Schijen Tour der tausend Titel


Publiziert von TeamMoomin , 3. September 2012 um 21:44.

Region: Welt » Schweiz » Schwyz
Tour Datum:11 August 2012
Wandern Schwierigkeit: T6 - schwieriges Alpinwandern
Klettern Schwierigkeit: III (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-GL   CH-SZ   CH-UR   Ortstockgruppe 
Zeitbedarf: 6:30
Aufstieg: 750 m
Abstieg: 750 m

Nachdem ich zwei Tage lang in Graubünden gewesen war und die ganze Zeit nur sehr loses Schottergestein unter meinen Händen gehabt hatte wurde es Zeit wieder mal festen rauen Kalk in die Finger zu bekommen als steuerte ich an diesem schönen Samstag mein nächstes lang ersehntes Ziel meines Top 10 Schwyz Projektes an den Schjien.
Das es eine anspruchsvolle Tour werden würde war mir schon im Vorfeld klar, was ich dann aber erlebte war was ganz anderes.
Folgende Titel hätten gepasst:

"Expedition Schjien auf gewollten neuen Aufstiegswegen und ungewollten neuen Abstiegswegen"
" Wie die Warnung von MaeNi über den Nebel zur Tatsache am Schjien wurde"
"Blut und Wasser am Schjien oder die Weiterentwicklung meiner Psyche am Schjien" und noch viele Titel mehr würden passen doch nun von vorne....


Früh gings von Basel mittels ÖV und Bahn auf die Glattalp hoch. Dort wanderte ich zuerst um den schönen Glattalpsee herum (beim Zustieg rechts) und stieg das erste Stück dem Wanderweg folgend Richtung Ortstock auf.

Kurz bevor der Weg im Zick Zack den Schotter hochführt bog ich dan nach rechts ab und folgte einer mehr oder weniger direkten Linie dem Schijen entgegen. Hierbei muss man eine kleine Wand überwinden die etwa ne Ier Stelle sein dürfte. Vor dem eigentlich Aufbau des Schijens machte ich dann nochmals ausgibieg Pause da ich wusste dass es nun bis zum Gipfel einiges anspruchsvoller werden würde.

Als erstes überwindet man man die recht steile Schotterhalde um so zu der Einkerbung links der grossen Platte zu gelangen. Von dort würde man eigentlich diese Platte queren und auf der anderen Seite in einem Riss hinaufklettern. Da ich aber alleine unterwegs war kein Sicherungsmaterial dabei hatte und die Platte auch noch leicht feucht war stellte dies sich als wahnsinnig heikel heraus.
Ich muss auch ehrlich sagen, dass ich Sie mir aufgrund der bisher gesehenen Bilder nicht so abschüssig vorgestellt hatte wie sie nun vor Ort aussah.

Nun sass ich da un überlegte angestrengt bis mir eigentlich gerade da wo ich sass eine kletterbare Linie  zur oberen Platte auffiel. Ich betrachte diese genauer und kam zum Schluss dass diese wesentlich sicherer zum hinaufkommen wäre und gerade noch so für mich solo mit einem guten Bauchgefühl machbar wäre.

So kletterte ich nun die Stelle Meter für Meter vorsichtig empor und testete jeden Griff ausgiebig ob er auch halten würde, mit Erfolg denn zwei Griffe gaben schon bei leichtem Zug nach. Oben auf der zweiten Plattenebene angekommen zeigte sich gleich ein ganz anderes Bild.

Die obere Platte ist sehr stark aufgerauht und gut zu queren, so gelang ich dann ohne Probleme zur anderen Seite hinüber wo man in einem griffigen kleinen Kamin weiter emporkletterb kann.

Nun folgte ich mehr oder weniger dem Grat folgend zum Vorgipfel und anschliessend mich eher rechts haltend zum Hauptgipfel. Was für ein Berg! Wahrlich den Schijen muss man sich verdienen aber es lohnt sich und die Aussicht auf die Glattalp und ihre umliegenden Berge ist toll, auf die andere Seite wäre sie es wohl auhc doch lieder liess der Nebel nur erahnen was man an einem klaren Tag alles für Urner Prominz erblicken kann.

