Westliche Dreitorspitze (2.633 m) von Elmau über Schachen, Meilerhütte und Hermann-von-Barth-Steig


Publiziert von Ovidam , 16. August 2012 um 23:35.

Region: Welt » Deutschland » Alpen » Wetterstein-Gebirge
Tour Datum:15 August 2012
Wandern Schwierigkeit: T4+ - Alpinwandern
Klettern Schwierigkeit: I (UIAA-Skala)
Klettersteig Schwierigkeit: WS+
Wegpunkte:
Geo-Tags: A   D 
Zeitbedarf: 1 Tage 5:00
Aufstieg: 1800 m
Abstieg: 1800 m
Strecke:Elmau - Schachen - Meilerhütte - Westliche Dreitorspitze
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Von München über die Garmischer Autobahn bis Garmisch-Partenkirchen, weiter Richtung Mittenwald. Kurz vor Mittenwald nach Klais abbiegen und in Klais auf der Mautstrasse weiterfahren zum Schloss Elmau. Dort weiter bis zum Wanderparkplatz P4.
Unterkunftmöglichkeiten:Schachenhäuser, Meilerhütte

Zuerst hatte es noch zuviel Schnee nach dem langen Winter, dann hielt der „Monsun“ in Deutschland Einzug mit andauernden Gewitter-Wetterlagen. Dann kam was anderes dazwischen … immerhin hatten wir bis Mitte August zwei Voralpentouren auf Taubenstein und Brecherspitz hinbekommen. Aber am 14. Und 15. August sollte es ein größerer Gipfel werden: ein paar Tage Urlaub, Traumwetter und damit endlich ideale Voraussetzungen für die erste große Bergtour 2012.

Mein sechzehnjähriger Sohn und ich haben uns die Dreitorspitze ausgesucht, weil wir nach Zugspitze und Alpspitze in den letzten Jahren auch dem dritten Garmisch-Partenkirchener „Bergriesen“ aufs Dach steigen wollten.

Die Dreitorspitze stellt die höchsten konditionellen Anforderungen der drei, weil es keinerlei Seilbahnunterstützung gibt. Angesichts von knapp 1.800 Höhenmetern bergauf und bergab (incl. Gegensteigungen) haben wir die Tour auf 2 Tage verteilt.

1. Tag: Von Elmau zur Meilerhütte

Von München via Garmisch-Partenkirchen weiter nach Mittenwald. Kurz vor Mittenwald rechts abbiegen nach Klais. Nach Klais hineinfahren und von dort weiter zum Schloss Elmau (Mautstrasse 4.- €). Dort bis zum Wanderparkplatz P4 fahren und parken (gebührenfrei). Dort sind Schachen (3 h) und Meilerhütte (4,5 h) bereits ausgeschildert. Das sind aber eher „sportliche“ Zeiten.

Wir haben uns für den Anstieg von Elmau entschieden. Alternativ kann man auch in Partenkirchen am Skistadion starten und durch die Partnachklamm gehen oder von Leutasch aus starten. Von Leutasch aus ist der Anstieg zur Meilerhütte am kürzesten, weshalb dieser Zustieg vor allem von denen genutzt wird, die die Tour an einem Tag machen wollen. Dieser Zustieg führt aber nicht über den Schachen.

Ab dem Parkplatz auf der breiten und sehr glatten Forststrasse am Elmauer Bach entlang zunächst auf dem Schachen-, später Königsweg erstmal eben, dann sanft bergauf. Der Weg ist durch seine Gleichmässigkeit und die geringe erforderliche Anstrengung im lichten Wald so richtig meditativ, zumal man nach kürzester Zeit bereits schöne Einblicke in das Wettersteingebirge bekommt. Zweimal muß man unübersehbar und gut beschildert abbiegen, bevor man nach ca. 1,5 h die Wettersteinalpe (1.464 m) erreicht. Vor dieser rechts abbiegen und auf der Forststrasse weiter zum Schachen oder hinter der Wettersteinalpe auf den gut sichtbaren Pfad unterhalb der Wettersteinwand, der ebenfalls zum Schachen führt. Wir haben uns für die Forststrasse entschieden, um einen weiteren Gegenanstieg zu vermeiden.

