Mettelhorn (3406 m) - Höhbalmen (2665 m) - Genusswandern in purezza!


Publiziert von Renaiolo , 19. August 2012 um 14:11.

Region: Welt » Schweiz » Wallis » Oberwallis
Tour Datum:13 August 2012
Wandern Schwierigkeit: T4 - Alpinwandern
Hochtouren Schwierigkeit: L
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-VS 
Zeitbedarf: 3 Tage
Strecke:1. Tag: Zermatt - Trift, 2. Tag: Trift - Mettelhorn - Trift, 3. Tag: Trift - Höhbalmen - Zmutt - Zermatt
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Hinfahrt aus dem Zürioberland über Andermatt - Furkapass - Visp - Täsch
Zufahrt zum Ankunftspunkt:Rückfahrt Täsch - Visp - Grimselpass - Sustenpass - Zürioberland
Unterkunftmöglichkeiten:Hotel du Trift
Kartennummer:map.geo.admin.ch

Seit Tagen Superwetter-Vorhersagen für unsere 3-Tagestour in Zermatt! Und so war es dann auch. Also stand dem schon länger geplanten Projekt nichts im Wege - ausser: leider konnten Willem und Nanet nicht mitmachen. Kniebeschwerden zwangen Willem zu pausieren. Aber Michael passiun­­_ch war wie geplant dabei, wichtig deshalb, war er doch unser Wettergarant(!). Und um es vorweg zu nehmen: wir erlebten wunderschöne Stunden im „ruhigsten“ Teil von Zermatt - einmalige Aussichten auf die vielen Viertausender, welche sich in dieser Gegend inflationär versammeln.
 
1. Tag: Zermatt - Trift
Zu dritt also durchwanderten wir ab Bahnhof Zermatt die überfüllte Bahnhofstrasse, um diese bei der GramPi’s Bar fluchtartig zu verlassen und hochzusteigen über Alterhaupt, vorbei an der von weitem sichtbaren, spektakulär gelegenen Pension Edelweiss. Immer entlang des Triftbachs resp. dessen Schlucht erreichten wir nach zwei Stunden das Ziel des ersten Tages, Hotel du Trift (2337 m), eigentlich ein Berggasthaus. Hier wurden wir sehr herzlich willkommen geheissen von Hugo Biner, dessen Frau Fabienne und dem ganzen Team. Sowohl dem selbstgemachten, sagenhaft guten Eistee, wie auch der Apfelwähe konnten wir nicht widerstehen - auch nicht dem Trift-Kafi. Sichtlich stolz berichtete Hugo heute 64 Küchenstücke von 17 Kilogramm Äpfel hergestellt zu haben - selbstverständlich ausverkauft! Draussen vor dem Haus bewunderten wir die beeindruckende Bergwelt mit ihren Gipfeln (Ober Gabelhorn, Trifthorn, Wellenkuppe, Zinalrothorn, usw.)  - der Blick hinauf zur Rothornhütte SAC hinauf war ebenfalls ungetrübt. Noch mehr bewunderten wir die zwei jungen und mutigen Frauen, die soeben vom Zinalrothorn (4221.2 m) zurück kamen, und sich an der Sonne die wohlverdiente Stärkung gönnten. Und: plötzlich erscheint ein bergwärts joggender Simon Anthamatten, der sich für eine kurze Verschnaufpause an den Tisch setzt - unterwegs zur Rothornhütte, wo er von Kunden erwartet wird. Um 19 Uhr wurde uns ein Viergangmenü serviert; über die Küchenleistung konnten wir nur staunen - grosses Kompliment an die Biner’s! Kurz vor zehn ging es ab in die Federn - die absolute Ruhe hier oben kontrastierte mit dem Lärm unten im „Dorf“, der allerdings hier nicht wahrzunehmen war.
 