Nachdem ich mich etwas gestärkt hatte und reichlich die Aussicht genossen hatte machte ich mich an den zweiten Teil den Abstieg, dieser würde nämlich auch nochmals volle Konzentration erfodern........oder wie ich nachher merkte noch viel mehr!

MaeNi hatte in Ihrem Bericht vor dem Nebel beim Abstieg vom Schijen gewarnt und genau dies wurde bei mir dann echt zum Problem. Ich wusste dass es nicht ganz trivial sein würde das BAnd zu finden und so machte ich mich gleich an den Abstieg als es von der Urner Seite her immer mehr zu brodeln began.

Es ging aber so schnell dass ich kaum ein paar Meter weit gekommen war als schon dickste Nebelsupper herrschte. So ging ich immer am Grat entlang und spähte nach unten ob ich irgendwas erkennen konnte wa nach besagtem BAnd aussah.

Als ich dann vorne schon das Ende des Grates sah, was nachher im Rückblick ohne Nebel nur ein Zwischenabbruch war und noch lange nihct das Ende des Grates, und ich das BAnd immer noch nicht gesehen hatte wurde ich stuzig, irgendwas stimmte hier doch nicht...

Also ging ich wieder ein Stück zurück und da gab es gerade ein kleines Loch im Nebel und ich sah das Band (das untere Alternative Band sieht am Anfang ähnlich aus wie das Richtige!). Nur lag es etwa 10 Meter unter mir und der Abstieg hinunter erschien mir alles andere als trivial aber davon hatten die anderen nichts geschrieben, naja ab gehts dachte ich.

Ich kletterte also rechts der Rinne ab und gelangte so zum vermeintlichen Band (ca. IIer Stelle). Als ich dann um die Ecke bog wurde mir schlagartig klar, dass dies ein flasches BAnd sein musste! Denn es ging nihct schön gerade runter sondern machte einen Bogen und stieg dann über eine Felstreppe zu einer Höhle ab.

Was sollte ich machen? Ich sass da und musste erst mal einen klaren Kopf kriegen, nachdem ich mich dan wieder gefasst hatte beschloss ich diesem Weg solange zu folgen wie ich sicher war Ihn schlimmstenfalls wieder retour gehen zu können und oben weiter zu suchen. Ich fokussierte mich dann noch einen Moment und began dann zur Höhle abzusteigen. Dort machte ich eine weitere kleine Pause und versuchte durch den Nebel den weiteren Weg zu beurteilen.

Zuerst ging es nun diagonal der Wand entlang und dann über eine Rinne hinunter auf eine weitere Zwischenebene. Dies sah in beide Richtungen gut machbar aus (-IIer Stelle) also kletterte ich vorsichtig hinüber und Stieg ab.

Nun schien es sowas wie ein Band zu geben welches aber sehr abschüssig und verdammt schmall erschien (ca. 10cm). Ich atmete tief durch und verschte die ersten Meter genau zu analysieren, wo hats oben Griffe wie sicher erscheint es, so kam ich zum Schluss dass es sicher T6 Gebiet war aber dank der vielen guten Griffe die ich sah durchaus machbar, und da ich seitwärts gehen müsste wäre das umkehren auch gut machbar.

Also kletterte ich sehr langsam und bedächtig Stück für Stück dem Band entlang bis ich zu einer steilen Graswand kam welche ich mittels guten Tritten (Gamsspuren) hoch klettere und zu meiner Verwunderund genau am Ausgang des richtigen Bandes herauskam.

Hier setzte ich mich erst mal einen Moment hin und atmete einfach nur tief durch, erst jetzt bemerkte ich dass ich die letze Stunde extrem fokussiert und total Konzentriert auf die Sache gewesen war und alles andere gar nihct mehr wahrgenohmen hatte.

Danach stieg ich weiter dem Grat entlang bis ich eine geeignete Stelle für eine Pause fand, hier ass ich was beruhigte mich noch ganz und genoss nochmals die einmalige Landschaft.

Weiter zu den Jegerstöcken zu gehen wie ursprünglich geplant kam überhaupt nicht mehr in Frage da es zeitlich sehr eng geworden wäre und ich mich ziemlich psychisch sehr ermüdet fand.

