Bike: Vinschgau Tag 4 / Stilfser Joch "Goldsee-Trail"


Publiziert von Bombo , 15. August 2012 um 00:08.

Region: Welt » Italien » Trentino-Südtirol
Tour Datum:14 August 2012
Mountainbike Schwierigkeit: ZS - Fahrtechnisch anspruchsvoll
Wegpunkte:
Geo-Tags: I 
Zeitbedarf: 3:45
Aufstieg: 870 m
Abstieg: 2760 m
Strecke:siehe GPS-Datei

Vinschgau Tag 4 / Stilfser Joch "Goldsee-Trail"

Sich mit dem Shuttle oder mit der Seilbahn irgendwo hin bringen zu lassen und dann ohne Aufstiegsmeter einfach einen Trail runter sausen, das ist eigentlich nicht so mein Ding. Ich bin der Meinung, Gutes will verdient werden und da gehören nun ein paar Schweisstropfen dazu. 

Der Goldsee-Trail vom Stilfser Joch hinunter verspricht hingegen mehr als einfach nur runtercruisen bis die Scheiben glühen (davon gingen wir zugegebenermassen jedoch aus...) - verschiedene Almen, Trails von ganz oben bis zum letzen Meter, flowige Querungen oberhalb der Baumgrenze, knifflige Stellen vor der Furkelhütte und was man ganz bestimmt nicht vergessen sollte zu erwähnen ist das fantastische Panorama mit dem Ortler sowie seinen gletscherverzierten (oder zumindest das, was davon noch übrig ist) Nachbarn. Kurzum, wer beim Angebot, sich mit dem Shuttle auf's Stilfser Joch hoch chauffieren zu lassen, nein sagt, der ist selbst Schuld oder ein kleiner Bike-Masochist...

Gleich nach dem Start beim Stilfser Joch geht's hoch zum gross angeschriebenen Rifugio, hier wäre ein geeigneter Ort, um das wegen dem frühen Aufstehen verpasste Frühstück nach zu holen. Doch aufgepasst: der Trail darf offiziell nur bis 10.00 Uhr und nach 16.00 Uhr befahren werden - dazwischen gehört der Weg klar den Wanderen und dies sollte man auch akzeptieren und berücksichtigen. 10.00 Uhr bedeutet übrigens, dass man spätestens dann bei der Furkelhütte eintrifft, ein rechtzeitiges Losfahren auf der Passhöhe ist somit zwingend.

Die erste Etappe unmittelbar nach dem Start ist extrem flowig und wer bis jetzt nur in den Wäldern und Trails im Unterland seine Sporen abverdient hat, der bekommt's spätestens jetzt einerseits mit der dünnen Luft und andererseits mit der Ausgesetztheit zu spüren. Nach der langen Traversierung folgen nun kniffligere Stellen, welche volle Konzentration erfordern - oder dann halt auch einmal einen Abwurf geben... Man muss nicht überrascht sein, wenn man nach einem Salto vorwärts etwa 5 Meter unterhalb vom Trail zu liegen kommt und das Bike von nebenan bis ein Vielfaches davon richtung Tale sich befindet... Ich brachte es immerhin auf 15 Meter und das ohne Verletzungen bei Mensch und Bike...

Bei der Furkelhütte heisst es dann zuerst einmal gemütlich einkehren - köstliche Speisen warten auf den adrenalingefüllten Biker.

Die nächste Etappe ist technisch nicht schwierig, einzig die bald folgende Schiebepassage lässt einem die gefahrenen Kilometer der Vortage in Erinnerung rufen. Erneut folgt eine lange Hangtraversierung mit angenehmen Höhenmeterverlust - vorsicht jedoch vor den zahlreichen Regenläufen, welche mit spitzen, flachen Steinen mitten im Trail gebastelt wurden. Dass man hier einen Plattfuss in Kauf nimmt, gehört selbstverständlich zum guten Ton, weniger gut ist der Ton, wenn die extra mitgeschleppte Luftdüse nicht funktioniert, stattdessen einem mit einem lauten Knall um die Ohren fliegt und so wieder die klassische Handpumpe zum Einsatz kommt.

Erneutes Einkehren in der nun folgenden Oberer Stiflser Alm - ein herzliches Dankeschön den deutschen Kollegen aus München und dem Allgäu, welche uns kostenlos einen neuen Reserveschlauch abgetreten haben. 

Es folgt eine Schiebepassage, welche wie immer bei einer "geplanten" Downhill-Route nicht sein müsste, hat aber den Vorteil, dass man so wieder Höhenmeter gewinnt, welche dann hoffentlich auch wieder vernichtet werden dürfen. Und genau dies folgt dann auch schon bald - das Herz schlägt schneller und die Freude wird immens. 

Später dann erreicht man die Berger Alm, bei welcher der Trail direkt durch den Schweineplatz durchführt. Hier ist Stinken definitiv erlaubt, grunzen ausnahmsweise auch. Ab jetzt tauchen wir ein in den lichten Wald mit einem flowigen Trail, welcher keine Wünsche mehr offen lässt. Geniessen und Gas geben lautet hier das Motto - wirklich geil.

Irgendwann und ettliche Höhenmeterverlust später erreicht man die kleine Kapelle von St. Martin, wo man wenig unterhalb bei einer Kreuzung in den "Obervinschger Zug-Trail" abbiegen könnte. Wir hatten um 18.00 Uhr jedoch einen Massagetermin im Hotel und die Zeit drängte - also verzicht auf den Trail und weiter der GPS-Route entlang (sehr schön sogar) bis nach Prad. Die Zeit leitet uns zwangsläufig zum Bahnhof Sponding und weil der halbstündlich verkehrende Zug soeben gerade abgefahren ist, kämpfen wir uns noch weiter in den Gegenwind und düsen nach Laas. Ab hier cruisen wir noch mit der Bahn bis nach Latsch und treffen geduscht, jedoch nicht wirklich mit Ruhepuls um 18.10 Uhr im Massageraum ein. Beinahe perfekt also.


Fazit: 

Die Führerliteratur spricht von S1 mit Stellen bis S2 - unserer Meinung und auch der Meinung von langjährigen "Bikecracks" ist dies sehr streng bewertet und eher trifft S2 mit Stellen bis S3 zu. Ganz klar kein Trail für absolute Beginner, jedoch für Fortgeschrittene ein absoluts Must in diesem Vinschgau-Himmel - man wird es nicht bereuen!


Genaue Details siehe GPS-Track.


Technische Daten: 

Auf- / Abstieg: 870 / 2760hm
Max. Höhe 2854m
Total Distanz: 47,5 km
Total reine Fahrzeit: 3h 50min
Durchschnittstempo: 12,4 km/h


Tour mit Simon

Tourengänger: Bombo

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