2. Tag: Trift - Mettelhorn - Trift
Erstklassig ausgeschlafen und erholt, starteten wir nach dem Frühstück Richtung Mettelhorn. Dieser nicht besonders schöne, dafür aber aussichtsreiche Gipfel wird gerne als der zweithöchste Trekkinggipfel in der Schweiz gesehen. Aufgrund solcher Publizität befürchteten wir eine Völkerwanderung, die allerdings nicht eintrat. Direkt hinter dem Hotel du Trift stehen Schilder mit der Vorgabe für heute: von 3 Std. 40 Min. Auf Vieliboden (2453 m) teilte sich der Bergweg - links über eine Gletschermoräne hoch Richtung Rothornhütte - wir „blinkten“ rechts. Nach einem steilen Aufstieg mit einigen grossen Tritten erreichten wir die Hochebene Triftchumme - was für eine Augenweide, und welch ein Naturparadies tat sich uns auf. Im Rückspiegel erblickten wir, wie sich hinter Höhbalmen das Matterhorn zaghaft aufbaute. Vor uns begann es jetzt ziemlich anzusteigen, anfänglich auf gutem Weg, dann zunehmend über Geröll - immer gut begleitet von vielen Steinmannli (oder -fraueli). Links die Felswand Böse Tschuggen (3047 m), rechts das flache Wisshorn (2927.7 m), vor uns das Platthorn (3345 m), welches uns die Sicht aufs Tagesziel versperrte. Erst oben auf Furggji (3186 m) weitete sich der Blick - geradeaus vor uns das Mettelhorn (noch mit Wolken umhüllt!), und dazwischen ein mässig steiler Gletscher (der wohl oberste Teil des Hohlichtsgletschers), den es zu queren galt. Spätestens jetzt mutierte die Trekking- zur allerdings leichten Hochtour. Den Rat von Hugo Biner (auch Bergführer und Skilehrer) befolgend, montierten wir die Eisen. Auch wenn eine gute Trittspur vorhanden war, fühlten wir uns so auf der ca. 500 m langen Spur sicherer - Spalten in unmittelbarer Nähe der Spur sahen wir keine. Oben, genau in der Mitte zwischen Platthorn (3345 m) und Mettelhorn (3406 m) standen wir auf der steil Richtung Zermatt abfallenden Wand und hatten die letzten 150 Hm vor uns; in Serpentinen auf gut sichtbarer und trockener Spur erreichten wir nach 15 Minuten den Gipfel - auf den letzten Metern bis zum höchsten Punkt kraxelten wir über einige Felsplatten und -blöcke. Der Gipfel selbst ist ziemlich ausgesetzt und bietet wenig Platz. Das vor uns aufgestiegene Pärchen aus Kanada „besetzte“ den höchsten Punkt und wartete gaaaaanz ungeduldig darauf, dass sich das „Horu“ endlich zeigte. Die Zeit vertrieben sie sich mit dem „hemmungslosen“ Genuss von Toblerone… sympathisch, nicht wahr?! Mittlerweile zeigte sich die richtige Toblerone (s’Horu natürlich), so wie uns Michael garantierte. Dann zogen wir es vor, an den Gletscherrand abzusteigen; dort hat sich in den vergangenen Jahren ein kleiner See gebildet. Mit Blick auf die mächtige Weisshorn-Pyramide (4506 m) genossen wir bei angenehmen 12 Grad die Rast. Eigentlich sollte sich hier die Weisshorn-Pyramide „spiegeln“, aber das Seelein war grösstenteils gefroren. Dann ging es zurück über den Gletscher bis Furggji, und von hier der Abstieg auf gleichem Weg hinunter Richtung Vieliboden. Mittlerweile strahlte die Sonne richtig stark, so dass wir uns oberhalb des schönen und grünblau leuchtenden Sees, welcher unterhalb der Wand des Böse Tschuggen lag, zu einer ausgiebigen Mittagsruhe niederliessen. Bei dieser Gelegenheit genossen wir das wunderbare, wechselnde Farbenspiel, welches sich uns bot; jedenfalls sahen wir im Vergleich zum vormittäglichen Aufstieg völlig veränderte Farben. Der Rest ist rasch erzählt: Abstieg auf den wunderbar grünen und weichen Vieliboden, dann der steile Abstieg hinunter zum Ausgangspunkt. Und hier natürlich Wiederholung des Vortagesprogramms: sagenhaft guter Eistee, Apfelwähe und - Trift-Kafi (Hugo ist auch ein sympathischer und guter Verkäufer!). Um 19 Uhr dann wiederum ein erstklassiges Viergangmenü (u. a. Riz Casimir!).
 
