Großer Ramolkogel (3550 m) - Höchster des Ramolkamms


Publiziert von 83_Stefan , 21. August 2012 um 23:45. Text und Fotos von den Tourengängern

Region: Welt » Österreich » Zentrale Ostalpen » Ötztaler Alpen
Tour Datum:18 August 2012
Wandern Schwierigkeit: T5- - anspruchsvolles Alpinwandern
Hochtouren Schwierigkeit: L
Klettern Schwierigkeit: II (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: A 
Zeitbedarf: 2 Tage
Aufstieg: 600 m
Abstieg: 1700 m
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Auf der B186 nach Obergurgl. Im Ort Halteverbotszone und nur extrem kostenintensive Privatparkplätze, daher am besten an günstiger Gelegenheit vor dem Ort parken. Achtung: Am tagsüber kostenfreien Großparkplatz der Festkogelbahn am Ortseingang herrscht zwischen 0 und 8 Uhr Halteverbot ("Abschleppzone")! Der Aufstieg zum Ramolhaus ist im Tourenbericht des Vortags beschrieben.
Unterkunftmöglichkeiten:Ramolhaus (3006 m, DAV Sektion Hamburg und Niederelbe).
Kartennummer:AV-Karte 30/1 - Ötztaler Alpen Gurgl.

Der Große Ramolkogel ist ein gewaltiger Berg, der durch seine konkurrenzlose Stellung eine grandiose Rundschau garantiert - höhere Berge (insgesamt neun Stück) bieten die Ötztaler Alpen lediglich im Westen (Weißkamm) und Südwesten (Schnalskamm). Und weil er nunmal so markant in der Gegend steht, hat man ihm auch eine eigene Bergsteigerunterkunft gegönnt: auf einer Höhe von 3006 Metern liegt - in Sichtweite von Obergurgl - das schöne Ramolhaus, das alleine schon einen Besuch wert wäre. Aber wenn der Ramolkogel dann eh schon in Reichweite ist, hält einen natürlich nichts in der Hütte...

Vom Ramolhaus folgt man dem markierten Weg in Richtung Ramoljoch. Der Ostpfeiler des Hinteren Spiegelkogels wird überschritten und der Weg leitet hinunter zum Becken des Ramolferners. Durch Schutt geht's auf dem markierten Weg dahin (Vorsicht, neue, zur Zeit doppelte Wegführung; etwas unübersichtlich), bis dieser nach links abknickt und verlassen wird (Beschilderung nach links zum Joch; roter Felsaufschrift "ASP" geradeaus folgen!). Auf mit gelegentlichen Farbtupfern und mit Steinmännern markierten, deutlichen Steigspuren weiter, bis der untere Teil des Ramolferners erreicht ist.

Auf dem spaltenarmen, aber trotz anders lautender Aussagen nicht völlig spaltenfreien Gletscher geht's hoch zu einem Schrofenrücken, der mittlerweile ausgeapert ist; um ihn günstigerweise links herum und man gelangt auf den zentralen Teil des Ferners. In einem Rechtsbogen wird die Steilstufe umgangen und wieder zurück nach links querend, erreicht man die Scharte zwischen Mittlerem Ramolkogel und Anichspitze (Nördlicher Ramolkogel).

Zum Großen Ramolkogel geht's links stets am Grat oder in unmittelbarer Gratnähe weiter. Zunächst relativ flach (bis I), legt sich der Grat auf etwa halber Höhe zum Mittleren Ramolkogel ordentlich ins Zeug und führt recht steil und etwas ausgesetzt über plattigen Fels nach oben (bis I+). Kurz unter dem Gipfel wird's wieder etwas flacher und durch Schutt wird der höchste Punkt des Mittleren Ramolkogels erreicht (Steinmann).

Der Verbindungsgrat, der nur kurzzeitig verlassen wird, leitet hinüber zum Großen Ramolkogel (eine Stelle II, nicht ausgesetzt; sonst bis I+, teilweise etwas exponiert). Dabei wird eine Zwischenerhebung (P. 3520) überschritten. Nach einem kurzen Firn- beziehungsweise Eisstück erfolgt der Gipfelanstieg über Schutt. Den höchsten Punkt des Großen Ramolkogels ziert lediglich ein schlichtes, im Gipfelsteinmann verankertes "self-made"-Holzkreuz. Die Aussicht ist grandios und aufgrund der herausragenden Stellung des Bergs nahezu nicht zu toppen - das muss man selbst gesehen haben! Man wird sich an diesem 360°-Panorama kaum sattsehen können.

Über den Mittleren Ramolkogel geht's wieder zurück zum Sattel P. 3367. Von dort folgt man dem gutmütigen Südwestkamm (bis I) nach oben zum Gipfel der Anichspitze (Nördlicher Ramolkogel). Dort gibt's ein schönes, großes Gipfelkreuz.

Der Rückweg zum Ramolhaus verläuft auf dem Anstiegsweg. Von dort folgt man dem Hüttenweg bergab, der hoch über der Gurgler Ache - einige Bäche querend - durch Weidegelände zurück nach Obergurgl leitet.

Schwierigkeiten:
Anstieg zum Ramolhaus: T2 (kurz vor der Hütte wenige Stellen mit Tendenz zu T3).
Anstieg über den Ramolferner zur Anichspitze: L (Hochtour), T3+, I.
Vom Ramolhaus über den Ramolferner auf den Mittleren Ramolkogel: L, T5-, I+.
Übergang vom Mittleren zum Großen Ramolkogel: T5-, II (eine Stelle, sonst bis I+).