Ab der Wettersteinalpe wird der Weg unebener, holpriger, sandiger und teilweise etwas steiler (sogar mit einigen Serpentinen), bleibt aber weiterhin sehr bequem. Hier versteht man, warum sich das Mountainbikeraufkommen einigermaßen in Grenzen hält: der Weg ist jetzt eben einfach nicht mehr optimal für die Biker. Nach ca. einer weiteren Stunde wird es eben und man hat einen ersten herrlichen Blick auf das Schachenschloss, die Alpspitze, die Zugspitze und vieles mehr. Nach einem letzten Anstieg und vorbei an der Talstation der Materialseilbahn der Meilerhütte erreichten wir nach ziemlich genau 3 h den Schachen mit Schachenschloss (im Sommer regelmäßige Führungen) und Schachenhaus auf 1.866 m Höhe. Der Märchenkönig wußte schon, wo es schön ist und es stimmt: man sieht vom Schachen wirklich nur ein Eck von Partenkirchen, aber kein Garmisch (alter Partenkirchner Joke: Was ist das schönste am Schachen? Dass man Garmisch nicht sehen kann …). Wer jetzt genau hinschaut, sieht in einer Einkerbung der Wettersteinwand hinter der rot-weissen Liftstütze die Meilerhütte … noch unendlich weit oben und sehr weit weg (siehe letztes Photo)! Soll man nicht einfach hierbleiben und sich die Schinderei bis zur Meilerhütte sparen? Niemals …

Jetzt wird es sehr schnell alpin: am Schachenschloss links weg auf einen Pfad, der über einen Grasrücken führt und direkt auf einen steilen Geröll- und Grashang am rechten Rand der Wettersteinwand zu. Jetzt sehr steil in unzähligen Serpentinen teilweise minimal ausgesetzt den Hang hinauf. Der Weg ist in exzellentem Zustand und das Geröll durch zahlreiche Rundhölzer treppenartig abgestützt. Nach ca. 40 Minuten ab Schachen tauchen auf einem Absatz (dem Frauenalpl) sehr imposant die Partenkirchner Dreitorspitzen vor einem auf und die Meilerhütte, die wie ein Adlerhorst zwischen den Dreitorspitzen und dem Musterstein klebt. Leider ist sie immer noch ziemlich weit entfernt. Zunächst leicht bergab und vorbei an vielen Schafen zu einem Kar, das sich bis zur Meilerhütte hinaufzieht. Der Weiterweg ist steil, aber viel harmloser, als er aussieht. Zuletzt hinter einem Felsen herum durch einen imposanten Felsspalt (Photo) in einigen Kehren hinauf zur Meilerhütte (2.372 m), neben der sich eindrucksvoll die östliche Partenkirchner Dreitorspitze mit Gipfelkreuz aufbaut. Wir waren incl. Pausen nach 4,5 h droben, hatten aber den Eindruck, ziemlich zügig unterwegs gewesen zu sein … aber das ist natürlich subjektiv. Bis hierher war das Ganze eine anstrengende Wanderung.

Die Meilerhütte war recht voll, aber natürlich kein Vergleich zum Rummel auf dem Schachen. Alle Lager belegt, aber keine Notlager erforderlich. Die Gäste international: Bayern, Schwaben, Sachsen, Amerikaner, Australier, etc. Dazu Zither- und Gitarrenmusik; sehr zünftig. Das Essen sehr lecker (wir hatten Schweinsbraten mit Knödel und Kraut), nur das abgekochte Zisternenwasser nicht richtig fein, die selbstgebrannte Weinbirne umso mehr! Die Lager – nach den umliegenden Bergen benannt - nicht zu groß und sehr sauber, die Plumpsclos ebenfalls sehr gepflegt und sauber und halt für eine Hochgebirgshütte typisch. Lustig: zum Waschraum geht es im Freien unten ums Haus rum, Bergstiefel obligatorisch, dafür ist vor den Toiletten Desinfektionsflüssigkeit im Spender. Die Damen, die die Hütte führen, sehr auf Zack und freundlich. Um 22 Uhr war strikte Nachtruhe und die Nacht nach atemberaubendem Sonnenuntergang war dank Ohrenstöpseln gut.

