Kleine Höfats und Seilhenker


Published by quacamozza Pro , 25 July 2012, 17h35.

Region: World » Germany » Alpen » Allgäuer Alpen
Date of the hike:24 July 2012
Hiking grading: T6 - Difficult High-level Alpine hike
Climbing grading: II (UIAA Grading System)
Waypoints:
Geo-Tags: D 
Time: 9:30
Height gain: 1350 m 4428 ft.
Route:Oberstdorf Nebelhornbahn-Oytalhaus-Käseralpe-Obere Gutenalpe-Oberloch-Seilhenker-Kleine Höfats-Stiege-Nordostgrat und zurück (32 km)
Access to start point:B 19 nach Oberstdorf
Accommodation:fehlen-auf der Käseralpe besteht seit 8 Jahren keine Übernachtungsmöglichkeit mehr
Maps:Topographische Karte Allgäuer Alpen 1:50 000

Die Kleine Höfats ist ein anspruchsvolles Ziel in den Allgäuer Alpen. Auf ihren Gipfel führen nur steile und ausgesetzte (Gras-)Kletterrouten. Dazu sind die Zustiege mühsam und das Gras fast stufenlos. Über das Jahr hinweg erhält sie nur 10 bis 15 Besuche. Meine Besteigung war die dritte in 2012, übrigens alles Sologänger. 
Eigentlich hatte ich heute Größeres geplant, doch es fand sich kein grastüchtiger Begleiter, also verschaffte ich mir erstmal einen Überblick über die mir bis dato unbekannte Nordseite des Höfatsmassivs.  

Schwierigkeit:  
Kleine Höfats
:
Ostrücken/Ostgrat: stellenweise II, vor allem aber Kletterei in schlecht gestuftem, teils 50 Grad bis 55 Grad geneigtem Gras (T 6) 
Nordostgrat: erster Felsteil II-III, sehr ausgesetzt, danach Fels und Gras kombiniert deutlich einfacher, oben bis zu 65(!) Grad geneigtes Gras auf ca. 100 Höhenmetern (T 6+)

NB vom 14.09.2012: Nachdem ich nunmehr auch den obersten Teil des Nordostgrates geklettert bin, bewerte ich diesen abschließend mit T 6 bei trockenen Verhältnissen. Der Schlusshang ist nicht ganz so extrem steil (die Neigung beträgt bis 60 Grad).

Seilhenker:
Kurze Passage Graskletterei 50 Grad im ausgesetzten Gelände (T 6), Übergang zum Ostgipfel 5 Minuten unschwierig (T 4), aber luftig

Aktuelle Verhältnisse:
Die Verhältnisse waren nicht die besten. Das Gras wächst immer noch, steht auch voll im Saft, lässt sich gut drehen, allerdings blieb es bis zum frühen Nachmittag klatschnass, so dass die Besteigungen insgesamt nicht ungefährlich waren. Die wenigen guten Tritte (und erst recht die Grasauflage selber) boten nur unzureichend Halt und wirkten wie Schmierseife. Ich überlegte während des Aufstiegs an beiden Gipfeln, ob ein Weitergehen noch zu verantworten wäre und bejahte diese Frage jeweils nur knapp. Also: besser ZWEI trockene Tage vorher abwarten als nur einen! 

Zunächst beabsichtigte ich, die Kleine Höfats über den Nordostgrat zu besteigen. Dieses Vorhaben musste ich nach dem Seilhenker aufgeben, da der obere, extrem steile, grasige Teil sicherlich sehr gefährlich hätte werden können. Stattdessen wartete ich im Oberloch und ging nach einer größeren Pause den Ostrücken an, aber wie gesagt: auch hier war's nass und heikel. Die Rückzugsmöglichkeiten sind aber überschaubarer.

Nach dem Abstieg von der Kleinen Höfats rekognoszierte ich dann doch noch den Nordostgrat und kletterte ein Stück: Es ist wirklich hammermäßig ausgesetzt, dazu steil, das Brüchige hält sich allerdings in Grenzen. Aber vielleicht freut man sich nach dem ganzen nassen Gras, dass man wenigstens mal Fels, grasdurchsetzten, aber wenigstens trockenen, in den Händen hält. 

Auf jeden Fall ein tolles Fleckchen Erde, weitgehend unbekannt - und auf hikr gab's noch nicht mal einen Wegpunkt "Kleine Höfats" - unglaublich.

Zu den Verhältnissen noch dies: Ab der Käseralpe findet man Richtung Älpelesattel und Obere Gutenalpe von Vieh total zertrampelte Wege vor. Ob das wirklich immer so sein muss im Rahmen der Viehwirtschaft, gleich alle Wege so zu zerstören, dass sie den ganzen Sommer für Wanderer nicht mehr benutzbar sind...?  


Ausrüstung: 
Der Einsatz des Pickels ist notwendig, aber auch ausreichend. Für den Schlusshang des Nordostgrates dagegen würde ich ein zweites Eisgerät für den Fall im Gepäck mitnehmen, dass man auf kurzes Gras trifft - wie's genau aussieht, konnte man vom Gipfel nicht so recht beurteilen. Ich hatte noch Steigeisen dabei, die aber heute nichts genützt hätten. Ansonsten sind noch gute Nerven, eine Prise Mut und Durchhaltevermögen, also psychische Belastbarkeit, von Vorteil.


