Hochalmspitze (3360 m) - auf die Tauernkönigin via Großelend- & Hochalmkees


Publiziert von mabon , 16. August 2012 um 15:29.

Region: Welt » Österreich » Zentrale Ostalpen » Ankogel-Gruppe
Tour Datum:12 August 2012
Wandern Schwierigkeit: T6- - schwieriges Alpinwandern
Hochtouren Schwierigkeit: ZS-
Klettern Schwierigkeit: II (UIAA-Skala)
Klettersteig Schwierigkeit: ZS+
Mountainbike Schwierigkeit: WS - Gut fahrbar
Wegpunkte:
Geo-Tags: A 
Zeitbedarf: 2 Tage 15:15
Aufstieg: 1460 m
Abstieg: 1460 m
Strecke:Kölnbreinsperre - Osnabrücker Hütte - Großelendkees - Preimlscharte - Hochalmkees - Steinerne Mannln - Hochalmspitze - und retour
Kartennummer:DAV-Karte Nr. 44

Sie ist die Königin der Hohen Tauern und erweist sich als wahre Wundertüte, besteigt man sie von Norden aus. Will man vom Kölnbrein-Speichersee zur Hochalmspitze gelangen, ist von allem etwas dabei: Mountainbikefahren auf holprigen Wegen, spaltenreiche Gletscher, ein ziemlich anspruchsvoller Klettersteig (C-D), relativ ausgesetztes Klettern (T5/II) und eine extrem bröselige Rinne (T6).

Nein, geschenkt wird einem der Gipfel nicht, allein schon wegen des sehr langen und teilweise verzwickten Anmarsches. Demzufolge wird hier eine Aufstiegsvariante vorgestellt, die im Netz so gut wie gar nicht zu finden ist - von einigen Tourenski-Beschreibungen einmal abgesehen. Klar: Im Winter sind brüchige Rinnen, spaltenreiche Gletscher und blockige Grate viel einfacher zu bewältigen und man ist schnell wieder im Tal zurück.

Nach einer mehr als einstündigen Mountainbikefahrt ging es von der Osnabrücker Hütte aus bereits vor dem ersten Morgengrauen weit und lang in das Großelendtal, bis die Gletscherzunge des Großelendkees erreicht war. Da dieser Gletscher weitestgehend ausgeapert war und die Spalten demnach gut zu erkennen waren, gingen wir bis zur Nordwestmauer der Preimlwand seilfrei.

Dort angekommen gab es zwei Optionen: Entweder die extrem brüchige Preimlrinne hinauf oder aber den neu angelegten Klettersteig wählen, der sich links neben der Rinne befindet. Da die Preimlrinne wegen ihrer Unfallträchtigkeit und Steinschlaggefährdung nur noch selten begangen wird, wählten wir den Klettersteig, der äußerst knackig war. Schon der Einstieg erwies sich als äußerst schwierig. Später folgten einige steile und trittarme wie auch überhängende Passagen, die viel Armkraft erforderten. Ein kurzer Steig zwar, aber dennoch im Bereich der Kategorien C und D, was ungesichert gerade noch vertretbar erschien.

Als die Preimlscharte erreicht war, hieß es anseilen, galt es doch nun das weitläufige Hochalmkees von Nordwest nach Südost stetig ansteigend zu traversieren. Im oberen Steilabschnitt war das Kees passagenweise komplett ausgeapert, was äußerste Vorsicht gebot, da hier ein Abrutschen besonders gefährlich war. Steilgelände und Blankeis bilden eben keine gute Kombination, zumal das hier erforderliche Kantengehen Fußschmerzen nach sich zog. 

Auf über 3100 m erreichten wir dann im Bereich der Steinernen Mannln endlich wieder Geröll. Anfangs ging es westlich in einfachem Blockgelände Richtung Gipfel. Später verlief der Grat nordwärts, konnte aber oft nicht direkt überschritten werden, was ostseitiges Ausweichen in die steile, manchmal doch recht ausgesetzte Ostflanke erforderte. 

