Saula-Klettersteig - in der Ostwand des Saulakopfes 2517m gehts zu Sache


Publiziert von Jackthepot , 18. August 2012 um 18:21.

Region: Welt » Österreich » Zentrale Ostalpen » Rätikon
Tour Datum:12 August 2012
Wandern Schwierigkeit: T3 - anspruchsvolles Bergwandern
Klettern Schwierigkeit: I (UIAA-Skala)
Klettersteig Schwierigkeit: SS
Wegpunkte:
Geo-Tags: A 
Zeitbedarf: 6:30
Aufstieg: 600 m
Abstieg: 600 m
Strecke:Douglass Hütte / Lünersee - Saulajoch - Einstieg Klettersteig Ostwand - Gipfel - Abstieg Südflanke - Saulajoch - Douglass Hütte
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Vorarlberg - Rheintal-Autobahn A60 - Ausfahrt Brandner Tal - Richtung Bürserberg/Brand - durch die Ortschaft Brand hindurch - immer weiter Richtung Talschluss bis zum Parkplatz der Lünerseebahn
Unterkunftmöglichkeiten:Douglass Hütte Heinrich-Hueter-Hütte Pensionen und Hotels in Brand
Kartennummer:Kompass Nr.32 Bludenz Schruns Klostertal

Der Saulakopf ist seit einigen Jahren mit einem sehr anspruchsvollen Klettersteig in der Ostwand versehen. Grund genug ihm einen Besuch abzustatten. Der Hauptgrund allerdings war ein persönlicher - die eigenen Grenzen mal wieder ein bischen weiter hinausschieben - noch nie zuvor bin ich in einem schwierigen Klettersteig unterwegs gewesen. Es gibt die unterschiedlichsten Bewertungssysteme für die Schwierigkeit von Klettersteigen. Ich bevorzuge die die Österreichische Skala, die meiner Meinung nach, losgelöst von an die Landessprache angelehnten Kürzeln, die wohl variableste Untergliederung bietet. Der Saulasteig hat also die Schwierigkeit ' C/D ' (schwierig), die überhängende Schlüsselstelle ist wohl mit ' D+ ' zu bewerten (sehr schwierig), knapp 1/3 des Steiges befinden sich im oberen Schwierigkeitsbereich ' D ', der Rest ist mit ' B bis C ' zu bewerten. Die ersten ca. 200mH sind ab Schlüsselstelle bis kurz vor Erreichen des Notausstiegs sehr kraftraubend, weil fast immer in senkrechtem Fels unterwegs. Ab Notausstieg hat man die Hauptschwierigkeiten hinter sich, der Steig bleibt jedoch immer anspruchsvoll und ist stets im steilen bis sehr steilen Gelände unterwegs.
Zum Einstieg: ab Douglass Hütte zuerst über den Staudamm. An dessen Ende dann links ab (Richtung Norden) - Beschilderung Saulakopf / Heinrich-Hueter Hütte über den Saulajochsteig. Auf diesem Steig ist man teilweise recht alpin unterwegs (mehrere gesicherte Wegstücke). Er verläuft hoch über dem Tal in der steilen Westflanke des Bergzuges des Schafgafalls entlang. Man verliert unterwegs ca. 80 Höhenmeter im Vergleich zum Ausgangspunkt, die man sich zum Saulajoch wieder erarbeiten muß, aber in der Früh liegt der Saulajochsteig noch im Schatten. Beim Rückweg am Nachmittag ist dieser schöne Steig echt schweißtreibend. Am Saulajoch zweigt der Normalanstieg nordwärts zum Saulakopf ab - diesen nutzte ich im Abstieg. Nach dem Saulajoch verliert man wieder einiges an Höhenmetern, bis zu dem Punkt, an dem der Anstieg zum Einstieg in der Östlichen, sonnendurchfluteten Karhalde beginnt. man kann sich ca. 50m Höhenverlust sparen, wenn man -nach dem 2. Geländerücken an dem die Ostwand des Saulakopfes erstmals in Gesichtsfeld rückt- undeutlichen Trittsspuren waagrecht hinüber ins Kar folgt ... ob das allerdings bequemer ist wage ich zu bezweifeln. Die knapp 100mH Schluss-Anstieg unterhalb der enorm wuchtigen Ostwand werden zur inneren Medidation genutzt / Konzentration auf das Ziel / jetzt nur nicht unnütz Reserven verschwenden. Nach ca. 1:45h ist man am Einstieg.