Zeitangaben an der Kleinen Höfats machen wegen der immer stark wechselnden Verhältnisse recht wenig Sinn. Ich brauchte heute zum Beispiel viel länger als sonst üblich in solchem Gelände. Auch die Literatur kann da keine Regeln liefern. Beispielsweise wird im alten AVF die Kleine Höfats mit 2 Stunden vom Oberloch veranschlagt, im neuen Führer dagegen nur mit 1,5 Stunden von der Käseralpe.

Zeitbedarf Oberstdorf-Käseralpe: 2 Std.
Zeitbedarf Käseralpe-Oberloch: knapp 1 Std. über die Obere Gutenalpe
Ab 15.00 Uhr kann vom Oytalhaus mit Rollern ins Tal gefahren werden und damit eine Stunde Talabstieg eingespart werden. Dieses Vergnügen kostet dann allerdings 6 €.    


Die Tourenbeschreibung darf kurz gehalten werden. Vor der Käseralpe kann direkt und weglos über Schrofen ins Oberloch hochgestiegen werden. Ich nahm hin- und zurück den Weg über die Obere Gutenalpe (1625m). Der Blick ins Rote Loch und die abschreckenden Fluchten der Höfats verschaffen landschaftlich noch stärkere Eindrücke. Von der Alpe erreicht man durch schulterhohes Kraut ein Weglein, das früher die Obere Gutenalpe und die Rauhenhalsalpe verband, das aber zurzeit knapp 100 Höhenmeter unter dem Oberloch aufhört. Also: danach muss man sich, wie beim Direktaufstieg auch, durch richtig viel Grünzeug kämpfen, das jeden Blick auf Tritte verdeckt, deshalb: immer vorsichtig die Füße setzen.

Das Oberloch ist ein einziger wunderschöner Rastplatz mit Wasser, dort kann man stundenlang verweilen. Und die Gipfel sind in Reichweite: Zum Seilhenker sind's von hier 50 Höhenmeter (10 Minuten), zur Kleinen Höfats ca. 320 Höhenmeter (heute eine gute Stunde, Abstiegszeit war bei mir allerdings fast genauso lang).        

Hike partners: quacamozza

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Comments (9)


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ADI Pro says:
Sent 25 July 2012, 19h03
ein Allgäuer Schmankerl, aber nicht für Jedermann.
Gratulation!

VLG aus M., G.

quacamozza Pro says: Die nächsten Tage...
Sent 26 July 2012, 08h14
...wird's bei mir auch wieder ein bißchen flacher, denn es geht über's Wochenende in die nördliche Richtung. Aber dann vielleicht mir Dir und Stefan auch da hoch...???

Wünsch Dir auf jeden Fall genauso schöne Erlebnisse, aber soviel wie Du heuer schon unternommen hast...da kann man ja neidisch werden...

Sportliche Grüße von Ulf




marvel says: Super-Tour!
Sent 25 July 2012, 23h24
Beeindruckend! Wünschte ich hätte die auch gemacht als ich noch jung und sportlich war

quacamozza Pro says: RE:Super-Tour!
Sent 26 July 2012, 08h26
Hallo marvel,

vielen Dank für das Kompliment, aber vor 25 Jahren war das bei mir noch eher zutreffend mit jung und sportlich.

Für die Berge ist es nie zu spät, außer bei chronischer Krankheit, das ist ja das Schöne an dem Hobby. Und auch Ältere geben manchmal ganz schön Gas: Vor einigen Jahren hat mich ein 74-jähriger am Schreckhorn überholt, obwohl wir ein ordentliches Tempo liefen. In dem Sinn: erlebnisreiche und unfallfreie Touren!

Sportliche Grüße von Ulf

marvel says: RE:Super-Tour!
Sent 26 July 2012, 17h39
Für die Berge ist es nie zu spät, ja, das ist wohl wahr. Diese Gipfel und die zugehörigen Beschreibungen sind mir noch aus dem alten Zettler/Groth-Führer gut in Erinnerung. Jetzt kann ich mir endlich besser vorstellen, wie es da aussieht.

83_Stefan says:
Sent 26 July 2012, 09h30
Eine super Tour mir schönen Fotos in einem mir leider ziemlich unbekanntem Gebiet!
Schaut alles sehr schön aus, ist aber wohl nur bei Trockenheit ein Genuss...
Viele Grüße von mir!

quacamozza Pro says: RE:
Sent 26 July 2012, 09h45
Hallo Stefan,

sei gegrüßt...dafür hast Du viele andere (und vor allem mehr) schöne Touren durchgeführt.
Ab nächster Woche würde es bei mir gehen mit Action...

Sportliche Grüße aus dem Norden von Ulf


sven86 says:
Sent 28 July 2012, 14h02
Lieber Ulf,

Ich gratuliere zu dieser schauerhaften Steilgrasfahrt!

Viele Grüße, Sven

quacamozza Pro says: RE:
Sent 1 August 2012, 15h56
Na hallo Sven,

danke und Grüße zurück...wenn das Gras nicht nass gewesen wäre, könnte man fast von einer einfachen Tour sprechen...bin froh, meinen ursprünglichen Plan aufgegeben zu haben, auch wenn ich vor Ort natürlich enttäuscht war...aber wie man an den vielen Bergunfällen dieses Jahr sieht: lieber verzichten oder beizeiten umkehren...



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