.
Von hier aus dann wieder durch Felsen, versetzt mit Firn und auch Eis hinauf zum dritten Gipfel des Tages.
 
Von dort ging es weiter in Richtung Col des Grandes Jorasses.
 
Die Calotte de Rochefort wird üblicherweise nur bei der Komplettüberschreitung des Grates betreten und war daher unser letztes Gipfelziel des Tages vor dem Erreichen der Biwakschachtel.

Während der Abseilerei hinunter in den Col beobachteten und hörten wir noch eine Zweierseilschaft, welche sich jenseits des Passes in den obersten Felsen der Pointe Young befand.
 
Gabriel äusserte mir gegenüber seine Sorge, da sich die beiden Alpinisten offenbar nicht auf der üblichen Route hinüber zur Pointe Margerite befanden sondern irgendwie die opimale Route verlassen hatten und sich in Schwierigkeiten befanden.
 
Kurz nachdem wir uns in der Biwakschachtel am Col des Grandes Jorasses häuslich eingerichtet hatten , tauchte dann plötzlich ein Helikopter der französischen Bergrettung am Col auf und liess dort einen ihrer Retter aussteigen. Der Pilot umkreiste nun in mehreren Anläufen die Felsen hoch über uns im Bereich der Pointe Young um dann in 2 Steps die beiden Alpinisten mit der Seilwinde aus ihrer misslichen Lage zu befreien.
Wie wir später erfuhren waren es wohl zwei Bergsteiger aus Österreich, die auf dem Grat blockiert waren und von dort aus die Bergrettung um Hilfe gerufen hatten.
 
Am Abend wurde im Biwak eifrig Suppe gekocht und Tee getrunken, um die Energiespeicher für den Folgetag wieder zu 100% zu füllen. Mit insgesamt 6 Personen war das Biwak zwar numerisch noch nicht vollends gefüllt, (8 Schlafplätze vorhanden)  doch die Enge war für mich schon grenzwertig angenehm.
 
Ich legte mich gegen 21 Uhr nieder denn der Folgetag, dass war mir ganz klar, sollte der Härtere werden.
 
Über die Traversierung der Grandes Jorasses berichte ich in einem weiteren Bericht, der in Kürze folgen wird. 

Tourengänger: garaventa

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Kommentare (4)


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WoPo1961 Pro hat gesagt:
Gesendet am 22. August 2012 um 11:47
Boah!! Eine echte Traumtour habt ihr da gemacht, die Überschreitung ist ein absoluter Leckerbissen und ein grandioses Highlight im Tourenbuch.. ok, DU bist ja mittlerweile an Highlights gewöhnt, aber glaub mir, DIESE Tour steht nicht in allzuvielen persönlichen Tourenbüchern (auch ich bin "nur" bis zur Aiguilles de Rochefort gekommen! :-((
Herzlichen Glückwunsch und wie immer ein toller Bericht mit absolut grandiosen Bildern... werd ich mir mit Sicherheit noch öfter anschauen!!
LG WoPo

garaventa hat gesagt: RE:
Gesendet am 23. August 2012 um 11:09
Ja, es hat dank des stabilen Wetters und guter körperlicher Verfassung alles sehr gut zusammengepasst.

Der letzte und schwierigste Abschnitt der Grenzgrat-Überschreitung ist nun seit wenigen Minuten auch hier nachzulesen.

Gruss

morphine hat gesagt:
Gesendet am 22. August 2012 um 23:22
Hallo garaventa,

einfach grandios! Bin schon gespannt auf die Fortsetzung der Rochefortgrat-Überschreitung!

Gruß
morphine

garaventa hat gesagt: RE:
Gesendet am 23. August 2012 um 11:12
Hallo morphine,

Die Fortsetzung über den Grenzgrat ist nun online!

Gruss


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