Fazit:
Ein äußerst abwechslungsreicher Anstieg auf eine Aussichtskanzel seltener Güte - ohne Zweifel eine 5*-Tour. Unbedingt bei schönem Wetter unternehmen! Trotz seines guten Rufs und der relativ nahen Hütte ist der Große Ramolkogel nicht überlaufen; anders die Anichspitze (Nördlicher Ramolkogel), die meist aufgrund ihrer leichten Erreichbarkeit gut besucht ist. Die Aussicht von letzterer kann allerdings mit der des "großen Bruders" bei Weitem nicht mithalten.
Das Ramolhaus ist als Stützpunkt uneingeschränkt empfehlenswert und zählt meines Erachtens zu den besten Bergsteigerhütten.

Mit auf Tour: felixbavaria (nur Anichspitze).

Anmerkungen:
Der Ramolferner ist nicht völlig spaltenfrei, auch wenn man dies immer wieder hört.
Link zum Tourenbericht des ersten Tags: *Firmisanschneide (3491m) und Schalfkogel (3540m) - ein einsamer Genussgrat in den Ötztaler Alpen.

Tourengänger: 83_Stefan

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Kommentare (12)


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ADI hat gesagt:
Gesendet am 22. August 2012 um 01:45
ein besseres Wetter hätte es nicht geben können für diese schöne Tour.
Leider mußte ich am 18. August pausieren, bedauerlich, wenn man die schönen Bilder sieht.

VLG vom ADI

83_Stefan hat gesagt: RE:
Gesendet am 22. August 2012 um 07:49
Bestes AKW auf einem unbeschreiblich schönen Aussichtsberg. Aber ich war am 19. August oben (HIKR setzt den Gipfelbesuch automatisch immer auf den ersten Tag einer Mehrtagestour).

alpstein Pro hat gesagt:
Gesendet am 22. August 2012 um 06:30
Super Fotos und Bericht und die grandiose Fernsicht.

Beste Grüße
Hanspeter

83_Stefan hat gesagt: RE:
Gesendet am 22. August 2012 um 07:51
Hallo Hanspeter, vielen Dank! War wirklich gigantisch diese Sicht! Hat man halt nicht auf jedem Berg...

simba hat gesagt: Gletscher...?
Gesendet am 22. August 2012 um 08:04
Servus Stefan,

bin immer auf der Suche nach solo machbaren Hochtouren. Du sagst der Gletscher ist nicht spaltenfrei, sondern spaltenarm.
Wie schätzt du die Situation für einen Sologeher ein?
Danke für deine Info!
Gruß
Si

83_Stefan hat gesagt: RE:Gletscher...?
Gesendet am 22. August 2012 um 08:09
Seawas! Naja, ich kann jetzt natürlich nicht sagen "geht schon", aber folgende Info hilft dir vielleicht weiter: Meist wird der Berg solo angegangen und der Hüttenwirt sagt (fälschlicherweise) "da gibt's keine Spalten", sodass auch wir den (allerdings großteils blanken) Gletscher unangeseilt begangen haben.
Komplett spaltenfrei bist du z.B. bei meinen Vorgänger-Touren Vorderer Brochkogel und Schalfkogel via Firmisánschneide unterwegs (siehe jeweiliger Bericht).

simba hat gesagt: RE:Gletscher...?
Gesendet am 22. August 2012 um 13:44
Schalfkogel sieht für die genannten Zwecke idT sehr interessant aus!
Danke für den Tip!
Gruß
Si

kardirk hat gesagt:
Gesendet am 25. August 2012 um 13:19
Hallo Stefan,

schöne Tour, die ich derzeit von Vent aus plane, allerdings direkt über die SW Flanke. Die sieht auf Bildern eigentlich machbar aus (ähnlich dem Schrankogel im Stubai,nur ohne Steig)- weißt Du was darüber - außer das es vermutlich ein ziemlicher Schuttanstieg werden wird.

VG
Dirk

83_Stefan hat gesagt: RE:
Gesendet am 25. August 2012 um 14:49
Hallo Dirk, da kann ich dir leider keine Informationen geben. Allerdings ist laut Führer der Südgrat zum Mittleren Ramolkogel (II) eine Alternative für dich?!?
Mit den Flanken in diesem Gebiet solltest du übrigens vorsichtig sein, denn Steinschlag ist da ein sehr ernstes Thema; am Ramolkogel brachen nahezu im Minutentakt irgendwo Felsen heraus...

alpensucht hat gesagt: Herzlichen Glückwunsch
Gesendet am 28. August 2012 um 00:59
zur 1a -Tour. Da werden Wünsche und Träume geweckt! Gruß

83_Stefan hat gesagt: RE:Herzlichen Glückwunsch
Gesendet am 30. August 2012 um 09:12
Dankeschön - war klasse. Jetzt gibt's aber wohl erstmal einen Wintereinbruch...

quacamozza Pro hat gesagt: Jo, super ausgenutzt, das Wochenende...
Gesendet am 30. August 2012 um 10:40
Wintereinbruch...Dabei steht dieses Wochenende eine große Tour auf dem Programm...wie verhext, dieses Jahr...ich kann immer nur bei Schlechtwetter...:-(

Also ist die Hochtourensaison wohl gelaufen...

Sportliche Grüße von Ulf




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