Piz Bever 3230 m - Über endlose Geröllwüsten auf einen Traumberg im Engadin


Publiziert von Ivo66 Pro , 11. August 2012 um 19:35.

Region: Welt » Schweiz » Graubünden » Oberengadin
Tour Datum:11 August 2012
Wandern Schwierigkeit: T5 - anspruchsvolles Alpinwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-GR 
Zeitbedarf: 7:30
Aufstieg: 1450 m
Abstieg: 1450 m
Strecke:Champfèr - Pass Suvretta - Südostmulde - Südgrat - Piz Bever
Kartennummer:1:25'000 St. Moritz

Der Piz Bever ist ein formschöner Berg und bietet eine prächtige Aussicht. Dennoch wird er kaum besucht; stützt man auf die Einträge im Gipfelbuch (seit 2004) ab, wird er pro Jahr zwischen drei- und sechsmal bestiegen. Wir waren dieses Jahr die vierten auf dem Gipfel. Hat man vom Pass Suvretta aus - mitten im Wandergebiet von St. Moritz - die sehr steile Rasenflanke einmal überwunden, wird auch bald klar, wem die geringe Popularität dieses stolzen und abweisenden Bergs zu verdanken ist: Scheinbar endlose Geröllfelder sind zu queren und um von der ersten Geröllterrasse auf die nächste zu gelangen, sind jeweils steile Halden zu passieren, bestehend aus viel losem Material. Das wichtigste, was der Bergsteiger hier mitbringen muss, ist viel Kampfgeist, denn besonders in den steilen Passagen bewegt sich scheinbar alles, worauf man am Boden tritt.

So anstrengend der Aufstieg zum Piz Bever ist, so gross ist der Lohn, den man auf dem einsamen Gipfel erhält: -Ein Gipfelpanorama der Extraklasse und das Gefühl, an einem Punkt zu stehen, wo es nur ganz wenige Leute hinzieht. Schon der Aufstieg von Champfèr zum Pass Suvretta mit seinem türkisblauen Bergsee bietet viel Abwechslung und alle Schönheiten des Engadins: Vom herrlich duftenden Arvenwald zu Beginn bis zu glasklaren Bergbächen, stets flankiert von der unvergleichlich schönen Bergwelt des Engadins. Mit jedem Schritt scheinen weitere Berge am Horizont aufzutauchen. Und wenn man die Bernina-Alpen schon tausend mal gesehen haben mag, es ist immer wieder schön, diese formschönen Einspanzer zu bewundern.

Heute blies in erbarmungsloser Weise ein eiskalter Wind praktisch während der gesamten Tour. Dieser schützte uns immerhin davon, in der Steinwüste durchgebraten zu werden - trotz der warmen Engadiner Sonne also kein T-Shirt-Wetter. Dafür war die Luft frisch und klar, mit entsprechender Fernsicht.

Routenbeschreibung:

Champfèr - Pass Suvretta (T2)

Markierter, gut ausgebauter Wanderweg.

Pass Suvretta - Piz Bever durch die Südostmulde (T5)

Vom Pass stiegen wir in nordwestlicher Richtung durch sehr steile Grashalden zur Geröllterrasse unter dem Ostgrat des Piz Suvretta auf. Auf den ersten Blick scheint ein Aufstieg dort kaum möglich, doch erwies sich das Gelände trotz der Steilheit als freundlich, da gut gestuft und immer wieder mit guten Durchschlüpfen.

Man quert in der Folge über Geröll Richtung Norden, wo ein erster, sehr mühsamer Schutthang zu bezwingen ist. Hat man es geschafft tritt man in die weite Hochebene ein zwischen Piz Suvretta und Piz Bever. Über viel Geröll steigt man dem sich hier mächtig aufbauenden Piz Bever entgegen.

Man peilt nun eine Geröllhalde an, die einen Durchstieg zwischen Felswänden auf die nächste Geröllterrasse ermöglicht: Westlich an P. 2999 m vorbei steigt man immer steiler hoch und quert dann - stets auf Schutt und Geröll - nach Südwesten, dies auf einer Höhe von etwa 3050 m. ü. M. Im Abstieg bemerkten wir, dass der am wenigsten unangenehme Zustieg wohl am Rande der Felsen linkerhand erfolgen müsste (in Aufstiegsrichtung gesehen).

Man quert weiter und bekommt dann bald den Südgrat zu Gesicht. Man erreicht ihn, indem man im Zickzack über felsiges Gelände aufsteigt, nicht ganz am unteren Rand der Geröllterrasse in der Südostmulde. Zuletzt steigt man durch ein mit viel losem Schutt gefülltes Couloir zum Südgrat auf.

Weiter geht es zunächst auf dem Grat (kurze Felsstufe I). In der Folge weicht man vor einem senkrechten Grataufschwung in die Ostflanke aus, um über eine gut gestufte, wenig ausgeprägte Rinne zurück auf den Grat zu gelangen. Anschliessend besteht der restliche Teil des Grats aus Gehgelände und ist nicht ausgesetzt. Über Geröll erreicht man den Vorgipfel, von dem man in wenigen Schritten über den hier schmaler werdenden Grat hinübergeht. Die letzte Felsstufe vor dem Gipfel (II-) kann auch in der Westflanke über Schutt umgangen werden, was im Abstieg zu empfehlen ist.

Tourengänger: Ivo66, Lena


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Kommentare (4)


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Linard03 Pro hat gesagt:
Gesendet am 11. August 2012 um 20:43
Hallo ihr beiden; Gratulation zum Piz Bever! Dieser schöne Gipfel ist mir in unseren Engadin-Ferien auch mehrfach aufgefallen ...
Und wiederum tolle Bilder habt ihr mitgebracht!
LG, Richard

Ivo66 Pro hat gesagt: RE:
Gesendet am 11. August 2012 um 22:46
Vielen Dank Richard! Ein wirklich toller Berg; dass er so selten bestiegen wird, habe ich nicht gedacht.

LG Ivo und Lena

matt hat gesagt:
Gesendet am 14. August 2012 um 09:17
Hallo zusammen,
war gestern auf dem Piz Julier und da ist mir der Piz Bever sofort ins Auge gestochen. Danke für eueren Bericht, jetzt weiss ich ungefähr was mich erwartet.
Lg matt

PS: mir fällt auf das ihr viele Gipfel die ich auch gerne besteigen würde schon gemacht habt. Ich glaube ich muss mich mal an eure Fersen heften ;-).

Ivo66 Pro hat gesagt: RE:
Gesendet am 14. August 2012 um 20:47
Hallo matt

Der Piz Bever tritt wirklich von vielen Bergen recht dominant in Erscheinung. Er ist in jedem Fall ein sehr lohnendes Ziel, gerade weil der Gipfel regelrecht erkämpft werden muss. Dafür ist man dort oben fast mit Sicherheit alleine - gemäss Gipfelbuch (seit 2004) sind sich dort oben noch nie Menschen begegnet.... zwischen den Einträgen liegen meist mehrere Wochen.

Es freut mich, dass Dich vielleicht der eine oder andere meiner Berichte nützlich sein wird. Viel Erfolg und Spass jetzt schon!

LG Ivo


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