Pizzo Costisc und Cima del Masnee - in der Tessiner Wildnis zwischen Verzasca- und Maggiatal


Publiziert von Ivo66 Pro , 15. August 2012 um 20:10.

Region: Welt » Schweiz » Tessin » Locarnese
Tour Datum:15 August 2012
Wandern Schwierigkeit: T5 - anspruchsvolles Alpinwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-TI   Gruppo Poncione Piancascia 
Zeitbedarf: 8:00
Aufstieg: 1700 m
Abstieg: 1700 m
Strecke:Brione Verzasca - Sgerbi - Sparvé - Scimarmota - P. 2182 m - Nordgrat - Pizzo Costisc - Cima del Masnee - Lago del Scarlarèsc da Sgiof - Matar - Pianesc - Brione Verzasca
Kartennummer:1:25'000 Maggia

Ein endloser Aufstieg durch steilen Bergwald, eine hübsche Kletterei über bombenfeste und schön geschichtete Granitplatten, ein Abstieg abwechselnd zwischen Geröllblöcken und üppig wuchernde Alpenrosenstauden, immer wieder Spinnennetze an den Armen und hier und da eine Ameise, die einem aus dem Ohr kriecht, ein schöner Bergsee, in welchem sich die Gesteinsschichten spiegeln, ein steiler und endloser Abstieg durch Bergwald mit tosenden Wasserfällen und zum Schluss eine Giftschlange mitten auf dem Wanderweg... das ist das Tessin, wie wir es lieben!

Da das Wetter im Verzascatal seine ganz eigenen Gesetze hat und wir nach zwei Fehlprognosen in Serie dem auch für heute vorausgesagten vielen Sonnenschein nicht trauten, kamen wir auf die Idee der Überschreitung des Pizzo Costisc und der Cima del Masnee, hoch oben zwischen Verzasca- und Maggiatal. Die Tour hat den Vorteil, dass sie im unübersichtlichen Teil auf guten Bergwegen verläuft und man die Wildnis auf dem langen Grat geniessen kann, wo die Orientierung auch bei Nebel problemlos sein würde.

Wie erwartet wurden auch heute die Berggipfel bald einmal mit Nebelschwaden eingehüllt, doch war das Gewölk nicht so dicht und liess immer wieder Platz für schöne Tiefblicke und zu den benachbarten Bergen. Zwischendurch wurde es gar recht freundlich, wenn auch die Luftfeuchtigkeit hoch war und somit keine Fernsicht erwartet werden durfte. Das spielt im Tessin nicht so eine grosse Rolle, denn hier macht die Wildnis selbst den Reiz einer Bergtour aus; die üppige Vegetation in den Bergwäldern mit den oft schwarzen Felsen im Kontrast und den vielen Wasserfällen, die für Leben sorgen. Ganz zu schweigen von dem herrlich geschichteten Gestein auf den Grathöhen.

Letztlich wurde die Tour anspruchsvoller als erwartet, dies wohl, weil wir für den Zustieg über den Nordgrat zum Pizzo Costisc nicht die einfachste Variante wählten und diesen bereits nördlich von P. 2182 m erreichten. Der günstigste Abstieg von dort auf die Gratsenke muss etwas gesucht werden, ist aber so oder so nicht ganz trivial. Wir versuchten in der Folge, immer möglichst nahe am Grat selbst zu bleiben, doch gilt es, immer wieder etwas in die Flanken auszuweichen. Unter grossräumiger Umgehung einiger Kletterstellen liesse sich der Zustieg zum Gipfel des Pizzo Costisc wohl auf T4 reduzieren.

Routenbeschreibung:

Brione Verzasca - Corte di Cima, Scimarmota (T2)

Von Brione benützten wir kurz nach der Postautohaltestelle Piee eine als Sackgasse gekennzeichnete, schmale Strasse nach links (dort auch einige Gratisparkmöglichkeiten). Vorbei an einem Hof sieht man bald am Fluss eine Fussgängerbrücke. Von dort aus ist der Weiterweg ausgeschildert und markiert (u. a. Richtung Passo Deva). Man folgt diesem guten Bergwanderweg recht steil hinauf durch den Bergwald und erreicht bei P. 2064 m die oberen Hüttchen von Scimarmota. Dort vorbei führt auch die blau-weiss markierte Hochroute "Via Alta della Valle Maggia".

Zu P. 2182 m und über den Nordgrat zum Pizzo Costisc (T5)

Man kann beliebig auf diesen markanten Grathöcker aufsteigen, im oberen Teil über schöne Granitplatten und zum Teil in leichter Kletterei.

Vom Steinmann auf dem höchsten Punkt sieht man den weiteren Gratverlauf und steigt steil zur Gratsenke ab, in Abstiegsrichtung gesehen eher rechts haltend. Die weitere Route führt über den Grat, wobei man die senkrechten Stellen mit Vorteil links umgeht. Unsere Route gestalteten wir mit einigen Kletterstellen im 2. Grad; je tiefer man die schwierigen Stellen (meist links) umgeht, desto einfacher wird die Angelegenheit.


Weiter über den Grat zur Cima del Masnee (T4)

Man steigt zunächst direkt über den Südostgrat ab, wobei wir bald einen senkrechten Abbruch weiträumig rechts umgingen. Der Aufstieg zur Cima del Masnee vom tiefsten Punkt des Grats ist einfach; wir folgten zu Beginn einem alten Weg, der mit verblassenden roten Punkten markiert ist. Im oberen Teil ist ab und zu kurz der Gebrauch der Hände erforderlich.

Abstieg zum Lago del Starlaresc da Sgiof (T4)

Auf Wegspuren stiegen wir wenig südlich des Gipfels durch eine Rinne ab (ebenfalls alte rote Markierungen). Später überquerten wir viel Geröll und kämpften uns durch Alpenrosenstauden durch bis wir schliesslich den Wanderweg erreichten, der vom Passo Deva ebenfalls zum See hinunterführt. Ev. wäre es etwas bequemer, die Geröllhalde weiträumig nördlich zu umgehen (auf der Landkarte führt der "Weg" dort hindurch).

Lago del Starlaresc da Sgiof - Brione Verzasca (T3)

Der Abstieg ist bis zu einer Abzweigung auf 1240 m. ü. M. blau-weiss markiert, zum Teil sehr steil, aber gut ausgebaut. Nach der erwähnten Abzweigung (nach Brione markiert) erfolgt zunächst ein etwas lästiger Gegenanstieg von etwa 60 Höhenmeter auf eine schöne Aussichtsterrasse. Anschliessend geht es wieder steil hinunter zum Ausgangspunkt in Brione.


Tourengänger: Ivo66, Lena

Galerie


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