Piz Forbesch 3261,8 m - über den Nordostgrat


Publiziert von Ivo66 Pro , 20. August 2012 um 20:29.

Region: Welt » Schweiz » Graubünden » Oberhalbstein
Tour Datum:20 August 2012
Wandern Schwierigkeit: T5+ - anspruchsvolles Alpinwandern
Hochtouren Schwierigkeit: WS
Klettern Schwierigkeit: II (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-GR 
Zeitbedarf: 8:45
Aufstieg: 1780 m
Abstieg: 1780 m
Strecke:Mulegns - Tga - Arnoz - Seelein P. 2583 m - Nordostgrat - P. 3176 m - Piz Forbesch
Kartennummer:1:25'000 Bivio

Der Piz Forbesch liegt nur etwa 8 km Luftlinie von unserer Wohnung entfernt. Dennoch schien dieser prächtige Berg für uns lange Zeit unerreichbar. Der sehr gute Bericht  von 360, der den Gipfel kürzlich zusammen mit Zaza besucht hatte, gab uns schliesslich den letzten Ruck, nachdem auch Maveric immer wieder vom Piz Forbesch gesprochen hatte.

Forbesch bedeutet aus dem Rätoromanischen übersetzt inetwa "Schere". Diese Bezeichnung trifft den Nagel auf den Kopf, bildet der Felsaufschwung des Hauptgipfels zusammen mit seinem kleinen Bruder, dem Forbesch Pintg, doch einen markanten Doppelgipfel, der an eine Schere erinnert. Er ist ein dominanter Berg mit eigenem Charakter und von weit her sichtbar; selbst vom Säntis kann man ihn an klaren Tagen gut erkennen.

Durch einen langen Grat ist der Piz Forbesch mit dem etwas kleineren Nachbarn, dem Piz Arblatsch, verbunden. Zusammen mit der Gratfortsetzung bis zum Piz Arlos bildet sich so eine eigenständige Bergkette, die recht isoliert über dem Oberhalbstein trohnt. Dementsprechend umfassend ist das Gipfelpanorama, welches man auf dem Piz Forbesch präsentiert bekommt. Dieses Schauspiel will aber hart verdient sein, denn der Zustieg zum Gipfel ist anspruchsvoll und führt zum Teil durch heikles, brüchiges Gelände. Das Gestein auf dem Nordostgrat und in den Flanken, in die es hin und wieder auszuweichen gilt, ist von schlechter Qualität. Hinzu kommt ein langer Zustieg mit einer beträchtlichen Höhendifferenz von gut 1800 Metern.

Für uns ist erneut ein Traum in Erfüllung gegangen. Das Gefühl, auf dem Piz Forbesch zu stehen, ist unbeschreiblich. Wir genossen die herrliche Aussicht dort oben während über einer Stunde und durchblätterten das kleine Gipfelbuch, welches aus dem Jahre 1996 stammt und sich in hervorragendem Zustand präsentierte. Unsere heutige Besteigung war insgesamt die 5. in diesem Jahr. In der Regel wird der Berg pro Jahr um die fünfmal bestiegen; das Jahr 2007 weist aber beispielsweise keinen einzigen Eintrag auf.

Für die Routenbeschreibung* verweise ich auf die wirklich präzise Routenbeschreibung  von 360. Ihm gilt unser Dank, ebenso wie unserem lieben Bergkameraden und Freund Maveric. Wie immer hatten wir bei aller Konzentration, die es brauchte, viel Spass zusammen. So kann es immer weitergehen!

*Im Gegensatz zu 360 und Zaza sind wir auf der Aufstiegsroute wieder abgestiegen und sind nicht durch die steile Rinne abgesurft.

Tourengänger: Ivo66, Lena, Maveric

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Kommentare (7)


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360 Pro hat gesagt: Die Schere ist also bezwungen!
Gesendet am 26. August 2012 um 14:45
Gratulation zum Forbesch! Die "angedrohte" Besteigung liess offensichtlich nicht lange auf sich warten!

> Für die Routenbeschreibung* verweise ich auf die wirklich präzise Routenbeschreibung von 360. Ihm gilt unser Dank...

Danke für die Lorbeeren, keine Ursache und gern geschehen.