Im Anschluss hieran war das großräumige, blockige Gipfelplateau erreicht. In einfachem Gelände ging es abermals westwärts, bis der Gipfel fast erreicht war. Nun galt es abermals ausgesetzt auf teilweise plattigem, vereistem und recht ausgesetztem Grat die letzten Meter zu meistern. Gut sieben Stunden waren bei Gipfelankunft verstrichen, obwohl wir recht zügig unterwegs waren und keine nennenswerten Pausen einlegten.

Bis zur Ostflanke waren Auf- und Abstieg identisch. In der Ostflanke angekommen gingen wir jedoch nicht zu den Steinern Mannln zurück, sondern stiegen direkt zum Hochalmkees in gut zu gehendem T5-Gelände ab. Dies ersparte uns eine gute halbe Stunde Zeit.

Der Rückweg über das Hochalmkees erwies sich als einfacher zu gehen, da nun der Trittfirn und auch die aperen Stellen von der Sonne angeweicht waren. Immer wieder erkannten wir jedoch Löcher, welche die sich darunter befindlichen Gletscherspalten andeuteten. Wir gingen sehr behutsam und vorsichtig, aber dennoch krachte ich zweimal in eine nicht zu sehende Spalte. Tja - wer die Seilschaft anführt, den haut's auch meistens als ersten rein. :-) Allerdings konnte ich mich jeweils am Rand hochziehen, was kein weiteres Eingreifen der Kameraden erforderte.

Wieder an der Preimlscharte angekommen, dachten wir widerwillig an den schwierigen Klettersteig zurück und entschieden uns für den klassischen Abstieg über die Preimlrinne. Eben diese erwies sich als äußerst brüchig. Kaum ein Tritt oder Griff, der sich nicht sofort lockerte. Ein Höllengelände, in dem wir eng beieinander abstiegen, um uns nicht gegenseitig mit Steinschlag zu gefährden. Nicht ohne Grund passieren in diesem T6-Rinne immer wieder Unfälle. 

Der Ausstieg aus der Rinne gebot letztmalig äußerste Vorsicht, da vor dem Erreichen des sicheren, aperen Gletscherbereichs noch schneebedeckte Passagen des Großelendkees gequert werden mussten, unter denen sich auch Spalten verbargen. Man muss schon höllisch aufpassen. Nach Verlassen des Gletschers war das Schlimmste geschafft. Nun folgte ein relativ entspanntes Zurückwandern zur Osnabrücker Hütte.

Eine beeindruckende Tour, die sich aber sehr in die Länge zieht und äußerst kräfteraubend ist. Nach dieser Runde merkt man am ganzen Körper, was man geleistet hat.  

Tourengänger: mabon, Rene6768, peakbagger

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Kommentare (6)


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ADI hat gesagt:
Gesendet am 16. August 2012 um 22:02
starke Unternehmung!
Tolle Bilder, echt eindrucksvoll.
Da wär ich auch gern dabei gewesen!

mabon hat gesagt: RE:
Gesendet am 16. August 2012 um 22:34
Danke Dir Gunter!
Dann haun wir die kommenden Tage noch einen raus, oder? :-)

Bergpoetin hat gesagt: Nun folgte ein relativ entspanntes Zurückwandern zum Auto.
Gesendet am 17. August 2012 um 11:52
Und die MTB habt ihr an der Hütte zurückgelassen?

mabon hat gesagt: RE:Nun folgte ein relativ entspanntes Zurückwandern zum Auto.
Gesendet am 17. August 2012 um 12:31
Die haben wir an die Ziegen auf dem Weg verschenkt.

Bergpoetin hat gesagt: RE:Nun folgte ein relativ entspanntes Zurückwandern zum Auto.
Gesendet am 17. August 2012 um 12:57
Dann muss ich gleich mal auf Youtube gucken ob es schon ein Filmchen von den radelnden Ziegen am Kölnbreinspeicher gibt ;)

mabon hat gesagt: RE:Nun folgte ein relativ entspanntes Zurückwandern zum Auto.
Gesendet am 17. August 2012 um 13:43
Findest Du dort bestimmt. :-)


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