Weißkugel/Palla Bianca (3739 m) via Langtaufererferner - Österreichs Dritthöchste


Publiziert von mabon , 25. Juli 2012 um 00:40.

Region: Welt » Österreich » Zentrale Ostalpen » Ötztaler Alpen
Tour Datum:23 Juli 2012
Wandern Schwierigkeit: T4- - Alpinwandern
Hochtouren Schwierigkeit: WS+
Klettern Schwierigkeit: II (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: A   I   A-T 
Zeitbedarf: 2 Tage 14:00
Aufstieg: 1700 m
Abstieg: 1700 m
Strecke:Melag - Weißkugelhütte - Weißkugel - Weißkugelhütte - Melag
Kartennummer:DAV 30/2 Ötztaler Alpen - Weißkugel

Neben der Wildspitze ist die Weißkugel (Palla Bianca) das Höchste, was man in den urwüchsigen Ötztaler Alpen erklimmen kann. Die Aussicht von der Weißkugel ist gigantisch.

Dabei war morgens (-3°C an der Weißkugelhütte) noch nicht klar, ob wir bei der Gipfelankunft überhaupt etwas sehen würden. Die Weißkugel war vollständig in Wolken gehüllt. Gleichzeitig tobten auf dem Langtauferer Ferner scharf schneidende Winde, die uns immer wieder Schnee ins Gesicht peitschten.
 
Der Neuschnee hatte den Vorteil, dass sich über dem ewigen Eis eine gutgriffige Trittfirnschicht bildete. Nachteilig war hingegen, dass viele Gletscherspalten nicht gleich erkennbar waren, was ein umsichtiges Aufsteigen unserer Seilschaft erforderte. 

Bei Erreichen des Weißkugeljochs (3362 m) lichteten sich langsam die Wolken. Spätestens hier machte sich die immer dünner werdende Luft bemerkbar, weshalb wir zusehends ins Schnaufen gerieten und langsamer wurden. Wir umgingen die Weißkugel ostseitig und querten über das Hintereisjoch in deren Südflanke.

Just in diesem Moment riss die Wolkendecke vollends auf und die Sicht auf den Vorgipfelbereich war frei. Gleichzeitig nahm der Wind immer mehr an Wucht zu. Kurz vor Erreichen des Gipfels hatte er fast schon Orkanstärke angenommen.

Ein Abbruch wurde kurz in Erwägung gezogen, da nun für die letzten Meter noch ein zu überkletternder, relativ luftiger Grat den Weg zum Gipfelkreuz versperrte. Bei solch starkem Wind einen doch recht ausgesetzten Grat mit Schneeauflage zu machen, ist eben doch etwas anderes, als bei Trockenheit und normalem Wetter. Nach kurzer Sondierung des Geländes schnallten wir die Steigeisen ab und gelangten in leichter 2er-Kletterrei - nun dem Wind nicht mehr so stark ausgesetzt - zum Gipfel. Seit dem Aufbruch von der Weißkugelhütte waren inklusive Pausen exakt 6 Stunden vergangen.

Da die Weißkugel nahezu jeden Berg in seiner Umgebung überragt, konnte man fast alles, was Rang und Namen hat, erblicken. Selbst die Königspitze war nun zeitweise wolkenfrei. Einzig der Ortler blieb eingehüllt. Nun wurde auch ersichtlich, dass die Weißkugel nach allen Seiten hin von mächtigen Gletschern umgeben ist.

Summa summarum wird dieser Eisriese gerne unterschätzt, denn zum einen muss zum Schluss geklettert werden und andererseits erfordert der lange Anstieg viel Kondition. Darüber hinaus dauert der Abstieg zum Talort Melag gut fünf Stunden. Startet man von der Weißkugelhütte und steigt dann wieder bis nach Melag ins Tal ab, hat man knappe 3000 Höhenmeter bewältigt, was durchaus seine Spuren hinterlässt.

Tourengänger: mabon, ferenc

Galerie


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Kommentare (3)


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ADI hat gesagt:
Gesendet am 25. Juli 2012 um 07:30
scheene Tour, scheena Bericht!

Alles in allem wolkenfreier, als bei mir.
Mit der Langtaufererspitze hat's dann wohl zeitlich nicht mehr geklappt, oder?

VLG, G.

mabon hat gesagt: RE:
Gesendet am 25. Juli 2012 um 23:33
Merci Mausi!

Die Langtauferer war zeitlich nicht mehr möglich; andererseits bin ich im Nachhinein froh, dass wir sie nicht gemacht haben, weil wir auch so konditionell ziemlich bedient waren. Wir werden echt alt... :-)

AJ2004 hat gesagt: RE:
Gesendet am 17. Oktober 2012 um 19:10
Hallo zusammen,
durfte am 14.10.2010 auf dem Gipfel der Weisskugel stehen, bei strahlend blauem Himmel und angenehmen Temperaturen.
Leider mussten wir direkt vom Tal auf den Gipfel und wieder zurück ins Tal, ist ein rechter Riemen.
Sind aber nicht den Normalweg hoch, sondern über den Gletscher, der gegenüber der Weisskugelhütte ist durch die Anfangsflanke der Nordwand auf den Nordgrat und dem Grat entlang bis zum Gipfel, ein absoluter Traum aber auch steil. Haben den Aufstieg von Melag bis auf den Gipfel in knapp 6 Stunden geschafft.
War ein unvergesslicher Tag und hoff, ich kann dies wiederholen.

Grüsse, Adrian.


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