Val Pontirone – der wilde Älplerweg nach Alpe d’Albea


Publiziert von Seeger Pro , 20. Juli 2012 um 22:29.

Region: Welt » Schweiz » Tessin » Bellinzonese
Tour Datum:19 Juli 2012
Wandern Schwierigkeit: T5 - anspruchsvolles Alpinwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-TI   Gruppo Torrone Alto 
Zeitbedarf: 8:00
Aufstieg: 1188 m
Abstieg: 1188 m
Strecke:7.34km: Brücke della Stampa 896m – unterhalb In di Ari auf etwa 1420m, wo zwei Flüsse sich vereinigen – Alpe d’Albea Pt.1823 – Pt. 1993 – Sgiopa 1852m – In di Ari 1568m – Brücke della Stampa 896m
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Zufahrt Auto: Biasca – Lukmanierstrasse bis Malvaglia – Scharfe, bezeichnete Abzweigung nach dem Dorf – Pontirone – 1. Brücke nach Pontirone
Zufahrt zum Ankunftspunkt:dito
Unterkunftmöglichkeiten:Einkehr: 2 sehr persönlich geführte Restaurants in Pontirone
Kartennummer:Biasca

Nicht Alles ist wild im Val Pontirone. Aber es herrscht vor. Lediglich die in den 50iger Jahren erstellte Strasse  - als Ablösung zweier riesiger Materialseilbahnen aus der Zwischenkriegszeit – zur  Capanna Cava UTOE, deren Nebenstrassen und die vielen renovierten Rusticis geben dem urigen Tal einen neuzeitlichen Tupfer. Bekannt ist das Tal auch für seine regelmässigen Verwüstungen durch die Lesgiüna, welche viele Brücken mitgerissen und unlängst sich seinen Weg durch das Dorf Pontirone gebahnt hat. Direkt am Grotto vorbei!  Wer dieses Tal (und auch die Biasciner Berge) vertieft besuchen will, findet hier  sehr detaillierte Angaben von Moritz Vögeli.
Eine aussergewöhnliche Tour mit Frank (www.alpi-ticinesi.ch) führt mich oberhalb Pontirone in die Südflanke. Nach der Brücke della Stampa 896m öffnet sich rechts eine Ebene des Elektrizitätswerkes, währenddessen die geteerte Strasse nach links in den Wald führt. Am Ende dieser Ebene, nachdem man den Fluss überschritten hat, führt links hoch ein Rot/Weiss – markierter,  inoffizieller Wanderweg in den Wald hinein. Nach typischer Tessiner-Manier schlängelt er sich effizient, unterstützt von einigen Steintreppen, gegen die Alp In di Ari empor.
Unterhalb In di Ari auf etwa 1420m, wo zwei Flüsse sich vereinigen, beginnt ein schwer auszumachender Weg vorerst links (in Laufrichtung) parallel zum Flüsschen, dann entschieden nach links zur von Lärchen überwachsenen bis zu 50° steilen Rippe (teils über 100% Steigung!) einer vierhundert Meter hohen Felswand. Kaum zu glauben, dass dieser direkteste Weg von Pontirone zur Alpe d’Albea den Älplern bekannt war. Der Kuhweg hingegen ging oberhalb dieser Wand vom Pt. 922 aus. „Seufz - Schon wieder eine Baustelle“, meint Frank.
Wenige exponierte Stellen. Der Wald entpuppt sich als eine Ansammlung von kleineren und grösseren Felsformationen, welche mit viel Gespür und Hingabe  - sprich Geduld und Kraft – links oder rechts umgangen werden. Diverse Spuren des alten Weges (Schnittspuren, Wegspuren, Steintritte, Eisenhaken). Als dann frohwüchsige Erlen ein Durchkommen rundweg verunmöglichen, setzt Frank sein Buschmesser ein. Wir Nachfolgenden verräumen die riesigen Äste und „versorgen“  sie seitwärts. So kämpfen wir uns empor. Zeitraubend. Doch unsere Welt. Im obersten Teil wählen wir den höheren Ausstieg rechts des obersten (auf der LK gut ersichtlichen) Felsriegels und erreichen die von Rindern bestossene  Alpe d’Albea Pt.1823. Mittagessen Menü 1, zum Dessert Toggenburgerli und Sugus.
Wegen der unsicheren Wetterlage mit den drohenden Gewittern (und meinem ramponierten Knie) entscheiden wir uns für die schnellste Rückzugvariante über Pt. 1993 nach Sgiopa 1852m. Wir erreichen den offiziellen Wanderweg von der Capanna Cava nach Svall. Doch schon bald verlassen wir diesen nach rechts unten. Wieder auf dem inoffiziellen und dennoch gut markierten Wanderweg hinunter zur Alp, welche leider seit einigen Jahren nicht mehr bestossen ist. Jedoch sind die Gebäude im Schuss. Wahrscheinlich Jägerunterkunft.
Nun den Weg im hohen Gras und Gekraute unterhalb den Hütten leicht links findend in den Wald hinein und bequem zur Alp  In di Ari 1568m.
Der Weg wird immer ausgeprägter. Schon bald stehen wir am Punkt, wo wir denselbigen verlassen haben, um uns der Wand „anzunehmen“. Hier hinauf? Unmöglich! Doch wir haben es geschafft.
Ein letzter Blick zurück. Dann in einiger Entfernung ein Donnerrollen. Petrus hat Erbarmen mit uns Tapferen. So erreichen wir trockenen Fusses die Brücke della Stampa 896m.
Im Grotto in Pontirone stossen wir auf unsere Tour an.
 
