Lagginhorn Südgrat


Publiziert von dominik Pro , 24. Juli 2012 um 08:23.

Region: Welt » Schweiz » Wallis » Oberwallis
Tour Datum:22 Juli 2012
Hochtouren Schwierigkeit: ZS-
Klettern Schwierigkeit: III (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-VS 
Aufstieg: 1300 m
Abstieg: 1300 m
Strecke:Weissmieshütte - Lagginjoch - Lagginhorn - Normalroute - Weissmieshütte

Lagginhorn 4010m über den Südgrat

Als wir am Vorabend auf der Weissmieshütte ankamen, sahen wir vor uns das Lagginhorn in seiner ganzen Pracht und dazu auch noch den verlockenden Südgrat. Eigentlich wollten wir ja (kommt der Spruch irgendjemandem bekannt vor???) über die Normalroute aufsteigen aber so ein Südgrat ist natürlich viel viel verlockender als die Touri-Route...

Um 04:30 gingen wir von der Hütte los und folgten der Skipiste in Richtung Hohlaubgletscher, laut Aussage des Hüttenwartes spaltenfrei. Der Bergschrund war glücklicherweise komplett zugeschneit und so kamen wir problemlos aufs Lagginjoch 3499m. Dort liessen wir das Seil im Rucksack und kletterten frei bis zum ersten Gendarm welcher etwas ausgesetzt links umklettert wird und dann noch auf Platten wieder hoch zum Grat. Generell hält man sich aber auf dem Grat eher auf auf der Ostseite (rechts). An einem weitereren Gendarm seilten wir uns an einer mit diversen Schlingen unterschiedlichen Alters eingerichteten Absteilstelle ab. Dank den gezackten Blöcken lässt es sich zumeist gut am mittellangen Seil (8-10m) auf Reibung sichern und entschärft damit etwas die durchaus vorhandene Luft unter dem Allerwertesten.

Auf dem Südgipfel 3971m (ohne Namen auf LK) angekommen sollte man sich nicht vom nahen Gipfelkreuz des Hauptgipfels verwirren lassen: Es dauert nochmals eine ganze Weile bis man dort ist und unter anderem trifft man dort auf die in einigen Bergführern erwähnte Abseilstelle in die Scharte. Es heisst dort: Abseilen in die Scharte 12m bis auf kleinen Balkon, dann abklettern in die Scharte und den Block auf dem Grat rechts (sehr ausgesetzt) umgehen. Dummerweise findet man oben auf der Westseite des Grates (siehe Bild) eine ganze Menge Schlingen mit Karabiner welche einen dazu verlocken, viel zu weit links unterhalb der Scharte abzuseilen was einen dann zwingt, wieder plattig auf den Grat zu klettern. Auf diesem Bild hier sieht man deutlich, wie es eigentlich gehen sollte:

Quelle: http://www.powderski.at/2010/07/18/lagginhorn-4010m-sudgrat/

Ich schreibe das extra so deutlich weil dies sonst nirgends vermerkt ist und so den einen oder anderen vor einer etwas heiklen Situation bewahren könnte! Unsere falsche Abseilstelle befand sich etwas rechts von dem grossen Riss am Gendarm.

Danach geht es nochmals teils blockig, teils an recht scharfer Kante zum Lagginhorn Hauptgipfel 4010m, wobei die letzten 4-5m unterhalb des Gipfels in bestem Fels direkt hoch den grössten Spass bereiten.

Abstieg dann auf gut verfestigtem Firn mit etwas Eis darunter über das Gipfelschneefeld. Der Abstieg zum Lagginhorn Gletscher ist mit roten Punkten gut markiert und einmal unten ist man auch praktisch schon wieder in der Hütte von wo das wohlverdiente Feierabendbier ruft.

