Corona di Redorta 2804 m - die Krone des Verzascatals


Publiziert von Ivo66 Pro , 19. August 2012 um 08:12.

Region: Welt » Schweiz » Tessin » Locarnese
Tour Datum:18 August 2012
Wandern Schwierigkeit: T5 - anspruchsvolles Alpinwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-TI   Gruppo Pizzo Barone   Gruppo Monte Zucchero 
Zeitbedarf: 9:45
Aufstieg: 1920 m
Abstieg: 1920 m
Strecke:Sonogno - Püscen Negro - Cortesell - Starlarisc - P. 2269 m - Rinne - SSW-Grat - Corona di Redorta
Kartennummer:1:25'000 Campo Tencia

Corona di Redorta: ein passender Name für einen prächtigen Berg, zuhinterst im Verzascatal, genau genommen im Val Redorta, einem seiner hintersten, wilden Seitentäler. Die Besteigung dieser erhabenen Krone erfordert einen sehr langen Zustieg von Sonogno, dem hintersten Dorf des Verzascatals. Auf der von uns gewählten Variante ist insbesondere ein sehr gutes Gespür für den Routenverlauf notwendig, ohne Höhenmesser und Landkarte 1:25'000 sollte man sich nicht auf diese Tour begeben. Gerade jetzt im Hochsommer ist die Vegetation üppig und die vorhandenen schmalen Pfade sind oft nur schwer oder gar nicht zu erkennen. Wegen des zum Teil sehr hohen Grases ist eine zusätzliche Portion Leidensfähigkeit gefragt, teilweise wären wir um ein Buschmesser froh gewesen.

Aber unser grosser Traum sollte in Erfüllung gehen: Der Traum, auf dem Gipfel der Corona di Redorta zu stehen. Als Liebhaber des Verzascatals sollte man sich einmal an dieses Unternehmen heranwagen. Auch wenn heute die Wetterprognosen wieder nicht das hielten, was sie versprachen, nämlich wolkenlosen Himmel auch im Tessin, konnten wir das Gipfelglück geniessen. Letztlich waren wir gar froh über die vielen Nebelschwaden, die den Gipfelbereich meist einhüllten, denn die Sommerhitze liess sich so ertragen. Und ab und zu rissen die Wolkenfelder gar etwas auf und liessen atemberaubende Tiefblicke frei, und hin und wieder waren gar die benachbarten Täler und Berge zu bewundern. Oft wird der Berg nicht besucht; wir konnten uns dieses Jahr als 8. im Gipfelbuch eintragen. 

Unseren ersten Besteigungsversuch mussten wir letzten Dienstag bei der Hütte von Cortesell abbrechen, da dichter Nebel ein Auffinden der Route derart erschwerte, dass ein Weitergehen nicht mehr zu verantworten gewesen wäre. Dadurch konnten wir heute mit dem Vorteil starten, den Wegverlauf bis dorthin bereits erkundet zu haben, weshalb die Landkarte bis Cortesell heute im Rucksack stecken bleiben konnte. Dass diese Entscheidung richtig war, konnten wir heute feststellen, im Nebel wären wir da oben verloren gewesen. Schliesslich verlangt auch der Rückweg Aufmerksamkeit in der Routenfindung.

Giuseppe Brenna veranschlagt in seinem hervorragenden SAC-Clubführer Tessiner Alpen 2 für den Aufstieg 6 Stunden. Auf der Landkarte sieht das Ganze - abgesehen von der grossen Höhendifferenz - nicht nach einer besonders langen Tour aus. Da man aber gerade im langen Abschnitt zwischen Püscen Negro und P. 2269 m stets mit der Suche der Route beschäftigt ist und sich häufig in schwer zu begehendem Gelände bewegt, ist diese Angabe nicht übertrieben. Wir schafften ihn schliesslich in 5 Stunden 50 Minuten, während wir den anschliessenden Abstieg in knapp 4 Stunden bewältigten. Aufgrund der erwähnten Beschaffenheit des Geländes ist man mindestens zu dieser Jahreszeit im Abstieg nicht sehr viel schneller unterwegs, als im Aufstieg.

Routenbeschreibung:

Sonogno - Püscen Negro (T2)

Man folgt dem markierten Weg, zunächst auf einem Strässchen, später auf einem guten Bergweg hinauf zur hübschen Steinhaussiedlung Püscen Negro.

Püscen Negro - Cortesell - Starlarisc - P. 2269 m (T4)

Wichtig:
Diesen Abschnitt für den Abstieg gut einprägen und im Aufstieg immer wieder ein Blick zurück werfen, um so das Bild für den späteren Abstieg zu haben. Ohne Routenkenntnisse ist der Abstieg nur sehr schwer zu finden.