Der Klettersteig beginnt zunächst mit einer längeren, einfachen Querung (B) über ein plattiges schräges aber breites Felsband und leitet direkt hin zur Schlüsselstelle des Steiges, einer leicht überhängenden, ca.12m hohen Vertikalen (D+). Hat diese überwunden, gehts alsbald in meist fast senkrechtem Fels (D) dem blauen Himmel entgegen. Zwischendrin gibt es aber immer wieder 'weniger steile' Abschnitte (C/D), die man zum Verschnaufen und Auflockerung der Bizeps nutzen kann. In diesem scheinbar nicht enden wollenden Steilstück sorgen ein straff gespanntes Seil und unzählige Steigbügel für das Höherkommen. Hat jedoch der Fels Tritte, Ecken, Kanten , so verzichteten die Steigbauer sofort auf die Steighilfen. ..ein bischen Gespür für den Fels/Kletterkönnen wird unterwegs also auch abgefordert. Weiter droben gibts dann ein kurzes horizontales Querband (B) mit herrlicher Aussicht hinüber zur Zimba,welches in eine steile Rinne hineinführt und hier darf man wieder kräftig im C-Gelände zupacken. Wenig später ist man auf der nicht-ganz-so steilen 'Schulter' angekommen und der kräftezehrenden Ostwand entronnen. Zwar mit durchgehendem Seil, doch ohne jegliche Steighilfe in Form von Leitern, Bügeln, Stiften , ... kraxelt man nun gesichtert weiter und erreicht den Notausstieg, der nach links abzweigt.  Ungefähr die Hälfte der Strecke ist geschafft - ein guter Ort zu rasten und den Feuchtigkeitsverlust auszugleichen und den Blick hinab / hinüber zum Lünersee und zur Schesaplana zu genießen.
Weiter oben sind schon die nächsten Antrengungen sichtbar, in einer senkrechten Felsflanke hinauf zum Grat hat sich ein kleiner Klettersteiglerstau gebildet. Wenig später ist ist auch diese Felswand (C) überwunden. Nun gehts luftig direkt am Grat weiter (B/C) und nach 2, 3 Felszacken steht man vor der neuen Hängeleiter, die erst im August 2011 installiert wurde. Diese führt recht luftig und steil zu einem überhängenden Felskopf hinauf, der mit kräftigem Zug und 2-3 unterstützenden Trittbügel überwunden werden kann. Von dort führt der Steig direkt am Grat weiter. Die Leiter kann auch in der rechten Bergflanke umgangen werden, wozu ich mich entschlossen habe. Wenig später treffen beide Eisenstränge wieder zusammen. In anregender Kraxelei mal rechts, mal links am nicht allzu scharfen Grat endet  die Steiganlage beim Steigbuch/Steigkasse kurz unterhalb des Gipfels. 3 Minuten später steht man durchaus erschöpft, aber höchst zufrieden neben dem Gipfelkreuz.
Die Aussicht vom Gipfel ist durchaus imposant und reicht in alle benachbarten Bergruppen hinein Besonders imposant präsentieren sich jedoch die Drusenfluh samt 3 Türme und Sulzfluh, sowie im Westen der benachbarte Schesaplanastock samt dünn gewordenen Brandner Gletscher.
Der Abstieg: führt über die mäßig steile Süd/Südwestflanke des Saulakopfes hinab. An ein paar steilen Stellen sind Drahtseile angebracht (Gurtzeug normalerweise nicht nötig). Das Mitnehmen von Stöcken lohnt sich allerdings wegen des feinen Schotters, mit dem die abschüssigen Felsen überzogen sind. Jeder Schritt will mit Bedacht gesetzt sein. Weiter unten verlässt man die Felsflanke und nun geht's im Zickzack zuerst noch offen, später im dichten Latschenkiefernwald hinunter zum Saulajoch und von dort über den inzwischen sonnendurchfluteten Saulajochsteig zurück zur Douglass Hütte (ca. 1 1/2h)

Fazit: Klasse Steiganlage in der imposanten Ostwand des Saulakopfes. In der unteren Hälfte Kondition- und Kräfte zehrend, weiter oben etwas einfacher. Für die ca. 500 Höhenmeter Steiganlage wurden 'nur' knapp 650m Seil verbaut...und davon liegen schon knapp 100m im flachen Anfangsband ohne wesentlichen Höhengewinn - Das sollte eigentlich alles über die kontinuierliche Steilheit des Steiges aussagen. Meiner Meinung nach als Anfängersteig ungeeignet.

Tourengänger: Jackthepot

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Kommentare (1)


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Felix Pro hat gesagt:
Gesendet am 22. August 2012 um 19:40
ich gratuliere dir herzlich, Harald, zu dieser "monströsen" KS-Tour!
lg Felix


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