2. Tag: Von der Meilerhütte auf die westliche Partenkirchener Dreitorspitze und wieder zurück nach Elmau via Meilerhütte und Schachen

Leckeres Frühstück in verschiedenen Varianten mit Zisternenwasserkaffee (schmeckt seltsam) von 7-8:30 Uhr. Dann direkt unter der Hütte durch ein Gatterl auf den oberen mit roten Punkten markierten Weg. An der Gabelung unbedingt den oberen Weg nehmen, der untere führt nach Leutasch! Die Stöcke lässt man am am besten auf der Hütte, auch wenn man sie später im Geröllfeld noch ein wenig brauchen könnte. Es macht auch Sinn, gleich den Helm aufzusetzen und den Klettergurt mit Selbstsicherungsset anzulegen, weil nach ca. 10 Minuten der Hermann-von-Barth-Weg beginnt: zunächst auf Felsbändern teilweise sehr ausgesetzt an Drahtseilen unter der östlichen Dreitorspitze entlang. Auf den wenigen Grünflecken weit unten auf dem Leutascher Platt grasen tatsächlich Schafe! Nach knapp 30 Minuten erreicht man ein Kar unterhalb der westlichen Dreitorspitze. Von hier aus kann man sowohl die Wand sehen, durch die der Steig führt, als auch die Leutascher Dreitorspitze mit der Söllerrinne.

Nun durch das Kar steil und heiß (Osthang am Vormittag) in wieder knapp 30 Minuten hinauf zum Einstieg des Hermann-von-Barth-Klettersteiges. Man kann sich kaum vorstellen, dass durch diese quasi senkrechte ausgesetzte Wand ein leichter Klettersteig führt. Dieser nutzt aber sehr geschickt Rinnen, Bänder und Absätze, um in Kehren die Wand zu überwinden. Ein typischer alter Klettersteig mit – nach heutigem Geschmack – der einen oder anderen Griff- oder Tritthilfe zuviel, aber hochalpin und exzellent gesichert mit einem hervorragenden Drahtseil in Bestzustand. Die unteren 2/3 sind fast durchgehend gesichert (dieser Teil würde ohne Drahtseil und Steighilfen max. eine 2+ erreichen), das obere Drittel ist dann gänzlich ungesichert, aber auch leichter (max. 1+). Aber die Kletterschwierigkeit ist nur ein Aspekt: man bewegt sich in hochalpinem Gelände und das feine Geröll in der Wand und die Exponiertheit erfordern absolute Trittsicherheit und Schwindelfreiheit. Nach ca. 1,5 h ab Hütte standen wir nach insgesamt ca. 1.800 Höhenmetern incl. Gegensteigungen alleine auf dem Gipfel der westlichen Partenkirchner Dreitorspitze (2.633 m, der höchste der drei, aber ohne Gipfelkreuz (das steht auf dem Ostgipfel) dafür mit Grenzstein D/A) mit unbeschreiblicher Aussicht rundum, v.a. in den ganzen Wetterstein (Zugspitze, Alpspitze, Schneefernerkopf, Reintal, Höllental, Jubiläumsgrat, Teufelsgrat, etc.).

Wer schon die Alpspitzferrata oder den Stopselziehersteig an der Zugspitze gemacht hat: der Hermann-von-Barth-Steig ist nur geringfügig schwieriger, aber deutlich alpiner und ausgesetzter, gerade verglichen mit der Alpspitz-Ferrata.

Der Abstieg ist schnell erzählt: alles wieder zurück in ca. 3,5 h mit vielen Getränkepausen. Am Schachen dank Maria Himmelfahrt Unmengen von Leuten, die sich aber auf dem langen Weg nach Elmau zum Glück gut verteilen.   

Wie immer war mein Sohn fast immer deutlich voran, hatte aber auch großen Spaß an dieser sagenhaften und sehr lohnenden Tour.
 

Tourengänger: Ovidam

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Kommentare (2)


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©bergundradlpeter hat gesagt:
Gesendet am 18. August 2012 um 09:44
Gratulation,
Schoene Tour in grandioser Umgebung.
Viele Gruesse
Peter

Ovidam hat gesagt: RE:
Gesendet am 18. August 2012 um 14:24
Herzlichen Dank! Hat auch wirklich Spaß gemacht.


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