Viele weitere solch spannende Gipfelziele wünscht
360

Ivo66 Pro hat gesagt: RE:Die Schere ist also bezwungen!
Gesendet am 26. August 2012 um 19:49
Vielen Dank! Nein, das Kribbeln war zu gross, um lange zu widerstehen. Was für ein Berg, der Piz Forbesch!

Auch Dir weiterhin tolle Touren.

LG Ivo

Cucli66 hat gesagt: Vorsicht Nordostgrad
Gesendet am 5. Oktober 2014 um 19:09
Danke Ivo für die präzise Beschreibung und somit hatte ich die Tour mit meinem Sohn in Angriff genommen und bis zu P3167 war alles tiptop. Leider war das Gestein am Nordostgrad noch gefroren und so mussten wir schweren Herzens aus Sicherheitsgründen kehren! Fazit: eine Besteigung im späteren Herbst oder nach kalten Nächten ist einzuberechnen! Freundlichen Gruss Martin

Ivo66 Pro hat gesagt: RE:Vorsicht Nordostgrad
Gesendet am 6. Oktober 2014 um 19:24
Hallo Martin

Vielen Dank für Deine Nachricht. Schade, dass es nicht ganz geklappt hat mit dem Gipfelerfolg. Da man auf dem Nordostgrat immer wieder mal in die steile Nordflanke ausweichen muss, war Eure Entscheidung, umzukehren, sicher richtig. Im Herbst wird es dort schnell mal heikel; es ist auch bei trockenen Verhältnissen nicht ganz ohne...

Viel Erfolg beim nächsten Mal. Dieser Berg lohnt sicher einen nächsten Versuch.

Herzliche Grüsse
Ivo

Cubemaster hat gesagt: Vielen Dank!
Gesendet am 30. August 2016 um 15:45
Auch von mir nochmal herzlichen Dank euch und an alle anderen, die hier auf hikr.org Informationen über den Piz Forbesch veröffentlicht haben. Vor etwa zwei Wochen stand ich endlich auch auf diesem tollen Gipfel.

Bei meinem Aufstieg lag noch Schnee in der Nordwestflanke, so dass nur die erste von den beiden großen Umgehungen über diese Seite möglich war. Den steilen Aufschwung vor dem Gipfelgrat habe ich dann tatsächlich direkt über die zum Teil überhängenden Schieferplatten erklettert. Im Abstieg konnte ich diese Stelle durch die Südostflanke umgehen. Hier muss eine sehr glatte und bröselige Platte (im Abstieg aufsteigend) überkraxelt werden.

Beide Stellen sind im hinunter wahrscheinlich ziemlich heikel, aber dieser "Rundweg" war für mich ganz gut machbar. Im Bericht von 360 wird diese Stelle, die für mich die definitive Schlüsselstelle war, übrigens nicht erwähnt. Ich vermute, es handelt sich um die Stelle, die du in einer Bildunterschrift als die unangenehmste bezeichnest?

Ivo66 Pro hat gesagt: RE:Vielen Dank!
Gesendet am 30. August 2016 um 18:44
Gratulation zur erfolgreichen Forbesch-Besteigung. Wir haben auch immer wieder mit einer Wiederholung geliebäugelt; aufgrund der immer wieder auftretenden Schneefällen in diesem Sommer dann bisher davon abgesehen... Der Schnee hält sich in der Nordwestflanke anschliessend immer sehr lange.

Die plattige, überhängende Stelle, welche Du überklettert hast, ist genau jene, die wir dort - auch bei Trockenheit vor allem auf dem Rückweg ziemlich heikel - umgangen sind (Bilderunterschrift "die unangenehmste Stelle"). Bei Schnee ist dort wohl kaum ein Durchkommen...

...nun würde ich mich natürlich sehr über einen weiteren Forbesch-Bericht freuen:-)

Viele Grüsse
Ivo

Cubemaster hat gesagt: RE:Vielen Dank!
Gesendet am 31. August 2016 um 15:02
Falls ihr dieses Jahr nochmal hinauf wollt, wären die Bedingungen jetzt sicher gut nach der warmen Woche...

Mit einem weiteren Bericht kann ich eher nicht dienen, dafür habe ich zuwenig Fotos gemacht, sorry! Außerdem ist der Berg ja schon gut dokumentiert, andere schlechter dokumentierte Touren, die ich dieses Jahr gemacht habe, haben also Vorrang!

Viele Grüsse und noch viele schöne Touren auf die Bündner Bröckelberge :-)


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