3. Tag: Trift - Höhbalmen - Zmutt - Zermatt
Nach einer weiteren unglaublich ruhigen und erholsamen Nacht nochmals ausgiebiges Frühstück und (leider) Abschied vom Trift-Superteam. Bei bestem Wetter bewältigten wir den einstündigen Aufstieg von ca. 330 Hm bis Höhbalmen, angetrieben von der ungeduldigen Erwartung, dass der Blick aufs „Horu“ frei werde. Nach ca. 2.5 km war es dann soweit - was für ein einmaliges Panorama (siehe Bilder)! Spätestens hier erinnern wir uns an unseren Vorsatz genussvoll zu wandern. Also erst mal reichlich Pause, und natürlich fotografieren. Erstaunlich wenig Leute hier - die Saison scheint gelaufen - gut für uns. Allmählich machten wir uns wieder auf den Weg, immer auf einer Höhe von ca. 2600 bis 2700 m, und immer das einmalige 360-Grad-Panorama auf die vielen Viertausender. Jetzt verstanden wir auch, weshalb dieser Abschnitt nach Meinung vieler als einer der allerschönsten Höhenwanderung gilt. Das mit dem „Genusswandern“ nahmen wir dann etwas zu grosszügig - jedenfalls bemerkten wir schon während des Abstiegs über Arben zum Zmuttgletscher und zu den unterhalb angelegten Absenkbecken, dass wir den Abstecher in die Schonbielhütte vertagen sollten. Beim Zmuttbach oberhalb Stafel angekommen, entschieden wir, die Hütte auszulassen. Schliesslich lag vor uns, etwas oberhalb Chalbermatten, noch wegen der Felssturzgefahr - allerdings reizvoll angelegte - „Umweg“ (Abstieg und Wiederaufstieg von ca. 100 Hm). Leicht „angetrocknet“ und auch „ausgehungert“ erreichten wir schliesslich das Beizendorf Zmutt. Hier liessen wir uns nieder, selbstverständlich unter Inanspruchnahme der gut ausgebauten Gastro-Infrastruktur - wie wärs zum Beispiel mit „Älplermakkaroni“ (lecker!). Nun gut, für den weiteren Abstieg nach Zermatt hinunter waren wir gestärkt - gegen halb fünf hatte uns die Zivilisation wieder. Abschied von unserem Bergfreund Michael aus Bielefeld passiun­­_ch*, der in seine langjährige Niederlassung nach Grächen weiterzog. Wir hingegen hatten keine Mühe, im uns seit Jahren bekannten Zweisternhaus Alphubel eine Bleibe für eine Nacht zu finden (ohne Voranmeldung!). Die für Zermatter Verhältnisse sehr günstigen Fr. 85.00/Nacht und Person inkl. Frühstücksbuffet strapazierten unser Budget nicht, so dass wir uns sogar einen gemütlichen Abend im Schäferstübli gönnten; Gigot vom Holzfeuer von Zermatter Schwarznasenschafen und dazu einen herrlichen Kartoffelgratin - und eine Flasche Humagne Rouge - sowas gehört für uns zum Genusswandern. Danke Michael, und herzliche Grüsse an die abwesenden Willem und Nanet.

*Nachtrag vom 23.09.2012:
Soeben hat auch Michael passiun_ch seinen schönen Bericht aufgeschaltet.
 
Zu den Bildern resp. den Bildlegenden: meine Kenntnisse über die zahlreichen Gipfel sind im Vergleich zu Michael sehr schwach - so dass ich in den nächsten Tagen sehnlichst präzisierende Hinweise von ihm erwarte - der kennt nämlich alles, was sich über 4000 m erhebt! Und das ganz ohne Eifone und TschiPiEss.
 
Parameter 1. Tag Zermatt - Trift:
Strecke: 3.526 km
Aufstieg: 725 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 2 Std. 10 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen: 2 Std.
 
Parameter 2. Tag Trift - Mettelhorn - Trift:
Strecke: 9.891 km
Aufstieg: 1077 m
Abstieg: 1059 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 8 Std.
Benötigte Zeit ohne Pausen: 5 Std. 12 Min.
 