Material:
Ein 40m Seil ist ausreichend. Wir hatte ein paar Schlingen und 3 Express dabei welche ab und zu ganz sinnvoll waren. Es liesse sich mit KK und Friends gut sichern wenn etwas mehr Sicherheit gewünscht ist.

Zeiten:
1.5h bis Lagginjoch, 6.5h auf dem Grat (die Abseilstelle...), knapp 2h wieder runter bis Weissmieshütte

Fazit:
Tolle Grattour welche durchaus etwas Kondition und Schwindelfreiheit erfordert aber sehr viel Spass macht.

Tour zusammen mit Olli

Tourengänger: dominik

Galerie


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Kommentare (5)


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steindaube Pro hat gesagt: Schon, ja...
Gesendet am 24. Juli 2012 um 13:56
> kommt der Spruch irgendjemandem bekannt vor???

Mir schon, ja :-)!
steindaube.

roger_h Pro hat gesagt:
Gesendet am 24. Juli 2012 um 16:22
Schöne Tour, hätte ich eigentlich auch noch im Sinn und werde bei Gelegenheit vielleicht noch bei dir zurückfragen.

Auf gipfelbuch.ch hat ein einheimischer Bergführer folgenden Eintrag gemacht:
"Südgrat vom Lagginjoch: Dieser Grat (ZS) fordert und wird total unterschätzt. Vom Lagginjoch zum Gipfel braucht man 5-6 Std., aber jede Woche hat es hier Seilschaften,die das Doppelte an Zeit brauchen und erst bei Nachteinbruch zurückkommen. Diese Tour ist in ihrer Art nur erfahrenen Hochalpinisten zu empfehlen,die das Gehen im kombinierten Gelände und am kurzen Seil beherrschen."

Würdest du sagen, dass die mehrmals erwähnte Abseilstelle die Schlüsselstelle ist?

dominik Pro hat gesagt: RE:
Gesendet am 25. Juli 2012 um 08:21
Ciao Roger

Wie üblich ist es halt stark abhängig von den Bedingungen. Wir hatten bestes Wetter und die Felsen waren trocken. Mit Steigeisen hätte es wohl länger gedauert! Klar ist auch, dass es sich beim Südgrat nicht um eine Wanderung handelt sondern um exponiertes hochalpines Gelände. Der Aussage zur Beherrschung des kurzen Seils kann ich nur zustimmen.

Die Tour hat mehrere heikle Stellen:
- Die Querung in die Westwand beim ersten Aufschwung
- Einmal wird der Grat so schmal dass wir in Reitersitztechnik drüber sind :-)
- Abseilstelle auf Gipfelgrat

Gruss
Dominik

Mats hat gesagt: Abseilstelle Gendarm
Gesendet am 6. August 2012 um 20:27
Sälu Dominik
Ich war letzte woche bei wahrscheinlich besten Bedingungen überhaupt am Südgrat, wirklich empfehlenswert.
Wir waren in einer Zweierseilschaft unterwegs und konnten an besagter Abseilstelle des Gendarmes bestimmt viel Zeit sparen, indem wir auf der Ostseite abkletterten (ist im Führer mit 3a vermerkt). Die Stelle ist kaum Schwerer als wenn du vom Vorgipfel runterkletterst. Ich habe für den Nachsteiger mit 2 Zackenschlingen abgesichert, was die Abkletterei psüchologisch für den Seilzweiten erleichtert.
Liebe Gruess Mats

dominik Pro hat gesagt: RE:Abseilstelle Gendarm
Gesendet am 6. August 2012 um 21:15
Ciao Mats

Ja es war wirklich etwas unglücklich dass wir da auf die Pseudoabseilstelle auf der Westseite gestossen sind anstatt uns, eben wie es der Führer empfiehlt, auf der Ostseite zu halten und damit automatisch an die richtige Stelle zu kommen. Naja, sollte ich nochmals den Grat machen, dann weiss ich es jetzt wie es richtig geht :-)

Gruss und viel Spass in den Bergen!
Dominik


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