Oberreintal (1532 m) und Schachen (1866 m) - unterwegs im Reich von algi und Ludwig II


Publiziert von gero Pro , 3. September 2012 um 17:05.

Region: Welt » Deutschland » Alpen » Wetterstein-Gebirge
Tour Datum:20 August 2012
Wegpunkte:
Geo-Tags: D 
Zeitbedarf: 13:00
Aufstieg: 1595 m
Abstieg: 1595 m
Strecke:Partenkirchen - Partnachklamm - Bockhütte - Oberreintal - Schachen - Partenkirchen (29 km)
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Nach GAP, Ortsteil Partenkirchen - gebührenfreier Großparkplatz unmittelbar östlich neben dem Kainzenbad
Kartennummer:AV 4/3 (Wetterstein Östliches Blatt)

"Im Oberreintal hat der Normalbergsteiger nichts verloren, dies ist das Reich der Extremkletterer" - mit diesem Vorurteil im Marschgepäck (stammend aus alten Zeiten, als FF und seine unmittelbaren Nachfolger noch das Regiment im Oberreintal führten) und einem darob etwas flauen Bauchgefühl mache ich mich kurz vor 5 Uhr in Partenkirchen auf den Weg. Manchmal kommt es anders, als man denkt - ich kann nicht ahnen, daß man mich einige Stunden später auf der Oberreintalhütte äußerst herzlich bewirten würde.

Nun wird man wieder etwas schmunzeln über den Frühaufsteher gero, der für das Oberreintal schon früh um 5 Uhr auf den Beinen ist. Aber mein Weg, der über den Schachen zurückführt, erweist sich im Nachhinein als sehr lange Tour, an derem Ende ich einem plötzlich aufkommendem Gewitter nur um wenige Minuten entgehe.

Nach einer halben Stunde erreiche ich die Partnachklamm, weitere 30 Minuten benötigt deren Begehung im Licht der Stirnlampe. An ihrem südlichen Ende angekommen, ist inzwischen die Sonne aufgegangen, die Lampe verschwindet für heute im Rucksack. Ich folge der Beschilderung Richtung Zugspitze ins Reintal; auf einem Forstweg geht es, immer an der munteren Partnach entlang, in mäßiger Steigung aufwärts. Durch das dichte Blätterdach der Bewaldung blinzeln einzelne Sonnenstrahlen - großartige Ausblicke sind aber leider nicht möglich, nur selten ist ein Blick auf das heutige Ziel zu erhaschen.

Nach knapp 2 Stunden habe ich das Ende der Forststraße erreicht; mit Bewilligung können Autos via Partnachalm oder von Elmau bis hierher fahren, z.B. zwecks Bewirtschaftung der Bockhütte (sie wird mittels Quad versorgt, und auf einmal kommt mir auf dem nun zu begehenden Wandersteig tatsächlich zu dieser frühen Stunde so ein geländegängiges Gefährt entgegen).

Um 7:15 Uhr, also nach 2 1/2 Stunden, habe ich die Bockhütte (1052 m) erreicht. Eigentlich beabsichtige ich, das einzig leidlich zugängliche Kar auf der Nordseite der Hochwanner-Kette, den Großen Hundsstall, zu begehen, um dann über die Hundsstallscharte "von oben her" über das Reintalkar ins Oberreintal zu gelagen (ich habe dies schon mal vor 40 Jahren zu Bundeswehrzeiten als Gebirgsmarschübung gemacht, damals verhinderte aber dichter Nebel jegliche Sicht, und ich habe keine Erinnerung mehr daran). Dem AV-Führer entnehme ich, daß der Zustieg nicht leicht zu finden und mittels einbetonierter Ringe und zweier Leitern abgesichert ist. Ich suche einige Zeit im Wald nahe der Bockhütte herum, gebe aber dann auf, da ich heute gedanklich absolut nicht auf Kampf eingestellt bin und mir der Sinn nach einer eher bequemen Bergtour steht.

Also von der Bockhütte 5 Minuten zurückgelaufen bis zu der Stelle, wo - sehr gut beschildert - der Normalweg ins Oberreintal abzweigt. Der Steig schlängelt sich steil, aber unschwierig viele Kehren durch Wald aufwärts; nach einer knappen Stunde Gehzeit erreiche ich die Stelle, wo der in den Landkarten verzeichnete Abzweig zum Schachen ansetzt. Wieder lassen einige Wegweiser keinen Zweifel aufkommen, wie es weitergeht; für mich hinauf ins Oberreintal.

Der bislang dichte Wald wird nun allmählich dünner und macht Latschenfeldern Platz; gleichzeitig hat man zusehends schöne Blicke ins Oberreintal, aber auch gegenüber auf den Kamm des Hochblassen, an dessen Südseite der von mir beschriebene Schützensteig verläuft. Kurz vor 9 Uhr passiere ich das von FF installierte Holztürchen, das den unmittelbaren Zugang ins Oberreintal und zur heute nach ihm benannten Hütte markiert. Noch wenige Minuten auf dem hier eben verlaufenden Geröllsteig, und ich stehe vor der Oberreintalhütte (1532 m). Sie war schon immer und ist auch heute noch eine Selbstversorgerhütte - wie mir später beim Bierchen die Tochter des Hüttenwirts erzählt, wird auch heute noch aus den von den Kletterern mitgebrachten Lebensmitteln in einem großen Kochtopf ein "Gemeinschafts-Eintopf" zubereitet.