Parameter 3. Tag Trift - Höhbalmen - Zmutt -Zermatt:
Strecke: 16.614 km
Aufstieg: 597 m
Abstieg: 1285 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 8 Std.
Benötigte Zeit ohne Pausen: 6 Std. 3 Min.
 
Ausgewertet mit GPS-Track-Analyse

Tourengänger: Renaiolo, passiun_ch

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Geodaten
 12507.gpx TRACK 13.08.2012 - Trift-Mettelhorn-Trift
 12508.gpx TRACK 14.08.2012 - Trift-Höhbalmen-Zermatt
 12516.gpx TRACK 12.08.2012 - Zermatt -Trift

Galerie


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Kommentare (11)


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alpstein Pro hat gesagt:
Gesendet am 19. August 2012 um 14:48
Gratuliere Ruedi, schöner Bergaufenthalt und in einer grandiosen Bergkulisse.

Herzliche Grüße
Hanspeter

Renaiolo hat gesagt: RE: Danke
Gesendet am 19. August 2012 um 15:08
lieber Hanspeter. Ja, das waren absolut wunderschöne Tage in einer phänomenaler Bergwelt. LG Ruedi

morphine hat gesagt: Aussichten!
Gesendet am 19. August 2012 um 15:06
Hallo Renaiolo,

herrliche Bergtour mit eindrucksvollen Panoramaaufnahmen der ganzen zermatter Pracht!

Gruß
morphine

Renaiolo hat gesagt: RE:Aussichten!
Gesendet am 19. August 2012 um 15:16
Hallo morphine, danke, darüber, dass Dir Bericht und Bilder gefallen, freue ich mich sehr. Es ist allerdings sehr einfach, in diese phantastisch schönen Bergwelt zu fotografieren. HG Renaiolo

passiun_ch hat gesagt: Super Bericht
Gesendet am 19. August 2012 um 16:03
... danke Ruedi.
Du hast die Messlatte ja sehr hoch gesetzt, da muss ich mir
ja was einfallen lassen. Vielleicht nicht vom Text her ich werde
es wohl mit Bildern versuchen. Ach übrigens übertreib nicht immer so bei mir :-))
Gruß Michael

Renaiolo hat gesagt: RE:Super Bericht
Gesendet am 19. August 2012 um 16:18
Lieber Michael, Danke für das Kompliment. Und sei nur nicht zu bescheiden, gell... HG Ruedi

Willem hat gesagt: Herzlichen Glückwunsch Ihr Drei!
Gesendet am 21. August 2012 um 15:16
Liebe Doris, Rudolf und Michael,

wenn ich jetzt die herrlichen Bilder sehe und den tollen Bericht lese, finde ich es sehr schade dass wir - aus Sicherheitsgründen - nicht mitkommen konnten. Ihr hattet viel Glück mit dem Wetter und die wenigen Wolke standen die prächtigen Aussichten zum Glück nicht im Wege!

Es freut mich dass die Tour Euch gut gefallen hat. Unter dem Motto "aufgeschoben ist nicht aufgehoben" werden wir einander bestimmt mal auf einem anderen Berg kennenlernen.

LG Willem

Renaiolo hat gesagt: RE:Herzlichen Glückwunsch Ihr Drei!
Gesendet am 22. August 2012 um 12:06
Danke Willem, ja das war wirklich schade, dass Ihr nicht mitmachen konntet - aber wie Du richtig schreibst, gibt es bestimmt weitere Gelegenheiten... HG Ruedi

Runner Pro hat gesagt: Gratuliere!
Gesendet am 25. August 2012 um 22:20
Wunderbare Tour mit vielen schönen Bildern...! Beim Namen Anthamatten musste ich schmunzeln. Martin (einer der drei Brüder) war schliesslich einst anlässlich seiner Ausbildung zum Gzw bei mir in der "Schleife"... :-)

Renaiolo hat gesagt: RE:Gratuliere!
Gesendet am 26. August 2012 um 08:38
Danke Richi, aus der Toscana freuen wir uns, dass Dir Bericht und Bilder gefallen. Hier 40 Grad(!). HG Ruedi

Runner Pro hat gesagt: RE:Gratuliere!
Gesendet am 26. August 2012 um 11:40
40 Grad... das sind für meinen Geschmack ca. 20 Grad zuviel !

Schönen Aufenthalt noch im Süden ;-)


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