  
 


Tourengänger: Seeger


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Kommentare (7)


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Henrik Pro hat gesagt: ...genügend lang
Gesendet am 20. Juli 2012 um 23:18
gezogene Sugus ergeben je nach Temperatur eine Leine...verknüpft eine Reepschnur und zuletzt dem Aroma nach führt der Weg sicher nach Hause.

> frohwüchsige Erlen

Ganz neu die Wortschöpfung ....habe ich eben ersperberet!

Von welcher Tour hast du denn dies mitgebracht?

> und meinem ramponierten Knie

Auf hikr. müsste man bald eine Community Spital eröffnen...aktuell könnte ich und ein paar andere der Branche Tipps geben.. Knie, Achillesfersen, Halux, Femur, Trochanter, Humerus, Malleolare und CTS...

Danke für den wieder bravourösen Bericht aus dem Tessin.

CS

Henrik

Seeger Pro hat gesagt: RE:...genügend lang
Gesendet am 20. Juli 2012 um 23:29
Ciao Henrik
Kurz vor dem Schlafengehen Dein Kommentar....
...so richtig ein Aufsteller fürs Hinübersegeln.
Dabei meine ich nicht etwa langweilig, sondern Worte, die von Herzen kommen.
Danke für die Anregung der Spital-Communitiy, welche Du dank Deinem Beruf sicher sehr gut begleiten könntest ;-))
Gruss
Andreas

Winterbaer Pro hat gesagt: Tipps vom Fachmann
Gesendet am 21. Juli 2012 um 07:56
Hi Henrik, da wäre ich aber schon sehr interessiert daran, was Du und andere für Tipps (inbes. Knie, Achillessehne) haben. Leg doch mal los:-)
Hast Du auch einen Wundertipp bei Arthrose? Sollen wir alle mal in die Schweiz pilgern?
Von seinen "Krankheiten" öffentlich zu erzählen, find ich persönlich nicht so angenehm. Aber allgemeine Tipps---immer?

VG Winterbaer

Seeger Pro hat gesagt: Trostpflästerchen
Gesendet am 21. Juli 2012 um 08:22
Ciao Winterbaer
Die "Krankheiten" gehören nach meiner Ansicht zum Kolorit. Ich nenne sie nicht um mich als harter "Siebensiech" darzustellen, sondern allen Mut zu machen, trotz allfälligen Schmerzen in die Berge zu gehen. Trostpflästerchen.
Nach dem Motto: "Fürchte Dich nicht langsam zu gehen - fürchte Dich nur stehen zu bleiben".
"Sich anstrengen (überwinden) zu müssen, um dann eine wunderschöne Aussicht genießen zu können, gibt einem für die nächsten Tage zu Hause immer unendlich viel Energie", schreibst Du.
Und so geht es mir.
Dankbar, dass es noch geht oder dass es immer wieder weitergeht.
In 10 Jahren wirst Du Dich vielleicht an diese Zeilen erinnern dürfen.
Cari saluti
Andreas

Winterbaer Pro hat gesagt: RE:Trostpflästerchen
Gesendet am 21. Juli 2012 um 08:52
Lieber Andreas!
Ui, da hst Du mich ja gründlich missverstanden, HIlfe!
Ich wollte doch nicht Dich kritisieren? Ich wollte damit sagen, ich werde meine Wehwehchen hier nicht ausbreiten, in der Hoffnung, dass Doc Henrik sie heilen kann:-) Verstehst Du? "Ein ramponiertes Knie" ist doch keine Krankheit, die man ausbreitet, ich meine damit ganz andere Dinge.
Der Oberdankbare, dass er überhaupt ab und zu in die Berge kann, das alles sehen und riechen kann, selber da rauf- und wieder runtergehen kann, vielleicht sogar noch bei einem Sonnenauf- oder -untergang oben sitzen darf, bin absolut ich. Ich weiß, dass es ganz viele Menschen gibt, die das auch gerne täten!
Ich bin die langsamste Schnecke an Bergwanderer, die es gibt, aber ich genieße es noch viel mehr, als Ihr alle hier zusammen, behaupte ich. Genaueres werd ich hier nicht ausbreiten:-)
Dankbar, dass es immer wieder weitergeht, GENAU! Ich werde mich nicht erst in 10 Jahren daran erinnern, hast Du nicht gesehen, wie "alt" ich schon bin? Ein schöner Tag am Berg, das Größte überhaupt. Und "mein" Berg muss ja nicht mal hoch und berühmt sein. Ich denke, Du warst sicher schon auf ganz anderen Bergen, als ich jemals gehen würde:-)???
Muss mal gucken, was Du für ein frischer Jahrgang bist:-)

Sag mir bitte, dass Du mich verstanden hast und nicht meinst, ich wollte Dich angreifen!
Viele Grüße

Uschi Winterbaer

Seeger Pro hat gesagt: RE:Trostpflästerchen
Gesendet am 21. Juli 2012 um 09:09
Caro Uschi
Wow! Wie lieb von Dir, so zu antworten.
Ich war nämlich schon dran, meinen Kommentar zu löschen ;-(
Da zu emotional.
Nun bin ich glücklich, so eine herzliche Antwort bekommen zu haben.
Beschwingt werde ich nun zur nächsten Tour im Pontirone fahren in der Gewissheit, dass ich verstanden werde.
Demnächst in diesem Kino :-))
Tanti saluti
Andreas

Winterbaer Pro hat gesagt: RE:Tipps vom Fachmann
Gesendet am 21. Juli 2012 um 09:24
Muss nochmal präzisieren: Henrik, was hast Du für Ideen und "Wundermittel" außer dem Motto "Mensch beweg Dich"? (mein persönliches, bestes Mittel)?

Bin wirklich gespannt
Uschi


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