Kurz nach dem Dörfchen - in Richtung Passo di Redorta auf dem Berweg - überquert man auf einer Brücke den Bach und wandert noch etwa 100 m dem Weg entlang etwas bergauf. Dort verlässt man aber den Weg nach rechts und überquert den Seitenbach und steigt auf einem bewucherten Grasrücken auf vereinzelten Wegspuren weiter hoch. Auf etwa 1500 m quert man nach rechts, immer auf einer undeutlichen Spur, stets leicht aufsteigend. Zuletzt steigt man in der Fallinie über Grashalden hoch zur verfallenen Hütte von Cortesell.

Man umquert nun von der Hütte in westlicher Richtung aufsteigend die markanten Felsen und steigt dort durch lichten Lärchenwald weiter auf. Pfadspuren sind kaum zu erkennen, einzelne blaue Markierungen helfen ev. weiter. Auf etwa 1700 m erreicht man einen kleinen Einschnitt im Gelände, den man durchquert, stets leicht aufsteigend. Oberhalb einiger Felsen jenseits des Bachs setzt sich die Route fort. Hin und wieder rote und blaue Markierungen, die allerdings nicht immer gut zu erkennen sind. Man erreicht auf etwa 1860 m eine markante Rinne, die man auf nun wieder deutlich sichtbarem Pfad durchquert und jenseits des Bachs zu den beiden Hütten von Starlarisc aufsteigt.

Nun hält man sich etwas von den Felsen entfernt weiter in nordwestlicher Richtung. Es führt ein ganz schmaler Pfad durch die Landschaft, die von Geröll und Sträuchern geprägt ist. Mit etwas Aufmerksamkeit gelingt es, diesem Pfad zu folgen (blaue Markierungen). Nach einer Geröllhalde steigt man steil über überwuchertes Grasgelände auf Richtung der Felsen bei P. 2238 m und erreicht dort einen guten, aber schmalen Pfad der weiter zu P. 2269 quert.

Schlussaufstieg zum Gipfel (T5)

Man peilt nun die markante Rinne an, welche sich zum SSW-Grat hinaufzieht. Von P. 2269 m erreicht man den Einstieg, indem man über Geröll in nordwestlicher Richtung aufsteigt. Von relativ weit unten ist ein markanter Steinmann zu entdecken, der sich in der Nähe des Einstiegs befindet. Der Einstieg selbst ist mit einem roten Punkt markiert.

In etwas Kletterei durchsteigt man den unteren Teil der Rinne, die mit sehr viel losen Blöcken gefüllt ist und etwas unangenehm zu begehen ist, besonders wenn die Steine - wie heute - zum Teil nass waren. Man kann gemäss SAC-Führer der Rinne bis oben folgen, jedoch weist schon in der unteren Hälfte ein roter Strich zu einem vorzeitigen Ausstieg nach links (oben Steinmänner). Da uns die Rinne aufgrund der Feuchte nicht richtig behagte und gegen oben eh steiler wurde, tätigten wir den erwähnten Ausstieg und stiegen jenseits der Rinne auf gut gestuftem, steilen Gras, auf und erreichten so den SSW-Grat in der Scharte zwischen P. 2596 m und dem Gipfel.

Der Schlussaufstieg zum Gipfel ist recht einfach. Einige Gratfelsen werden meist links umgangen. Es sind viele Varianten möglich und das Gelände ist eher wenig ausgesetzt für einen Grat.

Tourengänger: Ivo66, Lena

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Kommentare (4)


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alpstein Pro hat gesagt:
Gesendet am 19. August 2012 um 08:57
Herzliche Gratulation zu dieser tollen Tour in solch einer wilden Gegend. Da seid Ihr wieder fleissig am Höhenmeter sammeln und das Wetter ist, wie üblich in Euerem Urlaub, wieder mal toll, wenn auch nicht immer wolkenlos.

Beste Grüße
Hanspeter

Ivo66 Pro hat gesagt: RE:
Gesendet am 19. August 2012 um 13:00
Danke Hanspeter. Wenn man im Verzascatal Gipfel besteigen möchte, ist dies immer mit grossen Höhendifferenzen verbunden. Dafür hat man die Berge in aller Regel ganz für sich alleine.

Das Tal und die Berge scheinen die Wolken förmlich anzuziehen bzw. sie bilden sich dort jeweils von ganz selbst und schon früh am Morgen. Aber wir wollen uns nicht beklagen, denn wir konnten die Woche wirklich in vollen Zügen geniessen.

Herzliche Grüsse

Ivo

Seeger Pro hat gesagt: und wieder....
Gesendet am 21. August 2012 um 16:19
Ciao Ivo
...sind wir uns ganz knapp begegnet
http://www.hikr.org/tour/post54607.html
Ich habe zur Corona rübergeschaut.
Gruss
Andreas

Ivo66 Pro hat gesagt: RE:und wieder....
Gesendet am 21. August 2012 um 17:55
Ciao Andreas

Ja, da waren wir ganz in der Nähe, und das mitten im wilden Tessin:-) Bei Dir hatte es aber weniger Wolken...

Gruss Ivo


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