Wie geht es nun weiter? Zunächst einmal stehe ich und staune obe der gewaltigen Felswände, die hinaufzuiehen zum Obereintaldom, zur Schüsselkar- und Scharnitzspitze und den imposanten Abschluß des Oberreintales bilden. Einige Kletterer machen sich gerade bereit, Richtung Schüsselkar loszuziehen. Eine latschenbewachsene Felsstufe trennt den schrofigen, fast völlig ebenen Talboden des Oberreintales vom Schüssel- und dem benachbarten Scharnitzkar - das sieht verlockend aus, ich beschließe zu versuchen, dort hinauf zu gelangen.

Als ich nach 10 Minuten beginne, die Felsstufe hinaufzukraxeln, erweist sich diese als etwas anspruchsvoller, als sie von unten aussieht. Einsergelände erfordert den Einsatz der Hände zur Fortbewegung, und trotz des Latschenbewuchses steht man hier etwas exponiert 50 Meter über dem Talgrund. Runter muß man auch wieder - ich beschließe, die Sache nicht zu weit zu treiben, klettere wieder ab und schlendere zurück zur Hütte.

Wie das Gelände hinauf ins Oberreintalkar wohl zu begehen ist - wird mir dort mehr Erfolg beschieden sein? Ein Steiglein zieht unmittelbar hinter der Hütte durch lichten Ahornbestand, ich folge ihm und gelange an eine latschenbestandene Geländestufe. Hier geht es minimal exponiert, aber völlig unschwer bergauf, und nach einer weiteren Stunde stehe ich im Reintalkar. Eine ausgedehnte Geröllreiße zieht genau südwärts steil hinauf; unmittelbar gegenüber strebt die Fahrradlkante zum Oberreintalturm hinauf. Eine Seilschaft ist zu erkennen, sie hat etwa die Hälfte der Kletterei hinter sich und wird bald droben sein. Ich sitze einige Zeit in den Schrofen, genieße die Stille und die überaus eindrucksvolle Landschaft, bevor ich zur Oberreintalhütte zurückgehe und mir im Schatten der Bäume eine Brotzeit gönne.

Für den Rückweg habe ich mir vorgenommen, zunächst zum Schachen hinauf und dann über den Kälbersteig wieder zur Partnachklamm abzusteigen. In der knackig wärmenden Mittagssonne geht es mit vielen Fotospausen in 90 Minuten über steile Kehren, aber unschwierig hinauf zum Pavillion an der Schachenkanzel - hier hat König Ludwig gesessen und gelesen oder die phänomenale Aussicht ins Oberreintal bzw. ins Reintal und auf den Blassenkamm genossen. Ein wahrhaft königliches Plätzchen - "ein Bayer muß unbedingt mal auf dem Schachen gewesen sein", fällt mir zum entsprechenden aktuellen Wortspiel von Bayern 1 ein.

Anschließend kommt auch die Kultur nicht zu kurz: ich besichtige anläßlich einer netten, sehr empfehlenswerten Führung das Königshaus am Schachen (wie es offiziell heißt) des Bayernkönigs: ist schon was ganz anderes als die Massenveranstaltungen in Linderhof oder Neuschwanstein, wenn nur einige Wanderer zugegen sind und mit ihren Bergstiefeln in königlichen Gemächern umherpoltern!

Anschließend sitze ich natürlich auch im benachbarten Biergarten des Schachenhauses (1866 m) und lasse zischend eine Maß hinunterrinnen: ein herrliches Plätzchen, Oberbayern liegt mir zu Füßen, keine Wolke trübt den blauen Himmel .... und über allem einladend weißer Wettersteinkalk. Schlichtwegs atemberaubend schön im wahrsten Sinne dieses Wortes.

Der Abstieg geht zunächst über die Forststraße Richtung Elmau hinunter; später zweigt dann beschildert der Kälbersteig ab, er zieht sich ziemlich in die Länger und kommt schließlich am südseitigen Ende der Partnachklamm heraus. Von dort aus sind es nochmals 60 Minuten zurück zum Ausgangspunkt beim Großparkplatz am Kainzenbad in Partenkirchen - und wieder einmal ist eine wunderbere Bergtour Vergangenheit!


Ach ja, wer es nicht wissen sollte: FF = Franz Fischer, der langjährige Wirt der Oberreintalhütte

Tourengänger: gero

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 12548.gpx Rundtour von Partenkirchen zum Oberreintal und Schachen

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Kommentare (1)


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Felix Pro hat gesagt:
Gesendet am 8. September 2012 um 21:57
"schee ist's!"
lg Felix


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