So Stieg ich langsam ab fand sogar noch einen alternativen Abstieg vom grossen Schijen/Jegerstöckplateau zum Glattalpsee hinunter und lief dann gemütlich um den See (diesmal auf der anderen Seite). Ins Tal kam ich dann sogar noch schneller dank einem netten Wanderer aus dem Wallis welcher mich mit seinem Auto noch bis Schwyz an den Bahnhof fuhr.

Fazit: EIne sehr schöne Tour die einiges bietet aber auch einiges fordert. Die Platte ist Solo, meiner Meinung nach, heikel und durch meine Aufstiegsvariante sehr gut zu umgehen.
Die Sache mit dem Nebel sollte man umbedingt Beachtung schenken sonst kann es einem wie mir ergehen.
Der ungewollte alternative Abstieg ist zwar machbar aber ich würde Ihn niemandem empfehlen da vorallem der letzte Teil doch sehr garstig und extrem ausgesetzt ist.
Ich habe bei dieser Tour viel über meine Mentale Seite gelernt und wie man sich in schwierigen Situationen konzentriert und Ruhig verhält. Daher möchte ich die Tour nicht missen und schaue sie Rückblickend als wichtige Erfahrung an, denn auch wenn mal nicht alles so läuft wie es sollte kann man viel daraus lernen.

Tourengänger: TeamMoomin

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Kommentare (10)


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MaeNi hat gesagt: Benebelt..
Gesendet am 3. September 2012 um 21:56
..am Schijen...das ist nicht zu unterschätzen..zumal ein Verhauer in ganz grausligem Gelände enden kann..

Aber schön dort oben, gell?

Grüsse und Gratulation!
Nicole und Marcel

TeamMoomin hat gesagt: RE:Benebelt..
Gesendet am 4. September 2012 um 13:38
Ja war echt grausliges Gelände, aber ist wirklich sehr schön dort oben, alle Gipfel um den Glattalpsee finde ich sind echt einen Besuch wert, freue mich schon auf den nächsten...
Lg Oli und Moomin

Sputnik Pro hat gesagt:
Gesendet am 3. September 2012 um 22:19
Hej Oli,

da hast du ja wieder eine abenteurliche und tolle Tour gehabt. Die Fotos sind auf jeden Fall super, hätte auch gerade Lust dort herumzukraxeln.

Gruss, Andi

TeamMoomin hat gesagt: RE:
Gesendet am 4. September 2012 um 13:39
Ja war echt ein Abenteuer, gibt da schon noch einige Gipfel auf die ich gerne möchte könnten z.B. zusammen noch die Jegerstöcke oder den Chilberg bzw. den HöchTurm besuchen.

Lg Oli

Sputnik Pro hat gesagt: Türmlihörnli
Gesendet am 4. September 2012 um 15:27
Höch Turm wäre ich schon einmal dabei :-)

TeamMoomin hat gesagt: RE:Türmlihörnli
Gesendet am 6. September 2012 um 19:54
Ok merke ich mir, gebe dir dann Bescheid wenn ich den machen möchte.

Linard03 Pro hat gesagt:
Gesendet am 4. September 2012 um 07:19
Hallo Oli,
da hast Du aber eine knifflige Tour unternommen ... pass auf Dich auf!

Gratulation jedenfalls zu einem weiteren Schwyzer Gipfel! Die Gegend ist wirklich schön, wie ich am vergangenen Wochenende selbst feststellen durfte ...

LG, Richard

TeamMoomin hat gesagt: RE:
Gesendet am 4. September 2012 um 13:41
Hallo Richard

Ja war schon anstrengend, und bin mir bewusst dass es nicht ganz ohne war aber hatte nie das Gefühl sei ausser Kontrolle oder so.
Ja im Kanton Schwyz gibt es echt viel tolles, nur hats ja jetzt Schnee wie man in deinem Bericht sieht weiss also nicht ob es dieses JAhr noch was wird in der Region.

Lg Oli und Moomin

Lg Oli

Felix Pro hat gesagt:
Gesendet am 17. Dezember 2013 um 21:14
wie Andi schreibt: abenteuerlich und toll - gratuliere!

lg Felix

TeamMoomin hat gesagt: RE:
Gesendet am 17. Dezember 2013 um 23:00
Danke Felix, schön gefällt dir mein Bericht, wer weiss vielleicht reizt die Tour dich ja auch nächsten Sommer...

Lg Oli und Moomin


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