Bochetta Fornasel, Versuch Kalberhorn und Bochetta della Crosa


Publiziert von Kik Pro , 4. August 2012 um 23:28.

Region: Welt » Schweiz » Tessin » Locarnese
Tour Datum:29 Juli 2012
Wandern Schwierigkeit: T4 - Alpinwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-TI   I   Gruppo Pizzo Solögna   Gruppo Basodino   Gruppo Pizzo Biela 
Zeitbedarf: 2 Tage

28.7.12 Bochetta Fornasel 1600m Aufstieg, 200m Abstieg, T3, 6 30 Std.
Einmal mehr waren für den Samstag Gewitter angesagt. Um mit dem ersten Bus ins Val Bavona fahren zu können, übernachteten wir in der Jugi Bellinzona. Unser Tourenleiter  schlug drei Aufstiegsvarianten zur Hütte Piano delle Creste vor: bei Regen der direkte Aufstieg von San Carlo, bei zweifelhaftem Wetter den Aufstieg von Rosed über die Bochetta Fornasel und bei schönem Wetter den Aufstieg von Foroglio durch das lange Val Calnegia.  In Locarno war es noch bewölkt, in Bignasco bereits bedeckt, und so stiegen wir in Rosed aus dem Bus. Es ging gleich steil los. Dort, wo am Fuss einer hohen Felswand der Weg künstlich gebaut werden musste, fanden wir Initialen und Jahresdaten der Erbauer und einer Reparatur – ein gewaltiges Werk und bewundernswert. Bis Costa kamen wir trocken. Danach wurden Rucksackhüllen, Veloregenschutz und Schirme ausgepackt. Die weitere Landschaftsbeschreibung ist bei Varoza nach zu lesen. Die Gneisblöcke waren bald so glitschig, dass wir um die Ketten bei der Bochetta Fornasel froh waren. Froh waren wir auch um zwei riesige Blöcke kurz nach dem Seelein, unter die wir uns vor Blitz, Donner und Hagel verkrochen. Als sich das Unwetter etwas verzogen hatte und wir im Tal unten die Hütten Piano delle Creste sahen, kam es uns vor, wie der Blick in das gelobte Land.
 
Das war es für uns in der Tat. Das Hüttenteam heizte den Winterraum, damit wir unsere Sachen aufhängen konnten. Dann erhielten wir das beste Hüttenessen seit Jahren: Minestrone aus frischem Gemüse, Salat, ein Gedicht von Brasato mit cremigem Risotto und frischen Fruchtsalat. Die Walliser Gruppe, die über den Tamierpass gekommen war, hatte sich auch von ihrem Schrecken erholt. Einer spielte die Hüttenhandorgel meisterlich und blies Mundorgel, und zwei andere sangen alte Lieder im Walliser Französisch.
 
29.7.12. Versuch Kalberhorn (T4), Bochetta della Crosa (T3), insgesamt 900m Aufstieg, 2300m Abstieg, 10 Std.
Nachts um 3 00 war es sternenklar, aber um 6 00 fielen wieder Wassermassen vom Himmel, so dass unser Start erst um 7 30 erfolgte. Gemäss dem SAC Führer gingen wir wie zur Bochetta die Fiorera im Talgrund, der Führer schlägt vor bis auf eine Höhe von 2450m, wo dann zu queren sei. Dies schien uns nicht plausibel und wir überwanden das vielfach durch Rinnen zerfurchte Felsband zwischen 2320 und 2400m weiter nördlich bzw. genau östlich des Kalberhorngipfels auf Schafpfaden. Hier hat man keine Übersicht. Wir erstiegen den am weitesten hinauf reichenden, steilen und nassen Graskegel (bis ca. 2670m). Oben setzt eine Rinne an, die auf die dem Gipfel nächste Scharte im SSO-Grat mündet. Sie hätte leichte Kletterei erfordert und wäre vermutlich machbar gewesen. Die Querung von unserem Grashang (etwas tiefer als unser Standpunkt) mit Wiederaufstieg hinter die Kanzel 2625 gefiel uns nicht, da eine schmierige und steile Dreckrinne uns vom jenseitigen Hang trennte. Unser Zeitbudget sah vor, um 11 00 spätestens wieder von der Hütte abzumarschieren, weshalb hier für uns Schluss war. Das nasse Gras hinab forderte noch einige Vorsicht. Bereits um 10 30 waren wir wieder bei der Hütte.  Hier sagte uns der  Hüttenverantwortliche, am besten ginge man auf der orog. linken Talflanke Schafspuren nach und quere die Hänge des P.Medola über den untersten Felsbändern auf etwa 2400m, wonach man immer schräg aufwärts traversierend hinter die Felskanzel 2625m käme, danach wie vorgehabt über die Ostflanke zum Gipfel.
 
Punkt 11 00 marschieren wir, nun wieder auf markiertem Pfad, zur Bochetta della Crosa an den hübschen Antabiaseelein vorbei und zur Schuttrampe, die mit Kette gesichert zum engen Einschnitt in den Grat führt. Im strahlenden Licht  stiegen wir hinab ins hinterste Val Calneggia, über viel Schutt. Die Markierung führt unter einer grossen Platte durch und mit kleinem Gegenanstieg auf die Anhöhe über den Laghi della Crosa, ein wunderbarer Ort. Die Fischerhütte ist offen und gut besucht. Hinab auf die Landenge und nochmals ein kurzer Anstieg. Dann geht es über vom Eis abgeschliffene Platten über offenes Gelände, später im Lärchenhalbwald wunderschön bis zu den mittleren Hütten der Alpe della Crosa 1703m. Hier geniesst ein einheimisches Paar die Sonne und die Ruhe,  ihr einfaches Häuschen wird liebevoll unterhalten. Dann fängt der bekannte Treppenweg über 500 Höhenmeter an, durch eine üppige Wildnis mit vielen Himbeeren und an Wasserfällen vorbei, Dschungelbilder in der Schweiz! Die Brücke bei 1175m vor Calneggia ist kaputt. Der Bach hat momentan soviel Wasser, dass wir die Schuhe ausziehen. Im Eilmarsch das Tal hinaus, ein Brünnchen bei Puntid löscht den Durst und schnell hinab nach Foroglio. Vor der Brücke lockt die gut besetzte Granitterrasse eines Wirtschäftchens. Den gluschtigen Tessiner Teller müssen wir auf ein nächstes Mal verschieben, aber dieses nächste Mal kommt bestimmt. 

Tourengänger: Kik


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